Burkina Faso – Das Land der aufrechten Menschen corner

Burkina Faso - Das Land der aufrechten Menschen

Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft in Westafrika

von PAUL OUÉDRAOGO

Junge Frau in Fada N’Gourma, Burkina Faso.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

An der Stelle des Länderberichts steht in diesem Heft der Text eines Vortrags, in dem Paul Ouédraogo, Erzbischof von Bobo-Dioulasso, Anfang Januar 2017 die Situation der Gesellschaft und der Kirche in Burkina Faso skizziert hat. Seine Ausführungen geben nicht nur einen Einblick in die Situation des Landes, sondern auch in das gesellschaftliche Engagement der Kirche.

Burkina Faso ist ein westafrikanischer Binnenstaat, ohne Zugang zum Meer, der im Norden und Westen an Mali, im Osten an Niger, im Südosten an Benin, im Süden an Togo und Ghana und im Südwesten an die Elfenbeinküste grenzt. Das Land, eines der ärmsten Länder der Welt, hat dank eines relativ hohen Wirtschaftswachstums in den letzten Jahren wirtschaftliche Fortschritte gemacht. Dies reicht jedoch nicht aus. Vor Burkina Faso liegt noch ein langer Weg, da die Entwicklung von einer sehr niedrigen Ausgangslage startet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einwohner liegt bei nur 613 US-Dollar (2015). Die Infrastruktur ist in allen Bereichen – Arbeit, Gesundheit, Bildung und Verkehr – schlecht. Die Schwäche von Industrie und Dienstleistungsgewerbe, in denen nur 14 Prozent der aktiven Bevölkerung beschäftigt sind, muss für die Behörden ein vorrangiger Ansatzpunkt sein.

86 Prozent der aktiven Bevölkerung arbeiten noch immer in der Landwirtschaft, die die Basis der Wirtschaft des Landes darstellt. Zwar waren die klimatischen Bedingungen in den letzten Jahren günstig, doch hängt die Wirtschaft zu sehr von ihnen ab, so dass die Grundfesten des Landes anfällig sind. Der Weltbank zufolge (2014) leben mehr als 40 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. In der nördlichen Region sind es sogar 70,4 Prozent der Bevölkerung, die in Armut leben, ein nationaler Rekord im Vergleich zu weniger als 10 Prozent in der Hauptstadt.

Das ungebremste demografische Wachstum der Hauptstadt Ouagadougou, die bald mehr als 2,6 Millionen Einwohner haben wird und deren Bevölkerung jedes Jahr um 7,2 Prozent wächst – eine der höchsten Zuwachsraten der Welt –, stellt hinsichtlich Verschmutzung, Verkehr, Sicherheit, Gesundheit und Bildung ein großes Problem dar. Die Infrastruktur der Hauptstadt ist überhaupt nicht für eine so rasant wachsende Bevölkerung angelegt. In der zweitgrößten Stadt des Landes, Bobo Dioulasso, ist die Bevölkerung mit ungefähr 11 Prozent noch schneller angewachsen als in der Hauptstadt; mittlerweile leben dort mehr als eine Million Menschen (1,2 Millionen im Jahr 2016).

Vergleicht man die Regionen Burkina Fasos, so leben in der Region Centre-Est mit Abstand am wenigsten arme Menschen (9,3 Prozent). Ihr folgen die Regionen Sahel (21 Prozent), Cascades (22 Prozent) und Hauts-Bassins (34 Prozent). Die Regionen, in denen deutlich mehr arme Menschen leben, sind die Regionen Nord (70,4 Prozent), Boucle du Mouhoun (59,7 Prozent) und Centre-Ouest (51,7 Prozent). Zudem leben 60 Prozent der armen Menschen in den folgenden fünf Regionen: Nord, Boucle du Mouhoun, Centre- Ouest, Centre-Nord und Est.

Vertrocknetes Feld und Dürre in typischer afrikanischer Landschaft in der Trockenzeit bei Namoungou. Die Landwirtschaft, der größte Sektor der Wirtschaft Burkina Fasos, ist stark von den klimatischen Bedingungen abhängig.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Die religiöse Situation

Die vierte allgemeine Volks- und Wohnungszählung in Burkina Faso, die im Dezember 2006 durchgeführt wurde, ergab folgendes Bild der Religionszugehörigkeit: 60,5 Prozent Muslime, 23,2 Prozent Christen (19 Prozent Katholiken; 4,2 Prozent Protestanten), 15,3 Prozent Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen, 0,6 Prozent andere Religionen und 0,4 Prozent ohne Religion. Die katholische Kirche in Burkina Faso ist gegenwärtig in 15 Bistümer gegliedert, die auf die drei Kirchenprovinzen Ouagadougou, Bobo-Dioulasso und Koupela verteilt sind. Zusammen mit der Kirchenprovinz Niamey (Niamey und Maradi) bilden sie die Bischofskonferenz Burkina-Niger mit einer Nuntiatur mit Sitz in Ouagadougou.

Die Kirche von Burkina Faso ist von der Spitze bis zur Basis in unterschiedlichen Gliederungen organisiert. Die Basiszelle ist die christliche Basisgemeinde (Communauté Chrétienne de Base, CCB), die von Laien organisiert wird, um in einem überschaubaren Umfeld das christliche Zeugnis zu leben. Die Kirchengemeinden sichern die Koordination des Lebens der CCB in Verbindung mit den Seelsorgern auf einer Zwischenebene. Das Bistum ist das höchste hierarchische Organ und auf der Ebene der universellen Kirche für einen Teil des Volkes Gottes, der einem Bischof unterstellt ist, zuständig. Hier kommt es also zu einem ständigen Austausch zwischen der Basis und der Hierarchie, der das kirchliche Leben belebt. Die Bischofskonferenz stellt einen Rahmen der Reflexion und der Organisation für ein gemeinsames und wirksames pastorales Handeln der Bischöfe von Burkina Faso und Niger dar. Die Kirchenprovinz ist auch bemüht, diesen Geist der Kollegialität unter den Bischöfen einer Region zu befördern.

Das kirchliche Leben in Burkina Faso befindet sich angesichts der Lebendigkeit der christlichen Basisgemeinden, der Kirchengemeinden, der Bistümer und der verschiedenen geistlichen Gruppen in vollem Aufschwung. Hier sind unter anderem anzuführen:

  • An hohen religiösen Festtagen werden viele Kinder und Erwachsene getauft; dabei sind die zahlreichen – Taufen des Jahres der Barmherzigkeit noch nicht berücksichtigt.
  • Viele Paare heiraten oder regeln ihren Familienstand mit besonderen Feiern.
  • Viele Laien engagieren sich in Bewegungen und Verbänden der Katholischen Aktion, um ihren Glauben und ihr Zeugnis des Lebens zu festigen.
  • Viele junge Menschen setzen sich ein, weil sie in ihren Gemeinden Seelsorger werden wollen (Priester, Ordensfrau/-mann, Katechist/-in).

Im Bereich des sozial-pastoralen Engagements bewundert die Bevölkerung die Kirche wegen ihrer Sorge um die Ärmsten. Viele kirchliche Strukturen und Institutionen sind in folgenden Bereichen tätig: soziale Betreuung, technische Ausbildung, Bildung, Gesundheit, Landwirtschaft, Viehzucht, Gartenbau, Wasserkraft, Bewässerung, Abwasserreinigung und erneuerbare Energien. Ökosystem ist das Schlüsselwort dieser Strukturen geworden, und sie fordern nicht mehr, als dass sie beim Schutz unseres gemeinsamen Hauses begleitet werden. Unsere wichtigste Struktur OCADESCARITAS BURKINA (Organisation CAtholique pour le DEveloppement et la Solidarité – Katholische Organisation für Entwicklung und Solidarität) ist im ganzen Land aktiv und fordert in den Gemeinden zur Wohltätigkeit auf und weckt das Herz der Christen und der Menschen guten Willens.

Erwähnenswert ist auch das Engagement der Kirche in den katholischen Bildungseinrichtungen. In fast allen Bistümern des Landes haben die kirchlichen Institutionen Kindergärten, Grundschulen, weiterführende Schulen und selbst Hochschulen eingerichtet, um den Staat in der Bereitstellung des Bildungsangebots zu unterstützen. Hinzu kommen besondere Bildungsangebote für Jugendliche. Es ist schließlich festzuhalten, dass ein Klima der relativen Ruhe zwischen den verschiedenen Religionen herrscht, das den sozialen Frieden und die Möglichkeit der sozialen Entwicklung begünstigt. Dieser Frieden ist jedoch nur ein relativer Frieden, der jeden Tag durch einen offenen, brüderlichen und konstruktiven Dialog gewahrt und kultiviert werden muss. Dies ist eine der größten Herausforderungen, die wir alle gemeinsam annehmen müssen.

Burkina Faso auf einen Blick
Fläche: 274.200 km²
Bevölkerung: 19.512.533
circa 60 Ethnien
Sprachen: Französisch (Amtssprache), Sprachen unterschiedlicher Volksgruppen
Religionen: 60,5 % Muslime, 23,2 % Christen, 15,3 % Animisten, 0,6 % andere Religionen
Human Development Index 2014: Rang 183 von 188 Staaten
Quellen: The World Factbook; hdr.undp.org

Soziale Probleme

1. Verringerung der Armut
In Burkina Faso ist ein großer Unterschied zwischen Arm und Reich und zwischen Stadt und Land festzustellen. Die Bischöfe von Burkina Faso haben in ihrer Botschaft zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit 2015 erklärt, dass »zehn Prozent der Bevölkerung über 80 Prozent der Güter dieses Landes (verfügen)«. Laut einer Erhebung über das Einkommen der Haushalte in Burkina Faso des Nationalen Instituts für Statistik und Demografie (Institut National de la Statistique et de la Démographie, INSD) haben 2009 die reichsten 20 Prozent der Haushalte 56,3 Prozent der gesamten Haushaltsausgaben getätigt. Es gilt also, tagtäglich daran zu arbeiten, diese Kluft zu verringern, da diese nur zu sozialen Spannungen führen kann. Die Partnerder katholischen Kirche könnten dies durch einkommensgenerierende Maßnahmen bei den am meisten benachteiligten Bevölkerungsgruppen unterstützen, um die Lebensbedingungen dieser Bevölkerungsgruppen (Gesundheit, Wasser, Kanalisation, Schulbildung) zu verbessern.

2. Arbeitslosigkeit und Landflucht (Beschäftigung junger Menschen)
Die burkinische Bevölkerung ist ziemlich jung (52,52 Prozent der Bevölkerung sind zwischen 15 und 64 Jahren alt), und das Problem der Beschäftigung stellt sich mit großer Dringlichkeit. Eine der Prioritäten der Behörden liegt darin, die Beschäftigungsfähigkeit dieser jungen Menschen zu verbessern, um so die Landflucht zu stoppen und die Risiken sozialer Spannungen zu verringern. Die katholische Kirche versucht, über ihre sozialen und seelsorgerischen Strukturen die Regierung bei der Lösung dieses Problems zu unterstützen. Die Unterstützung der Partner der katholischen Kirche sollte in diesem Bereich des öffentlichen Lebens intensiviert werden. In Verbindung mit der Kinder- und Jugendkommission sind Projekte und Programme in Betracht zu ziehen, um den jungen Menschen in ihren Gebieten Perspektiven zu eröffnen.

3. Einbeziehung der Frauen in die Entwicklung des Landes
Die weibliche Bevölkerung macht die Hälfte der Einwohner des Landes aus. Allerdings sind Frauen häufig auf schulischer Ebene, im öffentlichen Dienst, im politischen Management und in Bezug auf die Nutzung von Produktionsgütern nicht gut vertreten. Eine der Herausforderungen zukünftiger Entwicklung liegt da- rin, auch Frauen Verantwortung für die Zukunft des Landes zu übertragen, indem ihnen die Tore zu Wissen und zu den Führungsebenen weit geöffnet werden. Die Partner der katholischen Kirche täten gut daran, die Kirche in den von ihr angestoßenen Aktivitäten für Frauen und junge Mädchen (Kochschule, einkommensgenerierende Maßnahmen) zu unterstützen. Im Hinblick auf solche Programme kann die Nationale Organisation katholischer Frauen (L’Organisation Nationale des Femmes Catholiques) Ansprechpartnerin sein und einen organisatorischen Rahmen bieten.

Straßenszene in Ouagadougou. Die Wirtschaft Burkina Fasos ist in den letzten Jahren stark gewachsen.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

4. Der interreligiöse Dialog
Das burkinische Modell der friedlichen Koexistenz der verschiedenen Religionen ruft weithin Bewunderung hervor, aber es mehren sich die Zeichen, die uns zu mehr Realismus aufrufen. Das Gleichgewicht der Kräfte ist vor allem eine Frucht der Toleranz der einen, der Angst der anderen und der Diplomatie einiger Verantwortlicher der Religionsgemeinschaften. Wie lange wird dieser Zustand aber noch anhalten? Es wäre angebracht, dass die Kommission für den Dialog mit dem Islam, die Kommission für die Ökumene und die Kinder- und Jugendkommission mit Unterstützung unserer Partner Module für einen Dialog mit unseren Geschwistern anderer Religionen entwickeln, um den sozialen Frieden zu bewahren.

5. Verwurzelung der Demokratie
Unser Land befindet sich noch auf einem Weg der Suche nach Demokratie. Die Demokratie muss weiterhin in den Städten und den ländlichen Gebieten des Landes Fuß fassen. Dies gilt besonders für die ländliche Bevölkerung, bei der es sich häufig um Analphabeten handelt, die den politischen Parteien als Stimmvieh ausgeliefert sind. Hierbei handelt es sich um einen langwierigen Kampf. Die Kirche könnte sich mit Hilfe und Unterstützung ihrer Partner stärker in diesen Prozess der Bildung eines demokratischen Bewusstseins in Burkina Faso einbringen. In Zusammenarbeit mit der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden und der Weiterbildungsschule für Laien könnten für unsere Bevölkerung passende Bildungsformate in den Bistümern entwickelt werden. Unsere katholischen Radiosender sind gute Kanäle, um Botschaften zu übermitteln und an der Bewusstseinsbildung mitzuwirken. Hierfür wäre eine finanzielle Unterstützung erforderlich.

6. Versöhnung und Justiz
Unser Land leidet sehr unter dem Mangel an sozialem Zusammenhalt und an den vielfachen Verletzungen durch die gesellschaftlichen und politischen Probleme der letzten Jahre. Außerdem hat sich langsam eine Situation von mangelndem Bürgersinn und Straflosigkeit eingestellt, die die Burkiner hinsichtlich einer möglichen Unabhängigkeit der Justiz im Land gespalten hat. Es gilt also, eine wahre Versöhnung in Gang zu bringen, die auf einer wahren Gerechtigkeit aufbaut und die die Wahrheit im Sinne eines wahren Friedens der Herzen strahlen lässt. Mit Unterstützung der Partner der katholischen Kirche könnten Projekte und Programme entwickelt werden, um die Jugend für diesen Weg der Bildung eines sozialen Zusammenhalts zu mobilisieren. Die Kinder- und Jugendkommission sowie die Familienkommission könnten diese steuern und den Schwerpunkt darauf legen, die Kinder und Jugendlichen zu einer Friedenskultur zu erziehen.

7. Sicherheit
Angesichts des Anstiegs des internationalen und regional auftretenden religiösen Extremismus ist die Sicherheit in Burkina Faso ein zentrales Problem. Außerdem erhöhen der mangelnde Bürgersinn und die Intoleranz, die auf die Straflosigkeit zurückzuführen sind, das Risiko sozialer Spannungen, die Gewaltbereitschaft und die Bandenbildung unter jungen Menschen. Deshalb ist es absolut erforderlich, daran zu arbeiten, den Frieden in die Herzen sowie in die Städte und ländlichen Bereiche zu bringen, um so Entwicklung überhaupt zu ermöglichen. Es wäre hilfreich, wenn unsere Partner Projekte und Programme im Sicherheitsbereich unterstützen würden. Wir denken an Bildungsmodule für junge Menschen und auch an eine Sensibilisierung durch unsere katholischen Medien. Dies hätte einen gewissen sozialen Zusammenhalt für eine ganzheitliche menschliche Entwicklung zur Folge.

Große Moschee im Zentrum der Hauptstadt Ouagadougou. Burkina Faso wird für das friedliche Zusammenleben der Religionen bewundert.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Missionarische Herausforderungen

1. Verwurzelung des Glaubens im Leben der Burkiner
Relativ häufig ist in unseren Basisgemeinden eine gewisse Diskrepanz zwischen dem Glauben und dem Leben in der Gesellschaft festzustellen. Der Christ ist in der Gesellschaft nicht mehr als Christ zu erkennen. Die Kirche von Burkina Faso muss sich also der Herausforderung stellen, den Glauben im Alltag der Burkiner zu verwurzeln. Auf diese Herausforderung haben wir seit 1977 mit der grundlegenden Option für die Kirche als Familie Gottes in Burkina Faso hingewiesen. Hierzu ist sicherlich die Bildung von verantwortlichen Laien, die sich in der Gesellschaft engagieren, erforderlich. Es wäre also angebracht, mit Hilfe der Partner der Kirche Bildungsprojekte und Programme für Laien und besonders für Jugendliche, die die Speerspitze der Gesellschaft darstellen, für die Frauen, die die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, und für die im ländlichen Raum tätigen Katechisten zu initiieren, damit die Christen zum »Sauerteig«, zum »Salz der Erde und Licht der Welt« werden.

2. Familie und Bildung
Eine unserer größten Herausforderungen ist und bleibt die Familie und damit auch die Erziehung der Kinder. Die Familie wird heftig angegriffen und die Bildung leidet in allen ihren Zweigen. Die Kirche versucht, sich mit vollem Einsatz dieser Herausforderung zu stellen. Sie ist im katechetischen Unterricht und in der Bildung in Grundschulen, weiterführenden Schulen und Universitäten vertreten. Aber die Unterstützung durch den burkinischen Staat steckt noch in den Kinderschuhen. Eine konsequente Unterstützung unserer Partner würde es uns erleichtern, Männer und Frauen auszubilden, die sich für eine ganzheitliche menschliche Entwicklung in Burkina Faso einsetzen können. Strukturell können diese Programme bei den Kommissionen für die Erziehung und für die Katechese angesiedelt sein. Diese warten nur darauf, das Wesen der Kirche als Mutter und Erzieherin entfalten zu können.

3. Selbstmanagement der Kirche von Burkina
Eine weitere Herausforderung beschäftigt gegenwärtig die Kirche von Burkina Faso. Hierbei handelt es sich um das Selbstmanagement der Kirche durch ihre eigenen Kinder mittels wirtschaftlicher Aktivitäten und zukunftsträchtiger Investitionen. Ein Körper ist nur dann ein Körper, wenn er sich um sich selbst kümmert. Wir stellen fest, dass die Hilfe von außen immer mehr schwindet und es an der Zeit ist, vor Ort die Ressourcen für unsere eigene Entwicklung zu generieren. In den Basisgemeinden, den Kirchengemeinden, den Institutionen und den Bistümern werden gegenwärtig Anstrengungen dazu unternommen, aber es gibt noch viel zu tun. Auch in dieser Sache suchen wir die Unterstützung unserer Partner. Es wäre hilfreich, eine Reflexion darüber anzustoßen, wie wir in Zukunft Projekte und Programme auf die Beine stellen, die nach und nach das Ende der Hilfe von außen einleiten.

4. Die Bildung der Seelsorger
Eine große Herausforderung für die Kirchen Afrikas und damit auch für die Kirche von Burkina Faso ist ohne Zweifel die Bildung unserer Seelsorger, der Priester, Ordensleute und Katechisten. Die Betreuung der Einwohner unseres Landes in den Feldern Bildung, Gesundheit und Soziales bedarf gut ausgebildeter Personen, und häufig besteht ein sehr großer Mangel an finanziellen und strukturellen Mitteln. Dennoch hat dies für uns absolute Priorität. Wenn die Partner der katholischen Kirche uns in dieser Sache helfen könnten, würden sie gleichzeitig der gesamten Bevölkerung einen großen Dienst erweisen. Die katholische Kirche in Burkina Faso ist immer noch die Struktur, die die Zustimmung einer großen Anzahl von Menschen erfährt und die tatsächlich in die Entwicklung eines jeden Menschen und aller Menschen investiert, unabhängig von deren Rasse, Religion oder Geschlecht.

5. Die Infrastruktur
Zur Sorge um die Ausbildung der Seelsorger kommt hinzu die Sorge um die Infrastruktur, die nötig ist, um Seelsorger und Laien betreuen und ausbilden zu können. Es ist heutzutage einfacher, einen Schweinestall zu bauen als einen Saal für die Katechese und die Bildung von Laien. Weil wir mit den Menschen zusammenleben, wissen wir aber, dass für ihr Leben beides eine Rolle spielt. Es ist schwierig geworden, eine Finanzierung für Gebäude zu finden. Dies stellt für die Kirche in Burkina Faso eine große Herausforderung dar.Wir wünschen, dass unsere Partner dies in Erwägung ziehen und uns zur Seite stehen, wenn wir unsere Pläne und Programme zur Bildung der Bevölkerung in die Tat umsetzen, damit die Menschen mehr Verantwortung für die Gestaltung der Gesellschaft übernehmen können. Ein gut ausgebildeter Christ ist ein verantwortungsvoller Bürger und ein wahrer Vertreter der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung.

Eine Schwester vom Centre Saint Martial der Diözese Ouahigouya besucht eine alte und verarmte Frau. Wegen ihres Einsatzes für die Ärmsten steht die katholische Kirche in Burkina Faso in hohem Ansehen.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Ausblick

Am Ende dieser kurzen Darstellung ist deutlich geworden, dass Burkina Faso mit Blick auf seine Entwicklung vor vielen Herausforderungen steht, sowohl auf sozialer als auch auf missionarischer Ebene. Der Weg zum Glück ist für Burkina Faso noch ein langer Weg. Wir wissen, dass wir auf die Zusammenarbeit mit unseren Partnern zählen können, um der chronischen Armut, die unsere Menschheit lähmt, ein Ende zu setzen. Wir sprechen von unserer Menschheit, denn die Armut ist eine Schande für unsere Menschheit, der alles gegeben ist, um in Freude und Frieden zu leben. Und wir wissen auch, dass die Immigration in den Westen durch eine fehlende Entwicklung Afrikas verursacht wird. Deshalb wollen wir aus diesem Teufelskreis ausbrechen und hoffen auf Ideen und Mittel, um der Hilfe und Abhängigkeit ein Ende zu setzen. »Lehren Sie uns, Fische zu fangen, und wir werden sie für Sie einholen, damit wir sie dann gemeinsam mit Ihnen verspeisen können.«

PAUL OUÉDRAOGO
Erzbischof von Bobo-Dioulasso

Ausgabe 3/2017

Katholische Messe am Sonntag in der Pfarrei Christ Roy de Pissy, Secteur St. Augustin de Silmissin, Ouagadougou.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

ANMERKUNG

1 Im französischen Text steht die Abkürzung »PTF«, Partenaires Financiers et Techniques. Der Ausdruck wird hier und im Folgenden kurz mit »Partner« wiedergegeben. (Anm. d. Red.)

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