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MAROKKO

Migranten werden in die Enge getrieben und verfolgt

Erzbischof von Tanger kritisiert »Ideologie der Zurückweisung«

Der Erzbischof von Tanger, Santiago Agrelo (76), zeigt sich besorgt über die Situation der nach Europa strebenden Migranten in Marokko. »Hier hat sich die Lage deutlich verschlechtert«, sagte der spanische Franziskaner im Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur. »Früher konnten sich Migranten relativ ungestört bewegen – in Städten wie Tanger oder in den Wäldern rund um die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla«. Es habe ein »gewisses Maß an Schutz« gegeben. Inzwischen aber würden die Migranten in die Enge getrieben und verfolgt. Sie litten unter Hunger und Kälte. Auch habe es massive Festnahmewellen gegeben. »Die Menschen werden von der Straße weggefangen. Auch in den Wäldern sind sie nicht mehr sicher. Sogar in Häusern und Wohnungen, wo man ihnen Unterschlupf gewährt, finden Razzien statt.« Allein in seinem Erzbistum seien Tausende betroffen. Die Aufgegriffenen würden von der Küste in den Süden Marokkos gebracht. »Das passiert mit viel Gewalt. Offizielle Informationen dazu gibt es nicht – eine unhaltbare Situation«, so Agrelo. Den EU-Staaten wirft der Erzbischof politisches Versagen vor. Die Migranten seien für niemanden eine Bedrohung. »Sie einfach an der Grenze zurückzuweisen – das ist doch keine Migrationspolitik.« Leider breite sich derzeit »ein latenter Rassismus « in Europa aus. Das Ergebnis sei eine »Ideologie der Zurückweisung«. Die EU-Staaten hätten zwar das Recht, ihre Grenzen zu kontrollieren. »Aber das bedeutet nicht, dass sie ihre Grenzen dichtmachen dürfen, um die Armen auszusperren.«

Ausgabe 6/2018

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