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ÄGYPTEN

Interreligiöser Aufruf zu Frieden und Versöhnung

Am 28. April 2017 besuchte Papst Franziskus während seiner Ägypten-Reise die islamische Al-Azhar-Universität in Kairo. Der Großscheich und geistliche Leiter der Universität Ahmad al-Tayyeb umarmt den Heiligen Vater zur Begrüßung.
FOTO: KNA

Papst Franziskus trifft Großscheich und koptischen Patriarchen

Drei Wochen nach islamistischen Anschlägen auf zwei koptische Kirchen in Ägypten, bei denen 45 Menschen ums Leben kamen, hat Papst Franziskus am 28./29. April 2017 das nordafrikanische Land besucht. Zusammen mit dem Großscheich der islamischen Al-Azhar- Universität, Ahmad al-Tayyeb, verurteilte Franziskus alle Formen von religiösem Hass und Extremismus. Bei einer internationalen Friedenskonferenz forderte der Papst mehr Einsatz für Menschenwürde, Menschenrechte und Religionsfreiheit. Die Konferenz in der Azhar-Universität war ein christlich-muslimisches Gipfeltreffen, wie es zuvor noch nie stattgefunden hatte. Außer dem Papst waren auch das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christenheit, Patriarch Bartholomaios I., sowie Spitzenvertreter der katholischen und orthodoxen Kirchen im Nahen Osten gekommen. Das Besondere war nicht zuletzt, dass die muslimische Seite zu der Versammlung eingeladen hatte. Bei einem Treffen mit Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi hob der Papst die zentrale Rolle Ägyptens im Kampf gegen Extremismus und Gewalt im Nahen Osten hervor.

Zusammen mit dem koptischen Patriarchen Tawadros II. erinnerte Franziskus an die Opfer des Anschlags vom 11. Dezember 2016 auf die koptische Peter-und- Paul-Kirche. Bei dem Attentat waren 29 Menschen getötet worden. Außerdem unterzeichneten die beiden Kirchenoberhäupter eine ökumenische Erklärung, in der das Leiden verfolgter Christen aller Konfessionen als »Zeichen und Werkzeug der Einheit« bezeichnet wird. Franziskus und Tawadros II. bekräftigten, dass Gläubige bei einem Übertritt in die jeweils andere Kirche nicht erneut getauft werden sollen. Bei einer Messe mit rund 15.000 Gläubigen rief Franziskus zu einer »Kultur des Dialogs, des Respekts und der Brüderlichkeit « auf. »Der einzige erlaubte Extremismus für Gläubige ist die Nächstenliebe «, sagte er bei der Feier in einem Stadion im Osten Kairos.

Ausgabe 4/2017

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