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Nicht vergessen, dem Heiligen Geist Raum zu geben

Entwicklung und Zukunft der pastoralen Planung in den USA

von MARK MOGILKA

Ein Vorreiter in Sachen pastoraler Planung ist die katholische Kirche in den USA. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil haben sich dort Ansätze pastoraler Planung entwickelt, die auf die verschiedenen Zeichen der Zeit zu reagieren versuchten. Die neueste Herausforderung stellt nun der missionarische Aufbruch unter Papst Franziskus dar.

Mitarbeiter des Centre for Social Concern in Lilongwe, Malawi, machen Interviewerinnen und Interviewer mit dem Einsatz von Fragebogen im Rahmen pastoraler Planung vertraut.
FOTO: LINDA DüRRICH

Eines der vielen Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils war eine machtvolle Ausgießung des Heiligen Geistes, die dem gesamten Volk Gottes neue Möglichkeiten aufzeigte, seine unterschiedlichen Gaben und Talente einzusetzen, um gemeinsam die Sendung der Kirche zu verwirklichen. Priester, Ordensleute und Laien wurden aufgefordert, kraft ihrer Taufe »auf die Zeichen der Zeit zu hören« und im gemeinsamen Dienst das Reich Gottes in der Welt zu errichten. In dieser Zeit wurden die Samen der Kunst und Wissenschaft der pastoralen Planung gesät. 1964 erfolgte die Gründung des Center for Applied Research in the Apostolate (CARA). Sein Ziel war und ist es, »hochwertige angewandte Forschung zu betreiben und Beratungsleistungen zu Fragen der Kirchenentwicklung anzubieten« sowie »praktische Antworten auf echte Fragen der Pastoral zu geben und der Kirchenleitung die Faktenbasis für fundierte Entscheidungen zu liefern«. Mit anderen Worten: Gemeindeleitern bei dem zu unterstützen, wofür sich später der Begriff »pastorale Planung« oder »Pastoralkonzeption« etablieren sollte.

Im Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils über das Laienapostolat Apostolicam actuositatem heißt es, »die Laien mögen sich daran gewöhnen, aufs engste mit ihren Priestern vereint in der Pfarrei zu arbeiten; die eigenen Probleme und die der Welt, sowie die Fragen, die das Heil der Menschen angehen, in die Gemeinschaft der Kirche einzubringen, um sie dann in gemeinsamer Beratung zu prüfen und zu lösen; endlich jede apostolische und missionarische Initiative der eigenen kirchlichen Familie nach Kräften zu unterstützen« (AA 10). Für die konkrete Zusammenarbeit der Laien mit den Priestern schlägt das Dekret vor, »beratende Gremien einzurichten, die die apostolische Tätigkeit der Kirche im Bereich der Evangelisierung und Heiligung, im caritativen und sozialen Bereich und in anderen Bereichen […] unterstützen. Unbeschadet des je eigenen Charakters und der Autonomie der verschiedenen Vereinigungen und Werke der Laien werden diese Beratungskörper deren gegenseitiger Koordinierung dienen können« (AA 26).

Das Konzil rief die Laien und die Kleriker dazu auf, in den Räten eng zusammenzuarbeiten, aber es gab nie eine genaue Anweisung, wie diese Räte organisiert und was ihre Rolle und ihre Zuständigkeiten sein sollten. Im Dokument über die Hirtenaufgabe der Bischöfe Christus Dominus heißt es: »Es ist sehr zu wünschen, dass in jeder Diözese ein besonderer Seelsorgsrat eingesetzt wird, dem der Diözesanbischof selbst vorsteht und dem besonders ausgewählte Kleriker, Ordensleute und Laien angehören. Aufgabe dieses Rates wird es sein, alles, was die Seelsorgsarbeit betrifft, zu untersuchen, zu beraten und daraus praktische Folgerungen abzuleiten« (CD 27). Viele sehen darin das erste offizielle Modell pastoraler Planung – pastorale Themen zu untersuchen, zu beraten und daraus Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen zu ziehen. Außerdem hält das Dokument fest: »Damit [die Bischöfe] für das Wohl der Gläubigen, deren jeweiliger Lage entsprechend, besser sorgen können, seien sie bemüht, deren Bedürfnisse in Anbetracht der sozialen Verhältnisse, in denen sie leben, gebührend kennenzulernen. Dazu mögen sie geeignete Mittel, besonders das der soziologischen Untersuchung, anwenden « (CD 16).

In den 1970er Jahren waren die Kirchenführer bestrebt, in Umsetzung der Visionen des Konzils Leitlinien für Pastoralräte in den Seelsorgeeinheiten zu entwickeln und die Sozialforschung zu nutzen. Größere Diözesen vor allem im Osten der USA richteten Referate für die pastorale Forschung und Planung ein. 1972 schuf man mit der National Pastoral Planning Conference (NPPC) ein nationales katholisches Forum, das jährliche Zusammenkünfte von Pastoralplanern organisierte. 1974 entstand mit dem Diocesan Parish Council Personnel (DPCP) eine weitere nationale Organisation für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Diözesen, die mit Pastoralräten in den Pfarreien zusammenarbeiten. Später wurde daraus das Parish and Diocesan Council Network (PADICON). Weil es für die Organisation, Schulung und Ausbildung der Pastoralräte und die Pastoralplanung keine klaren Leitlinien seitens des Vatikans oder der National Conference of Catholic Bishops (NCCB) gab, entwickelte jede Diözese eigene Leitlinien und Ressourcen. Viele Artikel zum Thema erschienen, die eine Vielzahl von Auslegungen präsentierten. Das hatte zur Folge, dass die Bischöfe für ihre Diözesen viele unterschiedliche Leitlinien erließen.

Folgende wichtige Fragen wurden erörtert: Hat der Pastoralrat die Funktion eines koordinierenden Ausschusses mit Vertretern der verschiedenen Ausschüsse und Einrichtungen innerhalb der Pfarrgemeinde? Welche Befugnisse hat er gegenüber dem Pfarrer? Hat er eine »rein beratende« Funktion oder kann er in Fragen der pastoralen Bedeutung des Gemeindelebens Entscheidungen treffen? Mit der Klärung der Frage, ob der Pastoralrat als pastorales Planungsgremium – ein Gremium, das recherchiert, abwägt und Empfehlungen ausspricht – fungiert, stand man noch ganz am Anfang.

Entwicklungen in den 1980er Jahren

Im Jahr 1980 gab die NCCB unter dem Titel »The Parish – A People, A Mission, A Structure« (»Die Pfarrei – ein Volk, eine Mission, eine Struktur«) ein Schreiben heraus. Es ist das einzige Schreiben der US-amerikanischen Bischöfe, das »in den Leitsätzen des II. Vatikanums verankert ist« und sich dem Thema der gesamten Mission und Struktur der Pfarrei widmet. Pastorale Schreiben aller Bischöfe der USA und des Lehramts, die sich mit pastoralen Themen befassen, setzen in der Regel die Pfarrgemeinde als selbstverständlich voraus. Im Schreiben von 1980 gibt es einen Abschnitt zum Pfarreirat. Dort heißt es: »Strukturen für die Partizipation können viele Formen annehmen, aber der Pfarrgemeinderat bleibt das Gremium, das am besten sicherstellen kann, dass diese Partizipation erfolgt […] Er muss in Glaube und Gebet verankert sein, er muss für seine Aufgaben ausgebildet werden […] Der Rat hat klare Aufgaben: das richtige Verständnis der Mission der Pfarrgemeinde entwickeln und Leitlinien formulieren, damit bei Ausführung des Dienstes die erforderlichen Richtungen eingeschlagen werden.« Um Leitlinien zur Vorgabe der erforderlichen Richtungen formulieren zu können, musste der Pastoralrat lernen, wie Planung durchzuführen ist – nicht nur die Planung, wie sie in der weltlichen Sphäre erfolgt, sondern die pastorale Planung.

1983 wurde das National Pastoral Life Center (NPLC) gegründet. Sein Ziel war es, das Leitungspersonal der katholischen Kirche in den Pfarrgemeinden und Diözesanämtern zu unterstützen. 25 Jahre lang hat das NPLC die Umsetzung der Vision des Zweiten Vatikanischen Konzils in die gelebte Wirklichkeit vorangetrieben. Dazu hat es Workshops angeboten, Kongresse veranstaltet und ein Kirchenmagazin herausgegeben. Darüber hinaus übernahm das Center eine Vorreiterrolle, indem es in enger Zusammenarbeit mit den Bischöfen der USA zum aufkommenden Phänomen der Laienämter (lay ministry) und der professionellen Laiendienste in der Pastoral (lay professional ministers) forschte. Eine weitere Schlüsselinitiative des Zentrums bestand darin, der Kirche zu helfen, pastorale Planung zu lernen.

Von den 1970er bis in die frühen 1980er Jahre hinein entstanden in den Pfarrgemeinden in ganz Amerika Tausende von Pastoralräten. Laien aus Wirtschaft, Politik, Sozialwesen usw. brachten die entsprechenden Planungskompetenzen und -instrumente mit. Sie hatten erlebt, wie es ihren weltlichen Unternehmen und Organisationen mit Hilfe von Planungsprozessen gelungen war, ihr Leitbild, ihre Ziele und ihre Prioritäten zu definieren. Sie wussten, dass Unternehmen und Organisationen durch Planung effektiver und effizienter werden und proaktiver vorgehen können, statt nur auf die Welt zu reagieren. Die Diskussion über die Rolle der Pastoralräte in den Gemeinden und die Nutzung der Planung dauerte an. Das Jahr 1989 bildete dann einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung der Pastoralplanung und -forschung. In diesem Jahr schlossen sich die National Pastoral Planning Conference (NPPC) und das Parish and Diocesan Council Network (PADICON) zur Conference for Pastoral Planning and Council Development (CPPCD) zusammen. Ihre Aufgabe sah und sieht die Konferenz darin, »konsultative Prozesse für eine wirksame Planung des pastoralen Lebens in der Kirche zu fördern und zu fordern«.

Pastoralplanung in Pfarrgemeinden in den 1980er und 1990er Jahren

In den 1980er und 1990er Jahren erschienen mehrere Bücher und Artikel zu Funktion und Aufgaben von Pastoralräten und Pastoralplanung. Im überarbeiteten Codex des kanonischen Rechts von 1983 erfuhren die Pastoralräte weitere Anerkennung. Ihre Einrichtung obliegt danach jedoch dem Bischof, der nach Anhörung des Priesterrats bestimmt, ob in der jeweiligen Diözese solche Räte eingerichtet werden sollen. Die meisten Bischöfe veranlassten die Einrichtung der Pastoralräte in allen Pfarrgemeinden und stellten Regeln für deren Organisation auf. Die ersten Leitlinien für die Arbeit von Pastoralräten nahmen starke Anleihen bei den Organisationssystemen weltlicher Organisationen. Pfarrer verfassten zusammen mit führenden Laien Satzungen und Geschäftsordnungen für ihre Pastoralräte. Häufig begannen die Zusammenkünfte mit einer kurzen Andacht. Nach der Andacht allerdings folgten die Tagesordnung und die Entscheidungsabläufe dem verbreiteten Geschäftsordnungshandbuch »Robert’s Rules of Order«.

Am Anfang der meisten Planungsprozesse stand die Formulierung eines Leitbildes, einer Mission oder Vision. Der Katechismus der Katholischen Kirche von Johannes Paul II. aus dem Jahr 1992 definiert die Aufgabe der Pfarrgemeinde. Dort wird sie beschrieben als

  • eine Gemeinschaft von Gläubigen, die einem Pfarrer als ihrem Hirten anvertraut ist;
  • ein Ort, an dem sich alle Gläubigen zur sonntäglichen Eucharistiefeier versammeln;
  • ein Ort, an dem die Heilslehre Christi weitergegeben wird;
  • ein Ort, an dem in guten und brüderlichen Werken die Nächstenliebe gelebt wird.

Damit Geistliche und Laien diese Mission in gemeinsamer Verantwortung ausführen können, wurde eine grundlegende Organisationsstruktur entwickelt. An der Spitze des entsprechenden Organigramms stand der Pfarrer. Auf der zweiten Ebene gab es drei Einheiten: den Pastoralrat, den Finanzrat sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die nächste Ebene im Organigramm war von Diözese zu Diözese verschieden (und ist es bis heute). Unter dem Pastoralrat fanden sich Ausschüsse für Bildung, Liturgie, soziale Fragen/Gerechtigkeit. Einige Diözesen nahmen noch Einheiten für Gemeindeleben, Verwaltung, Evangelisierung, Ehrfurcht vor dem Leben, Berufungen und andere auf. Im Mittelpunkt der pastoralen Planung und der Organisation der Diözesanämter stand die Vitalität der einzelnen Bestandteile oder Bausteine des Organigramms. Wenn jeder Rat oder Ausschuss gut organisiert und ausgestaltet sei, so glaubte man, würde eine lebendige und wachsende Pfarrgemeinde entstehen. Spuren dieses Verständnisses von der Organisation einer Pfarrgemeinde finden sich noch heute in den Beurteilungs- und Planungsmodellen von Pfarrgemeinden, wie sie heute in den Diözesen und Pfarreien in den USA zur Anwendung kommen.

Eine Vielzahl von Planungsmodellen aus der weltlichen Sphäre hielt Einzug in die Pfarrgemeinden und katholischen Einrichtungen. Einen großen Stellenwert erhielten die Formulierung von Leitbildern, die Durchführung einer strategischen Planung, SWOT-Analysen (das Herausarbeiten von Stärken, Schwächen, Chancen und Herausforderungen), die Ausarbeitung und Verwendung von Umfragen zur Erforschung und Erfassung der Bedürfnisse der Gemeindeglieder, der Einsatz des Konzepts der wertschätzenden Erkundung, verschiedene Instrumente der Selbsteinschätzung, SMART-Ziele (Ziele, die spezifisch, messbar, aktionsorientiert, realistisch und terminiert sind) und einiges mehr.

Diese Instrumente halfen und helfen zwar vielen Pfarrgemeinden und Diözesen, kurz- und langfristige Pläne zu erarbeiten, ließen aber nicht immer genug Raum für die Tradition und die Lehren der Kirche. Überdies gab es die Tendenz zu vergessen, Raum zu lassen für den Heiligen Geist, damit er den Prozess beseele und leite. Denn wie heißt es doch in der Schrift: »Wenn nicht der HERR das Haus baut, mühen sich umsonst, die daran bauen.« (Psalm 127,1) So gab es zwar eine gute Planung, aber keine gute pastorale Planung.

Auf einer Zusammenkunft der Pastoralplaner (CPPCD) der USA im Jahr 2005 hielt der Bischof der Diözese Albany, Howard Hubbard, die Eröffnungsrede. In ihr schilderte er einen Besuch bei einer Pfarrgemeinde, die alle Leitlinien der Diözese befolgt und die vorgesehenen Einrichtungen geschaffen hatte. Es gab die entsprechenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Räte und Komitees sowie die Beteiligung der Laien – alles gemäß der Idealvorstellung einer guten Pfarrgemeinde. Dennoch fiel dem Bischof auf, dass die Bänke nur halb voll und die Kollekten klein waren und dass die Gemeindeschule vor der Schließung stand. Sich darauf beziehend erklärte er, dass unsere Pfarrgemeinden mehr als nur die Grundstrukturen und Programme brauchen: »Die Menschen sehnen sich heute nach jemandem, mit dem sie ihren Glauben und ihre Spiritualität teilen können; nach jemandem, der offen und empfänglich ist, der bereit ist, die Zeit zu investieren und das Risiko auf sich zu nehmen, den Evangelisierungsprozess anzustoßen.«

Unverzichtbare Grundlage pastoraler Planung sind Informationen. Mit Hilfe von Fragebogen erheben Forscherinnen und Planer die pastorale Situation der Kleinen Christlichen Gemeinschaften in der Erzdiözese Lilongwe, Malawi.
FOTO: LINDA DüRRICH

Der Priestermangel

Will man die Entwicklung der pastoralen Planung in den USA verstehen, muss man eine parallele Entwicklung berücksichtigen, die entscheidenden Einfluss auf die pastorale Planung hatte, nämlich den aufkommenden Priestermangel. Schon 1970 stellten katholische Soziologen einen spürbaren Rückgang der Berufungen fest. Wenn die Kirche ihre Strategie nicht ändere, so warnten sie, werde sich dieser Abwärtstrend fortsetzen und spürbare Folgen für die zukünftige Verfügbarkeit von Priestern in den USA haben. Man nahm die Daten zwar zur Kenntnis, getan wurde jedoch wenig. 1982 gab der Soziologe Richard Schoenherr eine Untersuchung heraus, in der er für den Zeitraum von 1980 bis 2000 einen Rückgang der Zahl der Priester in den Vereinigten Staaten um 40 Prozent prognostizierte. Im Jahr 1993 erschien von Schoenherr und Young das Buch Full Pews and Empty Altars (Volle Kirchenbänke, leere Altäre) – ihr Fazit nach 10 Jahren des Erhebens und Auswertens von Daten. Es enthielt detaillierte und nach Regionen aufgeschlüsselte soziologische Analysen der kommenden Herausforderungen und untermauerte die Erkenntnisse früherer Forschungsarbeiten. Viele Teile der Kirche in den Vereinigten Staaten reagierten darauf mit Ablehnung und warfen Schoenherr vor, ein düsteres Bild der Kirche zu zeichnen. Die Bischöfe erinnerten besorgte Priester und Laienführer daran, dass das Kirchenleben vom Evangelium, von den Lehren und Traditionen der Kirche und nicht von der Soziologie getragen werde. Es gab zwar vermehrt Aufrufe, für mehr Priester zu beten, aber nur wenig praktische pastorale Planung.

Die Pastoralplaner in den Diözesen im Mittelwesten der USA untersuchten um 1990 die demografischen Profile der gegenwärtig in den einzelnen Diözesen beschäftigten Priester und stellten fest, dass die Prognosen durchaus real waren. Was die Planer aus den demografischen Daten außerdem herauslasen, war eine Verlagerung der katholischen Bevölkerung aus dem Mittelwesten und Osten des Landes in den Süden und Westen. Wenn nicht mehr Priester gewonnen würden, so ihr Fazit, müsse man mit erheblichen Veränderungen rechnen und die Planung von personeller Ausstattung, Organisation und Fähigkeit der Pfarrgemeinden daran ausrichten. Darüber hinaus wuchs das Bewusstsein der Planer für die steigende Zahl der Menschen lateinamerikanischer Herkunft in der katholischen Gemeinschaft.

Bemerkenswert ist, dass der Fokus der Diözesanämter für die Pastoralräte und -planung in der Zeit vor 1990 auf der Gründung und Unterstützung von Pastoralräten in den Pfarreien und einzelnen Pastoralplänen für die Gemeinden lag. In den späten 1990er Jahren begannen Bischöfe und Priestervertretungen angesichts der drohenden »Priester-Krise« und der oben beschriebenen Prognosen wichtige Fragen zu stellen: Was können wir tun, damit die Zahl der Berufungen steigt? Wie können wir angesichts rückläufiger Priesterzahlen für lebendige Gemeinden sorgen? Wie können wir das Potenzial der Laien und der Diakone mit voll bezahlten Stellen besser nutzen?

Pastorale Planung seit dem Jahr 2000

Im Jahr 2001 hielt Johannes Paul II. in seinem Schreiben an die Kirche zur Jahrtausendwende fest: »In den Ortskirchen kann man jene programmatischen Züge (engl. pastoral plan) festschreiben, die es der Verkündigung Jesu Christi erlauben, die Personen zu erreichen, die Gemeinschaften zu formen und durch das Zeugnis in die Gesellschaft und die Kultur tief einzuwirken.« Hier erkennt das Magisterium erstmals offiziell die Bedeutung der Pastoralplanung als Instrument der Planung der Zukunft der Kirche an. Während der Schwerpunkt der Pastoralplanung nach dem Zweiten Vatikanum meist auf den Pfarrgemeinden lag, verlagerte er sich vor dem Hintergrund der genannten Entwicklungen auf die Diözesanämter und die Herausforderung, katholische Pfarreien zu erhalten und diözesane Pastoralpläne zu entwickeln.

Zwischen 1990 und 2016 ging die Zahl der katholischen Kirchengemeinden in den USA von 19.620 auf 17.233 zurück. Die Zahl der Pfarreien ohne festen Priester wuchs von 1.812 auf 3.499. Im Mittelpunkt der diözesanen Pastoralplanung stand die Vernetzung, Zusammenlegung, Bündelung und Schließung von Pfarrgemeinden. Es ging um Erhalt oder Überleben; die Mission rückte in den Hintergrund. 2004 führte die Conference for Pastoral Planning and Council Development (CPPCD) die erste von vielen Untersuchungen zu den Bemühungen der Diözesen um eine Neuordnung der Pfarrgemeinden in den USA durch. Zu dieser Zeit war es nicht ungewöhnlich, von Bischöfen und geistlichen Leitern zu hören: »Behelligen Sie mich bitte nicht mit noch mehr pessimistischen Statistiken, die eine schwierige Zukunft prognostizieren, sondern sagen Sie mir lieber klar und deutlich, was ich tun soll!« Es war offensichtlich, dass sich die traditionellen Modelle des Gemeindelebens in vielen Pfarrgemeinden nicht mehr aufrechterhalten ließen. Der Widerstand der Geistlichen und Laien gegen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit neuen Modellen für die personelle Ausstattung und Organisation von Pfarrgemeinden war und ist jedoch enorm.

Hervorzuheben ist, dass die Bischöfe als Gruppe auf nationaler Ebene trotz der Daten, die so klar für einen Wandel und neue Modelle sprachen, nur wenig Bereitschaft (limited leadership) zeigten, diese schwierigen Probleme zu diskutieren oder anzugehen. Die Zurückhaltung der US-Bischöfe in dieser Frage lässt sich zum Teil dem Missbrauchsskandal zuschreiben, der 2002 begann. Unabhängig von den Gründen gab es in den frühen 2000er Jahren zwei wichtige Entwicklungen. Die erste war die Zusammenkunft von sechs katholischen Berufsverbänden mit dem Ziel, das Projekt The Emerging Models of Pastoral Leadership von der gemeinnützigen Stiftung »Lilly Endowment« finanzieren zu lassen. Führende Vertreter nationaler katholischer Verbände für Priesterräte, Laien im pastoralen Dienst, Diakone, Pastoralplaner, Kirchenmitarbeiter und katholische junge Erwachsene waren Teil des Projekts. Zwischen 2003 und 2012 kooperierte dieses Projekt mit CARA, führte eine Vielzahl von Untersuchungen durch, sammelte Best-practice-Beispiele und entwickelte neue Modelle für die Organisation und personelle Ausstattung des Gemeindelebens.

Die zweite Entwicklung betraf das wachsende Bewusstsein, dass katholische Pfarrer – wenngleich in den Seminaren gut für den Priesterberuf ausgebildet – angesichts der sich ändernden kulturellen Landschaft der Kirche sowie der wachsenden Konkurrenz durch evangelikale Gruppen nicht gut für ihre Aufgaben als Seelsorger und Verwalter gerüstet sind. Infolgedessen organisierten wichtige katholische Laienpersönlichkeiten, die Erfahrungen aus der Wirtschaft mitbrachten, Programme und private Mittel, um Pastoren und geistlichem Führungspersonal Schulungen in Management, Finanzen, Personalwesen, Planung usw. anbieten zu können. Zu den von Laien zu dieser Zeit gegründeten Gruppen zählen das Catholic Leadership Institute, das Center for Church Management an der Villanova University und der National Leadership Roundtable on Church Management, um nur einige zu nennen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Centre for Social Concern in Lilongwe, Malawi, haben sich mit viel Engagement in das Forschungs- und Planungsprojekt eingebracht.
FOTO: LINDA DüRRICH

Neuere Entwicklungen und Chancen

Im Jahr 2012 fand in Rom eine Bischofssynode statt, die sich mit dem Thema »Neuevangelisierung« beschäftigte. Im März 2013 begann Papst Franziskus seinen außerordentlichen Dienst für die Kirche und die Welt; im Dezember desselben Jahres veröffentlichte er seine Apostolische Exhortation Evangelii gaudium über die Verkündigung des Glaubens in der Welt von heute. Dieses wichtige Dokument nahm die Einsichten der Synode auf und markierte die Ausrichtung des Pontifikats von Papst Franziskus, der die Kirche auf einen Pfad der spirituellen, pastoralen und organisatorischen Erneuerung führte. Kirchenführer und Pastoralplaner warnt der Papst: »Vielerorts besteht eine Vorherrschaft des administrativen Aspekts vor dem seelsorglichen sowie eine Sakramentalisierung ohne andere Formen der Evangelisierung.« (EG 63) Er hält weiter fest: »Es wird darum gehen, neue Prozesse der Evangelisierung der Kultur zu fördern, auch wenn sie sehr langfristige Planungen verlangen.« (EG 69) Auch warnt er die in der Seelsorge Tätigen vor einer bedrohlichen Weltlichkeit, die sich »in einem Manager-Funktionalismus [entfaltet], der mit Statistiken, Planungen und Bewertungen überladen ist und wo der hauptsächliche Nutznießer nicht das Volk Gottes ist, sondern eher die Kirche als Organisation« (EG 95). Und weiter: »Manchmal kommt es uns vor, als habe unsere Arbeit kein Ergebnis gebracht, aber die Mission ist weder ein Geschäft noch ein unternehmerisches Projekt, sie ist keine humanitäre Organisation, keine Veranstaltung, um zu zählen, wie viele dank unserer Propaganda daran teilgenommen haben; es ist etwas viel Tieferes, das sich jeder Messung entzieht. Vielleicht verwendet der Herr unsere Hingabe, um Segen zu spenden an einem anderen Ort der Welt, wo wir niemals hinkommen werden. Der Heilige Geist handelt, wie er will, wann er will und wo er will; wir aber setzen uns ohne den Anspruch ein, auffällige Ergebnisse zu sehen. Wir wissen nur, dass unsere Hingabe notwendig ist.« (EG 279)

In Evangelii gaudium äußerst sich Papst Franziskus auch zur Aufgabe und Organisation der Pfarrgemeinde. Bemerkenswert an seinen Aussagen zur Pastoralplanung ist, dass er die Beschreibung der Aufgaben der Pfarrgemeinde im katholischen Katechismus – Gemeinschaften zu formen, gemeinsam die Eucharistie zu feiern, die Lehre zu vermitteln und Nächstenliebe zu praktizieren – bekräftigt, aber noch weiter geht, indem er sagt: »Durch all ihre Aktivitäten ermutigt und formt die Pfarrei ihre Mitglieder, damit sie aktiv Handelnde in der Evangelisierung sind.«

Parallel zu den Einlassungen von Papst Franziskus erschienen in den USA zu diesem Thema mehrere wichtige und viel gelesene Bücher. 2012 kam Forming Intentional Disciples von Sherry Weddell heraus, gefolgt von Rebuilt von Corcoran und White im Jahr 2013 und Divine Renovation von Fr. James Mallon im Jahr 2014. In allen Werken verdeutlichen die Autoren anhand von Daten und Argumenten, dass der Status quo im Hinblick auf die Pfarrgemeinden nicht funktioniert. Alle fordern auf verschiedene Art eindringlich eine spirituelle Erneuerung der Kirche durch uneingeschränkte Akzeptanz und Umsetzung des Aufrufs zur Neuevangelisierung. Zudem wird die unter Katholiken in der US-amerikanischen Kirche verbreitete Lethargie und mangelnde Bereitschaft, die Dinge zu hinterfragen, angeprangert. Sherry Weddell schreibt dazu: »Aus Gemeinschaften kultureller Katholiken müssen Gemeinschaften bewusster Jünger werden. Katholiken, die dem Aufruf von Papst Franziskus folgen, ›Gemeinschaften missionarischer Jünger‹ zu formen.«

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass in keinem dieser Bücher die Rolle der Pfarreiräte erwähnt wird, wenn es um die Strategien für die Erneuerung des Gemeindelebens geht. Auch die Verwendung von Modellen oder Instrumenten der pastoralen Planung findet nahezu keine Erwähnung. Durchweg ist die Rede davon, wie wichtig es ist, den Schwerpunkt auf den Aufbau von Beziehungen zu setzen, Zeugnis für den gelebten Glauben abzulegen, Gemeindegliedern zu helfen, Jesus zu begegnen und die Früchte dieser Begegnung mit Jesus mit Freunden, Familie und Kollegen im Geist der Neuevangelisierung zu teilen.

Im Sommer 2017 versammelten sich unter Leitung der katholischen Bischöfe der USA mehr als 3.000 Menschen in Orlando, Florida, zu einer Convocation of Catholic Leaders: The Joy of the Gospel In America. Auf Initiative der Bischöfe kamen Frauen und Männer zusammen, die Führungspositionen in Diözesen und Pfarreien innehaben. Sie lernten etwas über den Aufruf zur Neuevangelisierung, ließen sich vom Heiligen Geist beleben und wurden dann in ihre Diözesen und Pfarrgemeinden zurückgeschickt, damit sie dort als Katalysatoren für eine dringend nötige Erneuerung der Kirche wirken.

Kurz nach der Zusammenkunft und noch 2017 brachten die Bischöfe ein Heft mit dem Titel Living as Missionary Disciples – A Resource for Evangelization (Als missionarische Jünger leben – eine Quelle der Evangelisierung) heraus. Dort heißt es: »Die Neuevangelisierung ist ein Weg, Kirche zu sein, der missionarische Jünger formt.« Der erste Teil des Hefts befasst sich mit der Geschichte und Theologie der Neuevangelisierung. Der zweite Teil trägt die Überschrift »Entwicklung eines Pastoralplans für die missionarische Jüngerschaft«. Er stellt einen »Rahmen für die pastorale Planung« vor, der sechs wichtige Dimensionen umfasst:

  • Die Planung der Arbeit ist durchdrungen von Gebet.
  • Die Planung erfolgt ergebnisorientiert. – Sie erfordert Führungspersönlichkeiten.
  • Sie ist verankert in den Lehren unseres Glaubens und wird getragen von der grundlegenden seelsorgerischen Praxis.
  • Effektive Planung bezieht Menschen ein und inspiriert sie – durch eine Kultur der Begegnung und Begleitung – und lässt starke und vertrauensvolle Beziehungen entstehen.
  • Die Planung der Arbeit erfordert eine bewusste Verantwortung und Führung.

Für Pastoralplaner in den USA besteht die Herausforderung jetzt darin, diesen Rahmen in die praktischen Schritte zu integrieren, die Diözesen und Pfarreien künftig bei der Erarbeitung von Pastoralplänen gehen müssen. Oder wie ein Diözesanleiter es ausdrückte: »Wir sind nicht mehr korporativ, sondern missionarisch ausgerichtet, wenn es um unsere Strategie für die Zukunft geht.« Pastoralplaner beginnen gerade, sich mit den Herausforderungen und Chancen auseinanderzusetzen, die der Aufruf zur Neuevangelisierung mit sich bringt. Angesichts dieses neuen Kapitels in der Entwicklung der Pastoralplanung in den Vereinigten Staaten bilden die Worte von Papst Franziskus ein passendes Schlusswort für diese Überlegungen: »Habt keine Angst. Traut euch, große Träume zu haben. Ich möchte euch ermutigen, zu träumen, große Ideale zu haben, Hoffnungsbringer zu sein.«

MARK MOGILKA
Senior Consultant bei Meitler, einer US-amerikanischen Beratung für Kirchen und religiöse Institutionen

Ausgabe 2/2018

ZU DEN BILDERN

In einem Forschungsprojekt der Ruhr-Universität Bochum in Kooperation mit missio Aachen e.V. erkundet die Theologin Linda Dürrich die Praxis pastoraler Planung und insbesondere die Verwendung von Fragebogen. Dazu wird der Einsatz von Fragebogen einerseits im Kontext pastoraler Planung in den USA untersucht, andererseits seine interkulturelle Übertragbarkeit getestet. Der Praxistest erfolgte in der Erzdiözese Lilongwe, Malawi, wo mit Hilfe von Fragebogen die pastorale Situation in Kleinen Christlichen Gemeinschaften erhoben wurde. Die ungewöhnliche Kombination von Text und Bildern in diesem Beitrag spiegelt den interkulturellen Ansatz dieses Forschungsprojekts wider.

Gesammelte Fragebogen, die darauf warten, ausgewertet zu werden.
FOTO: LINDA DüRRICH

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