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KENIA

Ungewisse Zukunft für das größte Flüchtlingslager der Welt

Im Jahr 2011 wurde im kenianischen Dadaab das Flüchtlingslager IFO errichtet – als Erweiterung, da die bestehenden Camps die neu ankommenden Flüchtlinge aus Somalia nicht mehr aufnehmen konnten.
FOTO: UNHCR/J. BROUWER

Kenianische Regierung kündigt an, das Lager Dadaab zu schließen

Die Anfang Mai 2016 von der kenianischen Regierung angekündigte Schließung der Flüchtlingslager in Dadaab ist von verschiedenen Seiten heftig kritisiert worden. Der Komplex in Dadaab hat sich seit 1992 zum weltweit größten Flüchtlingslager mit rund 350.000 Einwohnern entwickelt. Die Mehrheit der dort lebenden Menschen sind somalische Flüchtlinge, die vor dem Bürgerkrieg aus ihrer Heimat fliehen mussten. Die Nachrichtenagentur Fides berichtet, der Hauptgrund für die Schließung der Camps sei ein nicht eingehaltener Rückführungsplan, den das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge sowie die Regierungen Kenias und Somalias 2013 vereinbart hätten. Nach Ansicht der kenianischen Bischöfe sind sowohl die Regierung als auch die internationale Staatengemeinschaft für die schwierige Lage verantwortlich. Die Staatengemeinschaft erkenne das Sicherheitsproblem in Kenia nicht an, deshalb fühle sich die Regierung überfordert und wolle keine weiteren Flüchtlinge mehr aufnehmen.

Kenia rechtfertigt die Schließung des Flüchtlingscamps mit dem Verdacht, dass sich Terrorzellen der somalischen Al-Shabaab-Milizen dort versteckt halten könnten. »Einige der schwersten Terroranschläge, einschließlich des Anschlags auf des Einkaufszentrum Westgate in Nairobi im Jahr 2013, wurden in Dadaab geplant und von dort aus ausgeführt «, so ein hoher Beamter des kenianischen Innenministeriums.

In einer gemeinsamen Erklärung vom 18. Mai 2016 äußerten die Bischöfe Verständnis für die Sorgen der Regierung. Allerdings müsse die Wiederherstellung der Sicherheit zum Wohl und zum Schutz aller geschehen, die innerhalb der Landesgrenzen Kenias leben. »Im Einklang mit den nationalen und internationalen Bestimmungen und der katholischen Soziallehre fordern wir die Regierung auf, ihr ernsthaftes Engagement für alle ohne Unterschiede und insbesondere für Flüchtlinge unter Beweis zu stellen«, so die Bischöfe. »Auf der Suche nach nachhaltigen und langfristigen Lösungen für die Flüchtlinge« versprachen die Bischöfe der Regierung ihre Unterstützung und Zusammenarbeit. Sie forderten die Regierung auf, die eigene Entscheidung zu überdenken und das Gespräch mit wichtigen Akteuren zu suchen, um eine »harmonische und freiwillige Rückführung der Flüchtlinge« sicherzustellen.

Beobachter vermuten, dass Kenia mit der Androhung einer möglichen Schließung des Flüchtlingslagers die internationale Staatengemeinschaft auf die prekäre Sicherheitslage im Land aufmerksam machen möchte.

Ausgabe 5/2016

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