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Ruanda

Bischöfe bitten um Vergebung für den Völkermord

Im ruandischen Bistum Ruhengeri versammeln sich die Mitglieder einer Fraueninitiative. Die Wunden des Völkermords im Jahr 1994 verheilen nur langsam. Die Bischöfe des Landes haben sich in einem Hirtenbrief für die Verbrechen katholischer Christen im Zusammenhang mit dem Völkermord entschuldigt.
FOTO: KNA-BILD

Hirtenbrief zum Ende des Jahres der Barmherzigkeit

Die katholische Kirche in Ruanda hat sich für ihre Rolle beim Völkermord im Jahr 1994 entschuldigt. Im November 2016 veröffentlichte die ruandische Bischofskonferenz einen Hirtenbrief, der zum Ende des Jahres der Barmherzigkeit landesweit in den Gottesdiensten verlesen wurde. »Man kann in Ruanda nicht von Barmherzigkeit reden, ohne über den Genozid zu sprechen«, sagte der Vorsitzende der ruandischen Bischofskonferenz, Bischof Philippe Rukamba von Butare, der Nachrichtenagentur Fides. In der Erklärung hätten die Bischöfe »um Vergebung der Sünden der katholischen Christen im Zusammenhang mit dem Völkermord im Jahr 1994 und andere danach begangene Sünden« gebeten. Rukamba wies im Gespräch darauf hin, dass die Bischöfe um die Vergebung für die Taten Einzelner bäten. »Denn nicht die Kirche als solche hat diese Verbrechen begangen, sondern ihre Kinder haben gesündigt«, so der Bischof. »Dabei verurteilen wir auch die Ideologie des Völkermords, die ein wesentlicher Auslöser dieser Tragödie war, die so viele Leben und den gesellschaftlichen Zusammenhalt unseres Landes zerstört hat.«

Während des Völkermords 1994 im ostafrikanischen Ruanda wurden binnen drei Monaten bis zu 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu von radikalen Hutu-Milizen ermordet. Viele Menschen wurden auch in Gotteshäusern umgebracht, in die sie sich geflüchtet hatten. Sie wurden zum Teil von Hutu-Priestern oder Ordensleuten an ihre Verfolger ausgeliefert.

Die Erklärung der Bischöfe fand laut Berichten der Nachrichtenagentur KNA ein geteiltes Echo. Demnach begrüßten Opferverbände und Experten die Entschuldigung als Schritt in die richtige Richtung, der jedoch lange überfällig gewesen sei. Hingegen habe die Regierung in Kigali die Entschuldigung abgelehnt. Laut lokalen Medienberichten wachse der Druck auf die Kirche, eine kollektive Schuld für den Massenmord einzugestehen.

Ausgabe 2/2017

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