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Vatikan und Peking führen Gespräche

Kritiker befürchten Nachteile für die »Untergrundkirche«

Der Vatikan und China führen Gespräche, um den langjährigen Konflikt über die Ernennung von Bischöfen in China zu lösen. Peking hält dies für eine innere Angelegenheit des Landes. Die Streitfrage gehört zu den größten Hindernissen für eine Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Vatikan und China, die seit der kommunistischen Machtübernahme in Peking 1949 ruhen. Der chinesische Katholizismus besteht aus zwei Gruppierungen: Neben einer regimenahen und staatlich zugelassenen »patriotischen Vereinigung« gibt es die sogenannte Untergrundkirche in Gemeinschaft mit dem Papst. Die »patriotischen Christen« dürfen mit staatlicher Erlaubnis aktiv sein. Gegen die Mitglieder der »Untergrundkirche « kommt es dagegen immer wieder zu staatlichen Sanktionen. Priester und Bischöfe werden verhaftet oder verhört. Die »Untergrund-Katholiken« erhalten keine Erlaubnis zum Bau von Kirchen. Von den rund 100 chinesischen Bischöfen sind derzeit sieben »patriotische « nicht von Rom anerkannt. Umgekehrt amtieren 30 bis 40 Untergrundbischöfe ohne Genehmigung Pekings. Papst Franziskus zeigt sich dennoch optimistisch mit Blick auf eine mögliche Einigung. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte er, der Weg der Aussöhnung mit China bestehe aus drei Wegen: einem offiziellen Dialog, inoffiziellen Kontakten zwischen den normalen Bürgern und einem »kulturellen Dialog«. Teile der chinesischen Kirche befürchten, dass eine Einigung mit weitreichenden vatikanischen Zugeständnissen stärkeren Druck auf die Untergrundkirche zur Folge haben könnte. Das seit Februar geltende Religionsgesetz ermöglicht der Kommunistischen Partei mehr Kontrolle der Religionsgemeinschaften. Schärfster Kritiker der China-Strategie des Papstes ist Kardinal Joseph Zen. Der 86-jährige frühere Bischof von Hongkong beklagt, die Verhandlungsführung deute darauf hin, dass bestimmte Kreise im Vatikan einen »Ausverkauf« der Untergrundkirche vorbereiteten. Franziskus weist die Kritik zurück: »Dialog ist ein Risiko, doch ich bevorzuge eher das Risiko als jene Art von Niederlage, die entsteht, wenn man keinen Dialog führt.«

Ausgabe 5/2018

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