Gelebte Solidarität Die pastorale und soziale Arbeit der katholischen Kirche in corner

Gelebte Solidarität

Die pastorale und soziale Arbeit der katholischen Kirche in Äthiopien

von TESHOME FIKRE

Die lange Geschichte des Christentums in Äthiopien kennt Momente großer Herrlichkeit und außerordentlicher Vitalität ebenso wie Zeiten der Erprobung und des Leidens um des katholischen Glaubens willen. Das Christentum hat die Kultur des Landes geprägt. Nicht zuletzt durch ihre pastoralen und sozialen Dienste spielt die Kirche bis heute eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der Gesellschaft.

Im Erstaufnahmelager Pagak Entry Point bei Jikao im Vikariat Gambella kommen viele Flüchtlinge aus dem Südsudan an.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Äthiopien ist ein multi-ethnisches Land mit vielseitiger Kultur, Sprache, Glauben und Religion und einer reichen Geschichte. Oromo, Amhara, Somali, Tigray, Sidama, Gurage, Wolayita und Afar sind die wichtigsten ethnischen Gruppen, insgesamt gibt es gegenwärtig in Äthiopien mehr als 80 Stämme, mehr als 80 Sprachen und mehr als 200 Dialekte. Die aktuelle Bevölkerungszahl des Landes wird auf rund 105 Millionen beziffert und das Bevölkerungswachstum liegt bei einer Rate von 2,46 Prozent. Religion spielt für die Mehrheit der Äthiopier eine große Rolle in ihrem Leben, das von religiösen Überzeugungen und Werten geleitet wird. In Äthiopien haben Christentum und Islam jahrhundertelang in friedlichem Miteinander gelebt und dies wurde zu einem lebendigen Zeugnis für den Rest der Welt.

Statistiken zufolge machen die Katholiken nur einen sehr kleinen Anteil der äthiopischen Bevölkerung aus. Zu dieser zahlenmäßigen Unterlegenheit kommt hinzu, dass nur sehr wenige katholische Laien einflussreiche Positionen in den Bereichen Politik und Verwaltung innehaben. Diese Situation könnte bei manchen Katholiken fälschlicherweise ein Gefühl von Machtlosigkeit und sogar eine Art Minderwertigkeitskomplex hervorrufen. Diese Einstellung könnte wiederum die Dynamik und die prophetische Energie der katholischen Kirche lähmen, die ihr Vertrauen indes nie in Zahlen, sondern in die Kraft des Geistes gesetzt hat. Darüber hinaus erlaubt die gegenwärtige, komplett säkulare Verfassung, auch wenn sie im Prinzip die Freiheit aller Religionen und Konfessionen anerkennt, nicht immer deren praktische Umsetzung.

Das pastorale Personal

Es gibt zwei Seminare in Äthiopien, die in der Priesterausbildung tätig sind. Das Seminar in Addis Abeba ist zuständig für zwölf Jurisdiktionen und Orden, das Seminar in der Eparchie Adigrat bildet die Studenten der Eparchie und der Orden aus. Kurz vor dem Zusammenbruch der kommunistischen Regierung 1991 stieg die Zahl der Berufungen junger Menschen, die in die Seminare eintraten und von denen viele Priester wurden. Dies dauerte bis vor kurzem an, nun gehen die Zahlen leicht zurück. Die meisten Diözesen haben eine relativ hohe Anzahl junger Priester. Es gibt heute mehr als 700 einheimische katholische Priester in Äthiopien. 98 Prozent der lokalen katholischen Priester in Äthiopien sind jünger als 50 Jahre. Jede Diözese übernimmt Verantwortung für die Weiterbildung ihrer Priester. Viele lokale Priester haben ihr Studium außerhalb des Landes fortgesetzt und sind dann zurückgekommen, um in ihren Heimatbistümern zu arbeiten. Die meisten der Lehrenden im Seminar sind – anders als noch vor zwanzig Jahren – heutzutage lokale Priester. Momentan studieren im Seminar in Addis Abeba 130 Seminaristen aus verschiedenen Diözesen und Orden Philosophie und Theologie.

Die kontinuierliche Katechese und Ausbildung von Christen sind für die katholische Kirche in Äthiopien von größter Bedeutung. Damit reagiert sie auf die Herausforderung des Mangels an angemessener Vorbereitung und solider Ausbildung der christlichen Gläubigen und der pastoralen Handlungsträger. Als Teil des Leibes Christi hat jeder Mensch den Auftrag empfangen, das Evangelium zu verkünden, folglich muss »die ganze Gemeinschaft […] für die Evangelisierung vorbereitet, motiviert und gestärkt werden, ein jeder nach seiner spezifischen Rolle in der Kirche« (Ecclesia in Africa Nr. 53). Die katholische Kirche in Äthiopien steht vor der Aufgabe, ihren Einsatz für eine fortlaufende Katechese und Ausbildung ihrer pastoralen Handlungsträger, besonders der Laien, auf allen Ebenen zu intensivieren.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurden die katholischen Laien ermutigt, vollkommen an der Mission der Kirche teilzunehmen, ausgehend von der Gnade, die jeder durch die Taufe erhält. Die katholische Kirche in Äthiopien hat ihr Bestes getan, um die Laien auszubilden. Die Gläubigen sollten befähigt werden, ihre christliche Pflicht, nämlich den Glauben in Wort und Tat zu bezeugen, in der Gesellschaft zu erfüllen. Alle Diözesen bieten unterschiedliche Ausbildungsprogramme für die Laien an, und auch auf nationaler Ebene werden regelmäßig Programme angeboten. Das Erzbistum Addis Abeba hat eine theologische Schule für Laien eingerichtet und gibt ihnen so die Gelegenheit, Basiswissen über den katholischen Glauben zu erwerben und in katholischen Institutionen mitzuarbeiten.

In allen Pfarreien in Äthiopien wurde ein Rat für das Laienapostolat eingerichtet, der in hohem Maße zur Bildung der Laien, der Jugendlichen und der Familien beigetragen hat. Gebetsgruppen in den Dörfern lebten als Kleine Christliche Gemeinschaften wieder auf, auch wenn es spirituelle Zusammenschlüsse von Laien schon seit der Zeit der Einführung des Christentums gibt. Diese Vereinigungen werden als Menfesawi Mahber bezeichnet und sind Zusammenschlüsse von Laien auf der Ebene der Pfarrei, die nach einem Heiligen oder Engel benannt werden. Ihre Mission ist es, ihre Mitglieder durch Gebet und Taten der christlichen Solidarität im Glauben zu stärken. Diese Vereinigungen sind wichtige Träger der Gemeindeaktivitäten. Denn durch sie erreicht die Pfarrei die einzelnen Christen.

Von der Familie sagt man, dass sie die kleinste christliche Gemeinschaft ist. Die Kirche misst der Rolle der Familie für die Evangelisierung einen hohen Wert bei. Wie oben beschrieben, sind die Kleinen Christlichen Gemeinschaften äthiopischer Art Mittel und Wege, die Familienkatechese auf Dorfebene zu bereichern. Das Laienapostolat hat sehr dazu beigetragen, christliche Gläubige zu ermutigen, die Kirche so gut sie können zu unterstützen, besonders in ökonomischer Hinsicht durch Geld- und Sachleistungen. Die meisten äthiopischen Katholiken leben auf dem Land und sind Selbstversorger. Trotz ihres niedrigen Lebensstandards sind sie bereit, der Kirche mit allen verfügbaren Mitteln zu helfen.

Katechisten spielen eine wichtige Rolle für den Evangelisierungsauftrag der Kirche. Unter den gut ausgebildeten katholischen Laien spielen die Katechisten eine besondere Rolle für die Glaubensunterweisung der Kirche. Sie werden von der christlichen Gemeinschaft aufgrund ihres guten christlichen Lebens und ihrer Integrität ausgewählt. Sie müssen Männer und Frauen von großem Glauben sein und bereit, diesen mit anderen zu teilen. Manche sind hauptamtlich Katechisten, manche nebenamtlich. Ihre Hauptaufgabe ist es, Kinder auf die Sakramente und Paare auf die Eheschließung vorzubereiten, Gebetsgruppen zu leiten sowie die Gemeindepriester bei Hausbesuchen bei Kranken und Familien in schwierigen Situationen zu unterstützen. Für die Katechisten gibt es ein ständiges Aus- und Weiterbildungsprogramm. Ein strategischer Plan auf nationaler Ebene rückt die angemessene und weitergehende Ausbildung sowie Pläne für eine angemessene Bezahlung der Katechisten ins Zentrum.

Auf einem Friedhof in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba leben viele Familien und Kinder in bitterer Armut in Slumhütten aus Holz und Plastik.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Pastorale Begleitung von Jugendlichen

Die Kirche betrachtet die pastorale Betreuung von Jugendlichen als Teil des Gesamtpastoralplans unserer Bistümer und Pfarreien. Die pastorale Begleitung soll die jungen Menschen in die Lage versetzen, schon früh den Wert der eigenen Persönlichkeit zu entdecken und Wege zu finden, sich zu entfalten. Das christliche Engagement besteht darin, den Jugendlichen zu helfen, sich um sie zu kümmern, ihnen Orientierung zu geben, sie zu erziehen und ihnen einen Ort zu geben, so dass sie ihren Platz im Leben unserer christlichen Gemeinschaften finden und engagierte Bürger ihres Landes werden. Christliche Gemeinden versuchen sicherzustellen, dass sich die Jugendlichen in der jeweiligen Gemeinschaft geliebt, unterstützt und begleitet fühlen.

Die Bedürfnisse der Jugend von heute zu verstehen, ist eine kontinuierliche Herausforderung für die Kirche und die Gesellschaft. Dabei geht es um sozio-politische, ökonomische, spirituelle, moralische und psychologische Anliegen und um die konkrete Gestaltung des Familienlebens in der sich schnell wandelnden Gesellschaft. Die traditionell organisierte Jugendarbeit wird durch den gesellschaftlichen Wandel in Frage gestellt. Jungen Leuten gelingt es oft nicht, Antworten auf ihre Sorgen, Bedürfnisse und Probleme in den herkömmlichen kirchlichen Strukturen zu finden. Die Jugendarbeit soll die generellen Ziele und spezifischen Aktivitäten, die unser Bildungs- und Erziehungsideal lebendig halten, koordinieren. In den Diözesen finden verschiedene Bildungsprogramme und Jugendfestivals statt, um jungen Leuten unterschiedliche Formen spiritueller Bildung anzubieten. Das Entstehen und Wachsen von Zusammenschlüssen und Bewegungen, die hauptsächlich aus jungen Leuten bestehen, kann als Werk des Heiligen Geistes betrachtet werden, der neue Wege beschreitet, um ihren Erwartungen und ihrer Suche nach einer tiefen Spiritualität und einem wirklichen Zugehörigkeitsgefühl zu begegnen. Dabei gilt es sicherzustellen, dass diese Zusammenschlüsse aktiv am pastoralen Gesamteinsatz der Kirche teilnehmen und die jungen Leute befähigt werden, Verantwortung in der Kirche zu übernehmen.

Um auf die Jugendlichen zuzugehen, die Lehre der Kirche zu vermitteln und das Wachstum im Glauben zu fördern, sollte man sich alle Möglichkeiten, auch die aktuellen Technologien zunutze machen. Auf der anderen Seite ist es auch notwendig, die Struktur der katholischen Kirche auf allen Ebenen so zu organisieren, dass die Jugendlichen Vertrauen aufbauen können und die Kirche zu ihrer Kirche wird.

Die Erfahrungen der Kirchen aus der Vergangenheit zeigen, dass es für die christliche Einheit und den ökumenischen Dialog am besten ist, nicht zuerst nach einer gemeinsamen theologischen Formulierung von Dogmen zu suchen, sondern bei der Antwort auf die Herausforderungen und Bedürfnisse der Menschen zusammenzuarbeiten. Diese können als »ökumenische Nöte« bezeichnet werden, weil sie eine Herausforderung für alle Christen darstellen. Der ökumenische Dialog zwischen den verschiedenen christlichen Denominationen in Äthiopien wird durch gemeinsames Gebet ebenso wie durch die Zusammenarbeit bei sozialen Aktivitäten bekundet. Jede Diözese unternimmt einige Initiativen, um eine Ökumene der Spiritualität und der Nächstenliebe zu befördern, die wirksam bei den Menschen ansetzt.

Schwester Abaynesh Pamos besucht eine Familie, die in einem Wohnprojekt in Addis Hiwot in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba eine neue Wohnung gefunden hat.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Kirche und soziale Entwicklung

In seiner Rede beim jährlichen Koordinierungstreffen der katholischen Kirche mit ihren Partnern erklärte Kardinal Berhayenesus Souraphiel, Erzbischof von Addis Abeba und Vorsitzender der Äthiopischen Bischofskonferenz: »Der fundamentale Auftrag der Kirche ist es, den Armen zu dienen. Die Kirche schweigt in einer sich immer verändernden Welt nicht, sondern antwortet durch ihre verschiedenen Initiativen zur pastoralen und sozialen Entwicklung auf die dringenden Notwendigkeiten der Zeit.« (Addis Abeba, 31. März 2017)

Die katholische Kirche hat in den letzten fünfzig Jahren durch das Äthiopische Katholische Sekretariat (Ethiopian Catholic Secretariat, ECS) und seine Diözesanbüros auf gut organisierte Weise eine entscheidende Rolle bei der sozialen, ökonomischen und humanitären Entwicklung des Landes gespielt. Die bedeutendsten Beiträge der Kirche liegen in den Bereichen Erziehung und Bildung, Gesundheit, Wasser, ländliche Mikrofinanzprogramme und humanitäre Nothilfe sowie in der Alten- und Waisenfürsorge und der Gemeindeentwicklung. In Zeiten von Dürre und Hungersnot versorgte sie Scharen von ausgehungerten Menschen. Jedes Jahr erreicht die katholische Kirche mehr als 10 Millionen Menschen im ganzen Land, ungeachtet ihres religiösen, sozialen oder ethnischen Hintergrunds. Dieser Beitrag zur Entwicklung ist beachtlich im Hinblick auf die Qualität und Quantität, denn das ganze Land und auch abgelegene Gemeinden werden miteinbezogen. Der Einsatz für die soziale, ökonomische und humanitäre Entwicklung ist zudem insofern einzigartig, als er auf eine gesamtmenschliche Entwicklung mit einer Orientierung an den Armen zielt, das Evangelium in Wort und Tat verkündet und sich einsetzt für eine Welt, die auf Liebe, Frieden und Gerechtigkeit gebaut ist, die Maßstab der Arbeit der Kirche und ihrer Institutionen sind.

Die katholische Kirche erkennt, dass sie berufen ist, sich mit denen zu identifizieren, die am Rand leben, die wegen menschengemachter oder natürlicher Katastrophen unter Hunger und Armut leiden – die nichtregistrierten Migranten und die Menschen, denen es an der täglichen Grundversorgung fehlt. Sie ist sich bewusst, dass ihre erste Berufung die Evangelisierung ist, indem sie sich denjenigen zuzuwenden, die sich an den existenziellen Rändern unserer Gesellschaft befinden: den Migranten, den Flüchtlingen, den arbeitslosen Jugendlichen, die keinen festen Beruf haben. Die verschiedenen Bemühungen der Kirche tragen dazu bei, eine bessere Welt aufzubauen, in der alle Menschen frei von Gewalt, Angst und bitterer Armut leben können.

Die katholische Kirche steht im Dienst der Menschen, wie es ihr göttlicher Auftrag ist. Gott ist gut zu allen Menschen und sorgt für sie. Die katholischen Einrichtungen sind Zentren des interkulturellen und sozialen Dialogs sowie des friedlichen und harmonischen Miteinanders. Unsere Verantwortung, uns für die Menschenwürde einzusetzen, spiegelt sich in unseren Diensten wieder. Die Dienste, die die katholische Kirche anbietet, wenden sich den Bedürftigsten der Gesellschaft zu, insbesondere denen, die in den abgelegenen Gebieten des Landes leben. Dieser Einsatz für die Menschen hat die Kirche zu einer Stimme für die Stimmlosen gemacht, und die äthiopische Gesellschaft nimmt dieses Glaubenszeugnis durchaus wahr.

Der Einsatz für Erziehung und Bildung

Seit mehr als 150 Jahren engagiert sich die katholische Kirche in Äthiopien im Bildungsbereich. Sie strebt dabei an, das Ziel der ganzheitlichen Bildung der menschlichen Person zu verwirklichen – stets mit Blick auf die Errichtung der Herrschaft Gottes und ungeachtet des sozialen oder kulturellen Hintergrunds, des Geschlechts oder der religiösen Zugehörigkeit. Heute betreibt die äthiopische katholische Kirche rund 400 Bildungseinrichtungen, von Kindergärten bis zu höheren Bildungseinrichtungen und stellt damit den Gemeinden hochwertige Bildungsangebote zur Verfügung. Alle Bistümer und Orden engagieren sich dafür, Zugang zu grundlegender Bildung für diejenigen zu schaffen, die sie benötigen. Es gibt viele Missionare, die sich dafür einsetzen, allen Kindern im Schulalter und auch Erwachsenen Bildung zugänglich zu machen, sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gegenden. Die meisten katholischen Schulen befinden sich in abgelegenen ländlichen Gegenden, um dort den Armen Bildungsmöglichkeiten zu bieten. Die katholischen Schulen, die offen für katholische, orthodoxe und muslimische Schüler sind, sind im ganzen Land verteilt. In den ländlichen Gebieten ist der Beitrag der Familien zum Schulgeld minimal. Die Schulen in Städten tragen sich in den meisten Fällen selbst, weil sie Schulgeld von den Eltern nehmen.

Katholische Schulen mit ihrem unverwechselbaren christlichen Charakter kann man leicht anhand folgender Merkmale identifizieren: ein von Heiterkeit und Freude geprägtes Schulumfeld; Gefühle von gegenseitiger Wertschätzung, Vertrauen und Freundlichkeit; Respekt für die Würde und die Einzigartigkeit, die Religion und die Ideen jedes und jeder Einzelnen; ein Gefühl der Gemeinschaft, Kooperationsbereitschaft und geteilte Verantwortung; Akzeptanz und sogar Zuneigung füreinander; Mitgefühl und Solidarität mit den ärmeren und schwächeren Schülern und mit armen und schwachen Menschen im Allgemeinen; ein Sinn für Gott; ein Geist von Pflicht und Engagement; Ermutigung, die eigene Person und die von Gott geschenkten Talente zu entwickeln; Offenheit für den Dialog; die Verpflichtung zu Ehrlichkeit und Wahrheit; die Praxis von Gerechtigkeit und Vergeben. All dies erfahren die Schülerinnen und Schüler, und es kommt zustande, weil der christliche Glaube in katholischen Schulen gelebt wird. In diesem Fall sind die Schulen ein Platz genuiner Evangelisierung. Erwähnenswert ist die Zusammenarbeit katholischer Einrichtungen mit den Eltern der Schüler (Muslime, Orthodoxe und Katholiken), mit Gemeindeältesten, die eine große Anzahl an ländlichen Gemeinden repräsentieren, und mit den zuständigen Regierungsbehörden, die öffentlich den immensen Nutzen katholischer Schulen bestätigen.

Kirchliches Engagement im Gesundheitswesen

Die äthiopisch-katholische Kirche ist seit sehr langer Zeit in die Gesundheitsfürsorge einbezogen und hat immer das Mitleid und den heilenden Zuspruch Christi als zentrale Werte ihres Dienstes eingebracht. Sie richtet den Gesundheitsdienst an dem Gesamtziel aus, den Heilungsauftrag Jesu Christi zu erfüllen und richtet ihre Aufmerksamkeit besonders auf die Armen und Marginalisierten. Das Gesundheitssystem ist in Übereinstimmung mit der nationalen äthiopischen Gesundheitspolitik und den Gesundheitsrichtlinien der äthiopisch-katholischen Kirche organisiert. Gegenwärtig besitzt die katholische Kirche 87 Gesundheitseinrichtungen, die von Orden und Bistümern betrieben werden. Sie haben Berufsmöglichkeiten für viele junge Leute vor Ort geschaffen.

Es ist eine bekannte Tatsache, dass aufgrund kultureller Faktoren die Würde der Frauen in Afrika nicht immer respektiert wird. Gepaart ist dieses ernstzunehmende Problem oft mit großer Armut. Die Kirche jedoch ist nicht vor dieser Herausforderung zurückgeschreckt, sondern hat mutig zur Wiederherstellung der Würde der Frauen in Äthiopien aufgerufen. Um die Situation zu verändern, sollte die Aufmerksamkeit stärker darauf gerichtet werden, Mädchen und Frauen eine fundierte Bildung zu ermöglichen und sie stärker an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Es gibt viele Initiativen auf nationaler und diözesaner Ebene, um Frauen zu stärken. Viele katholische Orden sind in Projekten zur wirtschaftlichen Unterstützung von Frauen und der Mädchenbildung engagiert. Programme zur Bewusstseinsbildung werden angeboten, um einen kulturellen und mentalen Wandel hinsichtlich der Rolle der Frau insbesondere in der traditionellen Gesellschaft anzustoßen.

ABBA TESHOME FIKRE
Direktor der Nationalen Pastoralkommission

Ausgabe 3/2018

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