Lux Terra Leadership Foundation Das etwas andere Pastoralinstitut corner

Lux Terra Leadership Foundation

Das etwas andere Pastoralinstitut

von GEORGE EHUSANI

Die Lux Terra Leadership Foundation schult nigerianische Führungskräfte. Verantwortliche aus den Diözesen lernen dort ein effektives Management der Kirchenstrukturen.
FOTO: LUX TERRA LEADERSHIP FOUNDATION

Führung – Leadership – ist definiert als Kunst des Anleitens, Inspirierens und Einwirkens auf Menschen mit dem Ziel, mit kleinstem Aufwand das maximale Potential von Einzelnen und Gruppen zu entfalten. Es ist das Gegenteil von Selbstbezogenheit. Es ist ein Dienst am Gemeinwohl, der andere zur Nachahmung inspiriert.

Führungspersönlichkeiten sind Menschen, die sich selbst für das Gemeinwohl, das Wohl der anderen aufopfern. Sie sind es, die etwas im Leben der Menschen in ihrem Umfeld bewirken und ihnen den Glauben geben, selbst etwas bewirken zu können. Führungspersönlichkeiten machen den Geist derer frei, die sie führen, und befähigen sie, über sich selbst hinauszuwachsen. Sie sind der entscheidende Funke oder Katalysator, der Prozesse in Gang bringt. Sie sind der bestimmende Faktor für das Tempo und die Bewegungsrichtung einer gesamten Gruppe und spielen daher eine entscheidende Rolle dafür, ob sich die Geschicke der Gruppe zum Guten oder Bösen wenden.

Im Buch der Sprichwörter heißt es: »Kommen die Gerechten an die Macht, dann freut sich das Volk, herrscht der Frevler, dann stöhnt das Volk.« (Spr 29,2) Nach der Vereidigung von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten im Januar 2017 und als Reaktion auf seine Wahlkampfversprechen und ersten Präsidentenerlasse tauchte in den sozialen Medien häufig der berühmte Spruch von Johannes Calvin auf: »Wenn Gott eine Nation richten möchte, dann gibt er ihr böse Herrscher.« Darin schwingt mit, wie wichtig das Thema der Führung für die Angelegenheiten der Menschen, für die Bestimmung ihrer Geschicke und die Förderung des Gemeinwohls ist.

Autorität und Macht in Afrika – ein beschämendes Vermächtnis

Die Schicksalsschläge, die den afrikanischen Kontinent und seine Menschen im Verlauf seiner Geschichte ereilten – wie der mehr als 400 Jahre währende schändliche Sklavenhandel und die ausbeuterischen Kolonialregimes, die Afrika weitere 100 Jahre knechteten, dicht gefolgt von wechselnden Militärdiktaturen kurz nach Erlangung der Unabhängigkeit – können bis zu einem gewissen Grad als schuldhaft für das Fehlen einer guten, visionären, zweckorientierten, sich aufopfernden Führung in vielen afrikanischen Ländern betrachtet werden. Zahlreichen rücksichtslosen Herrschern ging es wie dem sprichwörtlichen Wolf im Schafspelz nur um die Mehrung des eigenen Reichtums. Dafür verkauften sie ihre Brüder und Schwestern an gottlose Sklavenhändler. Andere kollaborierten später mit den Kolonialmächten und verpfändeten die Zukunft der noch ungeborenen Generationen.

Die Herrscher, die zu verschiedenen Zeiten über die Angelegenheiten afrikanischer Länder walteten, bilden eine Art Fluch für einen Kontinent, der vom Schöpfer eigentlich mit begabten Menschen, einem reichen menschlichen und kulturellen Erbe sowie Naturreichtümern im Überfluss beschenkt wurde. Angesichts des katastrophalen Versagens ihrer Führungseliten wurden die afrikanischen Länder und ihre Einwohner geradezu zur Metapher für Armut und Elend, eine rebellierende Jugend, Bruderkriege, ethnische Auseinandersetzungen, religiöse Konflikte, Krankheiten und Epidemien, Korruption und Verletzung der Menschenrechte sowie für das empörende Phänomen von Inseln des Überflusses inmitten entmenschlichender Armut. Wie heißt es leider treffend im Buch der Sprichwörter: »Herrscht der Frevler, dann stöhnt das Volk.«

Der Einfluss des Evangeliums Christi und der katholischen Soziallehre

Jesus sagt: »An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.« Das wirft die Frage auf: Was hat das Christentum im Hinblick auf die Qualität der Führung in vielen afrikanischen Ländern einschließlich Nigeria bewirkt? Welche Wirkung haben die christliche Evangelisierung und Katechese in Afrika entfaltet, wo die Christen einen relativ großen Bevölkerungsanteil und einen bedeutenden Teil der politischen und wirtschaftlichen Elite stellen? Welchen Einfluss hat die katholische Soziallehre auf Politiker, Unternehmer, Intellektuelle, Medienschaffende usw. in diesen Ländern ausgeübt, in denen sie die Geschicke ihrer Gesellschaften prägen oder an der Ausgestaltung von Politik und Recht für ihr Volk mitwirken? Inwieweit ließen sich die Katholiken in Führungspositionen in diesen Ländern vom Primat des Gemeinwohls als Weg zur authentischen menschlichen Entwicklung so- wie zu Frieden und Stabilität leiten? Eine kritische Betrachtung des heutigen Zustands vieler afrikanischer Länder offenbart, dass zwischen den hehren Idealen des Evangeliums und der Soziallehre der Kirche für eine gerechte Gesellschaftsordnung und der real existierenden strukturellen Ungerechtigkeit, Verletzung der Menschenrechte, grassierenden Korruption, rücksichtslosen Ausbeutung von Naturressourcen und Umweltzerstörung, wie sie uns in diesen Ländern begegnet, eine tiefe Lücke klafft.

Schaut man sich das Führungsgebaren innerhalb der Kirche selbst an, stellt man fest: Bei der christlichen Evangelisierung und der Etablierung von Kircheninstitutionen gab es in den vergangenen 100 Jahren zwar beträchtliche Fortschritte, die auch weiterhin andauern, und religiöse Führer in Nigeria üben in der Regel einen erheblichen Einfluss auf das Leben ihrer Herde aus, und das über den bloßen religiösen und kultischen Bereich hinaus bis hinein in den sozioökonomischen, ja sogar politischen Bereich. Dennoch herrscht ein spürbares Vakuum beziehungsweise eine Kluft in der formellen Ausbildung von Kirchenführern – Laien und Klerus – in und für Führungspositionen.

In der gesamten Gesellschaft gelangen Menschen in hohe politische Ämter, ohne die nötigen Kompetenzen mitzubringen, die in der heutigen Gesellschaft für ein entschlossenes Führen benötigt werden. Auch die Kirche hebt Menschen in leitende Positionen (in der Amtskirche, in Orden und in Organisationen des Laienapostolats), in denen ihnen umfangreiche personelle und materielle Ressourcen anvertraut sind. Allerdings fehlt ihnen nicht selten die fachliche Ausbildung in der Dynamik des Führens in der modernen Gesellschaft oder die spezielle Ausbildung für den konkreten, ihnen anvertrauten Verwaltungsbereich. Mich selbst nehme ich dabei gar nicht aus: Wie oft habe ich die falschen administrativen Entscheidungen getroffen (als Gemeindepriester, Schulseelsorger, Schulleiter und Generalsekretär des Sekretariats der Bischofskonferenz) – nicht aus böser Absicht, sondern aus schierem Unvermögen, weil ich vorher nicht in diesen Leitungsfunktionen geschult worden war. Diese verbreitete Unsitte hat ernste Konsequenzen – nicht nur für den Evangelisierungs- und Sozialentwicklungsauftrag der Kirche, sondern auch für die breitere Gesellschaft, in der diese Kirchenführer einen nicht unbeträchtlichen Einfluss ausüben.

Zu den Schulungsprogrammen für junge Führungskräfte gehört auch eine Exkursion in die Wirklichkeit der Städte, hier in die Slum-Siedlung Kpaduma in der nigerianischen Hauptstadt Abuja.
FOTO: LUX TERRA LEADERSHIP FOUNDATION

Meine erste Schulung in der Dynamik einer guten Führung

Während meiner langjährigen Tätigkeit als Generalsekretär des Katholischen Sekretariats von Nigeria hatte ich eine Reihe bevorzugter Gelegenheiten, in denen ich im In- und Ausland Erfahrungen sammeln und mir Kompetenzen, Paradigmen und Methoden des Führens und verantwortungsbewussten Handelns in Führungspositionen aneignen konnte. Bei einem dieser Kurse in Singapur wurde ich mit der Frage konfrontiert, wie es sein kann, dass diesem kleinen Inselstaat ohne jegliche Naturreichtümer eine so beeindruckende Entwicklung gelang, während meine Heimat, das rohstoffreiche Nigeria, noch 50 Jahre nach der politischen Unabhängigkeit so rückständig ist und mit so vielen sozioökonomischen, politischen und sicherheitsbezogenen Herausforderungen zu kämpfen hat.

Mir fiel dafür nur eine Erklärung ein: Der Erfolg Singapurs in der sozioökonomischen Entwicklung belegt beispielhaft, dass eine visionäre, mutige, zielorientierte und dem Gemeinwohl verpflichtete Führung die entscheidende Voraussetzung dafür ist, das große Potential einer Organisation oder Gruppe von Menschen zu mobilisieren und zu entfalten und es als eine Fortschritt bewirkende Kraft zu kanalisieren. Ich gelangte zu der Überzeugung, dass Menschen oft zu Großem befähigt werden können, wenn ihre Führer bereit, motiviert und beherzt genug sind, sie dorthin zu führen. Daraufhin beschloss ich, mich dem üblichen Klagen über die Lage und dem Heucheln von Hilflosigkeit zu verweigern, wie es in Teilen der nigerianischen Elite zu beobachten ist, und stattdessen meinen Teil beizutragen, um eine zielorientierte, engagierte und visionäre Führung zum Wohle der Nation und ihrer Menschen zu schaffen.

Ich gelangte zu der Überzeugung, dass wir in einer sich rasch wandelnden Welt leben, in der bisher Geltendes fortwährend von neuen Realitäten in Frage gestellt wird, in der sich alte Paradigmen häufig als unzureichend für den Umgang mit neuen Situationen erweisen und in der neue Erfindungen und Entwicklungen neue Möglichkeiten eröffnen, auch wenn sie Gruppen, Organisationen und ganze Gesellschaften vor neue Probleme stellen. Ich realisierte, dass diese Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft Menschen mit wachsenden Führungsqualitäten erfordern – Führungspersönlichkeiten, die immer wachsamer und scharfsichtiger sind, die in der Lage sind, Talente und Potentiale zu erkennen, zu mobilisieren und zu fördern, und dabei neue Werkzeuge, Methoden und Techniken einsetzen, um die Ziele der Gruppe oder Gesellschaft zu verwirklichen. Ich begriff, dass die Ursache für eine Vielzahl von Entwicklungs- und politischen Problemen in unserer Gesellschaft darin liegt, dass solche aufgeklärten und mit hoher Integrität gesegneten Führungspersönlichkeiten fehlen oder nicht nachwachsen.

Die Gründung eines Instituts zur Ausbildung von Führungskräften

Angesichts der offenkundigen Defizite bei der Ausbildung von Führungskräften auf allen Ebenen und über alle Facetten des Lebens in unseren Ländern hinweg – einschließlich der christlichen Kirche, deren negative Entwicklung allzu eklatant und destruktiv ist – mit ihren Multiplikatoreffekten für die kommenden Generationen und auch eingedenk unserer Verpflichtung, besser eine Kerze anzuzünden, statt die Dunkelheit zu verfluchen, machte ich mir Gedanken über konkrete Schritte zur Verbesserung der Lage. Als sich meine Amtszeit bei der Bischofskonferenz dem Ende zuneigte, beschloss ich – nach eingehender Beratung mit meinem Bischof und Einholung der nötigen Genehmigungen –, die Herausforderung anzugehen, ein Institut für die Ausbildung in der Kunst des Führens zu etablieren. Das Institut sollte Führungskräfte und angehende Führungskräfte in Kirche und Gesellschaft mit der Dynamik einer zielorientierten, visionären und dienenden Führung vertraut machen und grundlegende Führungskompetenzen vermitteln, die meines Erachtens erheblich zur besseren Menschenführung und Ressourcenverwaltung in der nigerianischen Kirche und auch in Nigeria als Land beitragen. Zudem sollte das Institut öffentliche Aufklärungsarbeit betreiben, wenn sich das zur Umsetzung seiner Kernziele als notwendig erweisen würde.

Im ersten Schritt brachte ich eine Reihe nigerianischer Fachleute aus Theorie und Praxis zusammen, die allesamt nachweislich einen hohen Grad an persönlicher Integrität mitbrachten. Ihnen stellte ich mein erstes Strategiepapier vor. Alle begrüßten die Gründung des geplanten Instituts als Schritt zur rechten Zeit. Sie sagten ihre Unterstützung zu und signalisierten ihre Bereitschaft, im Verwaltungsrat oder Lehrkörper des zu gründenden Instituts mitzuwirken, wenn dieser Wunsch an sie herangetragen würde. Das erste Treffen mit dieser Gruppe Gleichgesinnter fand im Dezember 2007 statt, ein zweites Treffen dann im Juni 2008. Nach diesen beiden Treffen wurde ein Kuratorium mit dem Bischof von Lokoja als Vorsitzendem und meiner Person als Sekretär ins Leben gerufen. Anschließend wurde das Institut bei den nigerianischen Behörden unter folgendem Namen offiziell eingetragen: Lux Terra Leadership Foundation mit Verwaltungssitz in Abuja. Unsere Vision ist es, zu sehen, dass Nigeria verwandelt wird »zu einer von Integrität, Frieden und Fortschritt geprägten Nation – durch die Ausbildung wirkmächtiger, zielorientierter, dienender Führungspersonen für alle Ebenen und Bereiche einschließlich Politik, Religion und Wirtschaft«. Mit Blick auf unsere Mission gilt: »Wir streben nach Veränderung des Wesens und Wirkens von Führung in unserer Kirche und Gesellschaft mittels einer Vielzahl von Schulungen und anderen Aktivitäten, die auf die gegenwärtigen und zukünftigen Führungskräfte abzielen.«

Unsere Lehrgänge begannen im Februar 2009 mit einer einwöchigen Schulung für die erste Gruppe von Lehrkräften des Instituts. Im Kurs Dynamics of Adult Competency Based Learning Mechanisms ging es um die Dynamik der kompetenzbasierten Erwachsenenbildung. Der von Beratern der holländischen Management Development Foundation abgehaltene Kurs half nicht nur, den Lehrkräften neue Lernprinzipien, -techniken und -methoden für die Erwachsenenbildung zu vermitteln, sondern gab den Mitgliedern des Lehrkörpers auch die Möglichkeit, einander kennenzulernen und den nötigen Zusammenhalt aufzubauen. Kurz nach dieser Lehrkräfteschulung fand im März 2009 der erste Leadership-Workshop mit einer Gruppe von acht jungen nigerianischen Bischöfen statt. In den acht Jahren zwischen März 2009 und März 2017 hat das Institut fast einhundert Lehrgänge für Gruppen innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche angeboten.

Teilnehmer dieser Kurse waren Bischöfe, Priester, männliche und weibliche Ordensobere, Laienleiter verschiedener Kategorien, Jugendleiter, Seminaristen, Schullehrer und -leiter sowie Unternehmenslenker und höhere Beamte. Unsere dreitägigen bis einwöchigen Kurse basieren auf einer sorgfältigen Auswahl von rund zehn Modulen aus einer langen Liste von Kursangeboten, die u. a. Folgendes umfasst: »Die Spiritualität des Führens«, »Die Dialektik von Macht und Zielstrebigkeit «, »Führung als Mentoring«, »Emotionale Intelligenz für Führungskräfte«, »Die Kunst der Politikgestaltung und Entwicklung von Strategien« sowie »Techniken des Konfliktmanagements«. Diese und andere Kursangebote werden stets auf die konkreten Umstände und die Erfordernisse der Zielgruppe zugeschnitten.

Im Programm für Lehrerinnen und Lehrer geht es unter anderem um Persönlichkeitsentwicklung und
Teambeziehungen. FOTO: LUX TERRA LEADERSHIP FOUNDATION

Schulungsmethodik

Als Leitbild dient uns das dienende Führen, wie es Jesus Christus praktizierte. Unsere Lehrkräfte sind Fachleute aus dem In- und Ausland, die im Hinblick auf moderne Führungskompetenzen und -instrumente über den neuesten Wissensstand verfügen. Wir bedienen uns einer Reihe kompetenzbasierter Lehrmethoden der Erwachsenenbildung, bei der die wandlungs- und kompetenzerwerbsorientierte Ausbildung statt der bloßen Aneignung von Wissen im Mittelpunkt steht. Als Leitfaden dienen unseren Ausbildern und Teilnehmern dabei die Techniken und Prozesse der Erwachsenenbildung im Anschluss an die Andragogik von Malcolm Knowles.

Aufgrund ihrer handlungsorientierten, teilnehmerzentrierten und von der katholischen Soziallehre inspirierten (oder von christlichen Werten geleiteten) Ausrichtung und Lerninhalte haben unsere Workshops und Seminare einen unverwechselbaren Charakter. Die Teilnehmer erleben dort ein gemeinschaftliches Lernen, das den Lehrenden und die Teilnehmergruppe einbezieht, deren Erfahrungen unverzichtbarer Bestandteil des Lernprozesses sind. Moderne und effektive Unterrichtswerkzeuge und -techniken geben Denkanstöße und schaffen eine stimulierende Atmosphäre für die Interaktion und den Austausch unter den Teilnehmern. Mit einer Bedarfsanalyse vor der Schulung, der anschließenden Auswertung und einer Reihe von Followup- Instrumenten stellt das Institut sicher, dass jeder Kurs zu einer animierenden und transformierenden Erfahrung wird.

In unseren Lehrgängen betonen wir die Grundwerte, die das Fundament für Menschen, Institutionen und Nationen bilden. Mit unserem Kollegium, das sich aus profilierten, überzeugenden und erfahrenen Lehrkräften zusammensetzt, gehen wir weit über das bloße Lehren von Methoden der Personalführung hinaus. Wir betonen vielmehr die charakterlichen und verhaltensbezogenen Elemente des Führens, die Menschen in positiver Weise inspirieren und beeinflussen. In diesem Sinne streben wir danach, unseren jungen und erwachsenen Kursteilnehmern zu vermitteln, dass Führen im Sinne von Mentoring zu verstehen ist.

Neue Initiativen

Die Lux Terra Leadership Foundation ist über die Jahre rasch gewachsen und hat ihren Wirkungsbereich erweitert. Wir sind stets bestrebt, neue Werkzeuge und Methoden auf kreative Weise einzusetzen, auf neue Herausforderungen zu reagieren und uns im Hinblick auf Lehre, öffentliche Aufklärung und Friedensbildung neue Ziele zu setzen. Im Sinne dessen wagen wir fortwährend den Schritt in neue Bereiche, die ursprünglich gar nicht vorgesehen waren, unseres Erachtens aber mit der breit gefassten Vision und Mission des Instituts vereinbar sind. So sind wir zusätzlich zu den oben geschilderten Programmen zur Ausbildung von Führungskräften inzwischen in vier weiteren Bereichen aktiv:

Im Workshop zum Thema Interreligiöser Dialog schulen die Teilnehmer ihre Wahrnehmung komplexer Situationen und ihre Dialog- und Kommunikationsfähigkeiten.
FOTO: LUX TERRA LEADERSHIP FOUNDATION

1. Ausbildung von Fachleuten im Bereich von Therapie und Beratung

In Reaktion darauf, dass in den afrikanischen Ländern heute viele Menschen unter psychischen Traumata, Depressionen, Drogensucht und anderen emotionalen und psychischen Problemen leiden, gründete die Lux Terra Leadership Foundation in Kooperation mit missio Aachen im Jahr 2012 das Psycho-Spiritual Institute für das englischsprachige Afrika. Das Institut hat seinen Hauptsitz im kenianischen Nairobi, wird aber vom Institut in Abuja verwaltet. Es steht Bewerbern aus verschiedenen afrikanischen Ländern offen, darunter Nigeria, Äthiopien, Uganda, Gambia, Ghana, Sierra Leone, Südsudan, Kenia und Tansania. Das an die Catholic University of Eastern Africa (CUEA) angeschlossene und von der kenianischen Universitätskommission akkreditierte Institut bietet einen zweijährigen speziellen Master-Studiengang in Psychologisch-spiritueller Therapie und Christlicher Lebensberatung (Psycho- Spiritual Therapy and Christian Counselling) an.

Die am Institut ausgebildeten Fachleute haben die Voraussetzung, in ganzheitlicher Art und Weise als Psychotherapeuten und christliche Lebensberater zu praktizieren. Sie verfügen über die Kompetenzen, der wachsenden Zahl von Menschen zu helfen, die sich in einer problematischen emotionalen und psychischen Verfassung befinden. Dabei nutzen sie die besten Elemente aus der geistlichen Tradition des Christentums und modernste Methoden der Psychologie. Unter der Schirmherrschaft dieses Instituts veranstalteten wir im nigerianischen Abuja eine Reihe von einwöchigen Lehrgängen zum Umgang mit psychischen Traumata. Hier erwerben Pflegekräfte, Katastrophenhelfer, Sicherheitsbeamte und ehrenamtliche Helfer Basiswissen für die Betreuung der traumatisierten Opfer jener Gewalt, die uns heute in ganz Nigeria begegnet. Die nigerianische Nasarawa State University mit einer renommierten Psychologie-Fakultät hat sich kürzlich bereit erklärt, den Teilnehmern dieser kurzen Kurse für Traumaheilung (Trauma Healing) in Kooperation mit der Lux Terra Leadership Foundation Zeugnisse auszustellen.

2. Die Verbreitung christlicher Werte über die Massenmedien

Jede Woche zeichnen wir ein einstündiges Programm auf, das auf den Sonntagslesungen aufbaut und unter dem Titel »Sunday Homily« auf verschiedenen Fernsehsendern ausgestrahlt wird. Diese Sendung erfreut sich bei nigerianischen Katholiken und Protestanten gleichermaßen, aber auch bei Muslimen großer Beliebtheit. Häufig bleiben die Leute am Sonntag bis spätabends wach, um sich die Sendung anzuschauen. Die Ausstrahlung erfolgt lokal in Nigeria und international über einen der beiden Sender. Für Hörgeschädigte gibt es eine Übersetzung in Gebärdensprache.

Unter dem Titel »Reflections« bieten wir eine weitere einstündige Diskussionsrunde zu christlichen Werten und Tugenden an, mit der wir beim Einzelnen und in der Gesellschaft eine Wandlung bewirken wollen. Die Runde wird wöchentlich aufgezeichnet und über drei verschiedene Sender ausgestrahlt. Gäste der Sendung sind prominente und integre Männer und Frauen aus allen Bereichen der Gesellschaft, die den Zuschauern Inspirationen geben, Denkanstöße vermitteln und als Vorbilder dienen sollen, indem sie erläutern und vorleben, welche Kernwerte und Verhaltensweisen Voraussetzung für die ganzheitliche Entwicklung von Menschen, Gruppen und Staaten sind.

Darüber hinaus betreiben wir unter www.luxterra radio.com einen Internet-Radiosender. Er strahlt rund um die Uhr Sendungen aus, die Wissen vermitteln, aufklären und Gäste zu Wort kommen lassen. Zur Auflockerung gibt es moderne christliche Musik.

3. Stärkung des interreligiösen Dialogs

In Kooperation mit einer nigerianischen islamischen Partnerorganisation, dem Islamic Education Trust, gründeten wir 2012 offiziell den Verein Interfaith Activity and Partnership for Peace, der seinen Sitz in den Geschäftsräumen von Lux Terra hat. Er sieht seine Aufgabe darin, mittels Wissensvermittlung und öffentlicher Aufklärung Brücken zu bauen und die gegenseitige Verständigung und friedliche Koexistenz von Muslimen und Christen in Nigeria zu fördern. Er brachte bereits viele angesehene und dem friedlichen Miteinander verpflichtete hochrangige Christen und Muslime aus dem ganzen Land zusammen. Zudem veranstaltete der Verein eine Reihe von Fernseh- und Radiodiskussionen zu Fragen des interreligiösen Dialogs, der sozialen Gerechtigkeit, der Menschenwürde und -rechte, des gegenseitigen Verständnisses und des friedlichen Zusammenlebens. Er veröffentlichte und verbreitete (in zehntausenden von Exemplaren) Bücher und Multimedia-Material, die das Wissen der Christen über den Islam und das Wissen der Muslime über das Christentum vertiefen und auf diesem Weg zu einer gegenseitigen Verständigung und friedlichen Koexistenz beitragen sollen.

4. Direkte Begleitung Jugendlicher durch die Friends of Lux Terra

Friends of Lux Terra ist eine Mentoring-Gruppe, die im November 2009 mit dem Ziel gegründet wurde, junge Erwachsene – auch in ihrer Ausbildung – anzuleiten, zu unterstützen, zu begleiten, zu betreuen und zu inspirieren. Das Angebot richtet sich an junge Menschen, die den Wunsch haben, die nigerianische Gesellschaft zum Positiven zu verändern, indem sie christliche Werte (beziehungsweise die Werte der katholischen Soziallehre) in ihrem tagtäglichen sozialen, beruflichen, politischen und privaten Umfeld mit Leben erfüllen. Die Gruppe hat mehr als 40 Mitglieder, die sich einmal monatlich für drei Stunden treffen, um Strategien für die wirksame Vermittlung, Stärkung und Verbreitung folgender Werte und Verhaltensweisen zu erarbeiten: Liebe und Barmherzigkeit, Ehrlichkeit und Eigenverantwortung, Wahrheit und Gerechtigkeit, Mut und Disziplin, Glaube und Engagement, Demut und Opferbereitschaft sowie Verzicht auf unmittelbare Belohnung. Jedes der Mitglieder betreut seine eigene Gruppe junger Schützlinge, denen er oder sie vermittelt, wie die oben aufgeführten Werte in der Praxis gelebt werden können. Zudem gibt es innerhalb von Friends of Lux Terra Untergruppen, die Vorträge an Schulen und Hochschulen, auf kommunalen Veranstaltungen und in Medienhäusern halten, um breiteren Gruppen die oben aufgeführten Werte zu vermitteln.

5. Öffentliches Lux-Terra-Forum

Und nicht zuletzt ist unser Institut viermal pro Jahr Gastgeber des Lux Terra Public Forum, das die Elemente der katholischen Soziallehre und ihre Anwendbarkeit auf das Handeln in Führungspositionen sowie die soziale Verantwortung von Christen einem breiteren Publikum näherbringen soll. Diese eintägige Veranstaltung steht der Öffentlichkeit und den Medien offen und zieht stets mehr als einhundert Menschen an. Das Institut ist bemüht, die Überlegungen, die aus diesem Forum heraus entstehen, an eine breitere Öffentlichkeit zu vermitteln.

Die Lux Terra Leadership Foundation nutzt die Möglichkeiten der modernen Medien, um christliche
Werte in die Öffentlichkeit hinein zu vermitteln. Das Bild zeigt links den Autor des Artikels, George Ehusani, im Gespräch mit Chidi Odinkalu, Vorsitzender der nigerianischen Menschenrechtskommission.
FOTO: LUX TERRA LEADERSHIP FOUNDATION

Gegenstand dieses Beitrags waren die offenkundige Führungskrise und die Defizite bei der Ausbildung von Führungskräften – nicht nur im säkularen Bereich, sondern auch in den Institutionen der Kirche in vielen afrikanischen Ländern südlich der Sahara wie beispielsweise Nigeria – sowie die Gründung und Arbeit der Lux Terra Leadership Foundation in den vergangenen acht Jahren als Reaktion auf diese Krise. Unser Institut ist das etwas andere Pastoralinstitut. Angelehnt an die Soziallehre der Kirche rief unser Institut eine Reihe von Projekten ins Leben, die sich mit Evangelisierung und Entwicklung von Führungskräften befassen: Schulungskurse, Workshops und Seminare sowie die Ausstrahlung von Fernseh- und Radiosendungen mit dem Ziel, nicht nur christliche Geistliche und Laien, sondern auch die interessierte Öffentlichkeit in Nigeria und andernorts aufzuklären und zu schulen – zugunsten einer besseren und am Gemeinwohl orientierten Führung, eines bewussteren gesellschaftlichen Engagements und der Stärkung des interreligiösen Dialogs im Sinne einer friedlichen Koexistenz und einer harmonischen gesellschaftlichen Ordnung.

GEORGE EHUSANI
Gründer und Leiter der Lux Terra Leadership Foundation, Abuja, Nigeria

Ausgabe 4/2017

Gratis-Ausgaben

Ich möchte Forum Weltkirche mit 2 Gratis-Ausgaben kennen lernen.

/ Bestellen bei HerderShop24