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Konfessionelle Gräben überwinden

Ökumenische Organisationen in Afrika als Brückenbauer

von ANDRÉ KARAMAGA

Das Christentum zeigt sich in Afrika als eine Landschaft, die von konfessionellen Gräben durchzogen ist. Ökumenische Organisationen übernehmen darin die Funktion von Brückenbauern.

»Hope and Rejoice«, Hoffnung und Freude – die christliche Botschaft ist auch im dichten Straßenverkehr von Nairobi präsent.
FOTO: STEFAN VOGES

Nicht lange nach seiner Entstehung hatte das Christentum auch Afrika erreicht: Bereits im 4. Jahrhundert machten die Christen in Afrika 20 Prozent der Weltchristenheit aus. Mit Augustinus und Tertullian brachten sie große Theologen hervor. Mit dem Aufkommen des Islams im 7. Jahrhundert endete die Hegemonie des Christentums in Afrika jedoch. Im 15. Jahrhundert evangelisierten portugiesische Missionare dann das Königreich Kongo, zu dem das heutige Angola, Kongo Brazzaville und die Demokratische Republik Kongo zählten. Auch diese Ausprägung des Christentums verschwand, und als die Missionare drei Jahrhunderte später zurückkehrten, fanden sie davon keine Spuren mehr.

Die bis heute andauernde dritte Phase der Evangelisierung Afrikas begann im 18. Jahrhundert. Durch das demografische Wachstum der Kirche wurde Afrika im Zuge dieses Evangelisierungsprozesses zum neuen Zentrum des heutigen Weltchristentums. Das darf jedoch nicht den Blick für die Gefahr verstellen, die von der konfessionellen Fragmentierung Afrikas ausgeht – heute mehr als je zuvor.

Spiritualität aus dem Glauben an den einen Gott

Der heutigen Generation afrikanischer Theologen ist vielleicht gar nicht bewusst, dass sich ihre Vorgänger mehr als vier Jahrzehnte mit dem Beweis abmühten, dass der afrikanische Glaube an den einen Gott seit Urzeiten eine Realität ist. Mit seinem Buch Concepts of God in Africa, in dem er nachweist, dass die Gottesauffassung nicht erst mit den Missionaren nach Afrika kam, leistete John Mbiti einen wichtigen Beitrag zu dieser Debatte. Einige Missionare und westliche Anthropologen wie Placide Tempels, der viele Jahre in der heutigen Demokratischen Republik Kongo lebte, argumentierten ähnlich und erklärten den afrikanischen Monotheismus dahingehend, dass dieser aus jüdischen Einflüssen hervorgegangen sei. Viele Theologen meiner Generation trugen mit großer Energie weitere Beweise zusammen – obgleich diese nicht zwingend nötig waren, weil unsere Vorfahren dies als selbstverständlich voraussetzten. Die vor zwei Jahren erschienene zweite Auflage des Buchs von Mbiti trug dazu bei, diese überflüssige Debatte zu beenden.

Die Verfechter des Einflusses des Judentums auf den afrikanischen Monotheismus vergessen, dass die Nachkommen Abrahams 400 Jahre auf dem Kontinent verbrachten und seinem Einfluss unterlagen. Eine uneingeschränkte Anerkennung der Realität dieses Monotheismus kann auch dazu beitragen, die Spannungen zwischen Christen und Muslimen in der Welt abzubauen – schließlich kennt der traditionelle afrikanische Glaube den Kampf der Gläubigen im Namen Gottes nicht. Er gilt sogar als Sünde, weil er den Gott, an den man glaubt, zu einem Idol machen würde, das des Schutzes der Menschen bedarf. Natürlich muss man in Afrika wie auch andernorts die Trinitätslehre ernst nehmen und als spirituelle Dynamik untersuchen, die mit dem Christentum nach Afrika kam.

Von nationalen Kirchen zu ethnischen Konfessionen

Über die Reformationsbewegung lässt sich viel Gutes sagen; zu kritisieren wäre jedoch, dass sie nationale Kirchen hervorbrachte – wo wir doch alle wissen, dass die Kirche nicht an Ländergrenzen endet. Als das Christentum zwischen dem 18. und dem 20. Jahrhundert nach Afrika kam, wählten die Missionare bestimmte Ethnien als Zielgruppen. Dies geschah unter anderem mit der ehrenwerten Absicht, die Bibel in die verschiedenen Sprachen zu übersetzen. Ein Phänomen der jüngeren Zeit ist die Ausbreitung von Konfessionen, die von afrikanischen Predigern etabliert wurden. Dies geschieht in vielen Fällen, ohne sich dabei über Fragen der Ausbildung von Geistlichen Gedanken zu machen. Die größte Herausforderung liegt darin, dass es kein Forum gibt, das definiert, was die echte Kirche ist und was nicht. Was diese Bewegungen angeht, halten wir uns an den weisen Rat des Gamaliel aus der Apostelgeschichte: Ist das Werk von Gott, hat es keinen Sinn, ihm zu widerstehen; ist es nicht von Gott, wird es von allein zugrunde gehen. Wir stehen also vor der Situation, dass uns ein Bezugsmodell für den Ökumenismus fehlt – entweder aus der Geschichte oder aus der gegenwärtigen ekklesiologischen Realität.

Ökumene braucht Orte. Das ökumenische Zentrum in der nigerianischen Hauptstadt Abuja.
FOTO: STEFAN VOGES

Ökumenismus oder der Imperativ der Einheit?

Die Einheit der Kirche ist keine Option, die sich wählen oder verwerfen lässt. Vielmehr ist sie eine nicht verhandelbare Voraussetzung, die eng mit der Berufung und dem Wesenskern der Kirche verknüpft ist. Schließlich muss die Kirche ihrem Herrn Jesus Christus treu bleiben: »Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.« (Joh 17,20f.)

In diesen Worten, die das Johannesevangelium Jesus zuschreibt, schwingt eine Botschaft mit, die über die Strategie eines Meisters hinausgeht, der an dem Punkt ist, seine Schüler in die Gesellschaft zu entlassen, damit sie das erworbene Wissen, mit einem Mindestmaß an Gleichmut, in die Praxis umsetzen können. Jesus sagt damit auch – und dies mehrfach –, dass die geforderte Einheit, die den Jüngern und späteren Aposteln als Auftrag anvertraut wurde, entscheidende Voraussetzung für die Glaubwürdigkeit ihrer Botschaft und der von ihnen verkörperten Bewegung ist. Es ist nicht einmal ein Gebet im eigentlichen Sinne des Wortes. Die vor dem Vater ihre Herzen leeren, um die Bitte um Einheit zu verstärken, sind Gott selbst, an den alle christlichen Gebete gerichtet sind. Daraus ergibt sich eine äußerst interessante Situation: Diejenigen, die in der Lage sind, Gebete zu erhören, betonen – in Form einer Bitte – das, was sie zu geben bereit sind, und dessen Grundlage in ihrem engen Verhältnis zum Vater zu finden ist: »Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein« (Joh 17,21). Die Einheit, auf die in diesen Worten Jesu Bezug genommen wird, ist eher ein Geschenk denn eine Forderung. Folgen wir dieser Logik, können wir die Einheit nur akzeptieren oder ablehnen, müssen dabei aber bedenken, dass das Akzeptieren oder Ablehnen dieses Geschenks letztlich bedeutet, Christus selbst zu akzeptieren oder abzulehnen.

Wenden wir uns auf der Grundlage des Gesagten wieder der Situation in Afrika zu – im Versuch, die fragmentierte Landschaft des gegenwärtigen Christentums zu untersuchen. Wir stehen hier vor einem klassischen Dilemma: Für manche ist das Glas halb leer und für andere halb voll! Mit anderen Worten: Das Christentum in Afrika bietet ein Bild mit zwei verschiedenen Seiten.

Verständlicher Stolz und berechtigte Bedenken

Auf der einen Seite zeigt sich uns das Bild einer riesigen, rasant wachsenden Kirche mit beeindruckender Lebendigkeit. Dieses Bild verfestigt sich mehr und mehr in unserem kollektiven Unterbewusstsein und erzeugt bei uns Stolz und ein tiefes Gefühl der Zugehörigkeit zu einer spirituellen Bewegung, die auf die eine oder andere Weise die Zukunft und die Entwicklung Afrikas und des Weltchristentums beeinflussen wird. Dieser Stolz schwillt an und wird zu Freude und Jubel, wenn die anderen Mitglieder der christlichen Familie uns vertrauen und einem aus unseren Reihen eine so große Verantwortung anvertrauen – wie etwa im August 2003, als Rev. Dr. Samuel Kobia aus Kenia als erster Afrikaner zum Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) gewählt wurde. Und keiner hat vergessen, dass manche erwarteten, einen Afrikaner im Vatikan zu sehen, als die Leute über einen möglichen Nachfolger von Johannes Paul II. als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche spekulierten.

Im Kontext des Weltchristentums gründet das Bild einer großen und noch wachsenden Kirche in Afrika auf nachvollziehbaren Überlegungen. Ein Priester beschrieb die Kirche in Afrika sogar als konkrete Realisierung des Gleichnisses vom Senfkorn im Matthäusevangelium: Ein Mann säte es auf seinem Acker und es wuchs heran zu einem riesigen Baum, auf dessen Zweigen Vögel nisten (Mt 13,31f.). Diese Bilder sind insofern wunderbar und ermutigend, als dass sie ein Stück weit dem Afro-Pessimismus entgegenwirken, den heute viele hegen, darunter auch Afrikaner, die keine Hoffnung mehr haben.

Wir sollten diese optimistischen Bilder von Afrika forcieren, die Dinge aber dennoch mit Augenmaß sehen. Ja, die Kirche in Afrika ist zahlenmäßig so stark gewachsen, dass wir mit Recht stolz und dankbar sein können. Für viele ist dies eine unerschöpfliche Quelle des Glaubens im immerwährenden Kampf ums Überleben. In diesem Sinne ist der Vergleich mit einem riesigen Baum in der Tat angebracht: einem Baum, auf dem die Schwachen einen Rückzugsort finden und gemeinsam singen – wenn man das Beispiel von den Vögeln aus dem obigen Gleichnis wieder aufgreifen will – und auf je eigene Weise den Schöpfer lobpreisen. Aber haben wir nicht auch das Recht, zu fordern, dass der riesige Baum im Gleichnis reiche Frucht trägt, damit die Vögel nicht mit leerem Magen singen müssen? In diesem Fall können wir sicher sein, dass die Lieder des Lobpreises und des Einsatzes für Liebe, Frieden und Gerechtigkeit als Zeichen des Königreichs Gottes in dieser Welt sich durchsetzen gegen die Lieder der Flucht in einen ferneren Himmel, wie sie die vielen Chöre unserer jungen Menschen in ganz Afrika singen. Darüber hinaus haben wir die Pflicht, uns stärker mit denen auseinanderzusetzen, für die unsere große Kirche ein Riese auf tönernen Füßen ist! Sorgen dieser Art gründen auf der eingangs besprochenen Fragmentierung.

Natürlich gibt es nicht nur in Afrika Spaltungen innerhalb des Christentums. Um nur ein Beispiel zu nennen: In Südkorea gibt es gegenwärtig mehr als 120 presbyterianische Kirchen – und das betrifft nur eine Konfession. Was in Afrika Anlass zur Sorge gibt, ist die Verschmelzung von ethnischen Gruppen und christlichen Konfessionen. Das ist eine Herausforderung, die zusammen mit anderen historischen Formen der Fragilität unvorhersehbare Folgen haben kann. Mit anderen Worten: In Afrika gibt es mehr als 2.600 ethnische Gruppen, und christliche Konfessionen sind in vielen Fällen ethnisch basiert. Wie können wir angesichts dessen die Einheit der klugen Kirche als Katalysator für die Einheit Afrikas und der Menschheit betrachten? Verschärft wird diese Fragmentierung noch durch das Entstehen eines Mehrparteiensystems, in dem man eine Gruppe mit eigener Sprache, eigener christlicher Konfession und eigener politischer Partei finden kann!

Gestützt auf diese Überlegungen stellt sich die Frage, ob unsere vielfachen Verschiedenheiten nicht eher als Sackgasse denn als Chance für die Kirche in Afrika zu sehen sind. Aus folgendem Grund halte ich an dieser Überzeugung fest: Der Grundstein der Kirche ist weder eine nicht näher bezeichnete Konfession noch eine Ortskirche (local church). Paulus sagt: »Grüßt Priska und Aquila, meine Mitarbeiter in Christus Jesus, die für mich ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben; nicht allein ich, sondern alle Gemeinden der Heiden sind ihnen dankbar. Grüßt auch die Gemeinde, die sich in ihrem Haus versammelt.« (Röm 16,3–5) Der Leib der Kirche wird anfangs gebildet von einzelnen Gliedern, die so verschieden und vielfältig sind, dass Gott sie nicht zufällig so erschaffen hat, dass Harmonie und Einheit unter ihnen möglich ist. Diese einzelnen Glieder kommen aus verschiedenen ethnischen und sozialen Gruppen: Kinder, Jugendliche, Frauen, Kranke, Arme, Reiche usw. Paulus sagt: » Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt. « (1 Kor 12,12f.)

Das Bild einer rasant wachsenden Kirche erfüllt die afrikanischen Christen mit Stolz. Erwachsenentaufe in der Demokratischen Republik Kongo.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Ökumenische Organisationen in Afrika

Die All Africa Conference of Churches (AACC) ist ein Zusammenschluss christlicher Kirchen in Afrika mit ihren mehr als 120 Millionen Christen auf dem gesamten Kontinent. Die AACC ist der größte Zusammenschluss von Protestanten, Anglikanern, Orthodoxen und indigenen Kirchen in Afrika und Mitglied des weltumspannenden Ökumene-Netzwerkes. Auch die katholische Kirche ist über die assoziierte Mitgliedschaft in Nationalräten, denen sie in zwölf Ländern angehört, in der AACC vertreten.

Der Beschluss, eine kontinentale Organisation zu gründen, wurde im Jahr 1958 auf einem weitgehend repräsentativen Treffen im nigerianischen Ibadan getroffen. Die Arbeit des im Anschluss an die Ibadan-Konferenz ernannten vorläufigen und dann fortgeführten Ausschusses mündete in der Gründung der AACC auf ihrer ersten Versammlung im April 1963 in Kampala (Uganda). Die Entwicklung der AACC markierte den Beginn der Autonomie der afrikanischen Kirchen. Das Leitmotiv von Kampala lautete »Freiheit und Einheit in Christus«. Die Delegierten setzten sich mit dem kolonialen Erbe im Geiste des Pan-Afrikanismus auseinander, von dem zu dieser Zeit die Politik auf dem Kontinent durchdrungen war.

Die Organization of African Instituted Churches (OAIC) mit Sitz in Nairobi ist eine weitere Dachorganisation für Kirchen, die von afrikanischen Geistlichen (Preachers) gegründet wurden. Als assoziiertes Mitglied der AACC arbeitet die OAIC eng mit ihr zusammen. Einige ihrer Mitglieder sind auch Mitglied in der AACC.

Die Association of Evangelicals in Africa (AEA) hat ihren Sitz ebenfalls in Nairobi und arbeitet eng mit der AACC zusammen, vor allem in Fragen von Frieden und Sicherheit in Afrika. Die Zusammenarbeit dieser Organisationen ist ein Beleg für den gemeinsamen Versuch, auf nationaler Ebene Brücken zu bauen.

Darüber hinaus gibt es noch das Sekretariat der kontinentalen katholischen Kirchenkonferenzen mit Sitz im ghanaischen Accra, mit dem AACC, OAIC und AEA gut zusammenarbeiten.

In Afrika entstehen viele neue christliche Gemeinden und Kirchen, besonders in Zeiten wirtschaftlicher und sozialer Not. »Jesus Ministries International« in Bulawayo, Simbabwe.
FOTO: STEFAN VOGES

Hin zu offenen Identitäten

Wenn wir an den Schutz und die Stärkung unserer Identitäten denken – ob ethnisch, konfessionell oder anderweitig – liegt unser Fokus in der Regel auf dem, was wir haben oder vor allem was wir sind. Wenn wir eine metanoia, also einen »Wandel« hin zu Jesus und seiner Vision durchlaufen, müssen wir akzeptieren, dass wir uns radikal wandeln und seinen Schritten folgen.

Die Identitätsvorstellung Jesu unterscheidet sich völlig von der anderer. Jesus war Gott gleich und mit Freude bei Gott und Teil Gottes. Geleitet von seiner Identitätsauffassung wandte er sich von der göttlichen Sphäre ab und öffnete sich, um Mensch zu werden und die Menschheit zu bereichern. Das heißt: Wenn wir seinen Schritten folgen, öffnen wir uns für jene, die anders sind, und teilen offen, was wir sind und was wir haben. Natürlich ist uns allen bewusst, dass Offenheit Risiken birgt. Wenn wir uns dem Andersartigen stellen, riskieren wir, eine Reihe von Gewissheiten aufzugeben. Jesu Offenheit brachte ihm den frühen Tod am Kreuz und gipfelte letztlich in seiner Auferstehung – als endgültigem Sieg des Lebens über den Tod.

Als Nachfolger Jesu müssen wir deshalb den Schritt von eng gefassten Identitäten hin zu offenen Identitäten gehen. Unsere Konfessionen sind ein Raum, in dem wir leben und Gott verehren; unsere volle Identität entfaltet sich jedoch im Miteinander und in der Gemeinschaft mit jenen, mit denen wir die Vision und die Bestimmung teilen. Die Einheit der Kirche ist nicht gleichbedeutend mit Uniformität. Es ist die Einheit des visionären Denkens und des Handelns mit Blick auf das Königreich Gottes.

André Karamaga, der Autor des Artikels, ist Generalsekretär der All Africa Conference of Churches.
FOTO: WORLD COUNCIL OF CHURCHES

In diesem Beitrag haben wir den engen Zusammenhang zwischen dem Schicksal Afrikas und der Verfassung des Christentums auf dem Kontinent untersucht. Ich gehe davon aus, dass die christliche Kirche den Aufruf gehört und verstanden hat, ihren Auftrag mit Ehrlichkeit und Gelassenheit anzunehmen. Zudem gehe ich davon aus, dass alle Teile der Kirche, die aufgerufen sind, das Salz und das Licht Afrikas zu sein, bereit sind, sich vom einigenden und schöpferischen Geist der Harmonie leiten zu lassen. Die Zukunft und die Entwicklung unseres Kontinents sowie die Würde seiner Töchter und Söhne darf nicht nur das Anliegen der Kirche sein, sondern muss ihren Daseinszweck definieren – als ein Muss gestützt auf das Bild Gottes, das sich in jedem Menschen widerspiegelt. Jeder Glaube, der nicht zur Entfaltung von Menschen und Gemeinschaften führt, ist nur eine Illusion, die es zu verurteilen und aufzugeben gilt! Der christliche Glaube ist dagegen eine Dynamik des Lebens, die – wenn sie richtig verstanden und gelebt wird – nur das Ziel haben kann: mit Christus gegen das Böse und gegen alle Arten von lebensbedrohenden Kräften des Todes zu kämpfen.

Wir bekennen uns zum Glauben an die eine Kirche – auch und gerade angesichts von Konfessionalisierung und tief gehender Fragmentierung. Jede Konfession muss sich im Rahmen dieses Bekenntnisses als Teil der Weltkirche (universal church) begreifen. Wir alle sprechen in Gemeinschaft mit anderen Christen in der ganzen Welt: »Vater unser im Himmel«. Damit erkennen wir an, dass wir auf dem ganzen Kontinent und über seine Grenzen hinweg Brüder und Schwestern mit einem gemeinsamen Vater sind. Mehr noch: Wir träumen von einem geeinten, prosperierenden und friedlichen Afrika, das in den kommenden 50 Jahren gefeiert werden kann. Die Kirche in Afrika hat die Verantwortung, ihre Einheit und die Einheit des Kontinents voranzutreiben.

REV. DR. ANDRÉ KARAMAGA
Generalsekretär der All Africa Conference of Churches und Pfarrer in der Presbyterian Church of East Africa

Der Text ist die gekürzte Übersetzung eines Artikels, der unter dem Titel »Bridging Denominational Divides in Africa« in The Ecumenical Review 67 (2015), S. 505 –513, erschienen ist. Wir danken dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf für die freundliche Genehmigung der Übersetzung und des Abdrucks.

ANMERKUNGEN

1 John S. Mbiti, Concepts of God in Africa, SPCK: London 1986. Die erste Auflage des Buches erschien 1970.
2 Karamaga meint hier wohl das Sekretariat des Symposium of Episcopal Conferences of Africa and Madagascar (SECAM)/Symposium des Conférences Episcopales d’Afrique et de Madagascar (SCEAM). (Anm. d. Redaktion

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