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MYANMAR

Papstbesuch ist ein Zeichen der Hoffnung

Für den Erzbischof von Yangon, Charles Maung Kardinal Bo, ist der Besuch des Papstes in Myanmar Ende November 2017 »ein Moment der Gnade«.
FOTO: CHARLES MAUNG KARDINAL BO

Kardinal Bo sieht Bildung als vorrangige Aufgabe der Kirche

Ende November 2017 wird Papst Franziskus die Länder Myanmar und Bangladesch besuchen. Forum Weltkirche hat mit dem Erzbischof von Yangon, Charles Maung Kardinal Bo, über die Situation in Myanmar gesprochen. Die soziale Situation der Menschen in Myanmar beschreibt der Kardinal mit einem dreifachen Mangel: »Erstens mangelt es – nach 60 Jahren Militärregierung – an Bildung. Das Erziehungswesen muss schneller aufgebaut werden. Außerdem verfolgt das Land eine Ein-Sprachen-Politik, was eine große Herausforderung für die ethnischen Gemeinschaften bedeutet. Zweitens fehlt in vielen Regionen der Frieden. Die Regionen Kachin und Shan befinden sich immer noch im Konflikt, innerhalb des Landes gibt es mehr als 150.000 Vertriebene. Das Land befand sich lange Zeit im Krieg, weil den ethnischen Gemeinschaften und Minderheiten Rechte verweigert wurden. Heute wissen alle um das Problem der Muslime im Rahkine Staat. Die gewählte Regierung von Aung San Suu Kyi versucht, die Situation zu verbessern, aber das braucht Zeit. Drittens mangelt es an Arbeitsmöglichkeiten. Die Industrie wächst nicht so, wie wir es uns wünschen, und die Fähigkeiten und der Bildungsstand unserer Jugend müssen mit Blick auf eine moderne Wirtschaft weiter entwickelt werden.« Auch wenn die Kirche in Myanmar klein ist, kann sie die Menschen unterstützen. »Die Kirche setzt sich seit 60 Jahren für die Bildung in abgelegenen Gemeinschaften ein. In den 1960er Jahren wurden unsere Schulen verstaatlicht, unser Besitz beschlagnahmt. Die Kirche verarmte, aber unsere Ordensleute und Priester engagierten sich stark für die Erziehung der Kinder in entlegenen Dörfern. Die Kirche kümmert sich auch um die Ausbildung von Lehrern und um Sprachunterricht. Wir haben ein professionelles Caritas- Netzwerk, das sich landesweit gefährdeten Bevölkerungsgruppen zuwendet. Die Arbeit umfasst humanitäre Hilfe bei Naturkatastrophen, Hilfe zum Lebensunterhalt und Berufsausbildung. In wichtigen Problemfeldern wie Landrechte oder Rechte der indigenen Bevölkerung macht sich die Kirche zum Anwalt der Menschen, etwa durch die Justitia-et-Pax- Kommission. Kürzlich hat die Kirche ihre Einsatzplanung für den Aufbau des Landes (Nation Building Mission Planning) für die kommenden fünf Jahre abgeschlossen. Folgende Felder wurden als Einsatzgebiete für die Kirche identifiziert:

1. Bildung als Ermächtigung;
2. Ganzheitliche menschliche Entwicklung;
3. Frauenförderung;
4. Gerechtigkeit und Frieden sowie Umweltgerechtigkeit;
5. Interreligiöse Friedensinitiativen.«

Die derzeitige Situation der katholischen Kirche in Myanmar beurteilt der Kardinal folgendermaßen: »Die katholische Kirche ist verfolgt worden, aber wir haben überlebt und sind gewachsen. Wir sind keine reiche Kirche, aber eine sehr glaubensstarke. Unsere Leute haben einen einfachen Glauben, sie leben ihren Glauben intensiv und unterstützen die Kirche. Die Kirche ist hervorgetreten als Stimme jener, die am Rand der Gesellschaft leben, und setzt sich für wirtschaftliche und ökologische Gerechtigkeit ein. Die Kirche ist eine bunte Kirche mit sieben Volksgruppen. Das ist eine Stärke, aber die Kirche muss sich weiter integrieren und eine nationale katholische Identität ausbilden. Und sie muss eine Kirche werden, die stärker prophetisch und evangelisierend ist.«

Zur Beziehung zwischen der katholischen Kirche und dem Staat sowie den anderen Religionen sagt Kardinal Bo: »Seit 2010 stellte uns die Regierung vor viele Herausforderungen. Jetzt gibt es eine gewählte Regierung, und wir versuchen, persönliche Beziehungen zur Regierung aufzubauen und in Fragen der Nationenbildung und der Friedensarbeit zusammenzuarbeiten. Die Christen kommen aus verschiedenen ethnischen Gruppen, und die Kirche muss ihre Probleme zur Sprache bringen. Die Regierung hat sich außerdem offen dafür gezeigt, diplomatische Beziehungen mit dem Vatikan aufzunehmen. Die Initiative, den Papst einzuladen, ist ein ermutigendes Zeichen wachsender Annäherung. Was die Zusammenarbeit mit anderen Religionen angeht, so steht die Kirche an der Spitze interreligiöser Friedensinitiativen. Die Mehrheitsreligion ist der Buddhismus, und wir arbeiten mit vielen buddhistischen Mönchen zusammen. « Gefragt, was er vom Papstbesuch in Myanmar erwarte, sagt der Erzbischof von Yangon: »Papst Franziskus ist der Prophet dieses Zeitalters. Wir sind dankbar, dass eine kleine Herde in einem buddhistischen Land durch seinen Besuch internationale Aufmerksamkeit bekommt. Der Papst ist auf einem Pilgerweg des Friedens. Unser Land ist voll von Wunden der Geschichte. Wir hoffen inständig, dass die inspirierende Gegenwart des Papstes alle Menschen zusammenbringt und unsere Nation zu einer Familie macht.

Papst Franziskus wird auch dem Evangelisierungsauftrag der Kirche neuen Schwung geben. Als eine kleine Kirche sind wir aufgerufen, das Evangelium in unserem Leben und durch unsere Sendung zu bezeugen. Der Besuch des Papstes wird uns missionarische Energie geben. Für unsere einfachen Christen, die alle Herausforderungen überstanden und trotz der täglichen Kämpfe in diesem Land ihren Glauben bewahrt haben, ist es ein Moment der Gnade.«

Ausgabe 6/2017

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