KENIA Papst Franziskus reist erstmals nach Afrika corner

KENIA

Die Jugend hat selbst den Schlüssel für Veränderungen

Ende November 2015 hat Papst Franziskus Kenia, Uganda und die Zentralafrikanische Republik bereist. Gefragt nach dem denkwürdigsten Moment dieser Reise, antwortete der Papst: ≫Ich denke an diese Menschenmenge, diese Freude, diese Fähigkeit zu feiern, zu feiern mit leerem Magen … Afrika war für mich eine Überraschung. Ich habe gedacht, Gott überrascht uns, aber auch Afrika überrascht uns …≪ In allen Ländern habe er die Aufnahmebereitschaft gespürt: ≫Sie haben ein feines Empfinden dafür, dass sie besucht werden.≪

In Kenia war Charles Odira von der Kenianischen Bischofskonferenz an der Vorbereitung des Besuchs beteiligt. Er hat Forum Weltkirche seine Eindrucke geschildert: ≫Das Jahr 2015 war für die Bevölkerung Kenias in vielerlei Hinsicht ein besonderes Jahr, aber vor allem wegen des Besuchs von Papst Franziskus vom 25. bis zum 27. November. Die Begeisterung für Prominenz hatte schon mit dem Besuch des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika begonnen. Das war für die Kenianer ein besonderer Zufall: Diese beiden großen und geschätzten Männer kamen nach Kenia, um die Stimmung der Menschen zu heben, in einer Zeit, in der die Furcht vor dem Unbekannten den Stolz und die Spannkraft der Kenianer erschöpft zu haben schien. Kenia hat mit so vielen Problemen zu kämpfen, angefangen von Unsicherheit bis hin zu Korruption. Durch die Anwesenheit der einflussreichsten Führungspersönlichkeiten unserer Zeit spürte Kenia die Präsenz und die Liebe der ganzen Welt, sowohl in säkularer als auch in spiritueller Hinsicht.

Die meisten Menschen begrüßten besonders den Besuch von Papst Franziskus. Er besuchte den Staatspräsidenten im State House, begegnete den religiösen Führern, feierte die Heilige Messe mit den Menschen, traf Priester und Ordensleute, kam mit den Verantwortlichen im Büro der Vereinten Nationen in Nairobi zusammen, besuchte den Slum von Kangemi und hatte schließlich im Kasarani-Stadion eine Begegnung mit den Jugendlichen. Der Heilige Vater begegnete Menschen aller Gesellschaftsschichten und ermutigte sie, trotz allem den Kopf nicht hängen zu lassen.

Bei einer Begegnung mit Papst Franziskus drängt sich der Eindruck auf, dass er ein wahrer Hirte ist, demütig, beispielhaft, mitfühlend, respektvoll, einfach, liebenswert, menschlich, ein Vorbild, jemand, den man gern um sich hat. Eine junge Frau, die mit ihm auf dem Podium saß, stellte zu ihrer Überraschung fest, dass der Papst keine goldene Armbanduhr trug, wie man erwarten wurde. ›Alles an ihm ist einfach!‹, sagte sie. Auf diese Weise stand er als ein Vorbild da, das die Jugend heute sucht. Vor dem Hintergrund der Korruption, die mit einem Führungsstil zusammenhängt, der Macht mit Wohlstand um jeden Preis gleichsetzt, präsentierte Papst Franziskus ein Gegenbild, indem er Tugenden nicht nur predigt, sondern sie auch in seinem Lebensstil bekennt. Er machte deutlich, dass wahre Macht darin liegt, den Menschen demütig und mit Liebe zu dienen und sie nicht auszubeuten. Er berührte die Leben vieler Menschen, besonders der politischen und religiösen Führer, und ich glaube, dass ein Wandel sicher unvermeidbar ist.

Seine Botschaft an die verschiedenen Gruppen, denen er begegnete, war umfassend. Er identifizierte sich mit den Armen im Slum und gab ihnen Hoffnung. Er merkte an, dass die Armen und die Reichen Nachbarn sind. In der Tat grenzen alle Slums von Nairobi an einige der reichsten Viertel, in denen die wohlhabendsten Menschen unseres Landes leben, und doch bleiben die zwei Welten immer noch voneinander getrennt. Vielleicht ist das die eigentliche Versuchung, die zu Kriminalität und Hass fuhrt. Die Begegnung des Heiligen Vaters mit der Jugend war vielleicht die aufregendste von allen. Während der Audienz stärkte er die Jugend in ihrem Kampf gegen Korruption, Stammeskonflikte, den Einfluss der Gleichaltrigen und in ihrem Einsatz für die Umwelt. Er zeigte den Jugendlichen, dass sie selbst den Schlüssel zu den Veränderungen haben, die sie sich wünschen. Korruption beschrieb er als gefährliche Krankheit, als Diabetes, der durch süßen Zucker verursacht wird und zu Zerstörung und Tod führt. Diese Krankheit ende, wenn die Jugendlichen selbst sich von korrupten Tendenzen nicht mitreisen lassen.

Sein Interesse an Umweltfragen und Klimawandel ist vorbildlich für einen religiösen Führer wie ihn. Während viele Menschen die Umwelt vom Glauben trennen wollen, sieht der Heilige Vater eine wirkliche Verbindung zwischen beiden. Seine Sorge um den Klimawandel zeigt die umfassende pastorale Vision des universalen Hirten. Die allgemeine Stimmung während des Besuchs war positiv, der Großteil der kenianischen Bevölkerung schätzt Papst Franziskus und nimmt seine Lehre sehr ernst. Er ist in den Vatikan zurückgekehrt, aber sein Geist bleibt bei uns. Wir beten für ihn, so wie er für uns betet.≪

Ausgabe 2/2016

Gratis-Ausgaben

Ich möchte Forum Weltkirche mit 2 Gratis-Ausgaben kennen lernen.

/ Bestellen bei HerderShop24