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PAKISTAN

Religionsminister will Blasphemiegesetz beibehalten

Kritiker sehen politische Instrumentalisierung des Gesetzes

Pakistans Religionsminister sieht keinen Anlass, das umstrittene Blasphemiegesetz in seinem Land abzuschaffen. Das berichtete die Katholische Nachrichten- Agentur Anfang November 2017 unter Berufung auf Medienberichte. In einer Rede vor der »Pakistani-American Press Association« in Washington habe der Minister gesagt, Pakistan könne »niemals « ein säkularer Staat sein. Dem Bericht zufolge wies Yousaf Vorwürfe zurück, wonach das Gesetz oft zur Unterdrückung religiöser Minderheiten eingesetzt werde. Die Vorschriften verfolgten vielmehr das »noble Ziel«, nicht nur den Islam, sondern »alle Religionen « zu schützen, betonte der Minister. Schlupflöcher zum Missbrauch des Gesetzes seien inzwischen geschlossen worden. Gotteslästerung gilt in Pakistan als schweres Verbrechen, das mit dem Tod bestraft werden kann. In der Praxis wird es allerdings hauptsächlich auf verächtliche Äußerungen und Taten gegen den Islam, den Koran und den Propheten Mohammed angewandt. Westliche Regierungen und internationale Menschenrechtsorganisationen Sprechen sich seit langem für die Abschaffung des Blasphemiegesetzes aus.

Der christliche Anwalt und Menschenrechtsaktivist Sardar Mushtaq Gill warf der pakistanischen Regierung vor, dass sie sich nicht ernsthaft mit dem Missbrauch des Blasphemieparagraphen und der dringend notwendigen Bekämpfung des islamischen Fundamentalismus in der pakistanischen Gesellschaft befasse. »Es ist an der Zeit, mutige Aktionen auf den Weg zu bringen, die den religiösen Extremismus bekämpfen, und dazu gehört an erster Stelle die Abschaffung oder die Reform des Blasphemieparagraphen«, so der Anwalt gegenüber der Nachrichtenagentur Fides. Stattdessen würden extremistische Gruppen das Gesetz mit Blick auf die Wahl 2018 zu politischen Zwecken instrumentalisieren. Häufig werde darauf hingewiesen, dass sowohl Muslime als auch Nichtmuslime Opfer des Missbrauchs des Blasphemieparagraphen würden. Dazu merkte Gill an: »Unter den Muslimen trifft es nur solche, die den Islam kritisieren. Wenn einem Christen Blasphemie vorgeworfen wird, dann wird man ihn nicht schonen und versuchen, ihn zu töten. Außerdem besteht immer die Gefahr der Rache an der ganzen christlichen Gemeinde, zu der der Beschuldigte gehört, wie dies bereits mehrmals auf tragische Weise geschehen ist.«

Ausgabe 1/2018

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