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Ein Volk auf einer Reise des Glaubens

Pastorale Planung in Papua-Neuguinea

von BISCHOF GILLES COTÉ SMM

Seit fast 20 Jahren ist Gilles Côté, der zur Gemeinschaft der Montfort-Missionare gehört, Bischof der Diözese Daru-Kiunga in Papua-Neuguinea. Pastorale Planung ist dort ein fester Bestandteil des diözesanen Lebens. Für Forum Weltkirche hat der Bischof einige Fragen zum Prozess der pastoralen Planung in seinem Bistum beantwortet.

Nach der Sonntagsmesse verlassen die Gläubigen die kleine Kirche von Tarakbits. Der Ort ist ein Zentrum der »Dschungelpastoral « am Fly River in der Diözese Daru-Kiunga.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Was war der Anlass für den Beginn des pastoralen Planungsprozesses?

Die Evangelisierungsarbeit der katholischen Kirche in der westlichen Provinz Papua- Neuguineas begann erst im Juni 1959, als die ersten Montfort-Missionare aus Kanada ankamen. Zu dieser Zeit gab es hier noch keine Entwicklung im modernen Sinne des Wortes. Überall war Dschungel, Regenwald oder Savanne. Die Menschen lebten immer noch einen sehr einfachen Lebensstil. Die Bevölkerungszahl war gering, und die Menschen lebten in sehr kleinen Dörfern, die entlang den Flüssen und Lagunen oder in den großen Bergen verstreut waren. Es gab Animisten, Kannibalen und Kopfjäger. Aber diese Menschen erwiesen sich als freundlich, und sie hatten Lust, zu lernen und mitzumachen.

Die erste Anstrengung war es, die Menschen zu erreichen, die bereit waren, uns zu empfangen. Praktisch bedeutete das, stunden- oder gar tagelang durch den Busch zu marschieren, oder mit dem Kanu zu fahren, wiederum stunden- oder tagelang, um die Menschen zu besuchen und ihnen die gute Nachricht von Jesus Christus zu bringen. Viele zeigten sich interessiert, und so haben wir Menschen geschult, damit sie in die Dörfer gehen, die sich uns öffnen, und dort die gute Nachricht mit den Menschen teilen. Das war wirklich eine Zeit, in der wir uns organisieren mussten. In einigen Dörfern fehlte eine einfache und grundlegende Infrastruktur. Zu dieser Zeit haben wir auch angefangen, durch Katechismusunterricht und Sakramentenempfang die Kirchenmitgliedschaft aufzubauen. Das war auch die Zeit, in der wir die Menschen besser kennenlernten und ihnen Erziehung und Gesundheitsdienste angeboten haben.

Seit wir kurz vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil unsere Arbeit begonnen haben, sind wir entschlossen, eine Kirche der Gemeinschaft und der Beteiligung aufzubauen, eine Kirche, die auf die Kultur der Menschen Rücksicht nimmt. Nach einigen Jahren stellten wir die Notwendigkeit fest, uns pastoral besser zu organisieren. Welche Zukunft wollen wir für die Menschen? Was bieten wir ihnen an? Was sind ihre Stärken in kultureller Hinsicht? Welches Modell von Kirche passt zu der Kultur der Menschen? Wir haben versucht, unserer Evangelisierung und der menschlichen Entwicklung eine klare Ausrichtung zu geben – und damit unserer Mission, eine melanesische katholische Kirche in der westlichen Provinz von Papua-Neuguinea aufzubauen. Dies war die Zeit, in der wir begannen, nach Methoden Ausschau zu halten, die uns helfen, unsere Zukunft zu planen und damit die nächsten Schritte, um die Kirche in diesem abgelegenen Winkel der Erde solide aufzubauen. Dank der Gnade Gottes erhielten wir Unterstützung durch das internationale Team der Bewegung für eine bessere Welt (Movement for a Better World). Sie führten uns ein in die Spiritualität der Gemeinschaft, in die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Kirche und in pastorale Methoden, die für die Planung, die Programmerstellung und die Auswertung genutzt werden. Wir, die Menschen der Diözese, haben all das Material, das uns an die Hand gegeben wurde, verwendet und unseren eigenen diözesanen Pastoralplan geschrieben – mit dem Ziel, ein melanesisches katholisches Bistum aufzubauen.

Gibt es eine theologische Leitidee für die Pastoralplanung?

Wir sind geschaffen als Bild Gottes, der Dreieinigkeit ist. Wenn wir mit Christus verbunden sind, können wir dieses Bild erfüllen und eine Gemeinschaft sein, Schwestern und Brüder in Christus. Wir können Beziehungen der Liebe miteinander leben wie jene, die wir in der Dreieinigkeit sehen. Wir sehnen uns danach, eins zu sein wie der dreieine Gott (Joh 17,21f.). Dieses Geschenk der Einheit ist zugleich eine Berufung. Unsere Mission ist es, unsere Berufung zu erfüllen und in Einheit mit Gott, miteinander und mit der ganzen Schöpfung zu leben. Auf diesen theologischen Gedanken antworten »Anliegen « (goal), »Ziel« (objective) und »Idee« (driving idea) des Pastoralplans.

Das Anliegen: »Das Reich Gottes in unserer Diözese sichtbar zu machen, indem wir untereinander Beziehungen der Liebe leben – so wie jene Beziehungen, die Vater, Sohn und Heiligen Geist vereinen –, so dass wir alle miteinander wachsen in Heiligkeit.« (Diözesanpastoralplan, S. 4)

Das Ziel: »In der Diözese Daru-Kiunga, unter der Leitung des Bischofs, mit der Hilfe der Priester und ihrer Mitarbeiter, antwortet das Volk Gottes auf Gottes Ruf, heilig zu sein. Jede Person ist eingeladen, ihre Einzigartigkeit und ihre Talente zu teilen, so dass alle durch die Geschenke der anderen bereichert werden. Alle leben und wachsen in Harmonie und sind gemeinsam auf dem Weg zur Einheit.« (Diözesanpastoralplan, S. 4)

Die Idee: »Als Teil des Volkes Gottes ist die Diözese Daru-Kiunga eine lebendige und organisierte melanesische Gemeinschaft, die aus vielen verschiedenen Menschen besteht, die alle auf demselben Weg zu vollkommener Gemeinschaft sind.« (Diözesanpastoralplan, S. 4)

Welche Vision von Kirche kommt im Pastoralplan zum Ausdruck?

Es ist die Vision der Kirche, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil gelehrt hat, eine Kirche der Gemeinschaft und der Beteiligung, das Volk Gottes, der Leib Christi, ein pilgerndes Volk. Es ist eine Kirche, in der Menschen spüren, dass sie dazugehören, weil sie an Entscheidungen und der Durchführung von Aktivitäten beteiligt werden.

Wer ist an der Erstellung des Pastoralplans beteiligt? Wie geschieht diese Beteiligung?

Als wir uns entschieden, einen diözesanen Pastoralplan zu schreiben, haben wir auch entschieden, dass das nicht gehen kann, ohne alle Menschen daran zu beteiligen. Und das haben wir getan. Es hat dreieinhalb Jahre gedauert, den Plan zu schreiben. Aber so haben die Menschen sich den Plan zu eigen gemacht und finden sich selbst darin wieder. Für jeden Schritt der Reflexion, sei es über die Kirche oder über die Menschen mit ihrer Kultur, haben wir uns rund ein halbes Jahr Zeit genommen. Wir haben zunächst die Mitglieder der Pfarreiteams geschult. Diese sind dann losgezogen, um die Menschen in den Dörfern zu erreichen, um sie zu informieren und ihre Meinung, ihr Feedback einzuholen. Auf diese Weise haben wir die ganze Zeit gearbeitet. Als wir die erste Etappe unseres gemeinsamen Glaubenswegs geschafft hatten, haben wir uns entschieden, die soziale und religiöse Situation der Menschen in unserem Bistum noch einmal zu analysieren und eine Diagnose zu stellen – auch in diese Erhebung haben wir alle Menschen einbezogen. Um es einfach zu sagen: Wir denken zusammen, wir entscheiden zusammen, und wir handeln zusammen.

Wie sieht der Pastoralplan der Diözese konkret aus: Welche Schritte sollen in welchem Zeitraum geschehen?

Alles beginnt mit den Menschen in ihrer jeweiligen Lebenssituation. Für uns stand am Anfang die erste Analyse und Diagnose der sozialen und religiösen Situation der Menschen. Wir haben mit den Menschen über ihr Lebensumfeld nachgedacht. Die Menschen waren gebeten, ihre Kultur anzuschauen und zu entdecken, welche guten Werte sie leben und fördern, Werte, die Leben geben und schützen; ebenso, welche Werte nicht so gut sind, sich gegen das Leben richten und es zerstören. Die erste Phase diente dazu, das Leben zu reflektieren, Geschwisterlichkeit aufzubauen. Sie endete damit, dass wir in der ganzen Diözese Kleine Christliche Gemeinschaften gründeten.

In der zweiten Phase konzentrierten wir uns auf das Wort Gottes; wir sind Jünger Jesu geworden, sind in unserem Glauben gewachsen und haben Jesus als unseren einzigen Herrn gewählt. In der dritten Phase wird es darum gehen, eucharistische Menschen zu werden, Menschen, die wie Jesus einander Leben geben, indem sie ihr eigenes Leben für ihre Brüder und Schwestern geben.

Gerade befinden wir uns in der zweiten Hälfte von Phase zwei, in der wir über die Forderungen des Glaubens nachdenken. Wir versuchen, mehr über unseren Glauben zu lernen, aber vor allem bemühen wir uns, unseren Glauben im täglichen Leben zu verwirklichen. Wir wollen unseren Glauben leben, indem wir dem Weg Jesu folgen, seine Jünger werden.

Bischof Gilles Côté SMM

Auf welchen Ebenen findet die Umsetzung statt, wer ist daran beteiligt? Wer koordiniert die Umsetzung des Plans?

Die Umsetzung erfolgt immer auf allen Ebenen. Jedes Jahr führen die Pfarreien und die diözesanen Dienste – Gesundheit, Erziehung, Verwaltung, Pastoral (Diocesan Team of Pastoral Animation) und andere – die Schritte Evaluation, Planung und Programmgestaltung durch. Auf diese Weise bewegen wir uns alle in dieselbe Richtung, vertreten die gleichen Werte und versuchen unser Möglichstes, sie in unserer jeweiligen Situation zu leben. Wie alle anderen macht auch der Bischof seine Auswertung, plant die nächsten Schritte und setzt sie in ein konkretes Programm um. Auch die Menschen in den Dörfern wissen, wie sie ihre Aktivitäten auswerten und wie sie die kommenden Aktionen in Übereinstimmung mit dem diözesanen Jahresziel planen und gestalten. Viele Schulen gehen ebenfalls auf diese Weise vor.

Der Pastoralvikar (Pastoral Vicar) und das diözesane Pastoralteam sind für die Koordination und die Umsetzung des Pastoralplans verantwortlich. Sie verfolgen die Arbeit der Pfarreien und diözesanen Dienste, um sicherzustellen, dass sie die Spiritualität der Gemeinschaft leben und jedes Jahr ihre Aktivitäten planen, gestalten und auswerten. Denn die Aktivitäten müssen mit jenem Wert abgestimmt sein, der mit dem jährlichen Ziel vorangetrieben wird.

Wo stehen Sie gerade im Prozess der pastoralen Planung? Welche Erfolge sehen sie (schon)? Welche Schwierigkeiten begegnen Ihnen?

Als Bischof bin ich mit meinen Priestern, mit den Ordensleuten und allen Gläubigen auf einem Weg des Glaubens unterwegs. Der größte Gewinn wäre es, wenn viele Menschen auf allen Ebenen am Leben und an der Mission der Kirche teilnehmen. Es ist unglaublich, was einige Freiwillige mit großem Glauben und Vertrauen in ihren Gemeinschaften bewirken und wie sie diese in Christus lebendig halten. Die Werte – das Evangelium oder gute melanesische und menschliche Werte –, die wir fördern und leben, haben einen großen Einfluss auf das Leben der Menschen. Die Menschen übernehmen Verantwortung für ihr Leben als Kirche und setzen sich ein, um die Mission Christi in ihrer eigenen Umgebung fortzusetzen.

Unsere pastorale Planung gibt uns die Mittel an die Hand, mit deren Hilfe wir die Spiritualität der Gemeinschaft in unserem Alltag leben und erfahren können, in den Familien und Kleinen Christlichen Gemeinschaften, in den Siedlungen und Dörfern. Ich muss sagen, dass wir eine Menge Mut, Eifer und Liebe brauchen, um unseren Glaubensweg gemeinsam weiterzugehen.

Wie soll die Umsetzung des Plans später evaluiert werden?

Am Ende jedes pastoralen Jahres werten wir die Umsetzung des Pastoralplans aus. Auf diözesaner Ebene geschieht das am Ende jeder Phase. Die Gläubigen werten jede Aktivität aus. Das geschieht wirklich dauerhaft, und das ist eine Stärke. Das ist jetzt Teil unseres Lebens. Wir haben bereits zweimal die soziale und spirituelle Situation unserer Gläubigen analysiert und diagnostiziert, und das sollte am Ende der zweiten Phase noch einmal geschehen.

Ein Wort zum Schluss?

Ich möchte gerne mit der Bemerkung schließen, dass unser Glaubensweg (Our Journey of Faith), der Diözesanpastoralplan, ein permanentes Lesen der Zeichen der Zeit ist. Wir verwenden die Praxismethode: Wir schauen auf unsere Situation, sodann auf das Ideal, das wir anstreben – Was ist der Wille Gottes für uns? –, und schließlich auf die Bekehrung, die nötig ist, damit der Abstand zwischen unserer Situation und unserem Ideal immer kleiner wird. Einen Pastoralplan zu haben, ist keine Zeitverschwendung. Er hilft uns, unser Werk der Evangelisierung und der menschlichen Förderung gut, organisiert und auf einheitliche Weise zu tun. Wir betrachten unseren Plan als ein Geschenk Gottes an seine Kirche.

BISCHOF GILLES COTÉ SMM
Bischof von Daru-Kiunga, Papua-Neuguinea

Ausgabe 2/2018

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