NICARAGUA Bischöfe werden als »Terroristen« beschimpft corner

NICARAGUA

Bischöfe werden als »Terroristen« beschimpft

Studenten demonstrieren bei einer Barrikade in der Nähe von Leon während die Bischöfe von Nicaragua sich verzweifelt darum bemühen, am »Nationalen
Dialog« festzuhalten.
FOTO: KNA-BILD

Kardinal Brenes will »Nationalen Dialog« fortführen

Nicaraguas Kardinal Leopoldo Brenes will trotz Kritik der Regierung weiter in der politischen Krise des Landes vermitteln. Es gebe »keinen anderen Ausweg«, sagte Brenes, der auch Vorsitzender der Nicaraguanischen Bischofskonferenz ist, der italienischen Zeitung »Avvenire«. Der Dialog habe zwar nicht die erhofften Früchte gebracht, sei aber lebendig. Dass sich Präsident Daniel Ortega in Zweifel gezogen sehe, belege dies. Die aktuelle Krise in Nicaragua entzündete sich Mitte April an einer inzwischen zurückgenommenen Rentenreform. Anschließend richteten sich die Proteste gegen die Einschränkung der Presseund Meinungsfreiheit sowie gegen staatliche Gewalt. Um die Proteste einzudämmen, bat Ortega die Bischofskonferenz um Unterstützung beim »Nationalen Dialog«. Doch die Bischöfe kritisierten den Präsidenten auch, forderten ein Ende der Gewalt und vorgezogene Neuwahlen. Daraufhin bezeichnete Ortega die Bischöfe als »Putschisten« und »Terroristen«. An mehreren Orten des Landes wurden Kirchen angegriffen, Hostien entweiht, Gottesdienste gestört und Geistliche bedroht. Zwei Jugendliche wurden von Paramilitärs getötet, während sie nach der Schändung einer Kirche Reparaturarbeiten leisteten. Seit Beginn der Proteste kamen etwa 300 Menschen ums Leben, Tausende wurden verletzt. Menschenrechtsorganisationen und die katholische Kirche werfen der Regierung schwere Menschenrechtsverstöße vor. Kardinal Brenes verteidigt das Handeln der Kirche: »Die Priester leisten humanitäre und keine politische Hilfe.« Nach einem Wort von Papst Franziskus dienten die Pfarreien in Nicaragua wortwörtlich als »Feldlazarette«. Versorgt werde dort »jeder Verletzte, ob Polizist oder Demonstrant«. Als »traurig und bedauerlich« bezeichnete Brenes die Ausweisung einer Delegation des UNHCR durch die Regierung. Sie war seit Ende Juni im Land und sollte zu einer friedlichen Lösung der Krise beitragen.

Ausgabe 6/2018

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