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Gemeinsam für Recht und Gerechtigkeit

Zur Situation der Ökumene in Lateinamerika

von CLAUDETE BEISE ULRICH

Die enge Verbindung mit dem Leben der Menschen ist ein Markenzeichen lateinamerikanischer Theologie. Der Einsatz für die Armen, ja für ein Leben in Fülle fordert auch die ökumenische Bewegung heraus. Beispiele aus der eigenen Geschichte und das Wort Gottes ermutigen Christinnen und Christen, sich gemeinsam für Recht und Gerechtigkeit einzusetzen.

Armut fordert die ökumenische Bewegung in Lateinamerika zum Einsatz für Recht und Gerechtigkeit heraus. Leben in der Favela Morro dos Prazeres in Rio de Janeiro.
FOTO: BASTIAN HENNING/ADVENIAT

An den Anfang meiner Reflexion über die Ökumene in Lateinamerika möchte ich ein längeres Zitat stellen, das der Stellungnahme des Ökumenischen Forums ACT Brasilien – FE ACT Brasil vom 17. Mai 2016 zur politischen Situation in Brasilien entnommen ist: »Die ökumenische Bewegung in Lateinamerika hat im Laufe ihrer Geschichte als Schwerpunkt und Auftrag ihrer Arbeit die Suche nach Gerechtigkeit durch Glauben und Einigkeit herausgestellt. […] Der Abbruch der demokratischen Ordnung wird uns sehr schnell in die neoliberale Richtung führen. […] Die Amtsenthebung der Präsidentin der Republik symbolisiert einen öffentlichen Lynchmord an einer Frau und den Abbruch einer Sozialpolitik, die die Aufnahme der gefährdetsten Bevölkerungsgruppen dieser Gesellschaft garantierte, wenn auch nur ansatzweise. In den letzten 13 Jahren nahmen die Einkünfte dieser Gruppen um 129 Prozent zu […]. Die extreme Armut wurde um signifikante 35,2 Prozent auf 21,4 Prozent zurückgeführt. Dazu kommt noch die Aufwertung des Mindestgehaltes um 53 Prozent. […]

Was kommt auf uns zu? Vizepräsident Michael Temer ist der Herold des Regierungsprogramms ›Brücke in die Zukunft‹. Inhalt und Ziel des Programms sind der Aufbau und die Schaffung von Bedingungen für ein gestütztes Wirtschaftswachstum. Das bedeutet eine staatliche Entwicklungspolitik, deren Wunsch vor allem die Förderung der privaten Initiative ist. Dies soll durch die Überweisung von Guthaben, umfassenden Zugeständnissen in Infrastruktur- und Logistikbereichen und die teilweise Privatisierung staatlicher Dienstleistungen geschehen. Das Programm beschreibt eine rückhaltlose Privatisierung staatlicher Betriebe. Die schwer erkämpften Arbeitsrechte sollen beschnitten werden und der Abbau der Umweltauflagen bei Großprojekten ist im Programm enthalten. […] [Brasilien zeigt sich uns als] ein Land, das nie seine Trennung in Klassen, Rassen und Geschlecht überwunden hat. Auch in unseren kirchlichen Räumen ist diese Trennung immer noch vorhanden. Nicht selten sind es konservative Gruppierungen, die Hass in die Menschenrechtsdiskussion einbringen und ihren Einfluss in den Institutionen ausweiten. Gruppen, Organisationen und Einzelpersonen, die sich für Menschenrechte einsetzen, werden wie in vergangenen Zeiten an den Rand gedrängt. Unsere Theologie ist zersplittert. Sie konzentriert sich auf die akademische Textproduktion und hat sich weit vom Alltag der Menschen entfernt. Dadurch läuft sie Gefahr, sich mit einem ideologischen Umfeld zu vereinen, das den Kampf um soziale Gerechtigkeit und die Verteidigerinnen und Verteidiger dieser Rechte kriminalisiert. […]

Aber wir sind weiterhin Sauerteig, und die Hoffnung wird weiter inmitten von Hoffnungslosigkeit verkündigt. In diesem sensiblen Kontext müssen wir Widerstand leisten. Wir brauchen Mut für die Herausforderungen einer gelebten Ökumene, die den Kampf um Gerechtigkeit immer wieder bestätigt. Deshalb ist es unabdingbar, dass wir in unseren Netzwerken, Foren, nationalen und internationalen Zusammenschlüssen weiterarbeiten. Denn nur so können wir unsere Absichten erweitern, verstärken und die Menschenrechte verteidigen. Der Kampf um Menschenrechte ist würdig. Er bestätigt die Vielfalt und unterscheidet sich vom Kampf um Privilegien und Macht.«

Im Moment erleben wir in Brasilien eine sehr schwierige Zeit, in der alle ökumenischen Organisationen aktiv für die Menschenrechte kämpfen müssen. Viele Schulen sind von Schülerinnen und Schülern besetzt, die um die öffentlichen Schulen kämpfen. In einigen Bundesländern Brasiliens hat die Polizei die Schüler gewaltsam angegriffen. Die ökumenische Bewegung in Brasilien ist wachsam. Der Einsatz gegen Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen steht weiterhin im Mittelpunkt der ökumenischen Bewegung in Brasilien.

Es ist hervorzuheben, dass die ökumenische Bewegung in Brasilien eine große Zahl von Gruppen und Organisationen einschließt. Im CONIC (Conselho Nacional de Igrejas Cristãs do Brasil), dem Nationalrat der christlichen Kirchen, arbeiten derzeit folgende Kirchen zusammen: die Römisch-katholische Kirche (Igreja Católica Apostólica Romana, ICAR), die Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (Igreja Evangélica de Confissão Luterana no Brasil, IECLB), die Anglikanische Episkopalkirche (Igreja Episcopal Anglicana do Brasil, IEAB), die Vereinigte Presbyterianische Kirche (Igreja Presbiteriana Unida, IPU) und die Syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochien (Igreja Sirian Ortodoxa de Antioquia, ISOA). Zu den wichtigsten Partnern in der ökumenischen Zusammenarbeit gehören neben dem CONIC viele weitere Organisationen, beispielsweise die Lutherische Stiftung für Diakonie (Fundação Luterana de Diaconia, FLD), das ökumenische Netzwerk der Jugend (Rede Ecumênica da Juventude, REJU) oder die brasilianische Sektion des Lateinamerikanischen Rates der Kirchen (Conselho Latino-Americano de Igrejas, CLAI).

Die damalige Präsidentin Brasiliens, Dilma Rousseff, bei einem Besuch beim emeritierten Erzbischof von São Paulo, Dom Paulo Evaristo Kardinal Arns, im Jahr 2012. Der Erzbischof hatte in den 1980er Jahren das wichtige Projekt Brasil: Nunca Mais ins Leben gerufen.
FOTO: ROBERTO STUCKERT FILHO/PR/WIKIMEDIA COMMONS

Wichtige Entwicklungen in den ökumenischen Beziehungen

Von 1964 bis 1985 erlebte Brasilien eine Militärdiktatur. Während dieser Zeit organisierte sich die ökumenische Bewegung mit dem Ziel, die Diktatur zu bekämpfen und die Menschenrechte zu verteidigen. In den 1980er Jahren war Brasil: Nunca Mais (Brasilien: Nie wieder) ein wichtiges Projekt. Es wurde vom presbyterianischen Pastor Jaime Wright und dem Erzbischof von Sa˜o Paulo, Dom Paulo Evaristo Kardinal Arns, koordiniert und hat am Ende der Militärdiktatur wichtige Informationen und Dokumente gesammelt. Von diesem Projekt gibt es ein wichtiges Buch, in dem Fälle von Folter während der Militärdiktatur dokumentiert werden. Man hoffte, dass die Enthüllung der vom Militär begangenen Menschenrechtsverletzungen eine erzieherische Funktion in der brasilianischen Gesellschaft haben würde.

Im Jahr 1982 wurde die Gründung des Nationalrats der christlichen Kirchen (CONIC) Wirklichkeit. Vier Kirchen haben den CONIC in Porto Alegre gegründet: die Römisch-katholische Kirche, die Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien, die Anglikanische Episkopalkirche und die Methodistische Kirche. Im Gesamt der ökumenischen Bewegung in Brasilien repräsentiert der Nationalrat der Kirchen den institutionellen Aspekt der Ökumene, indem er danach strebt, den Beziehungen zwischen seinen Mitgliedskirchen eine verlässliche Struktur zu geben. Zu seinen vielen Aufgaben gehört es, die Kirchen zu ermutigen, ihrer gesamten pastoralen Arbeit eine ökumenische Dimension zu verleihen. In der recht komplexen religiösen Situation in Brasilien bemüht sich der CONIC darum, den Dialog zwischen Kirchen und Religionen zu fördern. Angesichts wachsender religiöser Intoleranz beteiligt der CONIC sich an verschiedenen Diskussionsforen, die den Einfluss des religiösen Fundamentalismus zurückzudrängen suchen. Der Rat hat eine führende Rolle in der Debatte über das Verhältnis von Kirche und Gesellschaft übernommen, wobei die Notwendigkeit, die Beziehungen zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen und dem Staat zu regeln, eine besondere Rolle spielt. In dem Netzwerk religiöser Gruppen und Bewegungen, die sich für die Menschenrechte einsetzen, und auch im Fall von Konflikten zwischen ihnen, arbeitet der CONIC mit dem Ziel, die theologische Reflexion der verschiedenen Perspektiven und Wahrnehmungen in der Gesellschaft zu fördern.

Ein trauriges Kapitel der Geschichte der ökumenischen Bewegung in Brasilien ist, dass die Methodistische Kirche (Gründungskirche) sich im Jahr 2006 zurückgezogen hat und nicht mehr Teil des CONIC ist.

Widerstand aus dem Geist des Evangeliums

In den 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren wurden fast alle Länder Lateinamerikas von Militärdiktaturen beherrscht. Die Menschen wurden unterdrückt, und die Diktatoren herrschten durch die Macht der Waffen. Armut, Elend, Analphabetismus und Mangel an Demokratie gehörten in Lateinamerika zum täglichen Leben. Folter, Gefängnis und Tod waren der Preis für diejenigen, die sich gegen die Diktaturen auflehnten. Aber mit einer Form des Widerstandes hatten die Diktatoren nicht gerechnet: mit dem Glauben und der Hoffnung der Christinnen und Christen. In diesem durch Bewusstseinsbildung gestärkten Widerstandsprozess haben Christinnen und Christen sich konsequent von Gottes Wort und Geist leiten lassen, treu dem Prophetenwort und dem Evangelium: »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn« (Lk 4,18f.). Das Bibellesen blühte in unzähligen Gemeinden und Gruppen auf. Sie machten die Bibel zu einer Quelle der Hoffnung im Kampf für ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit. In den sozialen Bewegungen, zum Beispiel der Landlosen, der Frauen, der Obdachlosen und anderer, war sie eine Inspiration, um für die Bürger- und Menschenrechte zu kämpfen.

Ein gutes Beispiel für die leitura popular ist die Arbeit des Ökumenischen Zentrums für Bibelstudien (Centro Ecumênico de Estudos Bíblicos, CEBI), das verschiedene Bibellesegruppen in Lateinamerika und der Karibik verbindet. Das CEBI wurde am 20. Juli 1979 von den Katholiken Carlos Mesters und Agostinha Vieira de Mello und den Protestanten Jether und Lucilia Ramalho gegründet. Das Projekt war von Anfang an von intensiver Spiritualität geprägt. Es hat die leitura popular nicht erfunden, aber es hat sich der Aufgabe verschrieben, diese Art des Bibellesens zu verbreiten und zu fördern.

Der Bibeltext ist nicht Selbstzweck, sondern er ist als aktuelle, orientierende und ermutigende frohe Botschaft zu verstehen. So können wir in Psalm 119,105 lesen: »Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.« Die Bibel ist Licht für das Leben. Aus diesem Grund wird die Bibel im Geist der Ökumene gelesen, im Blick auf ein neues Verhältnis zwischen Männern und Frauen und auf einen neuen Bezug zu Gerechtigkeit, Natur und Umwelt. Die Methode umfasst vier Schritte: Sehen, Urteilen, Handeln und Feiern. Das Leben wird in seiner Ganzheit gesehen. Das Leben ist wichtig und die Bibel hilft, das Leben zu verstehen und neu zu entdecken. Das ist ein Grund, in Gottesdiensten mit Musik, Liedern, Gebet, Poesie und Tanz zu feiern. All das sind verschiedene Symbole, die das Leben der Menschen darstellen. Das Wort Gottes ist Licht und Quelle für das Leben.

Mit dem Rückzug einiger Kirchen aus dem CONIC haben wir in Lateinamerika einen ökumenischen Winter erlebt. Der religiöse Fundamentalismus ist mit den charismatischen Bewegungen auch innerhalb der Kirchen gewachsen. Aber auch wenn die ökumenische Bewegung in Lateinamerika kühlere Zeiten erlebt hat – sie hat nie aufgehört. Im Moment entstehen neue Konfigurationen, und die Ökumene ist in verschiedenen Organisationen und Gruppen präsent. Was Ökumene ist und tut, ist auch Teil der theologischen Studien in Brasilien.

»Die Bibel ist Licht für das Leben.« Ein Bibelkreis in Ecuador.
FOTO: ACHIM POHL/ADVENIAT

Herausforderungen der nächsten Jahre

Ich zitiere den evangelisch-lutherischen brasilianischen Theologen Walter Altmann, ehemaliger Vorsitzender des Zentralausschusses des Ökumenischen Rats der Kirchen: »Ökumenisch sein bedeutet […] eine christliche Identität zu leben, in der die göttliche Gnade und die evangelische Freiheit im Zentrum stehen. Dabei überwindet sie viele rigide und intolerante Schemata sowie intolerante Haltungen und einen Liberalismus ohne Verantwortung. […] Sie ermöglicht die Begegnung von freien und reifen Menschen und strebt nach der Einheit, zu der Gott die Kirche ruft. Die Ökumene ist ein spannendes Projekt. Es ist wunderbar, ökumenisch zu sein.«

Meiner Meinung nach liegt die größte Herausforderung darin, dass die Christen stärker in den Dialog treten, um diakonische Projekte gegen Rassismus, Armut, Gewalt gegen Frauen, soziale Ungleichheit usw. zu entwickeln. Wir müssen als ökumenische Bewegung auch Strategien für einen Dialog mit den Pfingstkirchen entwickeln. Eine weitere Herausforderung für die ökumenische Bewegung besteht darin, die religiöse Intoleranz gegenüber der afro-brasilianischen Religion und Kultur zu überwinden, zumal sich die religiöse Intoleranz mit einem Rassismus gegen die afro-brasilianische Bevölkerung verbindet. Außerdem muss die ökumenische Bewegung eine Position im Dialog mit anderen Religionen entwickeln: Wie ist das mit dem interreligiösen Dialog? Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft und der Respekt für die Anderen ist für ein friedliches Zusammenleben unabdingbar. Der interreligiöse Dialog wird in den kommenden Jahren eine große Herausforderung für die ökumenische Bewegung sein.

Vom 17. bis zum 20. November 2016 fand in Sa˜o Paulo ein ökumenisches Frauentreffen zum Thema »Recht und Gerechtigkeit – Ökumenisches Engagement « statt. Anlass für dieses Treffen war die Gewalt gegen Frauen, die wir in Brasilien und in ganz Lateinamerika erleben. Viele Frauen werden ermordet, Feminizide sind Teil des täglichen Lebens der Frauen. Der CONIC hat diese Begegnung zusammen mit dem Weltgebetstag (Dia Mundial de Oração, DMO) und der Side-by-Side-Bewegung (Christian Aid) organisiert. Das Ziel des Treffens war es, die Geschichte der Frauen in der ökumenischen Bewegung zu würdigen, die Kirchen und die Gesellschaft zum Engagement herauszufordern, damit Recht und Gerechtigkeit für Frauen verwirklicht werden. Vielleicht brauchen wir eine neue ökumenische Dekade für Frauen. Es ist viel zu tun in Bezug auf die Gleichstellung von Männern und Frauen in Brasilien und Lateinamerika.

In Lateinamerika gibt es viele unterdrückte, geschlagene und gekreuzigte Körper, die sich aber in einem Prozess des Aufstehens befinden, in einem Aufwachen, das wir in der Theologie und in der Sprache der Bibel Auferstehung nennen. »Die Frauen sind sehr früh am Sonntagmorgen zum Grab Jesu gegangen, um den toten Körper Jesu zu behandeln« (Mk 16,1– 8; Mt 28,1–10; Lk 24,1–12), aber sie fanden den auferstandenen Körper. Zwischen Sterben und Auferstehen findet sich die Fürsorge des Körpers wieder. Und dieser Dienst wurde von Frauen geleistet. So formuliert es Marcelo Barros: »Das Bild des auferstandenen Jesus ist der Ausgangspunkt dieses erneuerten Universums, zu dem alle Menschen, die das Leben und die Gerechtigkeit lieben, eingeladen sind, sich ihm anzuschließen und es zu verteidigen.«

Die Theologie des Gekreuzigten und des Auferstandenen ruft uns auf, Körper zu retten, nämlich die Kör- per der Menschen und des Planeten Erde in seiner Vielfältigkeit. In diesem Sinne bringen die indigenen Völker aus Bolivien und Ecuador, die in der Geschichte gekreuzigt wurden und sich im Prozess der Auferstehung befinden, eine neue Lebensanregung. Auch die Mutter Erde ist gekreuzigt und muss den Auferstehungsprozess erleben (Röm 8,18 –22). Das ist wichtig für unser Leben, sowohl für die Menschen als auch für die Tiere, für die Pflanzen, für Luft und Wasser. Wir sind Menschen, nicht weil wir konsumieren können, sondern weil wir gut und mit der Natur verbunden leben wollen. In diesem Sinne wollen wir die Blumen, Bäume und Tiere bewundern, eine leichte Luft atmen, sauberes Wasser trinken und den Sonnenuntergang genießen.

Für mich sind das die größten Herausforderungen für die ökumenische Bewegung. Wir brauchen eine neue Befreiungstheologie, die sich für das Leben in seiner ganzen Fülle und für die Armen engagiert.

Gewalt gegen Frauen ist in Lateinamerika an der Tagesordnung. Betroffene Frauen im kolumbianischen Cartagena berichten in einer Gesprächsrunde über Gewalt und Landvertreibung.
FOTO: TOBIAS KäUFER/ADVENIAT

Wir haben uns sehr über den Besuch von Papst Franziskus bei den lutherischen Christinnen und Christen in Lund gefreut. Es war ein großes Zeichen der Versöhnung. So hat das Festjahr zum 500. Reformationsjubiläum begonnen. Die Feier des 500. Jahrestages der Reformation darf keine triumphalistische oder partikularistische Konnotation haben. Die Feier muss in einem ökumenischen Geist geschehen, und die Kirche der Reformation muss sich selbst fragen, welche Rolle sie heute in der Gesellschaft übernehmen will. Dabei befindet sie sich in einem ständigen Reformprozess. Für mich ist die große Herausforderung der ökumenischen Bewegung, dass die christlichen Kirchen in Respekt und Dialog zusammenkommen und ein Zeichen für Gottes Reich in dieser Welt sind, dass sie für die Menschenrechte kämpfen und dass ökumenische Theologie sich verkörpert im Leben der Menschen, in der Gesellschaft und in der Welt, in der wir leben. So hat der Dichter Thiago de Mello aus Amazonas/Brasilien gesagt: »Noch ist es dunkel, aber ich singe.« Teil der ökumenischen Bewegung zu sein, bedeutet, in solidarischer Hoffnung zu leben, dass eine Neue Welt kommen wird (Jes 45,17).

CLAUDETE BEISE ULRICH
Professorin an der Faculdade Unida in Vitória, Espírito Santo/Brasilien und Pastorin der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB)

Ausgabe 1/2017

ANMERKUNGEN

1 Zum ökumenischen Forum ACT Brasilien gehören folgende Organisationen: Conselho Nacional de Igrejas Cristãs do Brasil (CONIC); Conselho Latino-Americano de Igrejas (CLAI) Brasil; Coordenadoria Ecumênica de Serviço (CESE); Fundação Luterana de Diaconia (FLD); Koinonia – Presença Ecumênica e Serviço; Comissão Ecumênica dos Direitos da Terra (CEDITER); Centro Ecumênico de Capacitação e Assessoria (CECA); Centro Ecumênico de Serviços à Evangelização e Educação Popular (CESEEP); Centro Ecumênico de Estudos Bíblicos (CEBI); Diaconia – Organização Social de Serviço; Universidade Popular (UNIPOP); Comissão Ecumênica de Combate ao Racismo (CENACORA); Dia Mundial de Oração (DMO), Associação de Seminários Teológicos (ASTE); Programa de Formação e Educação Comunitária (PROFEC); Rede Ecumênica da Juventude (REJU); Plataforma de Ação e Diálogo (PAD).

2 Ökumenisches Forum ACT Brasilien – FE ACT BRASIL, Stellungnahme zur politischen Situation in Brasilien, 17. Mai 2016. PDF-Datei (30. Oktober 2016).

3 Die ökumenische Situation in Brasilien. PDF-Datei (31. Oktober 2016).

4 Die ökumenische Situation in Brasilien. PDF-Datei (31. Oktober 2016).

5 Siehe dazu Paulo Freire, Pädagogik der Unterdrückten, Stuttgart 1971. Die Befreiungspädagogik wurde in der Bibellektüre in christlichen Basisgemeinden aufgenommen und weitergetragen.

6 Siehe dazu: Carlos Mesters/Francisco Orofino, Sobre a Leitura Popular da Bíblia no Brasil. Internet-Link (31. Oktober 2016).

7 Siehe dazu: História: O nascimento. Internet-Link (31. Oktober 2016).

8 Siehe dazu Nancy Cardoso Pereira/Carlos Mesters, A leitura popular da Bíblia: à procura da moeda perdida. 2. ed. São Leopoldo: CEBI, 2000.

9 Walter Altmann, 500 anos depois: Recordar a Reforma, olhando para os desafios comuns da cristandade. Entrevista realizada por: Moisés Sbardelotto, 22. August 2011. Internet-Link (31. Oktober 2016).

10 Vítor Westhelle, O Deus escandaloso: O uso e abuso da cruz. São Leopoldo: Sinodal/EST, 2008, S. 132.

11 Marcelo Barros, Páscoa para o mundo crucificado, 2008. Internet-Link (15. Oktober 2016).

12 Claudete Beise Ulrich, 2017 in lateinamerikanischlutherischer Perspektive: einige Gedanken. PDF-Datei (31. Oktober 2016).

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