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Waffenstillstand nach mehr als 50 Jahren der Gewalt

Ein Graffito in Bogota fordert: »Keinen Krieg mehr!« Mit der Unterzeichnung eines Waffenstillstands ist Kolumbien dem Frieden einen Schritt näher gekommen.
FOTO: JüRGEN ESCHER/ADVENIAT

Regierung und Rebellen vereinbaren Friedensgespräche

Am 22. Juni 2016 haben die kolumbianische Regierung und die Farc, die größte Rebellenbewegung des Landes, in der kubanischen Hauptstadt Havanna ein Abkommen über »einen Waffenstillstand und das endgültige Ende der Auseinandersetzungen « unterzeichnet. Am Tag vor der Unterzeichnung verbreitete die Rebellenbewegung über Twitter: »Heute ist der letzte Tag des Krieges!« Die Kolumbienreferentin des Lateinamerika- Hilfswerks Adveniat, Monika Lauer Perez, erklärte: »Der beidseitige Waffenstillstand wurde möglich, weil Regierung und Rebellen klar geworden ist, dass keine Seite den Krieg gewinnen wird. Beide Seiten haben erkannt: Jetzt ist der Zeitpunkt für eine Politik ohne Waffen.« Als bemerkenswert bezeichnete sie die Tatsache, dass sich die Farc während der dreieinhalb Jahre dauernden Friedensverhandlungen in der kubanischen Hauptstadt weitestgehend an ihre einseitig gegebene Zusicherung gehalten habe, die Waffen ruhen zu lassen.

Großen Eindruck habe auf beide Verhandlungsparteien die Begegnung mit Opfern gemacht. Die vom Vorsitzenden der kolumbianischen Bischofskonferenz Luis Augusto Castro Quiroga geleitete Nationale Versöhnungskommission hatte 60 Opfer zu den Verhandlungen begleitet, damit ihre Geschichte Teil des Friedensprozesses sei. »Es war das erste Mal, dass auch die Guerilleros sich als Täter gesehen haben. Bis dahin hatten sie sich selbst immer nur als Opfer des Systems betrachtet«, so Lauer Perez.

Eine große Herausforderung sieht die Kolumbien-Expertin in der anstehenden Landreform, durch die die ungerechte Verteilung fruchtbaren Ackerlandes – einer der ursprünglichen Gründe des Konflikts – überwunden werden müsse. Auch müsse man der verarmten Landbevölkerung eine echte Alternative zum Drogenanbau bieten. Eine Gefahr für den Friedensvertrag seien die von den Vorgängerregierungen unterstützten und heute weitgehend unkontrolliert operierenden Paramilitärs. »In die bisher von der Farc kontrollierten Gebiete könnten jetzt die Paramilitärs vordringen und die Macht an sich reißen«, befürchtet Lauer Perez. Einige Bischöfe bereiteten sich bereits auf eine neue große Flüchtlingswelle vor. »Wahrscheinlich werden die Menschen aus den ländlichen Regionen in die Städte fliehen und dort die Elendsviertel vergrößern, in denen heute schon große Teile der insgesamt sechs Millionen Binnenflüchtlinge leben.«

Ausgabe 5/2016

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