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Im Prinzip gesetzlich geschützt

Religionsfreiheit in Thailand

von MICHAEL KELLY SJ

Um Touristen wirbt Thailand mit dem Slogan »Land des Lächelns «. Angesichts düsterer – wirtschaftlicher, politischer und kultureller – Aussichten ist heute jedoch vielen nicht zum Lächeln zumute. Und das in einem Land, das bis vor kurzem noch zu den am schnellsten wachsenden und stabilsten Ländern in Südostasien zählte.

In der thailändischen Hauptstadt Bangkok markiert ein Kreuz die Präsenz des Christentums.
FOTO: MARION HAVENITH

Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass die Freiheit im Allgemeinen und die Religionsfreiheit im Besonderen in Thailand gegenwärtig stark gefährdet sind. Das Land wird von einer Militärjunta beherrscht, die nach eigener Aussage im besten Interesse des Landes handelt und die ausdrückliche Billigung des Königshauses hat. In einem immer noch von einem feudalen politischen System geprägten Staat ist das der entscheidende Aspekt. Es gibt keine »demokratischen« Institutionen – Parlament, Gerichte, Polizei und Militär –, die sich außerhalb des Rahmens eines unbedingten Gehorsams gegenüber dem Monarchen bewegen. Ihre Aufgabe sehen sie darin, den Staat durch bedingungslose Befolgung seiner Vorgaben zu stärken und zu stützen.

Es gibt jedoch ein Problem: Der verehrte Monarch, König Bhumibol Adulyadej, zählt mittlerweile 88 Jahre und ist naturgemäß schon etwas gebrechlich. Beim letzten Militärputsch im Mai 2014 – bereits der zwölfte seit Abschaffung der absoluten Monarchie durch die Generäle im Jahr 1932 – ging es in erster Linie um seine Nachfolge. Das Militär will dabei mitreden, weil der Nachfolger des Königs – sein Sohn – nicht nur unbeliebt ist, sondern enge Verbindungen zu einflussreichen Akteuren pflegt, die das Militär und die politische Elite im Land auf Schritt und Tritt bekämpfen. Das gilt vor allem für den abgesetzten, korrupten, im Exil lebenden, aber nach wie vor beliebten Ex-Premierminister Thaksin Shinawatra sowie seine Schwester und Nachfolgerin Yingluck Shinawatra, die Opfer des letzten Putsches wurde. Auf internationaler Ebene äußerten viele Länder, vor allem die USA als militärischer Verbündeter Thailands ihre Missbilligung und Sorge über den Umgang Thailands mit einer Krise, bei dem jeglicher demokratische Prozess unter die Räder kommt. Diplomatische Proteste dieser Art kamen in Thailand nicht gut an. Die Militärregierung reagierte darauf, indem sie größere Nähe zu Konkurrenten der USA suchte – vor allem China, das nach Vormacht in der Region strebt.

Instabile Lage

Seit Einführung der konstitutionellen Monarchie im Jahr 1932 war das Militär stets an der Führung des Landes beteiligt. Während die Thaksin-Unterstützer in ihren roten Hemden unter der Herrschaft der Junta weiterhin auf ihre Stunde warten, ist der augenfälligste bewaffnete Kampf in Thailand ein religiöser Konflikt. Separatistische muslimische Gruppierungen in drei Südprovinzen Thailands befinden sich seit 1948 in einem bewaffneten Dauerkonflikt mit dem thailändischen Militär, der seit 2001 in einer offenen Revolte geführt wird. Schätzungen zufolge forderte er in den vergangenen zehn Jahren 10.000 Verwundete und 6.000 Todesopfer.

Im Prinzip ist die Religionsfreiheit in Thailand gesetzlich geschützt. Gesetze garantieren die Religionsfreiheit, und meist haben thailändische Regierungen dieses Recht respektiert. Der Staat registriert jedoch keine neuen Religionsgruppen, die sich aufgrund ihrer Lehre oder aus anderen Gründen außerhalb der bestehenden religiösen Verwaltungsgremien bewegen. In der Praxis können nicht registrierte religiöse Organisationen ungehindert agieren; ihre Aktivitäten erfahren durch die herrschende Praxis, sie nicht amtlich zu registrieren, keine Einschränkung. Die Zahl der ausländischen Missionare, die im Land arbeiten dürfen, ist hingegen offiziell begrenzt. Allerdings gab es in der Vergangenheit eine Vielzahl nicht registrierter Missionare, die ungehindert in Thailand leben und arbeiten durften.

Aus dem Großteil des Landes werden keine gesellschaftlichen Missstände oder Diskriminierungen aufgrund der religiösen Überzeugung oder der Ausübung einer Religion gemeldet. In den südlichen Provinzen führte die anhaltende separatistische Gewalt jedoch zu einem neuen Phänomen, nämlich zu wachsenden Spannungen zwischen Buddhisten und Muslimen.

Warum das Thema so wichtig ist

In kaum einem gesellschaftlichen oder politischen Konflikt in Süd- und Südostasien spielt die Religion keine Rolle. Neben dem Problem mit den Unruhen im Süden ist Thailand die Drehscheibe des Menschenhandels in Südostasien – Prostituierte, Bauarbeiter, Fischer, Schwarzarbeiter und Drogenkuriere. Die Opfer dieser »Handelsgeschäfte« sind arm, einfach auszubeuten und leben oft genug unter sklavenartigen Zuständen. Im Jahresbericht 2015 der Organisation Human Rights Watch heißt es: »Arbeitsmigranten sind nach wie vor extrem anfällig für Ausbeutung. Bei Frauen manifestiert sich dies vor allem in sexueller Ausbeutung und Menschenhandel und bei Männern in extremer Ausbeutung der Arbeitskraft bis hin zum Verkauf auf thailändische Fischerboote.«

Häufig spielt dabei der religiöse Minderheitenstatus eine Rolle. Der extremste Fall von Ausbeutung manifestiert sich bei den Rohingya, einer muslimischen Minderheit an der Westküste von Myanmar. Im Versuch, vor buddhistischen Extremisten zu fliehen, endeten Zehntausende von ihnen praktisch als Sklaven auf Fischerbooten. Andere Migranten aus den ärmsten Ländern in der Region – Bangladesch, Myanmar, Kambodscha und Laos – ereilte dasselbe Schicksal. Schätzungsweise zwei Millionen illegale Arbeiter befinden sich in den Fängen einer in ganz Südostasien operierenden Menschenhandelsindustrie. Im Mai 2015, als man in der Nähe der Grenze zu Malaysia die hastig verscharrten Leichen von 100 Rohingya fand, richteten sich die Augen der Weltöffentlichkeit endlich auf Thailand. Diese Entdeckung – im Großteil von Thailand ein offenes Geheimnis, bis internationale Medien diese Tragödie bekannt machten – war nur die Spitze des Eisbergs, was den Menschenhandel in Südostasien von Indonesien bis Bangladesch mit Thailand als Umschlagplatz angeht.

Die thailändischen Behörden – seit Jahren gewarnt von den Vereinten Nationen und vor allem der Europäischen Union – reagierten nach harter Überzeugungsarbeit zumindest teilweise. Aber die Reaktion erwies sich als von kurzer Dauer. Sie dauerte ziemlich genau von Mai bis Oktober, als die den Fall untersuchende Sondereinheit der Polizei aufgelöst wurde und ihr Leiter, der ehemalige Generalmajor Paween Pongsirin aus Angst um sein Leben nach Australien floh – bedroht von mächtigen Kräften, denen an der Wiederaufnahme des Menschenhandels gelegen war. Diese Kräfte, so der Bedrohte, säßen vor allem in den verschiedenen Sicherheitsapparaten des Landes und operierten mit der stillschweigenden Billigung und mitunter auch der aktiven Unterstützung höchster politischer und militärischer Kreise in Thailand.

Religionen in Thailand

Im mehrheitlich buddhistischen Thailand gibt es keine offizielle Staatsreligion, auch wenn der König dem Gesetz nach Theravada- Buddhist sein muss. Die vielen thailändischen Verfassungen garantierten in der Vergangenheit Toleranz gegenüber allen Religionen. Laut ihnen gab es keine Staatsreligion. Kommt es zu einem Putsch – seit 1932 immerhin insgesamt zwölfmal –, wird die bestehende Verfassung jedoch stets außer Kraft gesetzt, und das neue Regime legt dem neu gewählten Parlament einen eigenen Verfassungsentwurf vor. Zurzeit (Januar 2016) ist Thailand ohne Verfassung, und das seit dem Putsch vom Mai 2014. Die Herrschaftszeit des Militärs ist nicht begrenzt und wurde bereits zweimal verlängert – über den ursprünglich von der Militärführung für die Rückkehr zur demokratischen Ordnung angekündigten Termin »Ende 2015« hinaus. Im September 2015 legte das Militär einen neuen Verfassungsentwurf vor, der vom eigenen handverlesenen Parlament jedoch abgelehnt wurde. In diesem Entwurf versuchten einige der Verfassungsgeber, den Buddhismus als Staatsreligion zu etablieren. Das Thema wird jedoch auf dem Tisch bleiben und gilt einigen als Lösung für manche der endemischen Probleme des Landes. Sie erhoffen sich davon eine religiöse Einheit, die den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärkt.

Seit den frühen 1990er Jahren entsteht durch den wachsenden Wohlstand des Landes und die neuen Bildungschancen in regionalen Zentren im ländlichen Norden Thailands eine neue Mittelschicht. Diese wachsende Gruppe bedroht die Dominanz der Eliten in Bangkok (Wirtschaft, Politik und Militär), die von einer eigenen Mittelschicht unterstützt werden. Die International Crisis Group mit Sitz in Brüssel empfiehlt in ihrem jüngsten Länderbericht einen Dialog auf hoher Ebene sowohl innerhalb Thailands als auch mit den Entwicklungspartnern des Landes, um die wachsende Spaltung des Landes zu überwinden.

Die Diagnose einer zunehmenden Polarisierung bestätigen auch vergleichbare Untersuchungen von Organisationen wie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die zum Schluss kommt, dass ein Dialog gegenwärtig unmöglich zu sein scheint. Dennoch sind Verhandlungen zur Wiederherstellung der demokratischen Ordnung entscheidende Voraussetzung für die Verhinderung einer Abwärtsspirale des sich verschärfenden Ethnozentrismus und der Fremdenfeindlichkeit.

Ethnische und religiöse Vielfalt in Thailand

Religionsfreiheit ist in Thailand seit jeher ein Grundrecht. Die staatlichen Radiosender in englischer und thailändischer Sprache bringen häufig Beiträge zum Land. In einem von ihnen geht es regelmäßig um die Religionsfreiheit, die Kraft der »Gnade des Königs« ermöglicht wird. Als Hauptreligion wird in Thailand der Buddhismus praktiziert. Es gibt jedoch einen starken Einfluss des Hinduismus, dessen Präsenz in Thailand wie auch im benachbarten Kambodscha und Myanmar den Buddhismus entscheidend prägt. Die bedeutende chinesische Volksgruppe in Thailand folgt darüber hinaus den chinesischen Traditionen wie dem Taoismus. Eine Vielzahl weiterer Menschen, vor allem Angehörige der Bergstämme im Norden und in der nordöstlichen, an Laos und Kambodscha grenzenden Region Isan, sind Anhänger von Volksreligionen sowie einer anderen, in Laos praktizierten Strömung des Theravada-Buddhismus.

All diese verschiedenen Elemente vermengen sich zu einer Form des Buddhismus mit vielen unverkennbar nicht buddhistischen Merkmalen wie der »Geisterverehrung «, die für viele Thais tägliche Praxis ist. Ihre Andachtsrituale halten sie in den Geisterhäusern ab, die es in den Städten und Dörfern im ganzen Land in großer Zahl gibt. Durch die starke Verbreitung des Buddhismus in Thailand können andere Religionen zwar existieren, aber nie an der Dominanz des Buddhismus rütteln. Wie bereits erwähnt, gibt es Buddhisten, die ihre Religion gern als Staatsreligion sähen. Vom Erreichen dieses Ziels sind sie jedoch weit entfernt.

Der Umgang des Buddhismus und der politischen Kultur in Thailand mit anderen Religionen lässt sich am treffendsten mit dem paradoxen Begriff »repressive Toleranz« beschreiben: Andere Religionen werden nie völlig unterdrückt, aber als Konkurrenten zum Buddhismus stets in engen Grenzen gehalten. Die religiöse Vielfalt wird öffentlich so gut wie nicht thematisiert und erst recht nicht offiziell dokumentiert, auch die Anzahl der Anhänger anderer Religionen wird nicht ermittelt.

Die Zahl der Katholiken wird seit 50 Jahren konstant mit 300.000 angegeben. Ihre Vertreter gehen davon aus, dass dies für die Öffentlichkeit auch so bleibt, damit die Präsenz und das Wirken der Kirche nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Zahl der Taufen wird nur nach Rom gemeldet. Zuwächse im Hinblick auf die Zahl der Katholiken in Thailand gibt es in erster Linie bei den Bergstämmen; dazu werden jedoch keine Zahlen veröffentlicht. Andere christliche Konfessionen verzeichnen steigende Anhängerzahlen bei den Bergstämmen, die an der Grenze zu den christlichen Bundesstaaten Karen und Kayah in Myanmar leben.

Versuche, den Buddhismus als Staatsreligion durchzusetzen, hatten bislang keinen Erfolg. Buddhistischer Mönch in einer Tempelanlage.
FOTO: KARL-HEINZ MELTERS

Minderheiten und ihre Religionszugehörigkeit

Der Islam ist in Thailand eine Minderheitenreligion. Laut neuesten statistischen Zahlen hat er rund 4 Millionen Anhänger. Das sind knapp 6 Prozent der Bevölkerung. In der Mehrheit sind es thailändische Malaien, die vor allem in den südlichen Regionen leben. Die meisten thailändischen Muslime sind Sunniten. Es handelt sich jedoch um eine von großer Vielfalt geprägte und sich schnell entwickelnde Bevölkerungsgruppe mit Einwanderern aus allen Teilen der Welt. Viele der Muslime im Land leben in den drei Südprovinzen Yala, Pattani und Narathiwat. Das thailändische Außenministerium gibt an, dass nur 18 Prozent der thailändischen Muslime in diesen drei Provinzen leben. Eine große Gruppe lebt in Bangkok, und auch die Bevölkerung der Provinz Satun, die an Malaysia grenzt, ist mehrheitlich muslimisch.

In dem in Thailands Süden ausgetragenen Konflikt zwischen dem thailändischen Militär und den von dort stammenden Muslimen sowie in der vollständigen Ausweisung der Rohingya aus Thailand – außer wenn sie unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten – manifestieren sich traditionelle thailändische Versuche, eine potentielle Bedrohung des Machtanspruchs von Staat und Königshaus einzudämmen.

Die Ursachen des Problems

In dem vom Martin Prosperity Institute der University of Toronto entwickelten Global Creativity Index (GCI) belegte Thailand 2015 Rang 82 von 139 untersuchten Ländern. Kreativität fußt auf Weltoffenheit, in der ausländische Arbeiter sowie ethnische Minderheiten eine wichtige Rolle für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt spielen. Beim GCI-Unterindikator für ethnische und religiöse Toleranz belegte Thailand jedoch nur den 127. Rang in der Welt, gefolgt nur noch von Jordanien, Tunesien und Ägypten.

Die Analyse der World Values Survey-Datenbank von 2015 bestätigt den Eindruck einer wachsenden Intoleranz. Daten von 2013 zufolge landet Thailand bei drei Fragen bezüglich unerwünschter Nachbarn – Menschen anderer Rasse, Einwanderer oder Fremdarbeiter sowie Menschen anderer Religionen und anderer Muttersprache – im untersten Quintil. Damit einher ging die Frage nach »Menschen, denen man nicht vertraut«, namentlich Angehörigen anderer Nationalitäten. In einem zusammengesetzten Index dieser vier Fragen rangiert Thailand im untersten Dezil. Trauriger noch: Im Vergleich zu 2007 ist Thailand bei allen Kennziffern viel stärker nach innen gewandt und mit sich selbst beschäftigt.

Was »Thailand« ist und wer als »Thai« gilt, ist unter Thais jedoch umstritten. Das Land ist im Grunde eine Mischung aus verschiedenen ethnischen Minderheiten, bei denen es eine klare Rangfolge gibt, wer »echter Thai« (Thai Thai) und wer eher randständig, ja gar entbehrlich ist. Diese spezielle Form des rassenbasierten Nationalismus in Thailand hat zwei Folgen:

1. Für die Eliten im Land passen ethnische und religiöse Minderheiten nur schwer in das »Thai«-Schema und gelten gar als »Kollateralschäden« in sozialen Konflikten, unter denen sie leiden.

2. Haltungen und Politiken dieser Art (explizit oder de facto) öffnen Tür und Tor dafür, dass die Menschen die Dinge selbst in die Hand nehmen – so weit es der Staat zulässt, ignoriert oder sogar aktiv unterstützt –, darunter Drogen- und Menschenhandel, dessen Hauptlast besonders die religiösen Minderheiten tragen.

Diese Problematik mit ihrem besonderen Hintergrund wird von der gegenwärtigen thailändischen Militärregierung ignoriert. In einer Region, die billige Arbeitskräfte braucht, um das hohe Entwicklungstempo zu halten – vor allem in Singapur und Malaysia –, verschärft sich das Problem dadurch nur noch. Dennoch wächst in der thailändischen Wirtschaft der Frust über die Inkompetenz der Militärregierung und das Ignorieren des Wählerwillens, weil die in den vergangenen zehn Jahren gewählten Regierungen zweimal vom Militär gestürzt wurden. Der Junta gelang es bisher nicht, die grassierende Korruption in Politik und Wirtschaft einzudämmen oder der schwächelnden Wirtschaft Impulse zu geben. Stattdessen scheint das Militär seine Herrschaft verstetigen zu wollen – endlos oder bis, wie eingangs erwähnt, eine geeignete Nachfolgeregelung getroffen wird.

Der Geisterglaube ist in Thailand weit verbreitet. Geisterhaus vor einem Autohaus in Bangkok.
FOTO: AN-D/WIKIMEDIA COMMONS

Fundamentalismus in Thailand

Fundamentalismus passt eigentlich nicht zum sanftmütigen Wesen der Thais. Religiöser Extremismus, auch wenn er von Zeit zu Zeit hervorbricht, ist ebenfalls eher eine Ausnahmeerscheinung. Der soziale, kulturelle/religiöse und politische Prozess in Thailand funktioniert anders: Informationen werden kontrolliert, es gibt Zensur, und das Netzwerk des Königshauses reicht tief hinein in alle Ebenen der Gesellschaft. Das waren und sind Faktoren mit regulierender Wirkung für die Gesellschaft und die Religionen.

Zwischen muslimischen Separatisten und dem Islamischen Staat hat sich keine erkennbare Verbindung entwickelt. Berichten zufolge wollen die thailändischen Muslime auch nichts mit dem IS zu tun haben. Auch gibt es in Thailand nicht diese aggressiven und chauvinistischen buddhistischen Bewegungen wie in Myanmar und Sri Lanka, die angeführt von buddhistischen Mönchen Muslimen mit offener Feindschaft und mitunter Gewalt begegnen – mit dem unverhohlenen Ziel, sie aus dem Land zu vertreiben.

Wie wird sich Thailand entwickeln? Wenn der König stirbt – der erste Tod eines Königs seit 70 Jahren –, wird ein Machtvakuum entstehen, das im Chaos enden kann. Wahrscheinlich wird das dazu führen, dass das Militär oder seine zivilen Nachfolger in den thailändischen Minderheiten Sündenböcke für sämtliche sich daraus ergebenden Wirren suchen werden. Für die religiösen Minderheiten in Thailand sind das keine guten Aussichten. Es könnte die wachsende Instabilität und Unsicherheit auf regionaler Ebene noch verschärfen.

FR. MICHAEL KELLY SJ
Leiter der katholischen Nachrichtenagentur ucanews

Ausgabe 6/2016

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