Ein Funke des Wandels in Asien Die Arbeit von Fondacio Asia mit den Ortskirchen und Jugend corner

Ein Funke des Wandels in Asien

Die Arbeit von Fondacio Asia mit den Ortskirchen und der Jugend

von CHARLES BERTILLE

Es ist die Geschichte einer Initiative, die um der Kirche und der Mission willen entstand: Vor zwölf Jahren gründeten Laien das »Institute of Formation, Fondacio Asia« (IFFAsia), um jungen Erwachsenen in Asien Ausbildungschancen zu geben und sie auf die Arbeit in der Ortskirche vorzubereiten. Eine Studie zur Arbeit von Fondacio Asia zeigt, dass sie Früchte trägt und die Absolventen eine neue Generation junger Laienführer in den aufstrebenden asiatischen Kirchen bilden.

Junge Erwachsene bei einem Schulungsprogramm der Fondacio Asia: Sie werden vorbereitet auf ihren Einsatz als Laienführer in den Gemeinden ihrer Heimatkirchen.
FOTO: CHARLES BERTILLE

»Asiatische Jugend, wach auf!… ihr seid die Erben eines großen Zeugnisses, eines wertvollen Bekenntnisses zu Christus!« Das waren die Worte von Papst Franziskus auf dem asiatischen Jugendtag im koreanischen Daejeon am 17. August 2014. Und seine Rede auf der Vorsynode der Jugendlichen am 19. März 2018 schloss Papst Franziskus mit der Einladung an die Jugend ab, »frank und frei« zu sprechen. »Ihr seid die Protagonisten«, erklärte er, »und es ist wichtig, dass Ihr offen sprecht. Ich versichere Euch, dass Euer Beitrag ernst genommen wird.«

Jugendliche als Hauptfiguren

Der Aufruf von Papst Franziskus an die Jugend, sich zu scharen und aktiv zu werden, wird untermauert von der Arbeit junger Protagonisten wie Tugso, Kanha und Martin. Tugso, eine junge Absolventin aus den mongolischen Hochgebirgssteppen, stand an vorderster Front eines Förderprogramms für marginalisierte Frauen in einer Kleinstadt auf dem Lande. Sie ist die erste von fünf jungen Frauen, die das Apostolische Vikariat von Ulan-Bator im Verlauf von fünf Jahren an das Institut Fondacio Asia entsandte. Nach zwei Jahren waren durch das Projekt nicht nur die Einkommen der Frauen gestiegen, sondern auch die Gemeinschaft der Familien gewachsen. Sie leistet mit ihrer Arbeit mit Frauen einen wichtigen Beitrag für eine junge, im Entstehen begriffene Kirche.

Kanha Khun aus Kambodscha wurde nach seiner einjährigen Ausbildung am Institut gebeten, in 45 Gemeinden in der Diözese Phnom Penh Animations- und Schulungsprogramme für Teenager zu etablieren. Im Laufe der Zeit haben diese Jugendlichen ein Zugehörigkeitsgefühl zu ihren Gemeinden entwickelt und beteiligen sich jetzt aktiv an den Aktivitäten der örtlichen Gemeinde und Kirche. Vergleichbares leistete Phon Sophal, der erste von der Ortskirche geschickte Auszubildende, der vor rund zehn Jahren die Jugendarbeit in 45 Gemeinden koordinierte. Heute ist er Leiter des St.-Paul-Instituts in Phnom Penh. Martin, ein junger Vater, leitet gemeinsam mit seiner Frau Victoria in Myanmar das Ziegenzucht-Projekt »Green Pastures«. In ihrem Dorf sind die beiden auch die einzigen Lehrer und Katechisten. Angesichts der extremen Armut und des Fehlens einer richtigen Schule beschloss Martin nach seinem Ausbildungsjahr, sich der Ausbildung der Dorfkinder zu widmen. Sein Dorf liegt in einer wasserarmen Gegend und wird von Muslimen, Buddhisten und Christen bewohnt. Fondacio unterstützt ihn dabei, ein wenig Fortschritt in das Dorf zu bringen.

Junge Asiaten und ihre Lage

Drei Fakten beschreiben Asien ziemlich gut: ein Kontinent der Jugend, auf dem 58 Prozent der globalen Millenials leben, also aller um die Jahrtausendwende geborener Menschen; ein Kontinent der Armen, auf dem laut Bericht der Weltbank aus dem Jahr 2016 zwei Drittel von vier Milliarden Menschen unter prekären Umständen leben, und ein Kontinent der alten Zivilisationen, Kulturen und der Wiege der Religionen.

Der rasante Wandel, den Asien erlebt, sowie die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Paradigmen gefährden die Menschenrechte und stellen die Asiaten vor sozioreligiöse und spirituelle Herausforderungen. In Südostasien gibt es eine große Wanderungsbewegung: Die arme Landbevölkerung ohne Ausbildung zieht es auf der Suche nach Arbeit in die Städte und deren Umland. Eng einher mit dieser Migration gehen zunehmender körperlicher, geistiger und sexueller Missbrauch sowie spirituelle Probleme, unter denen die prekären Bevölkerungsschichten und vor allem Frauen leiden.

Das dritte Treffen der BILA, Bishops’ Institute on Lay Apostolate, zu Jugendfragen beklagte im Jahr 2015 den mangelnden Zugang der asiatischen Jugend zu Bildung, ihre finanziellen Probleme, materielle Armut und deren Folgen. Viele Jugendliche werden aus wirtschaftlichen und Bildungsgründen zu Migranten. Die reale Armut in Asien darf nicht unterschätzt werden. Laut einem McKinsey-Bericht von 2015 leben von 1,1 Milliarden jungen Asiaten 180 Millionen unter der Armutsgrenze (von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag). Legt man eine realistischere Kennzahl zugrunde, bei der die Armutsgrenze in Relation zu Verbrauchskosten, mangelhafter Ernährungssicherung und anderen Gefährdungen gezogen wird, beträgt die Zahl der in Armut lebenden Jugendlichen sogar rund 440 Millionen. Gleichzeitig ist die Jugend von Konsumdenken getrieben. Die Jugendlichen leben in einer Kultur der sofortigen Befriedigung, haben eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und geraten schnell in eine Technikabhängigkeit. Das führt zu Ich-Bezogenheit und Gleichgültigkeit. Viele verfallen dem Alkohol oder anderen Drogen.

Außerdem leiden sie unter kultureller, religiöser und struktureller Diskriminierung, was ihnen die Wachstumschancen nimmt. Religiöser Fundamentalismus und Proselytismus sind in einigen Teilen Asiens ein großes Problem. Die asiatischen Bischöfe setzen sich für die Auseinandersetzung mit diesen Realitäten ein und betonen eindringlich, wie wichtig es ist, dass die jungen Menschen eine Existenzgrundlage haben.

Die Vorsynode der Jugendlichen erbrachte unter anderem folgende Erkenntnis: Auf die Frage »Welche Bedeutung hat dein Leben?« haben viele junge Menschen keine Antwort. Die Verbindung zwischen Leben und Transzendenz stellen sie nicht immer her. Viele junge Menschen haben das Vertrauen in die Institutionen verloren, sich von der organisierten Religion gelöst und betrachten sich nicht als »religiös«. Dennoch bleiben viele junge Menschen offen für das Spirituelle.

Viele beklagen, dass die Jugend die Antworten auf die Bedeutung des Lebens immer seltener im Glauben und in der Kirche sucht. An vielen Orten der Welt ziehen junge Menschen aus ihrem Job und persönlichem Erfolg die Bedeutung ihres Lebens. Weil das aber nicht dauerhaft garantiert ist, entstehen Unsicherheit und Angst. Viele müssen auswandern, um eine gute Arbeit zu finden. Andere verlassen aufgrund wirtschaftlicher Instabilität ihre Familie und geben ihre Kultur auf.

Studenten der Fondacio Asia bei einem Praktikum in einer Grundschule: Ein Schwerpunkt der Arbeit vieler junger Laien in den asiatischen Ortskirchen ist die katechetische Arbeit mit Kindern.
FOTO: CHARLES BERTILLE

Wachsendes Sendungsbewusstsein

In Evangelii Nuntiandi schrieb Papst Paul VI.: »Es gibt aber keine neue Menschheit, wenn es nicht zuerst neue Menschen gibt …« (EN 18) In diesem Geiste muss die Kirche in die Ausbildung der Jugend investieren und sie auf neuen Wegen begleiten, damit die erneuerte Ekklesiologie des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Föderation Asiatischer Bischofskonferenzen (FABC) Wurzeln schlägt und Laien und Apostolate wachsen – in diesem Fall das Jugend- und Laienapostolat und die Ausbildung dieser Menschen. Der Aufruf zur Mission ad gentes und die Herausforderungen vor Ort erfordern Antworten, die auch die Laientheologie beziehungsweise das Volk Gottes integrieren – für eine erneuerte Kirche in Asien und ihre Mission der Liebe und des Dienens.

Fondacio Asia wurde gegründet, um jungen Erwachsenen in der Region Ausbildungschancen zu geben und sie auf die Arbeit in der Ortskirche und in den Gemeinden vorzubereiten. Es fördert das Wachstum im Glauben und die Verankerung in Werten durch Erkennen der eigenen Berufung und Mission als einzigartige Menschen und Christen. Dazu werden den Auszubildenden die Kompetenzen vermittelt, die sie benötigen, um Projekte und Missionen in Kirche und Gesellschaft anzustoßen, indem sie ihr Potenzial für den Dienst am Gemeinwohl nutzen.

Die Gedanken der Absolventin Roselinah Francis aus der Diözese Keningau in Malaysia, die vor sieben Jahren eine einjährige Ausbildung am Institut absolvierte, bringen die Bedeutung dieser Ausbildung auf den Punkt: »Meine Ausbildung war mein Sprungbrett für meine Mission vor Ort. Meine Stärke zog ich aus dem Sendungsbewusstsein, das mir während meiner Ausbildung eingepflanzt wurde. Die Ausbildung hat mich zu meinem wahren Selbst reifen lassen: Das Sozialmodul, das ich belegte, gab mir Kraft für die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Ebenen der Gemeinschaft bei mir vor Ort. Das spirituelle Modul verhalf mir zu einer tieferen Verankerung in meinem christlichen Glauben und die theologischen Grundlagen, die ich erwarb, helfen mir vor allem, wenn ich mit Bischöfen, Priestern und Ordensgeistlichen zu tun habe. In Mission zu sein, bedeutet auch, dass wir nahe bei den Menschen sein müssen. Wir können nicht missionarisch tätig sein, ohne die Lebensrealität der Menschen zu kennen. Jeder Tag hält neue Herausforderungen bereit, vor allem, wenn es um junge Menschen geht. Wir wissen, dass sich ihre Welt rasant verändert. Das Pastoralmodul hilft mir bei meiner Mission, vor allem dank der erworbenen Instrumente und Führungskompetenzen. Ich gebe jetzt den jungen Menschen alle Instrumente und Kompetenzen weiter, die ich selbst in meiner Ausbildung erworben habe. Ich danke Gott für die Begegnung mit den Menschen von Fondacio.«

Diese persönliche Reise lässt sich in der Darstellung der »DNA« von Fondacio veranschaulichen, die in einer lebendigen Freundschaft mit Christus wurzelt und sich in drei Dimension entfaltet. Dabei ist es möglich, an jeder dieser Dimensionen anzusetzen: So kann eine Person zum Beispiel durch ein Schulungsprogramm berufen, erweckt und befähigt werden, sich auf einen Weg der Wandlung und des wahrhaftigen Seins (Being True) zu begeben. Sie/er nimmt am normalen Leben mit anderen teil und lernt, mit den anderen in all ihren Unterschieden zu leben. Sie/er lernt, sinnstiftende und authentische Beziehungen aufzubauen oder das Sein mit anderen (Being With) und durchläuft eine schrittweise Entwicklung zur Mission, zum Beziehen einer Position, zum Einsetzen ihrer/seiner Leidenschaft und Energie oder zum Dasein für andere (Being For). Auch die Mission ist prägend für die Person und die Gemeinschaft. Sie leistet einen Beitrag für den Aufbau von Gemeinschaft, wenn die Erfahrungen gesammelt und später reflektiert werden. Das persönliche Reflektieren, das Gebet und die Glaubensakte heilen und nähren die Person, schaffen Gemeinschaft und öffnen die Tür für die Mission. Es ist eine sich verstärkende Wachstumsspirale, die einen nicht nachlassenden Einsatz für einen kontinuierlichen Weg der persönlichen Transformation, Gemeinschaft und Mission erfordert.

Eine Geschichte von den Rändern

Die Geschichte des IFFAsia ist nicht die Geschichte einer etablierten Institution oder die Geschichte von Wissenschaftlern oder prominenten Führungspersönlichkeiten. Charles Bertille, Regionalkoordinator und erster Leiter des IFFAsia dazu: »Wir waren eine kleine Gruppe von Malaysiern und Filipinos, einfache Menschen, weder Akademiker noch Fachleute auf irgendeinem Gebiet, keine Priester oder Bischöfe, keine weisen Männer oder Frauen, sondern einfach nur Individuen und Christen, denen das, was sie sahen, Sorge bereitete – das Fehlen von Ausbildungseinrichtungen oder -programmen für einfache Gläubige in Asien (in der katholischen Kirche nennen wir sie ›Laien‹), die ihnen das Rüstzeug für die soziale oder pastorale Arbeit gibt, geschweige denn für Führungsaufgaben. Voller Sorge um Länder, die von jahrzehntelanger Gewalt gezeichnet sind, sei es Myanmar, Laos oder Vietnam. Wie steht es um ihre Jugend? Wer wird ihnen eine Ausbildung bieten? Oder die Gruppen, die buchstäblich auf der ›Müllhalde‹ oder ›unter der Brücke‹ leben – wer wird ihnen Orientierung geben?«

Es ist die Geschichte einer Laieninitiative, die um der Kirche und der Mission willen entstand. Sie begann 2006 als kleines Samenkorn und breitete sich dann aus in verschiedene Länder: Kambodscha, Myanmar, Laos, Malaysia, die Philippinen, Vietnam, China, Japan, Korea, die Mongolei, Pakistan, Thailand und vor kurzem Indonesien. Bisher wurden 181 Studenten und 25 Praktikanten unterrichtet – insgesamt also 206 junge Erwachsene – aus etwa 40 Diözesen und 14 asiatischen Ländern. Viele werden missionarische Jünger, die für ihre Berufung brennen.

Beurteilung und Zukunftsplanung

2013 startete Fondacio Asia eine Initiative zur Evaluierung des Einflusses ehemaliger IFFA-Absolventen vor Ort und zur Planung der zukünftigen Ausrichtung. Im Rahmen des Prozesses fanden Besuche und Gespräche mit ehemaligen Studenten, der lokalen Kirche und den entsendenden Organisationen in Vietnam, Myanmar, Laos und Malaysia statt. Nahezu alle der jungen Absolventen waren nach ihrem Ausbildungsjahr nach Hause zurückgekehrt und dienten ihren Gemeinden – die meisten für drei oder mehr Jahre, obwohl nur zwei vorgeschrieben waren. Allmählich traten jedoch beunruhigende Dinge zutage. Eine große Zahl derer, die sich abgewandt hatten, um für internationale nichtstaatliche Organisationen (INGOs) oder Unternehmen zu arbeiten, hatte dies getan, weil sie ihre Familien unterstützen mussten, weil es ihnen an pastoraler Unterstützung innerhalb der Kirche fehlte, weil sie die örtliche Kultur als Lebensweise annehmen oder in einem prekären Umfeld arbeiten mussten usw. Wie können wir sie dabei unterstützen, diese vielen Probleme zu überwinden, vor allem jene, die aufrichtig dienen wollten?

Martin, ein junger Vater, leitet das Ziegenzucht-Projekt »Green Pastures«. In seinem Dorf sind er und seine Frau die beiden einzigen Lehrer und Katechisten. Ihre Ausbildung erhielten sie bei Fondacio Asia.
FOTO: CHARLES BERTILLE

Lernkurven und Übergänge

Die Verpflichtung, neue Berufungen und neue Formen des Dienstes zu entwickeln, wie es die FABC wünscht, würde Folgendes erfordern: engere Begleitung von Jugendlichen und Laien, Schaffung von Plattformen, über die sie sich in den Missionen engagieren können, Kooperation mit den Ortskirchen, Vereinbarkeit von Ausbildung und Lebensunterhalt, Entwicklung der Gemeinschaft und vor allem Eröffnung eines Lebensweges für die Laien, die sich im Amt oder Dienst engagieren.

Einige der befragten Bischöfe hielten es für ausreichend, dass die Jugendlichen die Gelegenheit zur Ausbildung bekämen. Sie würden auch weiterhin gute Christen und Vorbilder in der Welt sein. Das ist zwar richtig, wirft aber die Frage nach der Relevanz der Ortskirche als Plattform für Dienst und Sendung in der Wahrnehmung der Jugendlichen auf – und dass man nicht nur bei INGOs oder im Unternehmensbereich etwas bewegen kann.

Es geht um mehr: Wie kann man jungen Menschen helfen, eine Berufung im Leben zu finden und diese gezielt zu leben, aber auch in ihrer Berufung als Laien zu wachsen und standzuhalten? Und wie ließe sich die Ortskirche in einen solchen Wandel einbinden?

Andere Fragen stellen sich ebenfalls – um die Ausbildung mit dem Erwerb von Lebensunterhalt und den pastoralen Fähigkeiten zu verbinden, müsste man den jungen Erwachsenen oder Studenten am IFFA die Möglichkeit bieten, sich während des Ausbildungsjahres zu spezialisieren, um parallel zu den grundlegenden Ausbildungsprogrammen, die wir in Ländern wie Myanmar oder den Philippinen durchgeführt haben, eine Erwerbsgrundlage zu schaffen. Dies wiederum könnte die potenziellen Studenten besser vorbereiten, wenn sie sich für eine Ausbildung am IFFAsia entscheiden.

Hinsichtlich der Vision bedeutete dies, zurück ans Reißbrett zu gehen und ein abgestuftes Programm von den Lebenskompetenzen und der Basisausbildung vor Ort bis zum Ausbildungsjahr am IFFAsia einschließlich der Spezialisierungskurse auszuarbeiten. Es bedeutete das Ausarbeiten eines Lehrplans der ergebnisorientierten Ausbildung, dessen Validierung durch eine Universität und das Definieren des ›idealen Absolventen‹ sowie die Umschulung der Teammitglieder. Neue Profile mussten ausgearbeitet werden, die den sich abzeichnenden Bedürfnissen der Mission entsprechen – nicht nur im Hinblick auf die Leitung der Andacht oder einer Glaubensgemeinschaft, sondern auch für Projektleiter, Ausbilder, Teamleiter und dergleichen.

Neue Missionsgrenzen

Angesichts der möglichen Antworten auf die vielen Herausforderungen – ob politischer, sozialer, wirtschaftlicher, pastoraler oder spiritueller Natur – musste Fondacio Asia durch das IFFAsia eine sozialpastorale Ausbildung anbieten, die der Situation und den Missionsbedürfnissen von heute Rechnung trägt und nicht den gestrigen Modellen verhaftet bleibt. Wir mussten uns entscheiden: Befassen wir uns mit den Jugendlichen an der Peripherie, den Schulabbrechern, den jungen Migranten usw. oder verorten wir uns weiterhin in der Mittelschicht? Damit ernteten wir Unverständnis und Kritik – ob es denn die Aufgabe einer christlichen Gemeinschaft sei, soziale Projekte durchzuführen? Und ob wir so nicht die Seele unseres Bildungswerks verlieren würden?

Zwei Ereignisse waren auf dem Weg der Entscheidungsfindung entscheidend: der Internationale Kongress der Fondacio im Mai 2013, auf dem beschlossen wurde, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen und eine neue Generation von Führungskräften auszubilden, und der Aufruf von Papst Franziskus, sich an die Grenzen der menschlichen Existenz zu begeben: Evangelisierung setzt apostolischen Eifer und kühne Redefreiheit voraus. Die Kirche ist aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen und an die Ränder zu gehen; nicht nur an die geografischen Ränder, sondern an die Grenzen der menschlichen Existenz: die des Mysteriums der Sünde, die des Schmerzes, die der Ungerechtigkeit, die der Ignoranz, die der fehlenden religiösen Praxis, die des Denkens, die jeglichen Elends.

Bis 2015 hatten sich die ersten Youth Livelihood and Development Centres (YLDC), geführt von jungen Absolventen, bis nach Manila ausgebreitet.Parallel dazu entstand das Bildungs- und Entwicklungsprojekt von »Green Pastures« in Myanmar, das Einkommen für Familien und Bildung für Kinder bietet. Und bis 2017 nahmen die »Soziales Unternehmertum «-Projekte langsam Gestalt an, die junge Menschen zu einem sinnstiftenden Engagement in Kirche und Gesellschaft anspornen. Konkret werden die folgenden Projekte umgesetzt: Herstellung von Brieftaschen aus traditionellen Stoffen, die von armen Dorfbewohnern in Myanmar gewebt werden, Recycling von Material für kunsthandwerkliche Arbeiten und Taschen in Payatas (Philippinen) und Urlaub für einen guten Zweck (Vacation for a Cause) auf den Philippinen.

Es gibt einen Fünfjahresplan, der Fondacio Asia und seiner Mission zur Orientierung dient. IFFAsia bietet ein zweisemestriges Live-in-Programm, das ein breites und einzigartiges Lernumfeld, einen vielfältigen interkulturellen Austausch und die Spezialisierung in vier Bereichen als Reaktion auf die sich verändernden Zeiten bietet. Am Ende des Programms müssen die Teilnehmer einen Entwicklungs-Aktionsplan ausarbeiten, der im Verlauf von zwei Jahren vor Ort umgesetzt wird und auf den lokalen Kontext zugeschnitten ist. Im Rahmen dessen wenden sie die im Laufe des Jahres erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten an und können sich gleichzeitig der Aufgabe widmen, der ihre Leidenschaft gilt.

Eine wachsende Bewegung

Die jungen Menschen, die das IFFAsia durchlaufen haben, zeigen eine wachsende Präsenz. Sie übernehmen Führungsaufgaben mit einem ausgeprägten Sinn für die Sendung, leiten Projekte, stoßen neue Projekte an und bauen Gemeinschaften auf. Sie genießen hohe Wertschätzung in der Zivilgesellschaft, vor allem im Bereich soziale Entwicklung und bei Nichtregierungsorganisationen.

IFFAsia-Absolventen werden im Verlauf ihres zweijährigen Praktikums mit verschiedenen Ämtern betraut, vorrangig im sozialpastoralen Bereich. 2016 ergab eine Umfrage unter Absolventen, dass 85 Prozent von ihnen ihren zweijährigen Dienst bei ihren Entsendeorganisationen absolvierten und 51 Prozent in verschiedenen Funktionen noch mindestens fünf weitere Jahre für sie arbeiteten.

Fondacio Asia wächst zu einem kleinen Netzwerk der Missionspräsenz vor Ort heran, das eine besondere Antenne für die Ränder der Gesellschaft hat. Vergleichbar ist das mit einer Schule der Berufungen, die den Ortskirchen Asiens etwas Einzigartiges bietet. Die Saat von Fondacio geht auf unserem Kontinent auf, und wir müssen uns weiterhin Gedanken machen über die Form und die Wurzeln, die sie in den einzelnen Ländern haben muss.

Ein Kooperationsmodell

Bei der Entwicklung des Programms des IFFAsia ging es darum, den Bedürfnissen der örtlichen Gemeinden und Kirchen Rechnung zu tragen. Der Lehrplan ist das Ergebnis der pastoralen Erfahrungen der Fondacio-Gemeinschaften in Malaysia, den Philippinen und Myanmar – in Rücksprache mit den Jugendreferaten der Diözesen in diesen Ländern sowie dem FABC Youth Desk und unter Rückgriff auf verschiedene FABC-Dokumente. Geprüft und bestätigt wurde er von Priestern und Bischöfen aus Asien. Es ist nie einfach, sich als Laie in der Sendung zu engagieren oder in einer institutionalisierten Kirche Bildungsangebote zu machen. Es ist viel Basisarbeit zu leisten, fortwährend Vertrauen aufzubauen; stets müssen neue Genehmigungen eingeholt und jedes Jahr aufs Neue die benötigten Mittel eingeworben werden. IFFAsia, YLDC und viele Ableger von Fondacio Asia arbeiten von angemieteten Räumlichkeiten aus.

All die viele Arbeit trug über die Jahre ihre Früchte: Absolventen engagieren sich vor Ort und bilden eine neue Generation junger Laienführer in den aufstrebenden asiatischen Kirchen. Ein Ortsbischof sieht die Bedeutung der Arbeit von Fondacio Asia in der Ermächtigung der Jugend: »Es ist wie eine Schule der Berufungen, die bei der Entdeckung des Lebenszwecks hilft. Für die Kirche ist das in dieser Form einzigartig.« Angesichts des Netzwerks junger Laienhelfer und derer, die sich in der Sendung engagieren, erklärte er: »Fondacio bringt junge Führungspersönlichkeiten für die Kirche hervor, denen sich damit eine alternative berufliche Laufbahn abseits der Wirtschaft bietet.«

Ein Erzbischof kommentierte den Beitrag der Absolventen und ihr langjähriges Engagement für die Gemeinden und Kirchen mit folgenden Worten: »Fondacio ist ein Segen für die Diözesen.« Dieser prägnante Satz wirkt nach – aus ihm klingt eine Bestätigung des Wirkens des Geistes und der pastoralen Orientierung, die Fondacio Asia bietet. Die Schilderung von Phon Sophal aus der Diözese Phnom Penh in Kambodscha vermittelt diesbezüglich ein eindrucksvolles Bild: »Ich bin verheiratet und habe zwei Töchter. Kennengelernt habe ich Fondacio durch Pater Bruno Cosme MEP. Er schickte mich 2007 zur Ausbildung ans IFFAsia im philippinischen Manila. Nach meiner Rückkehr am 30. Mai 2008 wurde ich Jugendkoordinator des Vikariats von Phnom Penh. 2011 erhielt ich die Stelle des Leiters der St. Justin School of Faith. Gegenwärtig leite ich das St.-Paul-Institut, eine katholische Privatuniversität in Kambodscha. Von den Menschen und Organisationen, die mich in den letzten zehn Jahren begleiteten, steht Fondacio an erster Stelle, was meine Entwicklung als Person angeht. Während der Zeit meiner Arbeit mit der Jugend empfand ich es als spannend und erfüllend, voller Selbstvertrauen meine Meinung zu sagen und meinen Glauben, meine Talente und meine Liebe weiterzugeben. Ich erinnere mich noch gut, dass ich bei meiner Arbeit auch vergeben konnte. Ich weiß, wie man mit verschiedenen Menschentypen umgeht, wie man Probleme löst, dass man bei der Arbeit oder Mission Geduld üben muss, wie man im Hinblick auf seine Verantwortung effektiv arbeitet, und vor allem, dass man stets ehrlich sein muss. Ich danke Fondacio Asia aus tiefstem Herzen, meinen Transformationsprozess eingeleitet und meinem Leben diese Richtung gegeben zu haben.«

Eigene Wurzeln erkennen

Wie heißt es bei Papst Franziskus in Evangelii Gaudium doch: »Wenn nämlich jemand diese Liebe angenommen hat, die ihm den Sinn des Lebens zurückgibt, wie kann er dann den Wunsch zurückhalten, sie den anderen mitzuteilen? « (EG 8) Die Jugendlichen sind der Liebe Gottes in der Tat auf tiefgehende und neue Weise begegnet. Diese Begegnung löste den Ruf Gottes in ihrem Leben aus, gab ihnen Sendungsbewusstsein und trieb sie als Funke des Wandels in die Welt.

Gemäß der Vision der Kirche muss Bildung im Dienste eines neuen Humanismus stehen, bei dem der Einzelne bereit ist, sich für das Gemeinwohl aller einzusetzen. Bildung heißt daher nicht, Menschen für die Verbrauchermärkte zu formen, sondern muss jedem Menschen helfen, seine eigenen, tief verwurzelten Werte und Berufungen zu erkennen und zu entwickeln, um ein wertvolles Mitglied der Gemeinschaft zu werden.

Die Arbeit des IFFAsia lässt sich in dieser Linie verorten. Humanisierung der Bildung bedeutet hier, den Menschen in den Mittelpunkt der Bildung zu stellen, innerhalb eines Rahmens von Beziehungen, die eine lebendige Gemeinschaft mit wechselseitigen Abhängigkeiten und Bindung an ein gemeinsames Schicksal entstehen lassen. Das ist brüderlicher Humanismus. Aus ihm folgt auch, die Familie (und die Traditionen der Gemeinschaft) als wichtiges Element bei der Vermittlung von Werten von einer Generation zur anderen anzuerkennen und zu fördern.

CHARLES BERTILLE
Vizepräsident von Fondacio Asia Aus dem Englischen übersetzt von Robert Bryce

Ausgabe 04/2018

Gruppenarbeit im Institut: Fondacio Asia legt großen Wert darauf, den Katecheten die Fähigkeit zu vermitteln, bei ihrer künftigen Arbeit in den Gemeinden eigenständig Lehrpläne zu entwickeln.
FOTO: CHARLES BERTILLE

ANMERKUNG
1 Die YLDCs sind jeweils auf die konkreten Umstände in den verschiedenen Ländern zugeschnitten. Der Lehrplan des Lebenskompetenzen-Programms ist je nach lokalem Kontext auf 3 bis 5 Monate ausgelegt und umfasst folgende Kompetenzen: Englisch, berufliche Entwicklung, Computer, Selbstorganisation, soziale Verantwortung, Projekt zur Einkommensbildung. Die Förderdauer beträgt 6 Monate bis 1 Jahr. Damit sollen junge Menschen in folgenden Bereichen unterstützt werden: Beschäftigungschancen, YLDCPraktika, Ausbildung zu Jugendleitern, Unternehmertum / Landwirtschaft, Aufbau von Jugendfördergemeinschaften. Bis dato gibt es YLDCs in den Philippinen, Myanmar, Laos und Malaysia.

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