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AFRIKA

Auswanderung von Geistlichen gefährdet Ortskirchen

Afrikanische Diözesen verlieren Priester an Europa

Die Tendenz, dass Priester und Ordensleute, die zur Ausbildung nach Europa gehen, später nicht mehr in ihre afrikanische Heimat zurückkehren, nimmt zu. Pater Donald Zagore von der Gesellschaft der Afrikamissionen sieht darin »eine enorme Gefahr für die Kirche in Afrika, die sich aufgrund des Priestermangels und der zunehmenden Ausbreitung von nicht geeigneten Berufungen allmählich entleert«. Der Wunsch, nach Europa zu gehen, sei zu einer Art Ideologie geworden, der längst nicht mehr nur die Zivilgesellschaft folge, sondern zunehmend auch der Klerus. Grund dafür sei die Suche nach Wohlstand und Prestige. Viele Afrikaner, besonders in kirchlichen Kreisen, fühlten sich anderen überlegen, wenn sie in Europa leben, arbeiten oder dort studiert hätten. Manchmal werde eine Ernennung oder ein weiteres Studium in Europa als eine Art Erlösung betrachtet. »Es ist drama- tisch, wenn man bedenkt, dass das afrikanische Wesen sich erst zu verwirklichen scheint, wenn es europäisches Prestige genießt«, sagt Pater Zagore. Mehrere afrikanische (Erz-)Bischöfe sowie der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, der früher die Arbeitsgruppe »Priester aus Übersee« leitete, bestätigten den zunehmenden Exodus von Priestern und Ordensleuten aus Afrika. Zagore fordert dringend konkrete Maßnahmen, um die Auswanderung einzudämmen: etwa die sorgfältigere Prüfung von einzelnen Berufungen. Bischof Marcelin Kouadio von Daloa (Côte d’Ivoire) bringt es auf den Punkt: »Das Priesteramt und das Ordensleben sollten kein Sprungbrett sein, um aus Afrika wegzugehen, weil es arm ist.«

Ausgabe 6/2018

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