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PHILIPPINEN

»Alltägliche Todesstrafe ohne gesetzliche Grundlage«

P. Shay Cullen von der Hilfsorganisation »Preda« hat den Drogenkrieg des philippinischen Präsidenten als »Todesstrafe ohne gesetzliche Grundlage« verurteilt.
FOTO: BETTINA FLITNER

Missionar verurteilt Hinrichtungen wegen Drogendelikten

»Es gibt 6.000 Tote, bei denen es sich angeblich um Drogenhändler handelt, und weitere 1.000 Tote, die allein im vergangenen Monat nur aufgrund eines Verdachts getötet wurden. Dies mögen manche als großen Erfolg betrachten. Doch im Grunde handelt es sich um die Todesstrafe ohne gesetzliche Grundlage oder gerichtliches Verfahren.« Mit dieser Einordnung hat Pater Shay Cullen Anfang Januar gegenüber der Nachrichtenagentur Fides Stellung zum Drogenkrieg des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte bezogen. Cullen, ein auf den Philippinen tätiger irischer Missionar, leitet dort die Stiftung »Preda«, die sich im Rahmen sozialer Programme für Vernachlässigte, Missbrauchsopfer und Drogensüchtige engagiert. Der Missionar ist besorgt darüber, dass »das Phänomen, das in den vergangenen Monaten von zahlreichen Nichtregierungsorganisationen angeprangert wurde, nicht aufgehalten wird, sondern vielmehr angeblich von 76 Prozent der Bürger befürwortet wird«.

Cullen sagte, dass »das Parlament die Wiedereinführung der Todesstrafe beschließen könnte, obwohl es viele Argumente gibt, die dagegen sprechen: Sie hat keine abschreckende Wirkung; viele Unschuldige oder Verdächtige werden hingerichtet, oder Arme, die sich keinen Anwalt leisten können; sie ist grausam und ermöglicht dem Verurteilten keine Rehabilitation; sie widerspricht dem heiligen Wert des Lebens und der Würde des Menschen«. Dann würde es sich immerhin um eine »legale Art und Weise der Hinrichtung von Verurteilten handeln «. Aber willkürliche Hinrichtungen seien schneller und unkomplizierter. »Wenn man pro Monat tausend Menschen tötet, wie dies derzeit geschieht, dann darf dies nicht unterbewertet werden. Es ist die grausamste Form der Todesstrafe, die wir je gesehen haben und sie begleitet uns im Alltag. Es handelt sich um ein monströses Verbrechen, mit dem viele kleine Dealer ausgeschaltet werden. Die Verdächtigen haben keine Möglichkeit, sich gegen die Vorwürfe zu wehren oder zu verteidigen, wie es ihr Recht und von der Verfassung vorgesehen ist. Diese Rechte sind ausgesetzt und man sollte sich heute für ihre Wiederherstellung einsetzen. Wir müssen ein Ende dieser Waffengewalt fordern, die viele Menschenleben kostet und gegen rechtsstaatliche Prinzipien verstößt «, so Cullen.

Ausgabe 2/2017

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