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TOGO

»Die Menschen fühlen sich nicht sicher«

Reisende in Togo schieben mit vereinten Kräften ihren Minibus an. Die Menschen in Togo versuchen seit Monaten, die Demokratie in ihrem Land in Bewegung zu bringen: Sie protestieren gegen den Präsidenten, dessen Familie seit 50 Jahren an der Macht ist.
FOTO: YPIRéTIS/WIKIMEDIA COMMONS

Demonstranten fordern Rückkehr zur Verfassung von 1992

»Seit fünf Monaten herrscht im Land eine ernste politische Krise. Seitdem organisiert ein Bündnis, dem 14 Oppositionsparteien angehören, fast jede Woche Kundgebungen und Proteste gegen den Präsidenten, dessen Familie seit 50 Jahren an der Macht ist. Am 27. Dezember 2017 sind Tausende von Menschen in den Straßen der togolesischen Hauptstadt Lomé zu Protesten zusammengekommen, bei denen sie eine Begrenzung der Amtszeiten eines Präsidenten und den Rücktritt von Präsident Faure Gnassingbé forderten.« Mit diesen Sätzen beschreibt Pater Silvano Galli von der Gesellschaft für die Afrikamissionen, der in Sokodé im Zentrum Togos lebt und arbeitet, die Situation in dem westafrikanischen Land. »Ein Entwurf für eine Verfassungsrevision wird zwar derzeit erarbeitet, doch die vorgesehene Einschränkung der Präsidentschaftsmandate auf zwei Amtszeiten gilt nicht rückwirkend. Daher könnte der gegenwärtige Präsident auch in den Jahren 2020 und 2025 erneut kandidieren. Die Opposition akzeptiert dies nicht«, betonte Pater Galli im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Fides Anfang Januar 2018.

»Die togolesische Krise«, so der Missionar weiter, »betrifft nicht nur das Land selbst. Mehrere westafrikanische Länder machen sich Sorgen im Hinblick auf die Stabilität in der Region. Die Bevölkerung und das Oppositionsbündnis fordern heute die Rückkehr zur Verfassung von 1992 und den Rücktritt von Faure Gnassingbé. Bei der Unterdrückung der Demonstration am 19. August 2017 gab es zahlreiche Verletzte und Tote. Es kam zu Verhaftungen, und viele Menschen flohen. Es war der Beginn einer vom Regime auf den Weg gebrachten Verfolgungsjagd auf Oppositionelle. Hunderttausende Togolesen protestieren dagegen fast jede Woche auf den Straßen des ganzen Landes und in der Diaspora. Die Repressionen waren gewaltsam, besonders in Sokodé, wo Soldaten stationiert wurden, und in Bafilo und Mango, wo die Menschen nach Ghana flohen, nachdem sie zusehen mussten, wie ihr Eigentum zerstört wurde.«

»Die Anspannung ist überall spürbar und die Menschen fühlen sich nicht sicher «, fügte Pater Galli hinzu. »Ein Freund hat mir vor ein paar Tagen gesagt: ›Sobald die Probleme gelöst sind, muss man Armeemitglieder und die anderen zur Rechenschaft ziehen, die nachts in Häuser eindrangen, plünderten, misshandelten und töteten. Denn sie haben Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen, die nicht ungestraft bleiben dürfen‹«, so der Missionar, der gleichzeitig auch von positiven Begegnungen und großer Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander berichtet.

Am 20. Januar 2018 demonstrierten Tausende Frauen gegen den Präsidenten. Diese Demonstration sei von großem symbolischem Wert gewesen, sagte P. Galli. Die Demonstrantinnen werden mit den Worten zitiert: »Jetzt werden wir unser Schicksal selbst in die Hände nehmen, denn unter dieser Situation leiden am meisten wir in unseren Familien.«

Ausgabe 2/2018

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