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ÄGYPTEN

Koptische Christen im Norden der Sinai-Halbinsel ermordet

Muslimische Institutionen verurteilen Gewalttaten

Im Norden der Sinai-Halbinsel sind im Februar 2017 in kurzer Zeit mehrere koptische Christen ermordet worden. Laut der Nachrichtenagentur Fides hatten zu Beginn der Mordserie Anhänger des sogenannten Islamischen Staates (IS) eine Videobotschaft veröffentlicht, in der sie eine Kampagne der Gewalt gegen koptische Christen ankündigten. Das Video zeigt den Selbstmordattentäter, der am 11. Dezember 2016 in der Botrosiya-Kirche, die an die koptische Kathedrale in Kairo grenzt, insgesamt 29 Menschen tötete. Die angekündigten Morde veranlassten mehr als 100 christliche Familien, aus der Provinzhauptstadt Al-Arish nach Ismailia rund 120 Kilometer östlich von Kairo zu fliehen. Zusammen mit anderen Hilfswerken versorgen auch Mitarbeiter des Roten Halbmonds die geflüchteten koptischen Christen.

Nach den Morden äußerten sich verschiedene muslimische Institutionen zu der neuen Spirale der Gewalt gegen ägyptische Kopten. Das Haus der Fatwa (Dar al Ifta al Misryah) unter Leitung des ägyptischen Großmufti, das bei kontroversen Fragen Orientierungshilfe gibt, verurteilte die Mordserie und betonte, dass die von dschihadistischen Gruppen gegen einheimische Christen geplante Kampagne vor allem die nationale Einheit untergraben solle. Auch der Sprecher der ultrakonservativen salafistischen Al-Nur-Partei verurteilte die gezielten Morde an Christen auf der Sinai-Halbinsel und erinnerte daran, dass diese »gegen die Lehre des Islam verstoßen«. Der koptisch-orthodoxe Patriarch Tawadros II. sprach mit Premierminister Sherif Ismail über die Situation der vertriebenen Christen und betonte die Dringlichkeit, den Christen aus der Region Schutz vor neuen Übergriffen zu bieten. Im Norden der Sinai-Halbinsel kommt es seit Jahren zu Gewalt dschihadistischer Gruppen gegen Soldaten, Polizisten und Zivilisten.

Im Zusammenhang mit dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Ägypten Anfang März 2017 wies die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) auf die politische Dimension der Gewalt gegen die Kopten hin. Radikale Islamisten würden Kopten angreifen und wollten damit die Regierung treffen, die die Kopten aus wahltaktischen Gründen umwerbe. So würden Ägyptens Christen von Islamisten und dem Staat für eigene Zwecke missbraucht.

Ausgabe 3/2017

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