Hoffnungsschimmer Familiensynode Familie in Afrika zwischen säkularer Ideologie und Kirche corner

Hoffnungsschimmer Familiensynode

Die Familie in Afrika zwischen säkularer Ideologie und kirchlicher Weisung

von ARTHUR KHOFI PHIRI

Mit den afrikanischen Gesellschaften befindet sich auch die Familie im Umbruch. Die Interpretationen dieses Wandels gehen auseinander: Was für die einen eine positive Entwicklung darstellt, erscheint anderen als Verfall. Afrikanische Erklärungs- und Deutungsansätze erscheinen einer westlichen Perspektive mitunter fremd, aber sie helfen, Konfliktlinien im globalen Diskurs und nicht zuletzt auf der Familiensynode zu verstehen.

»Die Familie ist die erste Schule des Lebens.« Familienporträt aus einer Armensiedlung in Arusha, Tansania.
FOTO: JOSEF NIEDERMEIER

Will man das Konzept der afrikanischen Familie verstehen, muss man es vor dem Hintergrund folgender weltanschaulicher Systeme betrachten: die afrikanische Philosophie mit ihrem Glauben an die Großfamilie und den kommunitarischen Aspekt des menschlichen Lebens; die afrikanische Anthropologie, die auf der Heiligkeit des Lebens und dem Konzept der Intensität des Lebens in Abhängigkeit von Alter und Rolle in der Gemeinschaft fußt; die afrikanische Kosmologie in Verbindung mit der Hierarchie der geschaffenen Wesen, mit dem Menschen im Mittelpunkt und dem »Höchsten Wesen« an der Spitze; schließlich die afrikanische Eschatologie, die einen Zusammenhang zwischen Nachkommen und Unsterblichkeit sieht.

Familienleben in Afrika

In Afrika ist die Familie mehr als Mutter, Vater und Kinder. Sie umfasst einen größeren Kreis, zu dem Kinder, Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten, Brüder und Schwestern mit eigenen Kindern und direkten Verwandten gehören. In den meisten afrikanischen Gemeinschaften ist die erweiterte oder Großfamilie der Bezugsrahmen im Leben. Dieses Verständnis von Familie hat auch heute noch Bestand. Was dieses Familienkonzept so besonders macht, ist die Tatsache, dass die Toten und »die noch nicht Geborenen« Teil der Familie sind. Die Familie ist die erste Schule des Lebens, der Ort, wo man geboren wird, wo man aufwächst und wo man hingehört, wo Sozialisierung und Entwicklung stattfinden und wo sich die eigene Bestimmung erfüllt. In der Familie erlernen die Kinder ihre Pflichten und Rechte, Gebräuche und Traditionen, was es heißt, zu lieben und geliebt zu werden, und – der wichtigste Aspekt – die Kunst der zwischenmenschlichen Beziehungen, die sie auf das Leben außerhalb der Grenzen der Familie vorbereitet. Hier lernen sie, welchen Wert der Mensch hat.

Aus der Familie treten die Kinder heraus, um Teil des größeren Gemeinwesens zu werden. Diese Integration ist kein einzelner Schritt, sondern ein stufenweise sich vollziehender Prozess, der die Mitarbeit anderer Familienmitglieder erfordert. Es bedarf zweier Elternteile, um ein Kind in die Welt zu setzen, aber das gesamte Dorf, um es großzuziehen. Auch nach der vollständigen Integration identifizieren sich die Kinder stark mit den Eltern, der Familie, dem Clan oder den Vorfahren. Die Familie ist ein Zeichen der Identität. Wer sich von ihr löst, verliert seine Identität und seine Verbindung zur Quelle des Lebens. Die Entwicklung des Einzelnen und seine Zufriedenheit hängen von den Bindungen ab, die er zur Familie hat. Diese in der Familie verankerte Identität des Einzelnen bleibt auch nach der Heirat bestehen. Familienbande bilden die Grundlage der Gemeinschaft und in größerem Rahmen auch der Gesellschaft. Die Gemeinschaft entsteht aus der Zusammengehörigkeit der Familien und wird durch sie geprägt. Daher hängen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft jeder Gemeinschaft oder Gesellschaft von der Familie ab.

Das Familienleben hat sich mit der Zeit stark gewandelt; dennoch behält die Familie ihren Status als Ort des nährenden Lebens. Die Großfamilie kümmert sich um Kinder, Ältere und Kranke in einer Art und Weise, die die elterliche Sorge um die Schutzbedürftigen einer Kernfamilie fortsetzt. Dass Kinder zu Waisen werden, ist diesem System fremd, weil es nahezu ausgeschlossen ist, dass sämtliche »Eltern« sterben

»Es bedarf zweier Elternteile, um ein Kind in die Welt zu setzen, aber das gesamte Dorf, um es großzuziehen.« Eine Massai-Familie im Dorf Orkiu, Distrikt Loliondo, Tansania.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Globale Werte

Zwischen 1990 und 1996 kam es infolge von internationalen UN-Konferenzen zu einem globalen Wertewandel. Auf diesen Konferenzen einigte man sich auf die Werte, die man als fundamental für die Lösung der globalen Menschheitsprobleme erachtete. Dadurch verbreitete sich in ganz Afrika auf subtile Art eine vorgegebene Ethik, die das Konzept der Familie in Afrika stark veränderte. Die Ideologie der globalen Werte zielte auf die Verbreitung einer neuen Welt- sicht, -ordnung und -steuerung, indem sie die traditionellen anthropologischen Werte und Systeme ersetzte. Sie markierte einen Paradigmenwechsel – weg von Aufklärung und Glauben hin zum »Zeitalter der Träume«, das die Ethik der individuellen Freiheit und das Recht der freien Wahl auf Kosten der Moral des Gewählten verherrlicht. Dies ging einher mit der Erfindung eines Vokabulars zur Vermittlung dieses neuen Wertesystems.

Um internationale Normen zu verbreiten und bestimmte afrikanische Werte schleichend zu ersetzen, führte man neue Wertesysteme ein: Konsens statt Wahrheit, Ethik statt Moral, Partnerschaften statt Ehe, Erzeuger statt Vater und Mutter; Wahlmöglichkeit statt Gewissen; Gender statt Männlichkeit und Weiblichkeit, sexuelle Orientierung statt Heterosexualität und sicherer Sex statt Keuschheit – um nur einige Beispiele zu nennen. Eine kritische Analyse zeigt, dass diese opponierenden Begriffe aus den globalen Wertesystemen stammen, in denen Vergnügen mehr als Liebe zählt, Gesundheit und Wohlbefinden mehr als die Heiligkeit des Lebens, Frauenrechte mehr als Mutterschaft, Freiheit mehr als Gesetz, Immanenz mehr als Transzendenz, Erde mehr als Himmel und der Mensch mehr als Gott. Mit diesen Begriffssystemen sickerten neue sexualitäts-, menschen- und gesundheitsbezogene Werte in Afrika ein und wurden zur Messlatte für die Einhaltung der Menschenrechte. Die globale Werteideologie sollte bewirken, dass Afrika das traditionelle Konzept der menschlichen Sexualität als ein soziales Konstrukt zu begreifen beginnt, das den Wert der [freien] sexuellen Orientierung verletzt. Das schließt ein, dass es keinen von der Gesellschaft vorgegebenen idealen Weg für das Ausleben der eigenen Sexualität gibt. Folglich kann jeder Einzelne eine geschlechtliche Identität wählen, die seiner sexuellen Orientierung entspricht.

Die Gender-Ideologie zielte auf die Dekonstruktion der anthropologischen Struktur von Männlichkeit und Weiblichkeit als Weg zu einer »geschlechtslosen« Gesellschaft (Geschlechtergleichstellung) ab, in der die Gleichstellung der sozialen Rollen Realität werden würde. Ziel der Pekinger Konferenz 1995 war die Abschaffung des Geschlechtsunterschieds als Grundlage für soziale Pflichten.

Mit der Einführung des globalen Wertesystems ging die Frage der Gesundheit einher. Auf der Vierten Weltfrauenkonferenz definierte man Gesundheit in Bezug auf Frauen als »das emotionale, soziale und physische Wohlbefinden«, das »vom sozialen, politischen und ökonomischen Lebenshintergrund der Frauen sowie der Biologie« bestimmt wird. Demgemäß sind die sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie die sichere Mutterschaft Ziele der gesundheitsbezogenen Werte. Auf der Peking-Konferenz erklärte man die Gesundheit zum »Recht aller Frauen«, das sie durch Kontrolle über »alle Aspekte ihrer Gesundheit, vor allem ihrer Fruchtbarkeit « ausüben. Reproduktive Gesundheit ist verankert in der Freiheit, zu entscheiden, ob, wann und wie oft man empfangen will. Auf der Grundlage von Freiwilligkeit, Gesundheit und Entscheidungsfreiheit wird jeglicher Geschlechtsakt befürwortet, sofern er risikolos ist. Verhütung gilt in der reproduktiven Gesundheit als sicherer Sex. Sichere Mutterschaft schließt die Eliminierung jeglichen Risikos ein – durch die »Gewährleistung, dass alle Frauen die benötigte Betreuung erhalten, um Schwangerschaft und Geburt sicher und gesund zu überstehen«. Im Falle einer Risikoschwangerschaft sind Verhütung, freiwillige Sterilisierung, künstliche Befruchtung und legale Abtreibung also praktikable Optionen für eine sichere Mutterschaft.

Die Kinderrechte stellt die Ideologie der globalen Werte in den Kontext der Familienvielfalt und der Elternschaft als Verantwortung. Wenn sie ihr Recht auf freie Entscheidung ausüben, können Kinder daher zu einer Familie ihrer Wahl gehören. In diesem Fall ist die Erziehung der Kinder kein elterlicher, sondern ein rechtlicher Akt.

Im Hinblick auf die Frauenrechte verknüpft die Ideologie der globalen Werte Freiheit, Autonomie und Emanzipation mit sozialer Entwicklung und Beseitigung der Armut. Daraus ergeben sich zwei Fragen: Freiheit wovon beziehungsweise Autonomie wovon? Die Antworten auf diese Frage liegen nahe: die männliche Dominanz und das afrikanische Familienleben. Sind Frauen frei von männlicher Dominanz und Mutterrolle, können sie neue soziale Rollen einnehmen, die nur durch Bildung zugänglich sind. Auf der Peking-Konferenz brachte man Armut mit dem Fehlen von Frauen in Entscheidungspositionen in Verbindung. Strategien zur Armutsbeseitigung müssen daher »allen Frauen den Zugang zu Ressourcen, Chancen und Leistungen der öffentlichen Hand« gewährleisten. Lebensentwürfe wie das traditionelle Familienleben halten Frauen demzufolge zum Schaden der Gesellschaft vom öffentlichen Leben fern. Im Sinne der Emanzipation der Frau gibt die globale Werteideologie der Bildung als »essentielles Instrument für das Erreichen der Gleichstellungs-, Entwicklungs- und Friedensziele« oberste Priorität.

»Die Großfamilie kümmert sich um Kinder, Ältere und Kranke.« Großmutter Deophister Simachila betreut 13 Enkelkinder, Township Chifubu bei Ndola, Sambia.
FOTO: FRIEDRICH STARK

Verbreitung und Folgen globaler Werte in Afrika

Die Verbreitung dieser vorgefassten Ethik wurde aggressiv vorangetrieben. Dieser Prozess begann im Anschluss an die Gründung der Afrikanischen Union, die Unterzeichnung des Maputo-Protokolls (2003) und die Verabschiedung der Erklärung von Addis Abeba zu Bevölkerung und Entwicklung in Afrika (2013).

Infolge der geschilderten Entwicklung hat sich das Gesicht der afrikanischen Familie verändert. Im Versuch, traditionelle afrikanische Familiensysteme zu ersetzen, bürgern sich alternative Systeme ein, in denen Kinder in Partnerschaften großgezogen werden, in denen entweder die Vater- oder die Mutterfigur unterdrückt wird oder jedes Kind eine andere Mutter beziehungsweise einen anderen Vater hat. Die wahre Bedrohung, die von diesen Familienkonzepten ausgeht, sind ihre schädlichen Folgen für die Jugend, die vom scheinbaren Glück verführt wird, das diese Familienformen verheißen. Mit den globalen Werten ging das in den meisten afrikanischen Gesellschaften praktizierte alte gemeinschaftliche Elternsystem weitgehend verloren. In diesem System übernahmen die biologischen Eltern, die Gleichaltrigen in der Gemeinschaft und die erweiterte Familie die Elternrolle. Heute hat sich dies auf biologische Bindungen und mitunter auf temporäre Lebenspartnerschaften reduziert. Durch diesen Wandel sank die Qualität der elterlichen Betreuung für jüngere Generationen erheblich. Es bürgert sich in Afrika ein, Kinder in die Krippe zu geben, noch bevor sie ein Jahr alt sind. Da fragt man sich, wer genau die elterliche Erziehung übernimmt.

Der Verlust des Gefühls für die Würde der Elternschaft geht einher mit der Forderung nach unbegrenzter Freiheit. Dies wird deutlich im stärker werdenden Individualismus und Säkularismus, die aus der Auffassung erwachsen, dass ein gutes Leben davon abhängt, »woran man glaubt, und dass das Individuum im Besitz der Wahrheit ist und moralische Werte festlegt«. In einer Welt, in der das Leben des Menschen auf unmittelbaren Genuss ausgerichtet ist, sind die Bedürfnisse der Familie als Hindernis für den Erfolg verpönt. Zu diesen familiären Bedürfnissen zählen unter anderem die gegenseitige Selbsthingabe der Eheleute und die Elternschaft als Pfeiler des afrikanischen Konzepts vom Fortbestand der Familie. Vor dem Hintergrund dieses Wandels gilt die Mutterschaft als Hindernis für den Erfolg der Frau im Leben. Die traditionelle Vaterrolle hingegen wird als unterdrückendes Element der Autorität dargestellt, das die fehlende Gleichstellung der Geschlechter verstetigt.

Die globale Werteideologie zielt auf die Stärkung der Rechte und der Autonomie der Frau unter Ausschluss der Männer ab. Diese Tendenz führte zum Zusammenbruch der authentischen Anthropologie, indem sie die Kluft zwischen Mann und Frau noch vergrößerte. Das Konzept der Autonomie und der Rechte der Frau in Reaktion auf die offenkundige Misere der meisten Frauen in Afrika brachte den Frauen wirtschaftliche Vorteile, hinterließ in einigen afrikanischen Ländern jedoch einen Bruch. Folge dessen ist es, dass viel später geheiratet wird und die Scheidungsrate steigt. Die Werte der Autonomie und Freiheit der Frau von männlicher Dominanz rütteln am geschätzten Afrikanismus, der an die Gemeinschaft von Frau und Mann zum Wohl des gemeinschaftlichen Lebens glaubt. Für die Afrikaner waren Männlichkeit und Weiblichkeit Ergebnis des göttlichen Plans für die »Fortpflanzung und für die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Gemeinschaft«.

»Nur durch Bildung können Frauen neue soziale Rollen einnehmen.« Schülerinnen der katholischen D’Alzon Secondary School, Chekereni Village, Tansania.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Initiativen der Kirche

Die Förderung einer familienfreundlichen Sozial- und Wirtschaftspolitik erfolgte im Allgemeinen über die Hirtenbriefe der verschiedenen Bischofskonferenzen – allerdings vor allem auf der Ebene einer moralischen Analyse der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Ein wirkungsvollerer Schritt könnte die Einführung einer katholischen Seelsorge für jene sein, die die Wirtschafts- und Sozialpolitik von Staaten gestalten und umsetzen, zum Beispiel die Parlamentarier sowie die Bildungs- und Gesundheitsministerien.

Kleine Christliche Gemeinschaften (Small Christian Communities/SCCs) sind der Zusammenschluss engagierter christlicher Familien nach dem Vorbild der Großfamilie. Die Mitglieder profitieren vom quasifamiliären Zusammenhalt und von der gemeinschaftlichen Wahrnehmung der Erziehungsaufgabe in einer »Großfamilie« von Gläubigen. Sie helfen einander, sich vor Individualismus, gescheiterten Beziehungen, Vereinsamung, Aufgabe der Kranken und Alten sowie gegen kulturelle Laster wie Vielweiberei, Stufenehe sowie arrangierte und wilde Ehen zu schützen. Genau aus diesem Grund wird die Kirche in der Enzyklika Ecclesia in Africa (1995) als Familie definiert.

Auf einer weiteren Ebene reagiert die Kirche auf die Herausforderungen für Familien mit laienapostolischen Bewegungen wie Nazareth, Christian Family Movement und Joachim und Anna. In diesen Laienbe- wegungen fördert die Kirche die Familie auf der Grundlage von Geschlechterdifferenz, Vermehrung, Gemeinschaftsleben und vor allem des Glaubens.

Zur Verbesserung der seelsorgerischen Betreuung von Familien wurde in Benin ein französischsprachiger Ableger des The John Paul II Institute for Studies on Marriage and Family gegründet – mit Blick auf die Förderung des Familienapostolats auf akademischer und pastoraler Ebene. Dieses Ziel wurde konkretisiert von der Africa Family Life Federation, die mit verschiedenen Diözesen und dem Institut in der Familienpastoral und vor allem im Dienst am Leben kooperiert.

Auf pastoraler Ebene setzt sich die Kirche für die Förderung und Betreuung von Familien durch familienorientierte Programme ein, die Paaren helfen, die Schönheit des Familienlebens wiederzuentdecken und zu bewahren. Marriage Encounter hat das Ziel, die kommunikativen Fähigkeiten von Paaren mit Blick auf ein erfüllendes Eheleben zu verbessern. The Faithful House ist ein ehebegleitendes Programm, dass die gegenseitige Liebe der Ehepartner, die Achtung des menschlichen Lebens und die Treue in der Ehe – vor allem angesichts von HIV/Aids – fördern soll. The Seven Circles of Life will Paare dabei unterstützen, ihrer Aufgabe einer verantwortungsbewussten Elternrolle durch natürliche Fähigkeiten der Familienplanung gerecht zu werden.

Die Familiensynode 2015

Dass die Synode vor der Ausrufung des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit am 8. Dezember 2015 stattfand, rückt die Pädagogik in den Vordergrund, mit der den heutigen Herausforderungen für die Familie zu begegnen ist: gemeinsame Selbstprüfung, Demut vor Gott und Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit sowie die zukünftigen Schritte, die es zu gehen gilt.

Im Abschlussdokument der Synode werden einige Herausforderungen für Familien aufgezählt: Verweltlichung der Familie (Nr. 6), eine feindselige religiöse und politische Atmosphäre, die Industrialisierung, die sexuelle Revolution, Angst vor Überbevölkerung, eine zunehmende Verhütungs- und Abtreibungsmentalität, Konsumdenken, Ablehnung der Kirchenlehre zu Ehe und Familie, Trennungen, Scheidungen (Nr. 7), die Fehlinformation durch Medien, ein extremer Feminismus, der die Mutterschaft dämonisiert, die Technisierung der Fortpflanzung, Gender-Ideologie (Nr. 8) und Migration (Nr. 9).

Diese Herausforderungen lassen im afrikanischen Glauben ein Gefühl für die Notwendigkeit der Demut vor Gott und das Vertrauen auf Seine Barmherzigkeit entstehen. Dies stellt einen Schritt in Richtung jener Wiederherstellung dar, die Gott durch die Kirche ohne Gegenleistung anbietet. Weil die Kirche die Hilflosigkeit der Menschen angesichts dieser Herausforderungen erkannt hat, wendet sie sich in Liebe denen zu, die in Unvollkommenheit an ihrem Leben teilhaben (Nr. 53). Aus diesem Grund ist das Heilige Jahr der Barmherzigkeit Anlass für die Kirche, »ihre schwächsten Kinder, die unter verletzter und verlorener Liebe leiden, aufmerksam und fürsorglich [zu] begleiten und ihnen Vertrauen und Hoffnung [zu] geben – wie das Licht eines Leuchtturms im Hafen oder einer Fackel, die unter die Menschen gebracht wird, um jene zu erleuchten, die die Richtung verloren haben oder sich in einem Sturm befinden« (Nr. 55).

Nach der außerordentlichen und der ordentlichen Familiensynode und im Kontext des Jahres der Barmherzigkeit wartet Afrika gespannt auf dieses Licht eines Leuchtturms, das ihm die weiteren Schritte weist. In Vorfreude auf die offizielle Lehre der Kirche als Orientierungshilfe für viele Familien glaubt Afrika, dass Gott im Glauben und durch seine Barmherzigkeit verheirateten Paaren eine weitere Chance gibt, die Fülle des Familienlebens zu leben. Vor dem Hintergrund des Jahres der Barmherzigkeit wird eine solche Lehre Familien die Gelegenheit geben, sich ihrer Identität zu versichern und voranzuschreiten, um ihre Mission zu erfüllen, »das Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit« zu spiegeln (Nr. 51).

ARTHUR KHOFI PHIRI
Dozent fur Moraltheologie am St. Dominic’s Seminary in Sambia

Ausgabe 2/2016

Gratis-Ausgaben

Ich möchte Forum Weltkirche mit 2 Gratis-Ausgaben kennen lernen.

/ Bestellen bei HerderShop24