Mut, Wertschätzung, Respekt und Beispiel Der interreligiöse Dialog auf den Philippinen corner

Mut, Wertschätzung, Respekt und ein beispielhaftes Leben

Der interreligiöse Dialog auf den Philippinen

SEBASTIANO D'AMBRA

Der italienische Priester Fr. Sebastiano D’Ambra ist einer der wenigen Ausländer in Zamboanga. Trotz hoher Lebensgefahr und Drohungen der islamistischen Abu Sayyaf führt er sein Lebenswerk Silsilah Dialogue Movement unbeirrt fort.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Besonders in Mindanao fordert der Konflikt zwischen Christen und Muslimen den interreligiösen Dialog heraus. Viele Initiativen setzen sich dort für eine Verständigung zwischen den Religionen ein. Sie sind mit ihrer Arbeit noch lange nicht am Ziel.

Der Einfluss des Zweiten Vatikanischen Konzils ist sicher ein bedeutender Faktor für die Förderung des Konzepts des Dialogs unter den Christen auf den Philippinen, insbesondere unter den Katholiken, die die große Mehrheit der Bevölkerung auf den Philippinen bilden. Tatsächlich sind 80 oder 85 Prozent der insgesamt einhundert Millionen Menschen auf den Philippinnen Katholiken. Wir wissen auch, dass der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) auf dem Gebiet des Dialogs zwischen den Glaubensgemeinschaften bereits vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil aktiv war. Doch wenn man berücksichtigt, dass die Angehörigen christlicher Konfessionen, die im ÖRK vertreten sind, nicht sehr zahlreich sind, dann kann man sagen, dass das Zweite Vatikanische Konzil immer noch die größte Herausforderung für den Dialog der Glaubensgemeinschaften auf den Philippinen darstellt. Dieses Ereignis und die vielen Herausforderungen des aufstrebenden asiatischen Kontinents, auf dem die Christen eine kleine Minderheit darstellen, haben viel zur Schaffung der Föderation der asiatischen Bischofskonferenz (FABC) beigetragen. Historisch war die Versammlung von 180 asiatischen Bischöfen in Manila im November 1970 beim Besuch von Papst Paul VI. auf den Philippinen. Wenn man die Linie der FABC in einem Wort zusammenfassen will, dann lautet dieses Wort: Dialog.

Es geht um den Dialog mit den Religionen, mit den Kulturen und mit den Armen. Dieser Anfang führte die FABC zu vielen anderen Schritten, durch die die Sendung des Dialogs der Kirche Asiens vertieft wurde. Die FABC bemerkte bald, dass die Kirche in Asien dem »Dialog des Lebens« mehr Aufmerksamkeit widmen müsse. Sie begann auch damit, den Geist des Dialogs zwischen den Glaubensgemeinschaften zu fördern, indem sie sich an die Nichtchristen als an die »Brüder und Schwestern anderen Glaubens« wandte, anstatt den Ausdruck »Dialog mit Nichtchristen« zu gebrauchen, den das Zweite Vatikanische Konzil anfangs benutzt hatte. Von da an folgten viele andere Schritte als Teil dessen, worauf die FABC ihr Augenmerk richtete. Die bischöflichen Institute für religiöse und ökumenische Angelegenheiten (BIRA) widmeten dem Dialog mit den Anhängern des Islam, des Buddhismus und des Hinduismus besondere Aufmerksamkeit. Im Laufe der Jahre entwickelte man eine »Theologie des Dialogs«.

Diese große Errungenschaft der Kirche in Asien wurde während des großen Jubiläums im Jahr 2000 durch eine vertiefte Reflexion der asiatischen Synode noch mehr herausgefordert, wie wir am Dokument Ecclesia in Asia1 sehen können, das zu diesem Anlass vorbereitet wurde. In diesem Lehrdokument heißt es, dass wir die Zeichen der Zeit lesen müssten, die die »Pädagogik Gottes« offenbaren. Gleich ab dem ersten Kapitel von Ecclesia in Asia, das mit »Gemeinschaft und Dialog für die Sendung« überschrieben ist, können wir in Bezug auf unser Thema folgende Schwerpunkte finden:

– ernsthafte Gewissensprüfung; – Ursprung im liebenden Dialog des Vaters; – ein Dialog, der in der Logik der Inkarnation verankert ist; – die Notwendigkeit einer klaren christlichen Identität in Asien.

Dialog zwischen den Glaubensgemeinschaften auf den Philippinen

Der Konflikt in Mindanao, der in den siebziger Jahren begann und in vielfacher Form immer noch schwelt, hat Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen auf den Philippinen. Die Kirche in Mindanao ist verhältnismäßig jung. Offiziell ist sie seit 1910 präsent, als die erste Diözese in Zamboanga errichtet wurde. Heute ist Mindanao ein wichtiger Teil des Landes. Die Bevölkerung umfasst mehr als zwanzig Millionen Menschen, die aufgrund von Zuwanderung aus anderen Teilen des Landes mehrheitlich katholisch sind. Ursprünglich war Mindanao von Muslimen und indigener Bevölkerung besiedelt. Die Zuwanderung war eine Strategie zur Zeit der Amerikaner, um Mindanao unter Kontrolle zu halten. Es wurde den Menschen aus anderen Regionen als das »gelobte Land« angepriesen. Tatsächlich ist Mindanao ein reiches Land. Von den Amerikanern ermutigt, zogen Christen vom Norden und vom Zentrum der Philippinen nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg nach Mindanao. Heute gilt die katholische Kirche Mindanaos als der dynamischste Teil der Kirche insgesamt, während die Kirche im Norden und im Zentrum eher den Ruf hat, traditionell zu sein.

Diese Zusammensetzung der Kirche auf den Philippinen ist einer der Faktoren dafür, dass der Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils in Mindanao kraftvoller rezipiert wurde. Aus diesem Grund organisierte die Kirche Mindanaos, die aus mehr als zwanzig Diözesen besteht, nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1970er Jahren, als unter der Diktatur von Präsident Marcos das Kriegsrecht herrschte, die »Mindanao Sulu Pastoralkonferenz« (MSPC). In den Achtzigerjahren kam es zu einer Spaltung innerhalb der MSPC, und es startete eine neue Gruppe innerhalb der Kirche, die die »interreligiöse Volkskonferenz Mindanaos« (MIPC) bildete. Sie wurde als eine eher linke Gruppierung innerhalb der Kirche angesehen und von vielen Bischöfen nicht gerade begrüßt. Diese neue Gruppe wurde mit der Idee geschaffen, von sich aus stärker »interreligiös« zu sein, auch die indigene Bevölkerung sowie Muslime zu integrieren und den Kontakt zu internationalen Gruppen zu pflegen, die bereit waren, den Kampf des Volkes von Mindanao in jener Zeit zu unterstützen. Die MIPC hatte nicht lange Bestand, doch die MSPC ist immer noch lebendig, und alle drei Jahre ruft sie Vertreter aller Diözesen Mindanaos in jeweils verschiedenen Diözesen zusammen. Die MSPC widmet der interreligiösen Sendung der Kirche in Mindanao stets ihre Aufmerksamkeit, doch sie fasst nur langsam Fuß. Dies sind die wichtigsten Schritte, die die katholische Bischofskonferenz der Philippinen (CBCP) ermutigten, die bischöfliche Kommission für Ökumene und interreligiösen Dialog zweizuteilen, um dem Dialog zwischen Christen und Muslimen in Mindanao mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Im Jahr 1989 rief die CBCP die bischöfliche Kommission für interreligiösen Dialog (ECID) ins Leben.

Die katholische Menschenrechtsaktivistin Lory Obal (2. v. r.) fördert den interreligiösen Dialog mit Muslimen und kämpft insbesondere für die Rechte der Ureinwohner. Ihr Einsatz für den Frieden im Bürgerkriegsgebiet Maguindanao ist für sie selbst nicht ungefährlich. Sie ist Gründerin und Präsidentin von ICON, einem Netzwerk Interkultureller Organisationen für Solidarität und Frieden auf den Philippinen.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Im Bemühen um den interreligiösen Dialog auf den Philippinen schätzte ich die Erfahrung von Bischof Bienvenido S. Tudtud sehr. Er war in den 1980er Jahren Bischof von Marawi, wo 98 Prozent der Bevölkerung Muslime waren. In der Prälatur Marawi bildete der »Dialog des Lebens und des Glaubens« das Zentrum seines Pastoralplanes. In dem von einer protestantischen Gruppe betriebenen Marawi Dansalan College wirkte er daran mit, ein Dialogprogramm, insbesondere mit den ortsansässigen Kulturen Mindanaos, zu entwickeln und durchzuführen. Leider endete die Erfahrung des Dialogs des Dansalan College in Marawi bald nach dem Tod Peter Growings, eines charismatischen amerikanischen Pfarrers und Gelehrten, der viel zur Förderung guter Beziehungen zwischen Muslimen und Christen in den siebziger Jahren beigetragen hatte. Im Jahr 1984 startete Silsilah mit einem neuen und besonderen Profil. Es verkörperte den tieferen Geist des interreligiösen Dialogs, der vom spirituellen Leben im Dialog mit Gott, mit sich selbst, mit den anderen und mit der Schöpfung getragen ist. So lud Silsilah von Anfang an alle, insbesondere Christen und Muslime, dazu ein, den Dialog als einen Ausdruck der Liebe zu erfahren, die Solidarität bewirkt und zur Erlangung des Friedens beiträgt. In diesem Geist hat Silsilah Tausende führende Persönlichkeiten unter Muslimen und Christen bis heute geprägt.

Es wird allgemein anerkannt, dass Silsilah einen großen Beitrag dazu geleistet hat und immer noch leistet, dass der interreligiöse Dialog in Mindanao und auf den Philippinen insgesamt gedeihen konnte. Als eine erste dieser Sendung verpflichtete Gruppe empfindet Silsilah bis heute die Verantwortung für und die Herausforderung durch diese Sendung und ist dazu entschlossen, auch in dieser schwierigen Zeit der Gewalt und des Radikalismus im Geist des »Padayon« (des Weitermachens) fortzufahren. Dieses Engagement nahm insbesondere nach dem Tod von Fr. Salvatore Gestalt an, der in Zamboanga City getötet wurde, als er für die Silsilah-Mission für Dialog und Frieden im Einsatz war. Silsilah verwirklicht viele Programme. Das erste begann im Jahr 1987 und wird immer noch fortgesetzt: der Sommerkurs zum muslimisch-christlichen Dialog. Viele Schüler Silsilahs haben heute hohe Stellungen innerhalb der Regierung, der Kirche und in muslimischen und christlichen Gruppen inne. Silsilah hat viele Erzieher, Ordensschwestern, Priester, Bischöfe und muslimische religiöse Führungspersönlichkeiten ausgebildet.

Ein weiteres wichtiges Ereignis innerhalb der Geschichte der philippinischen Kirche ist das Zweite Plenarkonzil der Philippinen im Jahr 1991. Es erinnert uns daran, dass der interreligiöse Dialog ein »integraler Bestandteil der Sendung der Kirche« ist, und bekräftigt, dass der von Hoffnung und Liebe getragene Dialog Früchte im Geist bringen wird.

Im Jahr 1996 wurden Erzbischof Fernando Capalla und der muslimische Führer Dr. Mahid Mutilan von der Regierung dazu aufgefordert, eine interreligiöse Gruppe zu bilden, die dem moralischen und spirituellen Aspekt des Dialogs in Mindanao, insbesondere zwischen Muslimen und Christen, ein besonderes Augenmerk schenken sollte, um den Friedensprozess zu unterstützen. Ich selbst wurde darin direkt als Sekretär der ECID einbezogen und sollte das BUF (Bishops- Ulama-Forum) konzipieren und starten, das nun in BUC (Bishops-Ulama-Conference) umbenannt wurde. Die erste Versammlung fand im Jahr 1996 in Cebu statt. Viele Jahre lang bis heute hat die BUC eine bedeutende Rolle im Leben der Kirche Mindanaos gespielt, wenn auch aus bestimmten politischen Gründen der BUC nicht mehr dieselbe Aufmerksamkeit zuteil wird, die ihr die Vorgängerregierung geschenkt hat.

Diejenigen, die wie ich an den vielen Versammlungen teilgenommen haben, können bezeugen, wie es der BUC gelang, katholische Bischöfe, protestantische Bischöfe und muslimische Religionsgelehrte (Ulama) zusammenzubringen. Der Präsident der BUC, Erzbischof Capalla, betont stets, dass die BUC die moralische und spirituelle Stimme der muslimischen und der christlichen Oberhäupter Mindanaos ist. In diesem Geist hat die BUC in vielfacher Weise zum Friedensprozess in Mindanao beigetragen und dieselbe »Formel« der Zusammenkunft in benachbarten Ländern gefördert. Einer der wichtigen Schritte der BUC ist die Initiative für die Friedenswoche Mindanaos. Diese Initiative wurde zuerst in Zamboanga City von PAZ (Peace Advocates Zamboanga) vorangebracht, doch dann mithilfe der BUC für ganz Mindanao durchgeführt. Es ist ein gutes Programm, um viele Teile der Gesellschaft, auch aus der Regierung, einzuladen, den Frieden zusammen zu feiern. Die Friedenswoche in Mindanao wird auch vom Präsidialerlass Nr. 127 aus dem Jahr 2001 unterstützt, der »die Woche vom letzten Donnerstag im November bis zum ersten Mittwoch im Dezember« zur Mindanao- Friedenswoche erklärt. Die BUC hat auch eine Jugendgruppe für ganz Mindanao ins Leben gerufen und unterstützt viele andere Initiativen wie etwa das Harmonie- Gebet Silsilahs, ein allgemeines Gebet, das die BUC gebilligt und zu dem sie ermutigt hat. Es wurde auch vom OPAPP (Office of the Presidential Advice on the Peace Process) auf landesweiter Ebene gefördert. Dieses Gebet verbreitet sich dank der vielen Kontaktpersonen Silsilahs in unterschiedlichen Ländern nun über das ganze Land und weltweit.

Eine andere bedeutsame und im Entstehen begriffene Aktivität auf den Philippinen im Zusammenhang mit dem interreligiösen Dialog ist die Interreligiöse Weltwoche der Harmonie (WIHW, World Interfaith Harmony Week), die von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurde. Im Oktober 2010 verabschiedete die UN-Generalversammlung eine Resolution, in der die erste Februarwoche eines jeden Jahres zur interreligiösen Weltwoche der Harmonie erklärt wurde. Die Resolution »ermutigt alle Staaten, auf freiwilliger Basis die Verbreitung der Botschaft interreligiöser Harmonie und guten Willens in den Kirchen, Moscheen, Synagogen und an anderen Stätten religiöser Verehrung weltweit zu unterstützen – eine Botschaft, deren Grundlage die Liebe Gottes und die Liebe zum Nächsten oder die Liebe des Guten und die Liebe des Nächsten ist, jeweils entsprechend den eigenen religiösen Traditionen oder Überzeugungen «. Von dieser Initiative inspiriert, die dem Geist von Silsilah sehr nahesteht, begann die Bewegung damit, diese Herausforderung zusammen mit anderen Partnern anzunehmen. Im Jahr 2012 wurde die erste WIHWin Zamboanga City gefeiert. Die nationale Ulama-Konferenz der Philippinen (NUCP) wurde von Silsilah gebeten, die Führung der Initiative zu übernehmen, die viele Gruppen umfasste, welche zusammen die United Nations Interfaith Harmony Partners – Zamboanga (UNI-HP-Z) bildeten. Silsilah stellte das Sekretariat.

Diese Initiative genießt auch die volle Unterstützung auf landesweiter Ebene durch den Erlass Nr. 10525: »Ein Erlass, der die erste Februarwoche eines jeden Jahres zur ›World Interfaith Harmony Week‹ im ganzen Land erklärt und ihre Einhaltung durch die verschiedenen Regierungsbehörden anordnet, unterzeichnet von Präsident Benigno ›NoyNoy‹ S. Aquino III«. Der Erfolg dieses Erlasses stellte sich ein, als Silsilah die Kongressabgeordnete Maria Isabelle »Beng« Climaco Salazar (zurzeit Bürgermeisterin von Zamoanga City) bat, im Kongress ein Gesetz zu unterstützen. Der Erlass Nr. 10525 ist Teil des Bemühens der UNI-HP-Z, die Initiative der Vereinten Nationen in den Kongress einzubringen.

Diese Initiative entspricht dem Geist des offenen Briefes an Papst Benedikt XVI. und andere christliche Oberhäupter der Welt aus dem Jahr 2007. Er trug den Titel »A Common Word« und wurde von 138 muslimischen führenden Persönlichkeiten aus der ganzen Welt unterzeichnet. Silsilah hat diesen offenen Brief zusammen mit anderen Gruppen landesweit verbreitet.

Das Bemühen um den Dialog heute auf den Philippinen ist für viele Institutionen und Gruppen, insbesondere in Mindanao, zu einer neuen Herausforderung geworden. Mit dem Wachstum der muslimischen Gemeinschaften außerhalb Mindanaos gibt es eine zunehmende Aufmerksamkeit und vermehrte Anstrengungen in anderen Regionen der Philippinen. Die größte Konzentration von Muslimen außerhalb Mindanaos weist Manila auf, insbesondere Quiapo, wo Silsilah der dortigen Pfarrei dabei hilft, einen interreligiösen Dienst mit unterschiedlichen Programmen für Muslime und Christen vor Ort einzurichten.

Wir können unterschiedliche Gruppen landesweit und in Mindanao aufzählen, die sich im interreligiösen Dialog engagieren. Einige sind eher politisch orientiert, andere wiederum widmen sich eher sozialen Fragen und Friedensthemen. Oftmals werden Versammlungen von Leuten verschiedener Religionszugehörigkeit als »interreligiöse Versammlungen« bezeichnet. Es gibt auch das Bemühen, jetzt den Akzent auf den »Dialog innerhalb einer Glaubensgemeinschaft« zu legen, da es immer noch viele Probleme gibt, die unter Menschen desselben Glaubens gelöst werden müssen, bevor es zum »interreligiösen Dialog« kommen kann. Man spricht vom »intrareligiösen« und vom »interreligiösen « Dialog. Wir bei Silsilah ziehen es vor, beide Arten des Dialogs als Teil der »Kultur des Dialogs als Weg zum Frieden« darzustellen.

Die Gruppen, die heute im Zusammenhang mit dem interreligiösen Dialog entstehen, sind folgende: der Friedenskreis im Gebiet von Manila, die Interreligiöse Solidarität im Gebiet von Zamboanga, die interreligiöse Gruppe im Gebiet von Pagadian, das Friedenserziehungsprogramm des Miriam College in Manila, die katholischen Hilfsorganisationen und andere internationale Gruppen, die Außenstellen auf den Philippinen haben, wie etwa die Fokolar-Bewegung, die Organisation Religionen für den Frieden, die Gemeinschaft Sant’ Egidio und andere. Es gibt auch viele Gruppen, die Dialog und Frieden an den Universitäten und anderen Institutionen fördern und zugleich mit einigen Gruppen und Gremien in Verbindung stehen, die nicht von langer Dauer sind.

Die Liste kann noch fortgesetzt werden. Als erste Bewegung für den Dialog in Mindanao und auf den Philippinen insgesamt ist Silsilah froh über die vielen Anstrengungen, insbesondere über einige, die ein klares Profil haben. Viele Leiter dieser Projekte sind Schüler und Freunde Silsilahs, und wir arbeiten mit vielen von ihnen zusammen, so gut es möglich ist. Wir sind glücklich darüber, beobachten zu können, dass viele nun die Kultur des Dialogs voranbringen, die für Silsilah nicht nur ein Programm darstellt, sondern einen Lebensstil und eine Spiritualität, die jeder seiner Religion und der Situation entsprechend umsetzen kann. Die große Herausforderung für alle bleibt es, vielen Gruppen mit einem interreligiösen Programm zu helfen, die Vorstellung vom interreligiösen Dialog als einer »Strategie für den Frieden« zu überwinden und zu einem tiefen Verständnis von Dialog und Frieden zu gelangen.

Das Silsilah Dialogue Movement fördert den interreligiösen Dialog mit der muslimischen Bevölkerung auf vielfältige Weise. Die persönliche Begegnung – das Foto zeigt die Präsidentin der Bewegung, Aminda E. Sano, im Gespräch mit der muslimischen Lehrerin Criselda Mantawil Addani – ist dabei unabdingbar.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Stärken und Schwächen

Die gute Seite ist, dass es viele Bemühungen um den interreligiösen Dialog auf den Philippinen gibt. Aber es gibt auch eine Menge Verbesserungsbedarf, insbesondere aus folgenden Gründen: – Die meisten Bemühungen um den interreligiösen Dialog werden von Christen initiiert und zielen auf das Verhältnis zwischen Muslimen und Christen sowie auf den Friedensprozess ab.

– Die meisten Bemühungen um den interreligiösen Dialog ordnen sich in die »Strategie« des Dialogs ein.
– Es gibt immer noch eine Menge Vorurteile gegenüber Muslimen vonseiten der Christen und umgekehrt. Dies ist einer der Aspekte, der in unserem interreligiösen Bemühen in Betracht gezogen werden muss, damit wir in der Lage sind, Vertrauen aufzubauen und Solidarität herzustellen.
– Die Muslime beklagen sich allgemein darüber, dass sie weniger Chancen innerhalb der Gesellschaft haben. Doch dasselbe bekommen wir von den Christen dort zu hören, wo die Muslime die Mehrheit bilden.
– Politiker spielen mit den Gefühlen der Leute und benutzen sie für ihre Interessen. Dies gilt auch für den Friedensprozess und für das Bangsamoro Basic Law (BBL, Bangsamore-Grundgesetz).
– Es ist dringend notwendig, auf der Ebene der Diözesen und Pfarreien mehr dafür zu tun, um den echten Geist des Dialogs ohne Angst zu fördern.
– Die Katholiken sind oft die Zielscheibe von Bekehrungsversuchen vonseiten anderer Religionen, insbesondere des Islam. Die Muslime verfolgen in einigen Gegenden ein »aggressives« Bekehrungsprogramm, das von einigen muslimischen Ländern mit viel Geld unterstützt wird. Diejenigen, die zum Islam bekehrt werden, werden »Balik Islam« (»Rückkehr zum Islam«) genannt.
– Der interreligiöse Dialog mit anderen Religionen wie dem Buddhismus und Hinduismus findet nur in großen Städten statt und hat keinen nennenswerten Einfluss auf nationaler Ebene.

Wir machen jetzt sehr schwierige Zeiten durch, weil es auf den Philippinen radikale Gruppen gibt. Es gibt auf den Philippinen ortsansässige und internationale Gruppierungen, die die Gewalt fördern.

Schlussfolgerung

Wir müssen in dieser Zeit hart arbeiten, um eine neue Praxis des »interreligiösen Dialogs« zu etablieren, die den wahren Geist des Dialogs widerspiegelt. Die große Herausforderung besteht darin, Christen und Muslime davon zu überzeugen, dass es möglich ist, die eigene religiöse Identität beizubehalten und zugleich offen für den Dialog zu sein. Dies erfordert eine größere Anstrengung auf dem Gebiet der Erziehung, von den Kindern angefangen bis hin zu allen Teilen der Gesellschaft. Wir müssen der Versuchung widerstehen, die »Hindernisse« zu umgehen, weil wir Angst vor der Konfrontation mit echten Themen haben. Es gibt – insbesondere bei den Christen – die Versuchung, sich in Richtung einer Art »Synkretismus« zu bewegen, um Probleme zu vermeiden. Für die Christen und die Muslime ist es nun an der Zeit, die Botschaft der Liebe als eine neue Ausdrucksweise des Dialogs wiederzuentdecken.

Die große Herausforderung für alle besteht darin, die Wirklichkeit der anderen Kulturen und Religionen zu akzeptieren und zu lernen, wie man alle gleich behandelt. Wir erleben den Konflikt innerhalb des Islam auf der Ebene von Religion und Glaube, der zu Spaltung und Gewalt führt. Etwas Ähnliches geschah in der Vergangenheit auch bei den Christen, die Kampf im Namen der Religion so gerechtfertigt haben, wie es einige muslimische Gruppierungen heute noch tun. So ist es das hauptsächliche Bemühen des interreligiösen Dialogs in der Welt und auf den Philippinen, positive Botschaften auszusenden und dabei alle Medien zu nutzen. Den führenden Persönlichkeiten, der Basis und der Jugend soll dabei der Vorrang zukommen. Es gibt eine Menge zu tun. Insbesondere müssen wir mehr Anstrengungen unternehmen, zwischen unterschiedlichen Gruppen Freundschaft und Respekt zu etablieren. Wir haben all dieses Bemühen mit dem Akronym CARE zusammengefasst:

– Mut (Courage) bei unserer Sendung zum Dialog heute;
– Wertschätzung (Appreciation) dessen, was wir an Gutem in den anderen Religionen entdecken;
– Respekt (Respect) vor dem, was wir an der Praxis der anderen nicht verstehen und nicht mögen, und dafür zu sorgen, dass ein jeder das Grundgesetz des Landes respektiert;
– Beispiel (Example) geben, um die Güte unserer Religion in unserem Leben zu verkörpern.

Tatsächlich geht die Zukunft des Friedens in Mindanao und auf den Philippinen insgesamt aus einem richtigen Verständnis des interreligiösen Dialogs und einem richtigen Verständnis des Wertes des Lebens als Gabe Gottes für alle hervor. Deshalb ist es notwendig, einander als Brüder und Schwestern und Teil derselben, vom selben Gott geschaffenen Menschheitsfamilie zu begegnen.

SEBASTIANO D'AMBRA
PIME-Missionar, Gründer und Leiter der Silsilah-Dialog-Bewegung, Zamboanga City

Aus dem Englischen übersetzt von Dr. Bruno Kern M.A.

Ausgabe 3/2016

Unter den zivilgesellschaftlichen Akteuren in den Philippinen spielen die Vertreter der Religionen eine wichtige Rolle. Beim »Tri People Council« in Tulunan Cotabato bei Kidapawan auf der Insel Mindanao kommen Vertreter der katholischen, muslimischen und indigenen Gruppen zusammen.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

ANMERKUNG

1 Johannes Paul II., Nachsynodales apostolisches Schreiben ECCLESIA IN ASIA, hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, 146), Bonn 2000.

Gratis-Ausgaben

Ich möchte Forum Weltkirche mit 2 Gratis-Ausgaben kennen lernen.

/ Bestellen bei HerderShop24