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Buchtipp

Grenzverläufe Gesellschaftlicher Gerechtigkeit

Migration ist eine der großen Herausforderungen der gegenwärtigen Gesellschaften in Europa (und in fast allen Teilen der Welt). Sie verlangt eine Antwort nicht nur unmittelbar, in der Praxis der Gastfreundschaft und wohlwollenden Aufnahme, sondern auch auf der Ebene der theoretischen Reflexion, um politische Weichenstellungen und gesellschaftliche Entwicklungen vorzubereiten und kritisch zu begleiten. Dieser Aufgabe stellt sich das Buch »Grenzverläufe gesellschaftlicher Gerechtigkeit« der Münsteraner Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins, die mit ihren Überlegungen »Impulse zu weiterer Auseinandersetzung und Diskussion« bieten will. (Vgl. den Beitrag »Wie gestaltet die Menschheitsfamilie ihr Zusammenleben?« in diesem Heft.)

Es sind, neben anderen, vor allem zwei Perspektiven, die das Buch zu einer lohnenden Lektüre und einem bedenkenswerten Diskursbeitrag machen. Zum einen ist es die Sicht auf Migration als globales Phänomen. Der in den Medien besonders präsente Zuzug von Flüchtlingen nach Europa wird in den notwendigen globalen Zusammenhang gestellt: Internationale Migration fordert die ethische Reflexion im Hinblick auf weltweite Gerechtigkeit heraus. Auch wenn die deutsche Situation, etwa mit Blick auf die Integration oder die Flüchtlingspolitik, Gegenstand der Überlegungen ist, so erfolgen diese doch stets im Wissen um die globale Dimension der Migration. Angesichts der paradoxen Gleichzeitigkeit nationaler Egoismen und der Begrenztheit nationaler Antwortversuche kann diese Dimension kaum hoch genug veranschlagt werden. Insbesondere eine global agierende Kirche muss sie im Blick behalten.

Zum anderen ist es die Perspektive von Zugehörigkeit und Beteiligung als den leitenden sozialethischen Kriterien. »Einen Status der Zugehörigkeit zu haben, bedeutet in einer grundlegenden Hinsicht die Zusage, als Mitglied eines Gemeinwesens anerkannt zu sein; es ermöglicht Beteiligung und eröffnet die Chance zur Inklusion. Im Gegenzug bedeutet Nicht-Zugehörigkeit auf einer fundamentalen Ebene das Fehlen von Anerkennung, verhindert wesentliche Formen von Beteiligung und bewirkt Exklusion.« (120) Diese Perspektive analysiert die Autorin im Kontext kolonialistischer Muster, stellt sie als sozialethische Leitlinie in Fragen der Migration vor und entfaltet sie als integrationspolitische Orientierung. In ihrem anspruchsvoll geschriebenen Buch reflektiert Marianne Heimbach-Steins die migrationspolitischen Herausforderungen der Gegenwart im Horizont der christlichen Sozialethik. Damit eröffnet sie einen Orientierungsrahmen, der über die tagesaktuellen Debatten hinausreicht, und gibt fundiert Anstöße für persönliche und politische Haltungen und Handlungen im Zeitalter weltweiter Mobilität.

Marianne Heimbach-Steins, Grenzverläufe gesellschaftlicher Gerechtigkeit. Migration – Zugehörigkeit – Beteiligung, Paderborn 2016. ISBN 978-3-506-78276-2, 27,90 Euro.

Ausgabe 5/2016

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