Neue Schöpfung, neu geschaffene Liebe Über Barmherzigkeit im Herzen Afrikas corner

Neue Schöpfung, neu geschaffene Liebe

Über Barmherzigkeit im Herzen Afrikas

von JEAN MBARGA

Die Heilsgeschichte ist die Geschichte der Barmherzigkeit. Diesen Gedanken entfaltet Jean Mbarga, Erzbischof von Yaoundé, Kamerun, vor dem Hintergrund afrikanischer Spiritualität und Realität. Seine Betrachtung ist ein Plädoyer, umzukehren und auf die Kraft der Barmherzigkeit zu vertrauen.

»Die Barmherzigkeit Gottes erschafft neu eine Gesellschaft jenseits der Gewalttaten und Missbräuche.« Traumazentren wie hier in Bukavu in der Demokratischen Republik Kongo tragen einen wichtigen Teil zu dieser neuen Zivilisation bei.
FOTO: BETTINA FLITNER/MISSIO

Die Barmherzigkeit entfaltet sich in einer dreifachen Bewegung: vertikal von oben nach unten: Gott zum Menschen; vertikal von unten nach oben: der Mensch zu Gott; und horizontal: der Mensch zum Menschen. Es gibt die Barmherzigkeit Gottes und es gibt die Barmherzigkeit der Menschen.

Die Barmherzigkeit Gottes

Die Barmherzigkeit enthüllt Gott, den Neu-Schöpfer – sie ist neue Schöpfung, neu geschaffene Liebe. Gott hat uns aus Liebe geschaffen, er hat uns erlöst und neu geschaffen aus Barmherzigkeit. Die Heilgeschichte ist die Geschichte der Barmherzigkeit. Dies muss man sehen, um die Barmherzigkeit Gottes verstehen und annehmen zu können. Die Barmherzigkeit ist die Seele der Heilsgeschichte. Der Horizont der Geschichte der Barmherzigkeit Gottes ist der Beginn einer neuen Menschheit.

Die Heilsgeschichte kennt Episoden, Ereignisse und Beziehungen, in denen Gott seine neu erschaffende Liebe zeigt, damit die Menschheit erneut das Bild Gottes widerspiegelt, das ihr innewohnt. Vom Sturz Adams und Evas bis zu Jesus und der Kirche auf dem Weg zeigt Gott seine Barmherzigkeit in den verschiedenen Epochen der Menschheit. Stellen wir uns einige Fragen: Die Geschichte der Menschen hat nicht aufgehört, eine Geschichte von Feindschaft und Kriegen – mit einigen Phasen von Frieden und Wohlstand – zu sein. Was können wir über diese menschliche Geschichte der Zusammenstöße der verschiedenen Kulturen und Zivilisationen sagen: Was ist die neue Schöpfung Gottes gewesen? Konkret: Wie können wir den neu schaffenden Gott in der Geschichte Israels von den Anfängen bis heute erkennen?

Wir können sagen, dass Gottes Barmherzigkeit in der Heilsgeschichte auf pädagogische Weise und in verschiedenen Graden wirkt. Gott erschafft neu eine Menschheit, die frei ist und sich bekehrt – immer in der Spannung von Treue und Untreue. Diese Umwandlung einer Menschheit, die – untreu geworden – zur Treue berufen ist, ist die neu schaffende Kunst Gottes. So wirkt seine Barmherzigkeit. Die Barmherzigkeit Gottes schafft den Menschen auf dem Boden seiner Untreue immer wieder neu. Sie »besiegt das Böse durch das Gute« (Röm 12,2). Angesichts des Bösen, der Sünde, lässt Gott das Gute triumphieren. In Afrika spricht man gerne vom Sieg des Lebens über den Tod. Das ist die Dialektik der Barmherzigkeit. Die menschliche Geschichte entsteht durch die Kraft der Barmherzigkeit. Sie bewegt sich auf den vollständigen Sieg der Gemeinschaft mit Gott hin. Alles kehrt zu Gott zurück.

Im Alten Testament findet sich die göttliche Barmherzigkeit im von Gott geschenkten Land, sie besteht in der Bildung eines Volkes, im Exodus. Sie ist die Besiegelung eines Bundes. Sie ist die Einsetzung eines Königtums, die Rückkehr aus dem Exil, die Prophetie. Sie ist verkörpert im Tempel und in der Bundeslade. Die Barmherzigkeit ist getragen vom Projekt einer Gesellschaft, die frei ist und im Bund mit Gott steht: »Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein« (Lev 26,12). Gott hat die Patriarchen und Richter, die Könige und Propheten als Handelnde seiner neu schaffenden und umgestaltenden Barmherzigkeit auftreten lassen.

Die entscheidende Etappe dieser neu schaffenden Barmherzigkeit ist Jesus Christus, der auf die Erde gekommen ist. Mit ihm ist die Menschheit aufgenommen, durch ihn ist die Kirche die lebendige und wirkliche Verkörperung der göttlichen Barmherzigkeit. Was bewirkt die in Jesus Christus zu findende Barmherzigkeit Gottes?

Die in Jesus Christus aktiv gewordene Barmherzigkeit Gottes ist gekennzeichnet durch das Kommen der Frohen Botschaft – Weisheit, Licht und Wort des Lebens – und der Kirche als eine Gesellschaft, die die Mission einer neuen Schöpfung weiterführt. Es ist das Kommen des Reiches Gottes, das durch die Menschen in ihrer Umkehr konkret wird, immer in der Dialektik von Treue und Untreue. Christus ist die Barmherzigkeit Gottes: »Jesus ist das Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters « (Misericordiae vultus 1). Mit Ihm sind der Himmel und die Erde der Menschen nicht länger im Dunkeln, es ist ein Licht erschienen, das sie auf ewig erleuchtet (vgl. Mt 4,16). Die Menschen sind nicht länger Sklaven, sie sind verantwortlich und können sich wieder neu für Gott entscheiden. In Jesus Christus ist die Barmherzigkeit für den Menschen zu einem Angebot des Lebens und der freien Entscheidung geworden. Sie wird uns geschenkt, um das Bild Gottes im Menschen von neuem zu erschaffen.

»Die Barmherzigkeit ist das Geschenk des Lebens, das bedeutet: heilen, schützen, segnen.« Im Acholiland in Uganda erlebt der ehemalige Kindersoldat Opio die Schule als einen heilenden Neuanfang.
FOTO: JOSEF NIEDERMEIER/MISSIO

Barmherzigkeit als Antwort des Menschen an Gott

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11ff.) zeigt die drei Dimensionen der Barmherzigkeit: der Vater, der den Sohn wieder aufnimmt; der Sohn, der zu seinem Vater zurückkehrt, und der Bruder, der vom Vater eingeladen wird, seinen Bruder willkommen zu heißen. Dieser Zyklus der Barmherzigkeit weist bereits die Dialektik von Treue und Untreue auf, er baut auch auf die Verantwortung, die jeder der Beteiligten hat: Die Barmherzigkeit wird in einem Kontext der freien Wahl gelebt – mit ihren Konsequenzen.

Von Seiten des Menschen gegenüber Gott besteht die Barmherzigkeit darin, den Ruf Gottes anzunehmen und den Hunger, Gott zu lieben, und den Durst nach einem Leben in Fülle zu stillen. Die ganze Heilsgeschichte zeigt uns Gott, der sich der Menschheit öffnet, und eine Menschheit, die ihn annimmt oder ihm den Rücken kehrt. Wie können wir das verstehen? Wie kann der Mensch zu Gott Nein sagen?

Die Offenbarung zeigt uns einen weiteren Handelnden, jenen, der Pläne wider Gott schmiedet: den Teufel, Satan, den schlauen Unruhestifter (vgl. Mt 4,1–11). Er ist der Verführer, der sich denWegen Gottes widersetzt. Die Erzählung in der Genesis zeigt ihn als jenen, der den Menschen von seiner Treue zu Gott abbringt. Dieses seltsame Wesen ist der Feind Gottes, Christi und der neuen Menschheit. In der Barmherzigkeit, die Gott dem Menschen erweist, erkennt Gott zugleich die Verantwortlichkeit des Menschen an und damit die Möglichkeit der Manipulation, der der Mensch zum Opfer fallen kann. Die Sünde des Menschen geschieht manchmal unter mildernden Umständen. Der Mensch kann sündigen, weil er vom Feind verführt wird.

Von Seiten des Menschen gegenüber Gott besteht die Barmherzigkeit auch in der Beständigkeit der väterlichen Liebe Gottes und in der immer offenstehenden Möglichkeit, dass der Mensch zu Gott zurückkehren kann. Die Untreue des Menschen löst die Barmherzigkeit Gottes aus, der kommt, um den Menschen zu befreien und ihm das volle Licht des Lebens zu offenbaren. Die Entscheidung des Menschen, den Anruf Gottes anzunehmen und zu ihm zurückzukehren, bewirkt die Barmherzigkeit Gottes. Diese ist eine Tür, die dem verlorenen und reuevollen Sohn immer offensteht.

Was kann den Menschen zu einer solchen Umkehr bewegen? Was kann dazu führen, dass der Mensch, getrieben von der Versuchung und verstrickt in Schwächen, zu Gott zurückkehrt? Der verlorene Sohn ist sich seiner Not und seines Hungers nach Leben bewusst geworden. Es ist die Gnade, sich seiner Not bewusst zu werden, die zur Umkehr führt. Es ist auch die Gnade, sich seiner Rechte und seiner Würde bewusst zu werden und sich die Güte Gottes und seine siegreiche Macht vor Augen zu führen, die zur Rückkehr zum Leben führt. »Die Barmherzigkeit wird immer größer als die Sünde sein, und keiner kann der Liebe Gottes, die verzeiht, eine Grenze setzen.« (MV 3)

Die Barmherzigkeit Gottes und die Gesellschaft

In diesem Sinne will die Kirche eine Gesellschaft sein, die Gottes Barmherzigkeit annimmt, die nach dieser Barmherzigkeit strebt und verlangt. Aber kann die menschliche Gesellschaft insgesamt die Liebe, die Gott schenkt, aufnehmen?

Diese Liebe wird, realistisch gesehen, von den Gläubigen und den Menschen guten Willens angenommen. Heute findet die Barmherzigkeit ihr Echo in der Verteidigung und Förderung der Menschenrechte sowie der Werte der Gerechtigkeit, des Friedens und des Zusammenlebens. Im Sinne Jesu Christi nehmen die Menschen Gott in seiner Barmherzigkeit an, wenn sie konkret eine menschliche und menschlich machende Gesellschaft aufbauen. Geschichtlich gesehen erwächst im graduellen Fortschritt der Zivilisationen ein jeweils größerer ganzheitlicher Humanismus. Oft genug haben die großen Krisen Anlass gegeben für große humanisierende Reformen.

Die Barmherzigkeit Gottes baut neu auf, erschafft neu Männer und Frauen, Gesellschaften und Zivilisationen jenseits der Kriege, Genozide, der Gewalttaten und Missbräuche, die menschlich gesehen irreparabel sind. In diesem Jahr der Barmherzigkeit müssen die Welt und besonders Afrika die Leben und die Familien, die von wiederholter Gewalt zerstört sind, wieder aufbauen. Die Barmherzigkeit besteht nicht nur in der Beseitigung eines Übels – sie ist die Gabe eines größeren Guts, das Geschenk des Lebens. Das bedeutet: heilen, schützen, segnen, mit anderen Worten retten, neu schaffen, damit der Mensch Frucht bringe. Dies ist die Barmherzigkeit Gottes, wenn sie vom Menschen und der Gesellschaft angenommen wird.

»Das verletzte Afrika muss in diesem Jahr die Gelegenheit zur Versöhnung, zur Wiedergeburt und zum neu erlangten Frieden finden.« Zeltstädte wie das Camp Bulengo am Kivu-See in der Demokratischen Republik Kongo sind traurige Zeugen der Konflikte, unter denen Afrika seit Jahrzehnten leidet.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH/MISSIO

Von Mensch zu Mensch, von Volk zu Volk

Die Barmherzigkeit der Menschen: »Seid barmherzig, wie euer himmlischer Vater barmherzig ist« (Lk 6,36). »Liebt die Menschen, so wie ich sie geliebt habe« (Joh 15,12). Die Barmherzigkeit der Menschen wird von Orientierungen getragen, dem Dekalog, den Seligpreisungen, den Werken der Barmherzigkeit. Die Barmherzigkeit der Menschen erschafft die Welt nach dem Plan Gottes neu. In der Geschichte konkretisiert sich diese Barmherzigkeit im Gesellschaftsvertrag, im Zusammenleben (der Familie einer Nation, international, auf der Ebene von Nichtregierungsorganisationen, des Staates, der Demokratie, vermittelnder Instanzen), in der Reflexion und dem Handeln im Sinne menschlicher Werte, in der Wissenschaft und der Entwicklung, in der Organisation der Gesellschaft.

Es gibt aber auch den Widerspruch, die Anti-Barmherzigkeit. Nicht alle wollen diese erneuerte Menschheit: Es gibt entgegensetzte Werte (contre-valeurs), Kräfte des Widerspruchs und des Widerstands, Kräfte der Zerstörung im Kleinen wie im Großen. In diesem Zusammenhang ist die Barmherzigkeit der Menschen ein Kampf um eine erneuerte Menschheit angesichts der dem Menschen feindlich gesinnten Kräfte. Die menschliche Geschichte ist durchzogen von Gewalttaten, von Verfolgungen und Kriegen, von Ungerechtigkeiten und Diktaturen, von Massakern, Deportationen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, kurz: von Taten, die den grundlegenden menschlichen Werten des Dekalogs und des Evangeliums zuwiderlaufen.

Die Barmherzigkeit der Menschen ruft schon und noch immer zur Reinigung der Erinnerung auf, zur kollektiven und individuellen Versöhnung, zum afrikanischen Palaver, zu Satzungen oder Verhaltensregeln, die die Grundlage für eine neue Zusammengehörigkeit und neue humane und humanisierende Grundoptionen sind. Das verletzte Afrika muss in diesem Jahr die Gelegenheit zur Versöhnung, zur Wiedergeburt und zu einem neu erlangten Frieden finden. Das Jahr der Barmherzigkeit ruft uns dazu auf, die Dynamik der Barmherzigkeit der Menschen neu zu beleben. Sie führt dazu, dass die Menschen zu Neuschöpfern des Lebens werden und einen Bund miteinander schließen. Das Franziskus von Assisi zugeschriebene Gebet macht es deutlich. »Herr, mache mich zu einemWerkzeug deines Frieden …«

Dieses Jahr der Barmherzigkeit ist ein Aufruf, wie das Volk Israel bei Sichem den Bund derMenschen mit Gott neu zu schaffen (Jos 24); einen Bund zwischen Gott und den Menschen, genau beschrieben, im Bekenntnis, im Gebet, in der Liturgie und im Leben begangen. Wir schlagen ein Bekenntnis des allgemeinen Glaubens an den Bund mit dem Menschen vor, um die gläubige und die nicht glaubende Menschheit zu erneuern.

Wie im Gleichnis vom verlorenen Sohn ruft das Jahr der Barmherzigkeit dazu auf, den Bund in der Menschheitsfamilie zu erneuern, die Vergangenheit hinter uns zu lassen für eine neue Zukunft. Vergeben heißt hier nicht vergessen, sondern bedeutet einen neuen Bund mit dem anderen zu leben. Wir schlagen für dieses Jahr ein Bekenntnis zu internationaler Versöhnung vor – für alle Menschen guten Willens.

Die Vermittler der Barmherzigkeit Gottes

Der Hebräerbrief deutet den Sinn an: »Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn …« (Hebr 1,1f.; vgl. Mk 12,2–6). Diese Mittler sind die Auserwählten Gottes in der menschlichen Geschichte, jene, die die Botschaft Gottes in Wort und Tat zu den Menschen gebracht haben und bringen.

Im Alten Testament waren es die Patriarchen und Richter, die Könige und Propheten, die Weisen und die Gläubigen… Im Neuen Testament waren es Jesus Christus, die Heilige Familie, die Jünger und Apostel, die Christen… der Auferstandene, die Kirche und die Menschen guten Willens, die Religionen und die Zivilgesellschaften, die Staaten…

Die Barmherzigkeit Gottes erreicht uns durch die Vermittlung der Menschen guten Willens und die Strukturen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. In unserem pluralistischen Kontext ist die Neuschöpfung der Mittler nützlich, damit die Vermittlung sich erneuert; die Religionen müssen sich neu schaffen, auch die Gesellschaften, mit Neuschöpfern, die Gott treu sind. Hier stellen sich Fragen: Wer ist ein Prophet Gottes? Man muss heute die Kriterien für einen Propheten Gottes definieren (Rechte und Pflichten). Was ist die Mission Gottes und jene der Religion in der Gesellschaft? Wer ist eine Führungsperson in der Gesellschaft? Welche Rechte und Pflichten, welche Mission hat sie? Wir schlagen vor, in diesem Jahr eine Verständigung darüber zu suchen, wann ein Mandat der Vermittlung authentisch ist. Das Jahr der Barmherzigkeit ruft so zu einer zielgerichteten Neuorientierung individueller und struktureller Mediationen auf.

Der Teufel und seine Unterstützer betreiben die Anti-Barmherzigkeit. Gestern wie heute ist die Menschheit gespalten, die Gesellschaft zerrissen. Die Übeltäter sind aktiv und setzen durch ihre Gedanken und ihre Worte, durch ihr Handeln und ihr Unterlassen auf individueller, zwischenmenschlicher und struktureller Ebene das Werk der Zerstörung fort. Das Böse breitet sich geplant und organisiert aus. Das ist »Schaden um des Schadens willen«. Es existiert eine Welt gegen den Menschen, ebenso wie eine Welt gegen Gott. Diese Anti-Menschheit sät die Anti- Barmherzigkeit auf allen Ebenen.

Das Jahr der Barmherzigkeit ist vom Geist der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1f.) inspiriert: Es geht darum, Satan zu bekämpfen, sein Teufelswerk und das Orchester seiner Unterstützer, um den Sieg und das Reich Gottes, den Sieg der Gerechtigkeit, des Friedens und der ganzheitlichen Entwicklung herbeizuführen. Die Kräfte des Lichts müssen die Kräfte der Finsternis bekämpfen. Angesichts der Gegner der Barmherzigkeit und der Feinde der Menschheit muss der Plan Gottes verwirklicht werden. Wir schlagen ein Bekenntnis zum Glauben und zum Engagement gegen die Kräfte des Bösen vor.

»In diesem Jahr der Barmherzigkeit müssen die Welt und besonders Afrika die Familien wieder aufbauen.« In Sambia leben viele Waisenkinder, die ihre Eltern durch Aids verloren haben. Im Township Chifubu bei Ndola, Sambia, betreut die Großmutter Deophister Simachila 13 Enkelkinder, die Franziskanerin Pascalina Mambwe unterstützt sie.
FOTO: FRIEDRICH STARK/MISSIO

Der Weg der Barmherzigkeit

Die Barmherzigkeit ist das neuschaffende Werk Gottes aus Liebe zum Menschen. Sie ist seine zweite Schöpfung. Der Mensch muss hier die Schöpfung fortsetzen und die Geschichte der Menschheit menschlich, nach dem Herzen Gottes, gestalten – angesichts der entfesselten gegnerischen Kräfte. Dieses Jahr der Barmherzigkeit ruft die Verbündeten Gottes dazu auf, sich an der Barmherzigkeit Gottes zu stärken, in dem sie sich wiederherstellen, reinigen, versöhnen und in eine Gemeinschaft führen lassen und so die Kräfte des göttlichen Lebens, die im Menschen sind, neu wecken.

Der Weg der Barmherzigkeit ist auch der Weg der Gemeinschaft mit dem anderen und mit dem Feind, um der Liebe Gottes und der Liebe zum Nächsten, zur Familie, zur Gesellschaft zum Durchbruch zu verhelfen. Dies ist eine Verheißung Gottes und unsere Mission, damit ein neuer Himmel und eine neue Erde erstehen können (2 Petr 3,13). So wird in Afrika, nach einer Synode über den »Dienst der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens« (Benedikt XVI., Africae Munus, 2011), das Jahr der Barmherzigkeit zu diesem Projekt in der Heilsgeschichte beitragen – indem es die Perspektive einer Neuschöpfung der afrikanischen Welt eröffnet.

MGR. JEAN MBARGA
Erzbischof von Yaoundé

Ausgabe 1/2016

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