Entwicklung, Religion und Werte zusammen denken Die internationale Politik entdeckt die Religion corner

Entwicklung, Religion und Werte zusammen denken

Die internationale Politik entdeckt die Religion

von KLAUS VELLGUTH

Das Auswärtige Amt lädt seit drei Jahren Vertreter der Weltreligionen nach Berlin ein, um mit ihnen über die Rolle der Religionen für Versöhnung und Friedensprozesse weltweit zu sprechen. Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit veröffentlichte jüngst ein Buch, in dem er auf die Bedeutung der Religion für wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit eingeht. Erstmals wurde im vergangenen Jahr ein Beauftragter der Bundesregierung für Fragen der Religionsfreiheit weltweit ernannt. Die deutsche Politik entdeckt die Relevanz der Religionen für die globale Entwicklung.

Mit Blick auf die zunehmende Bedeutung des »Faktors Religion« für die globale Entwicklung ist der Studiengang »Theologie und Globale Entwicklung « konzipiert, der vom Institut für Katholische Theologie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen angeboten wird. Theologisch knüpft der Studiengang an der kurzen, im lateinischen Original nur 15 Sätze umfassenden Erklärung Nostra aetate des Zweiten Vatikanischen Konzils an. In diesem Dokument bekannten sich die Konzilsväter ebenso wie in der Kirchenkonstitution Lumen gentium – zu der Entgrenzung des Heilswillens Gottes sowie der Heilsrelevanz Jesu Christi über den Raum der Kirche hinaus. Dieses erweiterte Offenbarungsverständnis ermöglicht ein Verständnis dafür, dass das Reich Gottes größer gedacht werden kann als die Kirche, und impliziert eine Neubewertung der Weltreligionen, der Volks- und Stammesreligionen sowie auch der Volksreligiosität. Es ist der Keimboden, auf dem ein Bewusstsein dafür entstehen konnte, dass das göttliche Heil sich nicht erst nach oder gar durch eine erfolgte Mission der Kirche in einer Kultur manifestiert, sondern dass das göttliche Heil weit über die Grenzen der Kirche hinaus der Welt geschenkt ist – was mit Blick auf den Universalismus des göttlichen Heilsplans auf die Kurzformel »Gott kommt früher als der Missionar« gebracht werden kann.

Konkretion von Veritatis gaudium

Doch dem Masterstudiengang »Theologie und Globale Entwicklung « geht es nicht nur um eine Begegnung und kritische Auseinandersetzung mit den Weltreligionen, die in den Dialog gebracht werden. Mit Blick auf eine zukunftsfähige globale Entwicklung ist es zunehmend wichtig, den Faktor »Religion« auch im Kontext globaler Entwicklungsstrategien zu sehen. Und so realisieren sich im Studiengang »Theologie und Globale Entwicklung« Kerngedanken der von Papst Franziskus im vergangenen Jahr veröffentlichten Konstitution Veritatis gaudium über die kirchlichen Universitäten und Fakultäten. Die »Universitätskonstitution « geht bereits in ihrer Präambel auf die Bedeutung der Sozialenzyklika Populorum progessio sowie weiterer kirchlicher Dokumente bei der Neustrukturierung kirchlicher Studien ein. Explizit erwähnt werden Laborem exercens, Sollecitudo rei socialis, Centesiums annus und Caritas in veritate. Darüber hinaus zitiert Franziskus aus der Enzyklika von Benedikt XVI., in der dieser auf die Notwendigkeit hinweist, »die Globalisierung der Menschheit im Sinn von Beziehung, Gemeinschaft und Teilhabe zu leben und auszurichten « und dabei im Sinn einer transversalen, die Disziplinen verbindenden Wissenschaft »die verschiedenen Ebenen des menschlichen Wissens – die theologische und die philosophische sowie die soziale und die wissenschaftliche Ebene – interagieren zu lassen«. Ziel sei, so Veritatis gaudium, Impulse zu geben, um »das Modell globaler Entwicklung in eine andere Richtung zu lenken und den Fortschritt neu zu definieren«.

Umdenken Europas

In dieser Perspektive ist der Studiengang »Theologie und Globale Entwicklung« konzipiert worden. Es wird immer deutlicher, dass der »Faktor Religion« nicht ausgeblendet werden kann und darf, wenn im Zeitalter der Globalisierung über Fragen einer nachhaltigen Entwicklung nachgedacht wird. Auch wenn es in Deutschland mitunter so scheint, als würde sich die Religion zu Beginn des 21. Jahrhunderts aus dem öffentlichen Raum »verabschieden«, so wuchs in den vergangenen Jahren eine neue Sensibilität für das Phänomen beziehungsweise den »Faktor Religion«. Zunächst waren es Soziologen wie Hans Joas, Paul Nolte oder der an der Georgetown-University in Washington lehrende José Casanova, die mit Blick auf die gesellschaftlichen Diskurse in Deutschland auf eine unangemessene »Religionsblindheit« hinwiesen und »ein Umdenken Europas in seinem Verhältnis zu Religion im öffentlichen Raum« forderten. Begründet wurde dies unter anderem mit der Tatsache, dass Europa sich im Zeitalter der Migration öffnen und die Relevanz des »Faktors Religion« im öffentlichen Raum in einer chancenorientierten Perspektive neu wahrnehmen müsse. Schließlich fördere der Dialog zwischen Religion und Gesellschaft produktive Diskurse – unter anderem nach dem Sinn des Lebens und einer damit konsistenten Ausrichtung der Gesellschaft, aber auch nach einer von Respekt und gegenseitigem Interesse geprägten friedlichen interreligiösen Konvivenz.

Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, hat ein Buch veröffentlicht, in dem er auf die Bedeutung der Religion für wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit eingeht.
FOTO: FRANK SCHMIDT-ARNDT, MURMANN VERLAG

Friedensverantwortung der Religionen

Dass bei der Entwicklung einer religiös sensiblen und religiös toleranten Zivilgesellschaft den großen Religionen eine besondere Bedeutung, vielleicht sogar Verantwortung zukommt, wird auch von Politikern in Deutschland zuletzt verstärkt wahrgenommen. Es scheint, als gäbe es auch auf der Agenda der politischen Debatten eine »Wiederkehr der Religionen«. Im Mai 2017 lud der damalige Außenminister Sigmar Gabriel rund 100 Vertreter von Religionsgemeinschaften aus Nord- und Westafrika, dem Nahen und Mittleren Osten sowie Europa nach Berlin ein, um mit ihnen über das Friedenspotential der Religionen zu diskutieren. »Religion hat großen, weltweit steigenden Einfluss auf Gesellschaft und Politik. Dies kann ich nach wenigen Monaten als Außenminister auch aus den Erfahrungen meiner Gespräche und Reisen bestätigen«, betonte Gabriel. Problematisierend fügte er hinzu: »Fest steht aber auch: Religion polarisiert und wird verantwortlich gemacht für Rückschrittlichkeit und Fanatismus, für Gewalt und sogar für Terror […].« Gabriel wandte sich zugleich aber auch dagegen, die Religion simplifizierend zur Ursache von Gewalt und Krieg zu machen: »Wer allerdings nur das Stereotyp pflegt, dass Religion stets konfliktverschärfend wirkt, begeht aus meiner Sicht einen großen Fehler.« Der frühere deutsche Außenminister betonte mit Blick auf die von ihm initiierte Konferenz, dass es ihm wichtig sei, das Friedenspotential der Religionen zu nutzen und auf die Verantwortung der Religionen für den Frieden in den Gesellschaften zu schauen. Im vergangenen Juni knüpfte Bundesaußenminister Heiko Maas an die Initiative seines Vorgängers an und lud zu einem zweiten Symposium zur Friedensverantwortung der Religionen ins Auswärtige Amt nach Berlin ein.

Doch nicht nur die deutschen Außenminister wiesen zuletzt auf die Bedeutung der Religion für die Bewahrung des Friedens hin. Auch Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, betonte wiederholt die Bedeutung der Religion(en) für die Bewahrung des Friedens: »Gegen Terror im Namen Gottes hilft kein ›Kampf der Kulturen‹, sondern gegenseitiger Respekt und Toleranz. Religiöser Extremismus kann letztlich nur von den Religionsgemeinschaften selbst überwunden werden.«

Tatsächlich ist – dies zeigt ein Blick in die vielen Regionen der Welt – das friedliche Zusammenleben sowie die friedliche Koexistenz verschiedener Religionsgemeinschaften, an die wir uns in Deutschland lange Zeit gewöhnt hatten, eher die Ausnahme als die Regel. Nicht erst die mediale Berichterstattung über den islamistischen Terror, sondern auch die Erfahrung kirchlicher Projektpartner in Afrika und Asien zeigen: Eine friedliche religiöse Koexistenz ist nicht selbstverständlich. Vor allem ist sie nicht »zum Nulltarif« zu haben. Friedliche religiöse Koexistenz geht einher mit der Pflege interkultureller Kompetenz, der Entwicklung einer eigenen religiösen Identität sowie der Bereitschaft und Fähigkeit zum interreligiösen Dialog.

Auf Einladung des Auswärtigen Amtes sprechen bei der Konferenz »Friedensverantwortung der Religionen« in Berlin die Teilnehmer über die Rolle der Religionen für Versöhnung.
FOTO: CHRISTOPH STRACK / DW

Perspektiven einer gerechten Globalisierung

Gerade der für die Entwicklungszusammenarbeit zuständige Bundesminister Müller setzt bei seinem Engagement für eine gerechtere Welt auf die Bedeutung der Religionen. So schreibt er in seinem im Jahr 2017 veröffentlichten Buch »UNFAIR! Für eine gerechte Globalisierung«: »Die Vision einer friedlichen Entwicklung in der Welt benötigt ein Fundament universeller Werte. Wir finden es in den Weltreligionen, dem Weltethos und den Menschenrechten. Zusammen bilden sie Werte, auf die sich religiöse wie nicht religiöse Menschen verpflichten können. Das in Teilen säkularisierte Europa sollte nicht von sich auf andere schließen: Die überwiegende Mehrheit der Menschen auf diesem Planeten ist durchaus religiös. Spiritualität ist weltweit tief im Denken wie im Handeln vieler Menschen verankert. Die Weltreligionen sind deshalb in der Entwicklungszusammenarbeit von großer Bedeutung. Der Glaube gibt Menschen Orientierung – nicht nur für ihr eigenes Leben; er hilft auch, andere Kulturen zu verstehen.«

Es wäre tatsächlich ein Fehlschluss, von einem scheinbaren Bedeutungsverlust der Religionen in westeuropäischen Gesellschaften auf einen globalen Relevanzverlust zu schließen oder anzunehmen, dass den Religionen eine abnehmende beziehungsweise untergeordnete Rolle für regionale beziehungsweise globale Entwicklungen zukommt. Weltweit nimmt die Bedeutung der Religionen zu. Das gilt übrigens auch für das Christentum. Während man hierzulande mitunter den Eindruck gewinnt, dass das Christentum allmählich ausstirbt, zeigt der Blick in die Weltkirche, dass sich nicht das Christentum an sich, sondern primär das europäische Christentum in einigen seiner traditionellen europäischen Länder, auch in Deutschland, mit leerer werdenden Kirchen konfrontiert sieht. In anderen Regionen der Welt sieht es ganz anders aus. In Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien lässt sich ein Wachstum des Christentums beobachten. Die am stärksten wachsenden christlichen Kirchen sind weltweit die pentekostalen Kirchen. Doch selbst mit Blick auf den Katholizismus lässt sich nicht nur ein absolutes Wachstum, sondern auch ein relatives Wachstum feststellen. Die zuletzt im Oktober 2017 von der katholischen Nachrichtenagentur Fides veröffentlichten Zahlen, die sich auf statistisches Material aus dem Jahr 2015 beziehen, belegen, dass der Trend zum weltweiten Wachstum des Katholizismus bis heute anhält. Die Zahl der Katholiken (derzeit 1,3 Milliarden Gläubige beziehungsweise 17,7 Prozent der Weltbevölkerung) nimmt weltweit weiterhin zu. Allein von 2014 bis 2015 ist die Zahl der Katholiken weltweit um zwölf Millionen gestiegen. Gegenwärtig leben in Afrika 222 Millionen Katholiken (19,42 Prozent). In Amerika bekennen sich 625 Millionen Menschen zum Katholizismus (63,6 Prozent). In Asien leben 141 Millionen Katholiken (3,24 Prozent), in Europa 285 Millionen Katholiken (39,87 Prozent). 10,2 Millionen Menschen (26,36 Prozent) bekennen sich in Ozeanien zum Katholizismus.

In vielen Städten weltweit, wie hier in Shanayna, Ägyten, stehen Kirchen und Moscheen in unmittelbarer Nachbarschaft.
FOTO: FRITZ STARK

Mehrheit der Weltbevölkerung ist religiös

Nicht nur diese Zahlen belegen, worauf Bundesminister Müller zuletzt verwies: »Die überwiegende Mehrheit der Menschen auf diesem Planeten ist durchaus religiös. Spiritualität ist weltweit tief im Denken wie im Handeln vieler Menschen verankert.« Deshalb ist es für Müller von entscheidender Bedeutung, dass die Weltreligionen in der Entwicklungszusammenarbeit in ihrer Relevanz beachtet und als wichtige Faktoren einer globalen Entwicklung berücksichtigt werden. Angesichts der hohen Relevanz, die dem »Faktor Religion« in weiten Bereichen der Welt zukommt, beeinflussen die Weltreligionen aber nicht nur die Entwicklung in Afrika, Asien oder Lateinamerika. Auch für künftige gesellschaftliche Prozesse in Westeuropa beziehungs- weise in Deutschland werden die Weltreligionen angesichts der schon existierenden und der noch bevorstehenden Migrationsbewegungen künftig an Bedeutung gewinnen. Dabei wäre aber sicherlich zu berücksichtigen, worauf der Kölner Theologe Hans- Joachim Höhn zu Recht verweist, dass nämlich in »Gesellschaften mit hohen Migrantenanteilen […] Religion ohnehin nur noch im Plural« existieren wird.

Von der zunehmenden Bedeutung, die der Religion für die globale Entwicklung zugebilligt wird, zeugt auch das bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eingerichtete Sektorvorhaben »Werte, Religion und Entwicklung«, das initiiert worden ist, um das Thema Religion systematischer in die Entwicklungspolitik zu integrieren. Die Kompetenzen im Umgang mit dem Thema Religionen sollen erhöht und die Potentiale von Religion für eine erhöhte Wirksamkeit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit erkannt und einbezogen werden. So schreibt Bundesminister Müller über den Zusammenhang von Religion und Entwicklung: »Eine wertebasierte Entwicklungspolitik, die den einzelnen Menschen ernst nimmt, muss auch einen Blick auf die Welt ernst nehmen. […] Religion ist also eine zentrale Werteressource und besitzt dadurch gesellschaftliche Gestaltungskraft, die bisher in der internationalen Zusammenarbeit zu wenig berücksichtigt wird. Dabei ist klar: Langfristig können eine nachhaltige Entwicklung und ein friedliches Zusammenleben nur gelingen, wenn die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Kräfte im Guten zusammenwirken.

Hierzu gehören die Religionen der Welt.« Aufgrund seiner Erfahrung mit der Rolle von Religion in der globalen Entwicklungszusammenarbeit betont Müller, dass die Vertreter der Weltreligionen sich selbst als Akteure der globalen Entwicklung betrachten. »Die Religions- und Konfessionsfamilien haben intensive Kontakte über Landesgrenzen hinweg. Sie helfen sich nicht nur finanziell, sondern bilden auch eine Lern- und Lehrgemeinschaft. Durch die weltweiten Verflechtungen können sich Gesellschaften entwickeln, die dem Zivilen mehr Verantwortung übertragen und der Freiheit mehr Raum geben.« Dabei betont Müller vor allem auch das diakonische beziehungsweise soziale Engagement der Religionen bei der Bekämpfung der Armut: »Es sind die Religionsgemeinschaften, die sich den Armen und den Marginalisierten in besonderer Weise zuwenden. In vielen Religionen ist die Hinwendung zu den Armen fest in Theologie und Glaubenspraxis verankert. Im Islam ist es eine von fünf zentralen Pflichten (›Säulen‹) des Gläubigen. Im Christentum ist die ›Option für die Armen‹ Teil der Soziallehre. Dabei geht es um mehr als das bloße Verteilen von Almosen. Es geht darum, die Welt durch die Brille der Entrechteten zu betrachten. Die Perspektive und die Stimme der Armen ernst zu nehmen. Die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes verläuft anders, wenn sie sich an der ›Option für die Armen‹ orientiert statt an maßlosem Gewinnstreben. «

Sind Religionen Ursache von Gewalt und Krieg oder Friedensstifter? Ein Soldat der philippinischen Armee in der zerstörten katholischen Kathedrale von Marawi auf der philippinischen Insel Mindanao.
FOTO: FRITZ STARK

Interreligiöser Dialog und Wertedialog

Angesichts der Tatsache, dass die Bedeutung der Weltreligionen zunimmt und für das Jahr 2020 von der renommierten Pew-Foundation ein Anstieg der Menschen mit religiöser Identität auf 90 Prozent prognostiziert worden ist, stellt sich für die deutsche Politik sowohl mit Blick auf den Beitrag der Religionen zu einer nachhaltigen Entwicklung als auch zur Förderung des Friedens die Frage, welchen konkreten Beitrag die Religionen leisten können. Im Rahmen der Strategie »Religionen als Partner in der Entwicklungszusammenarbeit « setzt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung verstärkt auf diejenigen Akteure, die sich innerhalb ihrer Religionen für Frieden und Toleranz einsetzen. So fördert das Bundesministerium gezielt inter- und intrareligiöse Dialoge und setzt an den zahlreichen Initiativen an, die es bereits in den verschiedenen Religionen gibt. Dabei verweist Müller auf den Zusammenhang von interreligiösem Dialog und Wertedialog: »Die Diskussion um die Rolle von Religion in der Entwicklungszusammenarbeit macht eines ganz deutlich: Entwicklungszusammenarbeit ist mehr als Technologietransfer, Aufbau von technischen Kapazitäten oder die Finanzierung von Infrastrukturprojekten. Viele der globalen Herausforderungen sind nicht beziehungsweise nicht ausschließlich technischer oder struktureller Natur. Sie haben etwas mit den dahinterliegenden Wertevorstellungen oder Wertekonflikten zu tun«, betont Müller mit Blick auf die Bedeutung von Religion und Werten für die Entwicklungszusammenarbeit.

Dieser Wertediskurs, der von der Politik gegenwärtig neu entdeckt wird, ist auch Thema des Studiengangs »Theologie und Globale Entwicklung«. Er sensibilisiert unter anderem für die Bedeutung der Religion bei Entwicklungsprozessen, diskutiert die Relevanz der Religionen für Friedensprozesse und Versöhnung weltweit, thematisiert die Positionen der Weltreligionen zu zentralen entwicklungspolitischen Herausforderungen und vermittelt die Kompetenz, Fragen von Religion und Entwicklung theologisch zu reflektieren und transversal miteinander zu verbinden. Mit ihrer jahrzehntelangen Kompetenz und ihren weltweiten partnerschaftlichen Kontakten tragen die Hilfswerke missio und Misereor dazu bei, dass die wissenschaftliche Reflektion und Lehre von multikontextuellen globalen Realitäten ausgeht und dass der Studiengang sich dabei einer Option für die »Perspektiven des Südens« verpflichtet weiß.

KLAUS VELLGUTH
Dr. mult., Professor für Missionswissenschaft an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar und Leiter der Abteilung »Theologische Grundlagen« sowie der Stabsstelle »Marketing« bei missio Aachen

Ausgabe 1/2019

Gratis-Ausgaben

Ich möchte Forum Weltkirche mit 2 Gratis-Ausgaben kennen lernen.

/ Bestellen bei HerderShop24