JULI/AUGUST 2017 SÜDSUDAN corner

Südsudan

Bischof erinnert Stammesführer an ihre Verantwortung

Ein Flüchtlingslager der Vereinten Nationen in Juba im Südsudan. In dem ostafrikanischen Land leiden die Menschen unter Bürgerkrieg und Hunger.
FOTO: PETTERIK WIGGERS/HOLLANDSE HOOGTE

Menschen sind von Hungersnot und Bürgerkrieg bedroht

Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz im Südsudan, Bischof Edward Hiiboro Kussala von Tambura-Yambio, hat sich Anfang April 2017 mit einem Friedensappell an Stammesälteste gewandt. Das berichtet Radio Vatikan. In einem offenen Brief an ethnische Führer der Region Bahr Al Ghazal im Westen des Landes unterstreicht der Bischof die Mitverantwortung seiner Adressaten für eine Befriedung des Bürgerkriegslandes: Sie mögen ihre Kraft und ihren Einfluss geltend machen, um den Konflikt zu beenden und die Probleme der Menschen zu lösen. Kussala forderte auch Hilfsorganisationen, religiöse Anführer und die gesamte Gesellschaft in Bahr Al Ghazal zum Engagement auf.

Angesichts der Hungerkrise ist die Gewalt im Südsudan doppelt verheerend. Die Dürre hatte auch in Bahr Al Ghazal zu Ernteausfällen geführt. Der Überlebenskampf der Menschen wird durch die ethnisch geprägten Konflikte verschiedener Gruppen zusätzlich erschwert. Das sagte die Länderreferentin des Kindermissionswerks »Die Sternsinger « Stefanie Frels nach einer Projektreise in den Südsudan gegenüber Radio Vatikan. Im Interview erzählt sie von einer Bäuerin in Wau, deren gesamte Ernte durch bewaffnete Plünderer zunichte gemacht wurde: »Es war alles weg, und die Frau stand vor einem leeren Feld. Sie hatte ganz leere Augen.« Man könne nur ahnen, dass es nicht nur um die Landwirtschaft gehe, sondern dass wahrscheinlich noch viel mehr passiert sei, über das die Frau nicht sprechen wolle. Über die Vergewaltigung von Frauen im Kontext des südsudanesischen Bürgerkrieges berichtet auch Caritas Österreich. So hätten vor allem Frauen, die alleinstehend mit ihren Kindern vor den Gewaltexzessen fliehen, »berechtigte Angst vor sexueller Gewalt «, berichtete die Caritas-Helferin Helene Unterguggenberger aus Juba im Gespräch mit Kathpress. Die Frauen seien oftmals völlig schutzlos, denn viele Männer seien von der Armee oder von Milizen rekrutiert und etliche auch getötet worden. Bereits im Februar 2017 hatte die UNO für einige Landesteile eine Hungersnot ausgerufen. 5,8 Millionen Südsudanesen, mehr als 40 Prozent der Bevölkerung, sind aktuell von externer Nahrungsmittelhilfe abhängig.

Im Südsudan brach 2013, zwei Jahre nach der Erlangung der Unabhängigkeit, ein Bürgerkrieg aus, nachdem Präsident Salva Kiir, ein Angehöriger der Dinka, seinen Vize Riek Machar, einen Nuer, eines Putschversuches beschuldigt hatte. Seither waren die Friedensperioden nur von kurzer Dauer. Anfang 2017 eskalierte die Situation erneut, als die Regierung Angehörige der Dinka-Volksgruppe in Dörfern ansiedelte, aus denen zuvor andere Stämme vertrieben worden waren.

Ausgabe 4/2017

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