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Refugees welcome. Eine Herausforderung für Christen

Als in den vergangenen Monaten Tausende Flüchtlinge nach Deutschland kamen, haben die Menschen hierzulande eine bemerkenswerte Willkommenskultur gezeigt und entwickelt. Die große Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen, hat Bewunderung hervorgerufen, aber auch politische Spannungen und Verwerfungen erzeugt. Nach dem energischen »Wir schaffen das!« hat es inzwischen diplomatische Händel gegeben, um den Zuzug von Migranten zu reduzieren. Und neben dem großen ehrenamtlichen Engagement in der Flüchtlingshilfe gab es auch die unrühmlichen Nachrichten von zerstörten Flüchtlingsunterkünften. Gilt in Deutschland also weiterhin: »Refugees welcome«?

Michael Gmelch, der als Seelsorger am Einsatz der Deutschen Marine »Humanitäre Hilfe zur Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen im Mittelmeer « teilgenommen hat, beantwortet diese Frage in seinem Buch mit Ja. Und er sieht besonders die Christinnen und Christen in der Pflicht, die Willkommenskultur zu pflegen. Dem Wort Jesu »Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen« können und dürfen sich Christen nicht entziehen: »Die Hilfe für Flüchtlinge ist für Christen keine Option, sondern ein biblisch begründeter Auftrag.« Allerdings sieht Gmelch die Kirche in der Flüchtlingsfrage nicht nur als Dienstleister, sondern vielmehr in einer Situation, von der sie selbst profitiert. Die bevorstehende jahrelange Integrationsarbeit könne nicht nur den Gemeinden ein großes Betätigungsfeld bieten, »sondern auch einen Resonanzboden bilden für jene, die der Kirche längst den Rücken gekehrt haben«. So richtig und reizvoll dieser Gedanke ist, darf er doch nicht dazu führen, dass das uneigennützige Engagement in der Flüchtlingshilfe erneut für gemeindliche Zwecke vereinnahmt wird. Entsprechend formuliert Gmelch: »Kirche hat in einer pluralen Gesellschaft dann Vorbildcharakter, wenn sie soziale Grenzen überschreitet, Hilfe selbstlos gestaltet und nicht nur eigene Traditionen verwaltet. « Er sieht Kirchengemeinden als »Laboratorien im kulturellen Transformationsprozess « und ermutigt zum »Erlernen von interkultureller und interreligiöser Kompetenz «. Gleichzeitig weiß er um das Potential des »global players« Kirche: »Sie hat durch ihre Katholizität in den Kontinenten dieser Erde genügend interkulturelle Kompetenzen und Integrationsressourcen im Gepäck, um einen qualitativen Input für die aktuelle Situation zu leisten.«

Diese Anregungen zur Flüchtlingskrise als Herausforderung für Christen in Deutschland werden eingeleitet durch die Schilderung persönlicher Begegnungen und deren Reflexion sowie durch theologische Überlegungen. Die anschaulichen Beobachtungen und klaren Schlussfolgerungen machen das Buch, dem etwas mehr sprachliche Sorgfalt gutgetan hätte, zu einer bewegenden und bereichernden Lektüre.

Michael Gmelch, Refugees welcome. Eine Herausforderung für Christen, Würzburg 2016.
ISBN 978-3-429-03933-2

Ausgabe 4/2016

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