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Veränderung beginnt bei uns

Eine Kampagne zu nachhaltigen Lebensstilen für die Menschen und den Planeten

von ANGELA MARIA OCAMPO

Nachhaltige Modelle von Produktion und Verbrauch haben rund um die Welt Erfolg. Dieser Erfolg verdankt sich innovativen Experimenten und Initiativen, die von Menschen und Gemeinschaften gestartet wurden, die sich für den Aufbau einer faireren und nachhaltigeren Gesellschaft einsetzen, indem sie das Leben der Menschen und die Grenzen des Planeten berücksichtigen. Inspiriert vom Aufruf des Papstes zu einer tiefgehenden ökologischen Umkehr stellt die Kampagne »Change for the Planet – Care for the People« (»Veränderung für den Planeten – Sorge um die Menschen«) durch einen Fotowettbewerb die Fähigkeit der Menschen und Gemeinschaften heraus, selbst change-maker zu sein, also selbst Veränderungen anzustoßen und zu gestalten.

Sébastien Pins, Belgien: Achtzig Prozent der Ernte weltweit hängen von der Aktivität bestäubender Insekten ab, und Bienen werden als die besten Bestäuber betrachtet! Heute befinden wir uns an einem Punkt, an dem ein wackliges Gleichgewicht kippen kann. Dieses Foto zeigt für mich die Symbiose von Mensch und Natur. Es führt uns vor Augen, dass jeder Mensch kleine Dinge tun kann, um eine lebenswerte Welt für zukünftige Generationen zu gewährleisten.
FOTO: SéBASTIEN PINS/CIDSE

Vor zwei Jahren veröffentlichte Papst Franziskus Laudato si’, eine bahnbrechende Enzyklika. Laudato si’ skizziert die Wurzeln unserer gegenwärtigen sozialen und ökologischen Krisen und lädt uns ein, durch eine tiefgreifende ökologische Umkehr unsere Verantwortung anzuerkennen, die wir als Teil der Schöpfung für unser gemeinsames Haus haben. Um auf diesen Aufruf zu antworten, hat CIDSE (Coopération Internationale pour le Développement et la Solidarité / Internationale Kooperation für Entwicklung und Solidarität), die internationale Familie der katholischen Organisationen für soziale Gerechtigkeit, unter dem Titel »Change for the Planet – Care for the People« eine dreijährige Kampagne zu zukunftsfähigen Lebensstilen gestartet. Die Kampagne baut auf der Arbeit auf, die die CIDSE und ihre Mitgliedsorganisationen mit dem Ziel sozialer und Klimagerechtigkeit leisten. Sie fördert einen tiefgreifenden Wandel der Lebensstile, wobei sie sich auf nachhaltige, ökologisch und sozial gerechte Modelle der Erzeugung und des Verbrauchs von Nahrungsmitteln und Energie konzentriert. Die Kampagne zielt darauf ab, verschiedene erfolgreiche Modelle nachhaltigen Lebens auszuweiten – Modelle, die Bürgerinnen und Bürger sowie Gemeinschaften rund um die Welt bereits erprobt haben und die als inspirierende Beispiele des Wandels dienen. Die Kampagne bringt die Aktivitäten von CIDSE-Mitgliedsorganisationen und ihren Unterstützern aus 15 verschiedenen Ländern zusammen.

Mit dem Ziel, Menschen durch Fotografie am Nachdenken über nachhaltige Lebensstile zu beteiligen, schrieb die Kampagne im Februar 2017 ihren ersten internationalen Fotowettbewerb »Inspire change through your lens« aus. Der Fotowettbewerb forderte Amateur- und Profifotografen auf, Bilder von bestehenden, nachhaltigen und von einfachen Menschen ausgehenden Initiativen einzureichen, in denen es um die Erzeugung und den Verbrauch von Essen und Energie geht. Innerhalb von drei Monaten reichten Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Teilen der Welt mehr als 100 Bilder ein, die die Vielfalt der Ansätze und Initiativen zeigen. »Wie die Fotos der Teilnehmer an diesem Fotowettbewerb zeigen, entstehen rund um die Welt bereits Alternativen, in denen gerechtere Gesellschaften und nachhaltigere Lebensweise verwirklicht werden. Sie spiegeln die Energie und die Kreativität wider, die einzelne Menschen und Gemeinschaften haben, um den Wandel voranzutreiben, den unsere Gesellschaften so dringend brauchen. Der Fotowettbewerb hat auf diese Kreativität gesetzt, um solche Initiativen sichtbar zu machen und andere zum Handeln zu inspirieren«, sagt Lieve Herijgers, Direktorin der belgischen Organisation Broederlijk Delen und Mitglied der Wettbewerbsjury.

Die ausgewählten Fotos erfassen die Geschichten von Menschen rund um die Welt, die auf verschiedene Weise aktiv werden. Es sind Menschen, die sich um die Erde und die Menschen, die auf ihr leben, sorgen; die gegen den Klimawandel vorgehen; die sich für Nahrungsmittelsicherheit einsetzen; die Maßnahmen gegen zu starken Verbrauch ergreifen; die die Zerstörung der Umwelt begrenzen. Sebastien Pins aus Belgien gewann den ersten Preis in der Kategorie Amateure mit seinem Foto eines Bienenzüchters mit seinem Enkelkind. Mit seinem Bild wollte er die Verantwortung verdeutlichen, die wir zukünftigen Generationen im Hinblick auf den Schutz des Planeten schulden – in diesem Fall, indem wir Bienen schützen, die durch die intensive Verwendung von Pestiziden bedroht sind. Den ersten Preis in der Kategorie Profis erkannte die Jury Arthur Roessle aus Brasilien zu. Sein Bild zeigt die Arbeit eines Biokaffeebauern und zugleich seine Widerstandskraft, seinen Glauben an die Landwirtschaft und seinen Respekt vor der Natur. Die Gewinnerfotos wurden von einer hochrangig besetzten Jury ausgewählt. Ihr gehörten an: Lieve Herijgers, Direktorin von Broederlijk Delen und Vertreterin von CIDSE; Philippe Lamberts, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Europäische Grüne Partei; Olivier de Schutter, früherer Berichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung und Mitvorsitzender des International Panel of Experts on Sustainable Food Systems (IPES-Food); Michelle Rogers, renommierte Menschenrechts- und Umweltkünstlerin und -aktivistin; Ron Haviv, international anerkannter Fotograf.

Auch wenn einzelne Personen und Gemeinschaften neue Wege gehen, sich alternative Verfahren und nachhaltige Modelle für die Erzeugung und den Verbrauch ausdenken und diese umsetzen – entscheidend ist, dass es politische Ansätze gibt, die solche Alternativen ermöglichen und stützen. Deshalb wurde im Zusammenhang mit der Eröffnung der Fotoausstellung am 12. Juni 2017 im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) ein runder Tisch organisiert. Dort wurde diskutiert, wie die gegenwärtige politische Agenda der EU – im Kontext der Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen und des Paris- Abkommens – solche Initiativen unterstützen kann. Denn in der Tat verlangen die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, gerechtere und nachhaltigere Alternativen wählen zu können. Sie wollen in die Lage sein, an dem Wandel mitzuwirken, der unweigerlich geschehen muss. Der runde Tisch hob diesen Punkt hervor und unterstrich die Notwendigkeit, die politische Landschaft derart zu verändern, dass zukunftsfähige und von den Bürgern initiierte Projekte entstehen und Erfolg haben können. Jetzt ist die Zeit, auf verschiedenen Ebenen zu handeln. Deshalb beginnt der Wandel auch mit uns. uns.

ANGELA MARIA OCAMPO
Coopération Internationale pour le Développement et la Solidarité

WEITERE INFORMATIONEN

Weitere Informationen zur Kampagne »Change for the planet – Care for the people« auf http://www.cidse.org/rethinking-development/change-for-the-planet-care-for-the-people.html

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