LÄNDERBERICHT: Kein Licht vor Damaskus Seit fünf Jahren Bürgerkrieg in Syrien corner

Kein Licht vor Damaskus

Seit fünf Jahren leidet Syrien unter einem verheerenden Bürgerkrieg

von MICHEL CONSTANTIN UND MATTHIAS VOGT

Seit Tausende syrischer Flüchtlinge Europa erreichen, gerät die Situation in ihrem Heimatland nicht selten aus dem Blick. Wie sieht die Heimat aus, die die Syrerinnen und Syrer keineswegs freiwillig verlassen? Wie ist die Situation der Christen in dem von Islamisten angefeuerten Konflikt? Welche Möglichkeiten gibt es noch für die Hilfe vor Ort?

Die Verwüstungen des Krieges sind allgegenwärtig: Uzunstraße, Hamidiye, Altstadt von Homs, Syrien.
FOTO: KNA/KARIN LEUKEFELD

Im März 2011, etwas später als in anderen Ländern des »Arabischen Frühlings«, begannen in Syrien Proteste. Noch im Januar 2011 hatte Präsident Bashar al-Assad etwas kühn verkündet, dass in seinem Land die Dinge anders lägen als in Ägypten und Tunesien. Seine Regierung genieße das Vertrauen und die Unterstützung des Volkes. Zwei Monate danach kam es aber zu größeren Kundgebungen, zunächst im Süden des Landes, später auch in den Küstenstädten und schließlich in Hama und Homs.

Da sich echte Oppositionsparteien wegen der strengen Überwachung durch die Sicherheitsapparate nicht in Syrien, sondern nur im Ausland organisieren konnten, organisierten vor Ort sogenannte »lokale Koordinierungskomitees « die Proteste. Sie bestanden meist aus jungen, säkular ausgerichteten Menschen, die auf dem Weg friedlicher Demonstrationen Reformen und einen politischen Übergang erreichen wollten. Das Regime reagierte mit äußerster Gewalt, um die Protestierenden einzuschüchtern. Dies heizte die Proteste noch an und rief in weiten Teilen des Landes eine Aufstandsbewegung hervor. Die brutale Repression durch das Regime führte auch dazu, dass sich einige oppositionelle Gruppen bewaffneten. Einzelne Armee-Einheiten fielen ab und bildeten die Freie Syrische Armee (FSA). Die Propaganda der syrischen Regierung behauptete von Anfang an, dass es sich bei all diesen Oppositionellen um »Terroristen« handle, ohne zu beachten, dass sie selbst die Spirale der Gewalt in Gang gesetzt hatte.

Es kam zu heftigen militärischen Auseinandersetzungen, die Opposition wurde aus dem Ausland mit Waffen beliefert, und seit Ende 2011 herrscht offener Bürgerkrieg. Die staatliche Armee geht mit schweren Waffen gegen bewaffnete Einheiten der Opposition vor und greift mit Fassbomben Gebiete an, in denen sich überwiegend Zivilisten aufhalten. Die Aufständischen kämpfen im Straßenkampf gegen die Einheiten der Regierungsarmee. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, Chemiewaffen einzusetzen. Keine Seite nimmt Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kann sich bis heute nicht darauf einigen, eine Flugverbotszone einzurichten, um die Zivilbevölkerung vor Bombenabwürfen zu schützen. Mittlerweile sind Tausende Wohnungen zerstört und Hunderttausende Menschen obdachlos geworden. Auch die öffentliche Infrastruktur – Schulen, Krankenhäuser, Industriebetriebe – wurde schwer beschädigt.

Radikalisierung und Aufstieg der islamistischen Extremisten

Nachdem die Regierung gewaltsam auf die friedlichen Proteste reagiert hatte, bewaffneten sich Teile der Opposition zunächst zum Selbstschutz. Aber schnell gewannen die bewaffneten Kräfte die Oberhand. Waffenlieferungen aus dem Ausland, das Einströmen von Kämpfern aus den Nachbarländern – unter ihnen viele islamistische Extremisten – und die ideologische Unterstützung durch einige Länder des Persischen Golfes führten dazu, dass islamistisches Gedankengut immer mehr den Ruf nach demokratischen Reformen überlagerte. Seit Mitte 2012 häufen sich Berichte aus Syrien, nach denen extremistische Gruppen wie Jabhat al-Nusra und andere mit al-Qa’ida verbündete Milizen für die Errichtung eines islamischen Staates in Syrien kämpfen und Angehörige anderer Religionen bedrängen und vertreiben.

Seit Anfang 2014 ist der sogenannte »Islamische Staat«, zunächst unter dem Namen »Islamischer Staat in Irak und Syrien« (ISIS), als neuer Akteur hinzugekommen. In einer extremen Form vertritt er islamistisches Gedankengut, richtet systematisch »Ungläubige« hin, zwingt die Bevölkerung unter islamische Gesetze in ihrer strengsten Form (absolute Geschlechtertrennung, Vollverschleierung der Frau, Zwang zum Gebet, Ideologisierung des Erziehungs- und Bildungssystems, Zwangsrekrutierung von Kindern für den Jihad …) und zerstört jahrhundertalte Kulturgüter. Ein Grund für den Aufstieg der Islamisten in Syrien ist die Unterstützung durch bestimmte Länder in der Region, die Waffen liefern und Kämpfer ungehindert nach Syrien einreisen lassen. Aus vielen Teilen derWelt – auch aus Deutschland – strömen islamistische Kämpfer nach Syrien, um dort ihre Vorstellung vom Jihad zu verwirklichen, und die Propaganda des »Islamischen Staates« im Internet zieht immer neue an. Aber auch das Regime von Bashar al-Assad hat zur Islamisierung des Konflikts beigetragen: Das Regime hat Islamisten aus den Gefängnissen entlassen, um die Opposition auf internationaler Ebene zu diskreditieren. Auch die Sprache der Regierung, nach der alle Oppositionellen als »islamistische Terroristen« galten, hat Teile der sunnitischen Bevölkerung in die Arme der Radikalen getrieben. Inzwischen stellt sich Assad als die einzige Rettung vor den Grausamkeiten des »Islamischen Staats« und anderer Islamisten dar und schafft es so, auf internationaler Ebene wieder Unterstützung zu erhalten.

Mit Farben und Phantasie gegen Traurigkeit und Zerstörung! Bei einer Malaktion der christlichen Jugend bemalen Kinder die vom Krieg gezeichneten Häuser in der Altstadt von Homs, um Familien zur Rückkehr zu bewegen.
FOTO: KNA/KARIN LEUKEFELD

Ein Krieg, der nicht zu gewinnen ist

Der Konflikt in Syrien geht in sein sechstes Jahr, und die Aussichten haben sich massiv verschlechtert. Die meisten Flüchtlinge haben den Glauben verloren, bald wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können, und im Exil sind die Chancen gering, sich eine neue Existenz aufbauen zu können. In Syrien selbst geht es für die Menschen nur darum, den jeweils nächsten Tag zu überleben. Die Kämpfe in Syrien toben mit unverminderter Härte, und trotz wiederholter Friedensbemühungen trennen tiefe Gräben sowohl die kriegführenden Parteien als auch die Länder, die den Einfluss hätten, sie zu stoppen. Schlimmer noch: Die Kämpfe verschärfen andere Konflikte in der Region. In einer Rede vor der UN-Generalversammlung erklärte António Guterres, bis Ende 2015 Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen: »Weil der politische Wille und der Weitblick für eine wirksame Prävention fehlen, bleibt der internationalen Gemeinschaft nichts weiter übrig, als ständig auf neue Krisen zu reagieren, das von ihnen verursachte Leid zu beklagen und zu versuchen, die immer höheren Summen zur Deckung der anfallenden Kosten aufzubringen… die Kriege von heute haben keinen Sieger; wir alle sind ihre Verlierer.«

Wer auch immer den Syrien-Krieg letztlich verlieren oder nicht verlieren wird – eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Keiner hat auch nur die geringste Chance, ihn zu gewinnen. Im Zusammenhang mit Kriegen ist immer von Gewinnern und Verlierern, Erstschlägen und Kapitulationen die Rede. Dabei bleibt jedoch außer Acht, dass viele Konflikte niemals richtig enden. Sie ziehen sich einfach dahin, bis die Leser gähnen und die Reporter das Land verlassen, und mutieren dann zu neuen Formen, in denen neue Einflusssphären entstehen und nichtstaatliche Gewalt als neue Normalität begründet wird.

Die Regierung behauptet unbeirrt, Assad werde den Krieg gewinnen. Aber in Wirklichkeit tut er es nicht. Selbst wenn man annimmt, dass er die nächsten Jahre überlebt und in der Lage bleibt, den Kampf weiter- zuführen, scheint Assad weder fähig noch willens zu sein, einen tragfähigen politischen Kompromiss einzugehen, der sein Regime im In- und Ausland wieder legitimieren würde. Zudem verfügt er nicht über die Mittel, um all seine Feinde militärisch niederzuringen oder mit wirtschaftlichen Anreizen die in der Hand der Rebellen befindlichen Städte auf seine Seite zu ziehen. Das syrische Regime leidet unter schwindenden Ressourcen und einem Mangel an Arbeitskräften, und den internationalen Verbündeten Assads macht der niedrige Ölpreis auf dem Weltmarkt zu schaffen. Aber auch die Rebellen sind eng mit extremistischen Gruppierungen verbunden und derart gespalten, dass sie keine alternative Regierung anbieten können – sondern lediglich neue Spielarten eines islamistisch beherrschten Chaos – und daher wohl niemals die nötige Unterstützung erhalten werden.

Dem »Islamischen Staat« ist es zwar gelungen, seinen Herrschaftsbereich auf Teile Syriens auszuweiten und damit Gebietsverluste im Irak zu kompensieren, aber die Vorstellung, er könne eine stabile und lebensfähige Herrschaft etablieren, ist abwegig. Seinen Erfolg verdankt das Pseudo-Kalifat von Abu Bakr al-Baghdadi allein dem Scheitern seiner Gegner. Genau wie Assad und die Rebellen kann der »Islamische Staat« zwar andere zerstören und als gewaltiger Plünderer auftreten, ist aber nicht in der Lage, zu siegen und die Herrschaft zu übernehmen.

Als der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi im Jahr 2012 sein Amt als Friedensvermittler von UNO und Arabischer Liga antrat, warnte er vor einer »Somalisierung « Syriens. Auf den gewaltsamen Sturz des langjährigen somalischen Diktators im Jahr 1991 folgten weder demokratische Verhältnisse noch eine neue Diktatur, sondern permanente Anarchie. In diese Richtung driftet auch Syrien. Die eine oder andere Partei mag zeitweilig die Oberhand gewinnen, dann bricht das fragile Gleichgewicht jedoch zusammen, alles beginnt von vorn und andere Warlords weiten ihre Macht aus. Städte werden eingenommen und zurückerobert, Schlachten werden gewonnen und verloren, bis keiner mehr den Überblick hat. Ein Krieg wie der in Syrien lässt sich nicht mehr siegreich beenden. Genauso gut könnte man versuchen, gegen die Pest oder ein Erdbeben zu gewinnen.

Die humanitäre Lage ist katastrophal

Seit Beginn des Krieges sind mehr als 250.000 Tote zu beklagen. Mehr als eine Million Menschen wurden verletzt. Vor dem Krieg lebten rund 22,5 Millionen Menschen in Syrien. Von ihnen sind bis Dezember 2015 bereits 4,6 Millionen ins Ausland geflohen, 6,6 Millionen Menschen sind innerhalb Syriens auf der Flucht. Nach einem Bericht des UN-Menschenrechtsrats vom Februar 2015 wurden rund 5.000 Schulen in Syrien zerstört. 1,5 Millionen Kinder gehen nicht zur Schule; Experten aus Syrien schätzen, dass es bis zu 2,5 Millionen Kinder sind, die keine Schule besuchen können – manche von ihnen seit Jahren!

Die UN-Gesundheitsbehörde WHO warnte in einem Bericht 2014, dass 60 Prozent der Krankenhäuser in Syrien beschädigt oder zerstört worden seien. In- zwischen dürfte die Zahl noch höher liegen, zumal das Regime systematisch Gesundheitseinrichtungen in Gebieten bombardieren lässt, die von Rebellen gehalten werden. Tausende Ärzte und Krankenhausmitarbeiter sind aus dem Land geflohen, was die Gesundheitsversorgung noch prekärer macht. 70 Prozent der pharmazeutischen Industrie wurde erheblich beschädigt oder zerstört, dies hat zu erheblichen Engpässen an Medikamenten geführt. Aus dem Ausland eingeführte Medikamente werden zum Teil zu horrenden Preisen verkauft.

Mehr als drei Viertel der syrischen Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, warnt eine UN-Hilfsorganisation. Gleichzeitig leben mehrere Millionen Menschen in Regionen, die für internationale Hilfe nicht erreichbar sind, zum Beispiel in dem Gebiet, das vom IS kontrolliert wird. Außerdem behindert das Regime in Damaskus Hilfslieferungen in Gebiete, die nicht unter seiner Kontrolle stehen; so sollen die Menschen in den Rebellengebieten quasi ausgehungert werden. Hilfsorganisationen, die dort trotzdem Hilfe leisten, riskieren ihre Arbeitsgenehmigung für das von der Regierung kontrollierte Gebiet. Da sich die meisten Binnenflüchtlinge im Küstengebiet aufhalten, das fest in der Hand der Regierung ist, sowie in der Hauptstadt Damaskus, kann es sich kaum eine Organisation leisten, sich die Regierung zum Feind zu machen. Die Bevölkerung ist Faustpfand der Regierung und der Islamisten gleichermaßen.

Syrien auf einen Blick

Fläche: 185.180 km2
Bevölkerung: 17.064.854 (Schätzung Juli 2014)
Amtssprache: Arabisch
Religionen:
Muslime 87 %
Christen 10 %
Drusen 3 %

Quelle: The World Factbook 2015

Die Lage der Christen

Die große Mehrheit der syrischen Christen gehört der Ostkirche an. Mit ihren 503.000 Mitgliedern ist die Griechisch-Orthodoxe Kirche die größte und älteste Konfession. Die Armenisch- Apostolische Kirche hat zwischen 112.000 und 160.000 Mitglieder und die Syrisch-Orthodoxe Kirche rund 89.000. Unter den Kirchen, die mit Rom in Gemeinschaft stehen, ist die größte die Griechisch-Melkitisch- Katholische Kirche mit 118.000 bis 240.000 Mitgliedern. Ihr folgen die Maronitische Kirche mit 28.000 bis 60.000 Mitgliedern, die Armenisch-Katholische Kirche, die Syrisch-Katholische Kirche und die Chaldäische Kirche. Die Assyrische Kirche des Ostens hat etwa 46.000 Gläubige.

Trotz ihres Status als Minderheit gehörten die Christen lange Zeit zur syrischen Elite. Sie waren in vielen politischen Gruppierungen vertreten, die um die Kontrolle des Landes konkurrierten, darunter die arabischen nationalistischen und sozialistischen Bewegungen. Seit Beginn des Bürgerkriegs haben 700.000 Christen Syrien verlassen. Patriarch Gregorios warnte in einer Botschaft an ein katholisches Hilfswerk: »Es gibt in Syrien inzwischen keinen sicheren Ort mehr.« »Die Zukunft der Christen in Syrien wird nicht nur von den Muslimen, sondern von Chaos und vom Eindringen unkontrollierbarer, fanatischer, fundamentalistischer Gruppen bedroht«, erklärte er.

Die von Christen bewohnten Gegenden wurden in den letzten zwölf Monaten immer kleiner. Christen zogen sich in die Städte zurück, die noch von der syrischen Regierung kontrolliert werden (Damaskus, Aleppo, Homs, Houran und die Küstenregion) beziehungsweise in Gegenden, die unter Kontrolle der Kurden stehen (Qamischli und Hassakeh in Nordsyrien). Die große Mehrheit der in Syrien verbliebenen Christen gehört der Mittel- oder Unterschicht an. Sie harren nur deshalb in Syrien aus, weil sie sich die Flucht in den Libanon oder in die Türkei nicht leisten können. Selbst jene, die der Mittelschicht angehören und in der Regel ihre Familien ernähren können, sind nach vier Kriegsjahren aufgrund der fehlenden Einkünfte in die extreme Armut gerutscht.

Im Jesuitenkonvent in Bustan al-Diwan (Alt-Homs) wird täglich für 1200 Menschen gekocht. Ältere Menschen und Familien, Muslime wie Christen nehmen die Hilfe dankbar in Anspruch.
FOTO: KNA/KARIN LEUKEFELD

Die Arbeit der CNEWA/Pontifical Mission

Seit Mai 2012 begleitet die Pontifical Mission unter dem Dach der Catholic Near East Welfare Association (CNEWA) die Kirche in Syrien und versucht, bedürftige syrische Vertriebenenfamilien in Syrien und im Libanon zu unterstützen – über die Infrastruktur der Ortskirche, um Nothilfe zu leisten und so das Leid dieser Familien etwas zu mildern. Schwerpunkt der durchgeführten Programme waren die schutzlosen christlichen Vertriebenenfamilien, die weder in Flüchtlingslagern gelandet noch bei den Programmen des UN-Flüchtlingshilfswerks oder des Roten Halbmondes registriert waren und daher keine Spendengelder von den arabischen Golfstaaten oder internationalen Gebern erhielten.

Dabei setzt die CNEWA/Pontifical Mission auf Partnerschaften mit allen kirchlichen Gruppen (Gemeindepriester, Orden, Vertreter der Patriarchate, Bischöfe, Hilfswerke usw.), die bereits aktiv und effizient die erforderlichen sozialen Daten über vertriebene Familien erfassen und ein Team aufgebaut haben, das es ihnen ermöglicht, die Programme (Einkauf, Verpackung, Verteilung usw.) umzusetzen, und das in der Lage ist, zeitgerecht Bericht zu erstatten. Die CNEWA/ Pontifical Mission spielte in den vergangenen Jahren eine wichtige Rolle bei der Erhöhung der Wirksamkeit der geleisteten Hilfe, indem sie verschiedene Partner bestärkte, ihre Anstrengungen vor Ort zu koordinieren.

Syrische Flüchtlingskinder spielen im Flüchtlingscamp nahe der Stadt Mafraq in Jordanien mit einem Fahrrad. Bis Ende 2015 hatten 4,6 Millionen Syrer das Land verlassen.
FOTO: KNA/PAUL CHIASSON/REUTERS POOL

Das Regionalbüro der Pontifical Mission in Beirut kümmert sich weiterhin um die Bedürfnisse der Flüchtlinge innerhalb Syriens und besonders um Kinder und an den Rand gedrängte Menschen, die am stärksten von der Lage betroffen sind. Weil die internationalen Organisationen die vertriebenen Familien bereits ausreichend mit Lebensmittelpaketen versorgten, bekam das Nothilfeprogramm einen anderen Fokus. Die CNEWA/Pontifical Mission beschloss, die verteilten Hilfsgüter zu ergänzen und den bislang ungedeckten Bedarf zu decken, den die Partner aus der Ortskirche ermittelt hatten. Basierend auf vor Ort durchgeführten Umfragen, standen der CNEWA/Pontifical Mission für einen Zeitraum von zwölf Monaten Mittel in Höhe von rund 1.493.000 US-Dollar für Syrien und den Libanon zur Verfügung. Folgende Programme wurden damit finanziert:

1. Bildungsprogramm in Syrien: Die CNEWA/Pontifical Mission ermöglichte die Aufnahme von rund 5000 Flüchtlingskindern in katholische Schulen in verschiedenen Teilen Syriens (Homs, Aleppo, Tartous und Wadi al-Nasara [Tal der Christen]), in- dem sie Schulmaterial und ein tägliches Frühstück bereitstellten.

2. Bildungsprogramm und Traumaverarbeitung im Libanon: Die CNEWA/Pontifical Mission will rund 450 vertriebenen syrischen Müttern Traumabehandlungen und geistliche Betreuung bieten, für 1160 syrische Kinder ein Förderprogramm und Bücher bereitstellen und rund 670 irakische Kinder in Bildungsprogramme aufnehmen. Dies soll in Kooperation mit fünf Partnern erfolgen:

  • die Schwestern vom Guten Hirten in Deir el- Ahmar;
  • das armenische Karagheuzian-Zentrum in Bourj Hammoud; – das Kirchenzentrum im libanesischen Flüchtlingslager Dbayeh;
  • die Franciscan Missionaries of Saint Mary in Achkout;
  • das Syrische Katholische Patriarchat in Nabaa.

3. Gesundheitsprogramm: Infolge der Verschlechterung des Gesundheitswesens in Syrien wächst der Bedarf an Gesundheitsleistungen. Deshalb erhielt die CNEWA/Pontifical Mission Fördermittel, um rund 5500 Patienten an neun verschiedenen Standorten in Syrien medizinisch zu versorgen. Die Umsetzung erfolgt durch die Partner von der jeweiligen Ortskirche.

4. Katechese: Entsprechende Aktivitäten gibt es vorrangig in der Qalamoun-Region und der Gegend um Homs, wo 14 Katechese-Zentren, die der Griechisch-Katholischen Erzdiözese und der Syrisch- Katholischen Erzdiözese von Homs gehören, saniert und neu ausgestattet werden. Alle Zentren befinden sich in Dörfern, die einst Kriegsgebiet waren; dieses Projekt wird mit Hilfe der Schwestern vom Guten Hirten realisiert und soll 3800 Schülerinnen und Schüler beider Riten erreichen.

5. Not-/Soforthilfe: Milch, Windeln, Winterausrüstung, Kleidung, Lebensmittelpakete, Matratzen, Decken und Brennstoff.

MICHEL CONSTANTIN
Regionaldirektor der CNEWA/Pontifical Mission in Beirut, Libanon

MATTHIAS VOGT
Länderreferent fur den Nahen Osten und Nordafrika bei missio Aachen

Ausgabe 2/2016

CNEWA/Pontifical Mission for Palestine

1926 gründete Papst Pius XI. die »Catholic Near East Welfare Association« (CNEWA), um die katholischen Ostkirchen und die Menschen im Nahen und Mittleren Osten, Nordostafrika, Indien und Osteuropa zu unterstützen. Die CNEWA verwaltet die »Pontifical Mission for Palestine« (PMP), die Papst Pius XII. 1949 ins Leben gerufen hat, um Flüchtlingen aus Palästina zu helfen. Die »Pontifical Mission« ist heute die Not- und Entwicklungshilfeorganisation des Heiligen Stuhls für Israel und Palästina, Jordanien, Irak, Libanon und Syrien. Ihr Hauptsitz ist in New York, sie unterhält Regionalbüros in Beirut, Jerusalem und Amman.

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