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NIGERIA

Mehr Kooperation im Kampf gegen den Menschenhandel

Der Präsident von Caritas Internationalis, der philippinische Kardinal Luis Antonio Tagle, mit Teilnehmerinnen der Konferenz über Menschenhandel im nigerianischen Abuja.
FOTO: MICHELLE HOUGH

Internationale Konferenz fördert grenzübergreifende Zusammenarbeit

Zu einer Konferenz über Menschenhandel sind Anfang September 2016 mehr als 150 Teilnehmer in Abuja zusammengekommen. Vertreten waren kirchliche, internationale und Nichtregierungsorganisationen aus mehr als 40 Ländern. Organisiert wurde die Konferenz von Caritas Internationalis und dem Päpstlichen Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, Gastgeberin war die Caritas in Nigeria.

Die Konferenz stand unter dem Titel »Eine Menschheitsfamilie, eine Stimme, kein Menschenhandel«. Sie bot den Akteuren die Gelegenheit, eine Bestandsaufnahme des wachsenden Problems des Menschenhandels in Afrika zu machen. Die Teilnehmer diskutierten Lösungen und bewährte Vorgehensweisen und nutzten die Gelegenheit, sich untereinander zu vernetzen. Michel Roy, Generalsekretär von Caritas Internationalis, sagte gegenüber Radio Vatikan: »Wir müssen auf allen Ebenen zusammenarbeiten. Diese Dinge geschehen oft im Kleinen auf lokaler Ebene. Die lokalen Gemeinden müssen sich bewusst sein, dass es enorme Anstrengungen in der Informationspolitik braucht. Dabei sind die lokalen Medien sehr hilfreich, aber auch die Kirchengemeinden und religiösen Gemeinschaften. Zugleich muss das Problem global angegangen werden. Auf internationaler Ebene gibt es bereits mehrere Abkommen und Maßnahmen gegen den Menschenhandel. Diese müssen aber auch von den einzelnen Staaten auf gesetzlicher Ebene umgesetzt werden. Die Staaten brauchen hierbei die Unterstützung der Zivilgesellschaft, aber auch der professionellen und der religiösen Organisationen.«

Zur Sprache kamen die verschiedenen Auswüchse des Menschenhandels, der die Opfer ihrer Menschlichkeit und ihrer Würde beraubt. Die Praxis des Menschenhandels zeigt sich etwa in der Ausbeutung von Arbeitskraft, sexueller Ausbeutung und in der Entnahme und dem Handel von Organen. Dazu Michel Roy: »Ein großer Teil des Menschenhandels geschieht in Afrika selbst und von Afrika ausgehend. Prostitution, Zwangsarbeit – es gibt zahlreiche Formen des Missbrauchs von Menschen, die sich in Schwierigkeiten befinden und einen Ausweg suchen. Besonders dramatisch ist, dass die Familien dieser Menschen mehr oder weniger bewusst zu Komplizen der Ausbeutungen werden. Es gilt, den Opfern zu helfen und ihnen beizustehen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Und es muss dafür gesorgt werden, dass es weniger Menschen gibt, die den Leuten falsche Versprechungen machen, etwa bei der Flucht.«

Der Menschenhandel ist ein internationales Problem, das Millionen Männer, Frauen und Kinder in allen Ländern Afrikas betrifft. Obwohl Menschenhandel in allen 54 afrikanischen Ländern verboten ist, gibt es bis jetzt noch keine gemeinsamen gesamtafrikanischen Anstrengungen, um ihn zu bekämpfen. Die Ansätze sind gewöhnlich isoliert und nicht koordiniert. Die Konferenz war ein erster Versuch, die Kooperation innerhalb der einzelnen Länder und über Ländergrenzen hinweg zu verbessern. Religiöse Institutionen verfügen über einen guten Zugang und bieten sich als Partner bei der Bekämpfung des Menschenhandels an, da sie über weitreichende Organisationen, Langlebigkeit und gemeinsame Werte verfügen. Dies unterstrich Kardinal Luis Antonio Tagle, Präsident von Caritas Internationalis; er drängte die Kirche, Gewissen der Gesellschaft zu sein.

»Um das Problem zu verstehen, hört man sich am besten die Erzählungen von Betroffenen an, seien es Zwangsprostituierte oder Zwangsarbeiter«, sagte Michel Roy. Auf der Konferenz berichteten Überlebende über ihre Erfahrungen. Sophie Otiende von der kenianischen Organisation HAART gab einen eindrucksvollen Bericht darüber, wie sie den Menschenhandel erlebt hat und wie er leicht hätte verhindert werden können. Allerdings sprach sie nicht nur über ihre Rolle als Opfer und ihr Leiden, sondern auch darüber, wie sie überlebt hat und wie sie sich nicht von der Ausbeutung bestimmen lassen will. Sie gab ein Beispiel davon, wie stark Überlebende sind und dass sie eine verwandelnde Kraft für andere darstellen, die sich in ähnlichen Situationen befinden.

Der Menschenhandel grassiert weiter auf dem afrikanischen Kontinent, fordert Millionen Opfer und nimmt vielen Gesellschaften ihre wertvollsten Ressourcen – die Menschen. Die Delegierten der Konferenz verabschiedeten eine gemeinsame Verlautbarung, die auf die Erklärung von Papst Franziskus und anderer Weltführer aus dem Jahr 2014 aufbaut. Die Stellungnahme drängt die Regierungen der Welt, strengere Gesetze gegen Menschenhandel anzunehmen und umzusetzen und zu bekräftigen, dass Menschenhandel ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist. Sie sollen sich »zur Zusammenarbeit und zum gemeinsamen Vorgehen verpflichten, mit dem Ziel, die Plage des Menschenhandels und der Ausbeutung von Menschen zu verhindern und auszurotten und die menschliche Würde hochzuhalten«.

Ausgabe 6/2016

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