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30. Friedenstreffen der Religionen

Papst Franziskus und Vertreter anderer Religionen beim Friedenstreffen in Assisi im September 2016.
FOTO: COMUNITA DI SANT’EGIDIO

Auf Einladung der Gemeinschaft Sant’ Egidio sind rund 500 Vertreter aller Weltreligionen vom 18. bis zum 20. September 2016 in Assisi zu einem Friedenstreffen unter dem Motto »Durst nach Frieden« zusammengekommen. Auch Papst Franziskus nahm an dem Treffen teil, das auf das Weltfriedensgebet zurückgeht, zu dem Papst Johannes Paul II. 1986 die Oberhäupter der Weltreligionen nach Assisi eingeladen hatte. Die Gemeinschaft Sant’Egidio trägt seither den Geist von Assisi weiter und organisiert jährlich an wechselnden Orten die Friedenstreffen, bei denen Religionsoberhäupter wie auch Vertreter aus Politik und Gesellschaft aus der ganzen Welt zusammenkommen. Zum 30. Jahrestag kehrte das Treffen nach Assisi, in die Stadt des Heiligen Franziskus zurück.

»In der Begegnung liegt eine Befreiung aus vielen kleinen Partikularwelten «, so Andrea Riccardi, der Gründer von Sant’Egidio, bei der Eröffnung des Treffens. »Der Dialog ist die Intelligenz des Zusammenlebens: Entweder werden wir zusammen leben oder zusammen sterben.« Papst Franziskus forderte die Gläubigen aller Religionen auf, fundamentalistische Gewalt zu ächten. Jede Form von Gewalt sei eine Entstellung der Religion und widerspreche ihrem »wahren Wesen«, sagte er zum Abschluss des Friedenstreffens. Wer die Religion dazu benutze, Gewalt zu schüren, handle gegen ihren »eigentlichen inneren Antrieb «. Der Papst betonte in seiner Ansprache: »Allein der Friede ist heilig und nicht der Krieg.« Gläubige aller Religionen müssten sich »von den schweren Bürden des Misstrauens, der Fundamentalismen und des Hasses befreien« und Konflikte gemeinsam und friedlich lösen. Zuvor hatte Franziskus in Assisi mit scharfen Worten Gleichgültigkeit gegenüber Flüchtlingen angeprangert. Zu oft begegneten sie kaltherzigen Menschen, »die ihren Hilfeschrei mit jener Mühelosigkeit abstellen, mit der sie den Fernsehkanal umschalten«.

Zum Abschluss des Treffens verabschiedeten Vertreter aller Weltreligionen einen Appell, in dem sie jeder Rechtfertigung von Krieg und Terrorismus im Namen der Religion eine Absage erteilten und sich zum Dialog bekannten. Zugleich riefen die geistlichen Oberhäupter die Regierenden auf, Konfliktursachen wie Machtgier und Waffenhandel, aber auch Armut und Ungleichheit zu beseitigen. Den Appell verabschiedeten Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I. gemeinsam mit Rabbiner David Brodman aus Israel, dem Vizerektor der sunnitischen Al-Azhar-Universität in Kairo, Abbas Shuman, dem buddhistischen Patriarchen Koei Morikawa und anderen.

Ausgabe 6/2016

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