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INDONESIEN

Christlicher Gouverneur verurteilt

Der ehemalige christliche Gouverneur von Jakarta, Basuki Tjahaja Purnama, wurde im Mai 2017 wegen Blasphemie zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt.
FOTO: PROFILBOS.COM

Jesuitenpater beklagt »islamistischen Populismus«

Am 9. Mai 2017 wurde der ehemalige christliche Gouverneur von Jakarta, Basuki Tjahaja Purnama, kurz »Ahok« genannt, wegen Blasphemie zu zwei Jahren Haft verurteilt und festgenommen. Der aus Deutschland stammende Wissenschaftler Pater Franz Magnis-Suseno SJ, der seit 56 Jahren in Indonesien lebt und arbeitet, sagte in einem Kommentar zu der Verurteilung: »Es ist ein ungerechtes Urteil und wurde von Richtern ausgesprochen, die unter dem Druck von Islamisten stehen.« Die Worte Ahoks und seine Kandidatur für den Posten des Gouverneurs seien von Anfang an als Provokation empfunden worden, so der Jesuit weiter. »Indonesien ist noch nicht reif für christliche Führungskräfte auf nationaler Ebene.« Dies gelte umso mehr, wenn es sich um einen Christen chinesischer Abstammung handle. Allerdings habe Ahok die radikalen Muslime mit einer Rede über den Koran unnötigerweise provoziert. »Indonesische Christen haben Ahok auf friedliche Weise unterstützt «, so Magnis-Suseno. »Im Zeichen der Solidarität sind sie ihm bis ins Gefängnis gefolgt und haben dabei die Nationalhymne gesungen und damit zu verstehen gegeben, dass sie nicht wollen, dass Indonesien in die Hände von Fanatikern und Extremisten gerät.«

Der Jesuit, der die philosophische Ausbildung der Jesuiten in Jakarta leitet, beklagt einen »islamistischen Populismus «: »Die Extremisten versuchen, ihre Kampagne bis zur Präsidentschaftswahl 2019 fortzusetzen, und wünschen sich eine Niederlage von Joko Widodo. Davon würde Prabowo Subianto profitieren, der bei der Wahl 2013 unterlag.« Seit mehr als einem Jahr werde ein stilles Bündnis zwischen ehemaligen Generälen und Islamisten aufgebaut, so der Jesuit. Eine Zunahme der Unruhen und des sozialen Chaos könne die Militärs »zwingen«, die Macht zu übernehmen, und zwar mit islamistischer Unterstützung. Man müsse wissen, dass die alten Generäle die demokratische Reform, die nach dem Sturz des Diktators Suharto auf den Weg gebracht worden sei, nie wirklich akzeptiert hätten. Und der islamische Extremismus werde auch von den großen muslimischen Organisationen der Zivilgesellschaft, Muhammadiyah und Nahdlatul Ulama, unterschätzt.

Nach dem Urteil gegen den ehemaligen Gouverneur forderte die Asiatische Menschenrechtskommission die indonesische Regierung auf, die Anwendung des geltenden Blasphemiegesetzes zu prüfen und eine Abschaffung in Betracht zu ziehen, da Anklagen wegen Blasphemie häufig instrumentalisiert und zu politischen Zwecken missbraucht würden.

Ausgabe 5/2017

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