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Theologen sprechen Fatwa gegen Terrorismus aus

Die Menschen in Afghanistan, wie dieser Mann, der auf die Stadt Faizabad blickt, wünschen sich Frieden. Die Fatwa gegen den Terrorismus, die führende Theologen des Landes ausgesprochen haben, ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg dorthin.
FOTO: KNA-BILD

Historischer Schritt wird von Attentat überschattet

Rund 2.000 muslimische Theologen haben bei einer Tagung in Kabul eine Fatwa gegen den Terrorismus ausgesprochen, den sie damit als illegal und als nicht vereinbar mit der muslimischen Religion bezeichnen. Gleichzeitig haben sie die Taliban zu Friedensverhandlungen eingeladen. Pater Giuseppe Moretti von den Barnabiten, der 25 Jahre als Missionar in Afghanistan tätig war, würdigt die Geste des theologischen Rates: »Es ist das erste Mal, dass eine Fatwa gegen Terrorismus und Bürgerkrieg ausgesprochen wird. Und es ist ein grundlegender Schritt in der Geschichte Afghanistans, denn er ebnet den Weg für den Frieden. Ich glaube, dass die Taliban über die Einladung nachdenken werden, weil sie von gebildeten religiösen Persönlichkeiten kommt, die in Afghanistan mehr Autorität besitzen als Politiker.« Kurz nach dem Erlass der Fatwa wurde ein Anschlag auf die Tagung der muslimischen Theologen verübt, der 14 Tote und etwa 20 Verletzte forderte. Der Islamische Staat bekannte sich zu dem Anschlag und nannte die Konferenz »ein Treffen klerikaler Tyrannen«. Pater Moretti erklärt: »Die Taliban hätten niemals einen derartigen Anschlag verübt und eine Versammlung von solcher religiöser Bedeutung angegriffen. Obwohl sie Extremisten sind, sind sie Muslime und handeln nach einem bestimmten ethischen Kodex, wie fragwürdig er auch sein mag. Der Islamische Staat hingegen steht nur für Extremismus und das Ziel der Destabilisierung. « Der Anschlag auf den Ulema- Rat sei sehr ernst. Es sei offensichtlich, dass diejenigen, die das Attentat verübt hätten, gegen das von diesen wichtigen religiösen Persönlichkeiten auf den Weg gebrachte Friedensprogramm seien. »Es ist, als würde jemand Bischöfe ermorden, weil sie für den Frieden eintreten «, sagt Moretti. Die afghanische Bevölkerung ist zu 99,7 Prozent muslimisch und der Islam ist Staatsreligion.

Ausgabe 5/2018

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