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Planvoll und mit allen am Reich Gottes bauen

Pastorale Planung in Nordostindien

von SANTIAGO SAVARI

Als Chefkoordinator der diözesanen Kommission in der nordostindischen Diözese Aizawl ist Santiago Savari verantwortlich für die pastorale Planung im Bistum. Für Forum Weltkirche hat er einige Eckpunkte des pastoralen Planungsprozesses in Aizawl beschrieben.

Kinder in der Barack Valley Region, einem Teil der Diözese Aizawl. Soziale Projekte in den einzelnen Dörfern bilden einen Schwerpunkt der pastoralen Arbeit der diözesanen Kommissionen.
FOTO: ANNE KNöRZER

Was war der Anlass für den Beginn des pastoralen Planungsprozesses?

Wir hatten viel über die pastorale Planung im Bundesstaat Karnataka gehört, so dass ich im Jahr 2012 ins Bistum Udupi im Südwesten Indiens reiste. Dort traf ich Father Faustine Lobo und Bischof Gerald Lobo und sprach mit ihnen über pastorale Planung. Nach dieser Reise und dem Austausch teilte ich meine Eindrücke mit den Priestern und Ordensleuten, die in der Diözese Aizawl arbeiten. Sie alle sprachen sich dafür aus, einen ähnlichen pastoralen Planungsprozess anzustreben, so dass wir wissen, wo wir stehen und wohin wir uns gezielt bewegen wollen. Im Jahr 2013 luden wir dann Fr. Faustine Lobo ein, um die Priester, Ordensleute und führenden Laien zu motivieren, das Instrument der pastoralen Planung in unserer Diözese einzusetzen.

Das Bistum Aizawl hat erkannt, wie wichtig es ist, alle diözesanen Kommissionen zu koordinieren und Synergien zu schaffen und zu nutzen. In verschiedenen Diskussionen auf Pfarrei- und Diözesanebene kam die Notwendigkeit eines Pastoralplans zur Sprache. Auf der Grundlage dieses Plans werden die Kleinen Christlichen Gemeinschaften und Frauengruppen, katechetische und pädagogische Einrichtungen, die sozialen Dienste und andere auf ein gemeinsames Ziel der katholischen Kirche in Indien und der universalen katholischen Kirche hinarbeiten. Folgende Ziele waren für uns der Grund, weshalb wir mit dem Prozess pastoraler Planung begonnen haben:

  • mit Hilfe eines umfassenden diözesanen Plans die Arbeit aller diözesanen Kommissionen auf ein gemeinsames Ziel ausrichten;
  • die Aktivitäten verschiedener Kommissionen zusammenführen;
  • randständige Gemeinschaften wie Frauen, die indigene Bevölkerung, Menschen mit Behinderungen, Aids-Kranke und andere in die Mitte des kirchlichen Engagements holen;
  • die katholische Soziallehre unter den kirchlichen Akteuren verbreiten;
  • mehr Jugendliche zum Einsatz in Evangelisierungsbewegungen ermutigen;
  • eine vom Volk geführte und alle einbeziehende Kirche ermöglichen
  • durch Kleine Christliche Gemeinschaften und vom Pfarreirat bis zum diözesanen Planungskomitee.

Gibt es eine theologische Leitidee für die Pastoralplanung?

Die Grundlage des pastoralen Planungsprozesses ist die katholische Soziallehre. Der Pastoralplan baut auf folgenden Prinzipien auf:

  • die menschliche Würde der Person als Abbild Gottes;
  • das Gemeinwohlprinzip;
  • die vorrangige Option für die Armen, die universale Bestimmung der Güter;
  • Subsidiarität, also Stärkung der lokalen Entscheidungsträger;
  • Partizipation, vor allem Einbeziehung der indigenen Bevölkerung;
  • Solidarität im Hinblick auf die globalen Probleme;
  • Ökologie im Sinne eines harmonischen Zusammenlebens mit der Schöpfung.

Welche Vision von Kirche kommt im Pastoralplan zum Ausdruck?

Unser Bild von Kirche habe ich bereits oben beschrieben. Theologisch gesprochen geht es uns darum, das Reich Gottes aufzubauen und treue Diener Gottes und seiner Kirche zu sein.

Wer ist an der Erstellung des Pastoralplans beteiligt? Wie geschieht diese Beteiligung?

Am Prozess der pastoralen Planung sind folgende Gruppen beteiligt: Mitglieder der Kleinen Christlichen Gemeinschaften, Mitglieder der Pfarreiräte, alle Priester, Ordensleute, weibliche Führungskräfte, katholische politische Führungskräfte und andere.

Die Beteiligung wird zum einen durch Konferenzen und Fortbildungen gewährleistet, zum anderen durch die Verbreitung von Informationen bei verschiedenen Zusammenkünften, zum Beispiel von Kleinen Christlichen Gemeinschaften, Pfarreiräten und anderen.

Die Stadt Aizawl ist die Hauptstadt des Bundesstaates Mizoram in Nordostindien und Sitz des gleichnamigen Bistums.
FOTO: ANNE KNöRZER

Wie sieht der Pastoralplan der Diözese konkret aus: Welche Schritte sollen in welchem Zeitraum geschehen?

Im Pastoralplan werden zunächst der Hintergrund und das Gesamtziel benannt und beschrieben. Darauf folgt für jede Kommission eine sogenannte SWOT-Analyse – Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Gefährdungen). Auf dieser Grundlage werden dann die Ziele der einzelnen Kommissionen festgelegt und die erwarteten Ergebnisse und die Meilensteine beschrieben. Im Anschluss daran geht es um die konkreten Aktivitäten und Strategien. Der nächste Abschnitt ist der Frage gewidmet, wie Ressourcen mobilisiert werden können und welche Fundraisingstrategien eingesetzt werden sollen. Der Aufbau von Kapazitäten und die Arbeit des Koordinationsteams sind weitere Punkte, die im Plan erläutert werden. Abschließend geht es um die Frage, wie die Umsetzung des Plans überprüft und evaluiert wird.

In den Jahren 2017/18 gab es eine ganze Reihe von Maßnahmen und Veranstaltungen im Rahmen des Pastoralplans. Auf Pfarreiebene und in den Dörfern fanden Treffen und Gruppendiskussionen statt, in die sich alle Familien eingebracht haben. Die Ergebnisse und Vorschläge wurden und werden auf der Pfarreiebene diskutiert; daran beteiligen sich die Mitglieder des Pfarreirats, der Priester der Gemeinde und die Ordensleute.

Auf diözesaner Ebene haben wir Workshops zur Pastoralplanung durchgeführt. Daran nehmen Priester, Vertreter der Kommissionen, der Pfarreiräte sowie der Jugend- und Frauengruppen teil und formulieren einen gemeinsamen Aktionsplan und einen Integrationsrahmen (integration framework) für alle Kommissionen auf diözesaner Ebene. In thematischen Seminaren erarbeiten die einzelnen Kommissionen ihren jeweiligen strategischen Plan. Und dann wird der Plan auf allen Ebenen bekannt gemacht, beispielsweise bei speziellen Treffen oder durch Handzettel.

Auf welchen Ebenen findet die Umsetzung statt, wer ist daran beteiligt? Wer koordiniert die Umsetzung des Plans?

Eine zentrale Rolle für die Umsetzung des Plans spielen der Diözesanpastoralrat, die Pfarreiräte und die Kleinen Christlichen Gemeinschaften. Der Plan ist dann der entscheidende Wegweiser für alle Organisationen und Institutionen der Diözese. An der Umsetzung werden letztlich alle beteiligt sein: die Mitglieder der Kleinen Christlichen Gemeinschaften und der Pfarreiräte, die Priester und Ordensleute, die Verantwortlichen in den Frauengruppen sowie katholische Führungskräfte und Politiker.

Folgende Struktur dient der Umsetzung des Pastoralplans:

Bischof ⇓
Chefkoordinator ⇓
Diözesanes Team zur Umsetzung des Pastoralplans ⇓
Dekanat ⇓
Pfarreirat

Bei der Umsetzung des Projekts arbeitet die Diözese Aizawl mit verschiedenen Partnern zusammen, zu denen neben anderen religiöse Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen, staatliche Akteure und Schulen gehören. Als Chefkoordinator der diözesanen Kommissionen bin ich der personale Dreh- und Angelpunkt des Projekts.

Wo stehen Sie gerade im Prozess der pastoralen Planung? Welche Erfolge sehen sie (schon)? Welche Schwierigkeiten begegnen Ihnen?

Derzeit stellen wir die nötigen Hintergrundinformationen für den Plan zusammen. Außerdem bringen wir unsere personellen und institutionellen Ressourcen auf den neuesten Stand. Die größte Schwierigkeit, mit der wir zu kämpfen haben, sind die fehlenden Mittel, die wir bräuchten, um den Prozess der Pastoralplanung zu koordinieren.

Wie soll die Umsetzung des Plans später evaluiert werden?

Es wird meine Aufgabe als Chefkoordinator sein, das Gesamtprojekt umzusetzen und auf diözesaner Ebene im Blick zu behalten. Mir werden zwei Assistenten zur Seite stehen, um die Aktivitäten in den jeweiligen Regionen (Silchar und Aizawl) zu koordinieren. Halbjährliche und jährliche Treffen auf diözesaner Ebene werden dazu dienen, den aktuellen Stand der Umsetzung zu erheben und zu evaluieren.

SANTIAGO SAVARI
Chefkoordinator der diözesanen Kommissionen in der Diözese Aizawl, Nordostindien

Ausgabe 2/2018

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