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Sri Lanka

Kleingewerbe gegen Kriegsfolgen

Vor der Bibliothek im sri-lankischen Jaffna beklagen Hinterbliebene das Verschwinden ihrer Angehörigen während des Bürgerkriegs und fordern Aufklärung und Gerechtigkeit.
FOTO: LAWRENCE FERDINANDO

Kirchliche Organisationen unterstützen die Witwen der Opfer des Bürgerkriegs

»Während des Krieges verschwand mein Mann. Seitdem mühe ich mich ab, um für meine Kinder zu sorgen.« Das ist die gewöhnliche Situation von Frauen, die während des beinah drei Jahrzehnte dauernden, 2009 beendeten Bürgerkriegs zu Witwen wurden. Das für Kinder und Frauen zuständige Ministerium veröffentlichte Zahlen, denen zufolge es in den östlichen Provinzen 42.565, in den nördlichen Provinzen 16.936 Kriegswitwen gibt. Zivilgesellschaftliche Organisationen setzen die Zahl der Kriegswitwen mit mehr als 90.000 jedoch deutlich höher an.

Infolge der Armut lassen viele alleinstehende Frauen ihre Kinder zuhause zurück, um in weit entfernten Dörfern einer Arbeit nachzugehen. Einige von ihnen legen mehr als 20 Kilometer zurück, um während der Erntezeit in den Reisfeldern zu arbeiten. Häufig entstehen ihnen dann zuhause ernsthafte Probleme. Nicht selten wählen Kriegswitwen die Prostitution, um Geld für ihre Familien zu bekommen.

Im Gespräch mit »Forum Weltkirche« erläuterte P. Oswald Firth OMI, Vorsitzender der »People’s Association for Peace and Development« (PAPD), das Programm der Organisation. Sie bildet kleine Gruppen von sechs bis acht Kriegswitwen und vergibt kleine zinslose Darlehen. Jede Witwe erhält 20.000 srilankische Rupien, umgerechnet etwa 120 Euro, damit sie ein kleines selbständiges Gewerbe beginnen und so ihre wirtschaftliche Situation etwas verbessern kann. Beispiele für die Kleinbetriebe sind Geflügelzucht und Tierhaltung, Töpferei und Handweberei, die Kultivierung von Heilpflanzen und die Herstellung von Trockengemüse-Produkten.

»Wir haben das Projekt im Jahr 2001 mit 100 Witwen begonnen, jetzt betreuen wir 200 Witwen aus allen ethnischen Gruppen in der östlichen Provinz. Wir riefen sie zu einem Programm zur Bewusstseinsbildung zusammen und ermittelten ihre Fähigkeiten, mit denen sie ein Kleingewerbe beginnen können. Dabei unterscheiden wir nicht zwischen Singhalesinnen, Tamilinnen und Musliminnen. Entscheidend ist für uns, dass sie Kriegswitwen sind, die ihre Fähigkeiten verbessern und zum Wohl ihrer Familie Geld verdienen wollen.«

P. Firth sagte, dass die Sorge allein der humanitären Hilfe und der Wiederherstellung der Würde der Kriegsopfer gelte. »Die Witwen sind am stärksten vom Krieg betroffen. Unsicherheit, Traumata, Unterernährung, das Fehlen eines regelmäßigen und ausreichenden Einkommens, keine Sterbeurkunde für ihre Männer und die Probleme der Kinder wie Schulabbruch und Kindesmissbrauch sind die größten Probleme, denen sie sich gegenübersehen.«

Der Vorsitzende der PAPD machte klar, dass es höchste Zeit für einen nationalen Aktionsplan ist, um die Probleme der Kriegswitwen im Norden und Osten des Landes anzugehen. Unterdessen gab das Büro des Premierministers Ranil Wickramasinghe bekannt, dass ein eigenes Zentrum eingerichtet werde, um die Kriegswitwen zu unterstützen. Das »National Centre of Upliftment of the Households headed by women« wird in Kilinochchi im Norden des Landes angesiedelt.

Lawrence Ferdinando, Colombo, Sri Lanka

Ausgabe 3/2016

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