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Buchtipp

Kein Ende der Gewalt?

»Kein Ende der Gewalt?« Schon im Titel seiner Friedensethik stellt Eberhard Schockenhoff die Frage, die sich angesichts wiederkehrender Nachrichten über Krieg und Gewalt beinahe täglich stellt. Und die erschreckend vertrauten und doch immer neuen Bilder von Gewalt scheinen gleichzeitig nur eine Antwort auf die Frage zuzulassen. Die Enttäuschung und die Resignation, die aus dieser Antwort sprechen, sind aus europäischer Perspektive besonders groß, da dieser Kontinent heute auf eine mehr als 70 Jahre dauernde Zeit des Friedens zurückblicken kann. Diese Feststellung wirft zugleich Fragen auf, die Perspektiven des vorliegenden Buchs anreißen. Welchen Stellenwert hat die europäische oder nordatlantische Perspektive für eine Friedensethik in einer globalisierten Welt? Kann man mit Blick auf die jüngere Geschichte wirklich von Frieden sprechen oder muss sie – Stichwort »Kalter Krieg« – nicht nüchterner als Epoche der Abwesenheit von Krieg charakterisiert werden? Sowohl in räumlicher als auch in zeitlicher Hinsicht greift Eberhard Schockenhoff in seinem voluminösen Werk weit aus. Der Freiburger Moraltheologe formuliert seinen friedensethischen Entwurf mit Blick auf die globalisierte Welt der Gegenwart und auf die lange Geschichte von Krieg und Frieden.

Im ersten von insgesamt vier Teilen bietet das Buch einen Überblick über »Kriegserfahrungen und Friedenshoffnungen von der Antike bis zur Gegenwart «. Im zweiten Teil werden wichtige Stationen des Nachdenkens über den gerechten Krieg und die Friedensethik aus theologischer und völkerrechtlicher Perspektive wiedergegeben. Dem biblischen Blick auf das Thema Frieden ist der dritte Teil des Buches gewidmet. Im vierten Teil entfaltet Schockenhoff schließlich systematisch friedensethische Positionen gemäß folgender Maxime: »Ziel einer ethischen Theoriebildung, die konkrete Orientierung für gesellschaftliches und politisches Friedenshandeln geben soll, muss sein, die messianisch- biblische Friedenshoffnung, die auf eine endgültige Aufhebung von Not, Elend und Ungerechtigkeit setzt, als Ermunterung zu vorläufigen, oft ungenügenden, doch jetzt schon möglichen Schritten auszubuchstabieren. « (S. 515)

Darin, dass der Autor historisch informiert einen Weg zwischen biblisch inspiriertem Erwartungsüberschuss und einem bloß resignierenden Realismus aufzeigt, liegt die Stärke des Buches. Hervorzuheben ist darüber hinaus, dass Schockenhoff neben grundsätzlichen Fragestellungen sehr aktuelle Themen wie »humanitäre Interventionen« oder die Weiterverbreitung von Atomwaffen behandelt. Die »Friedensethik für eine globalisierte Welt« bietet eine allgemein verständliche, wenn auch nicht immer leicht lesbare Sammlung fundierter Einsichten und Argumentationen und präsentiert sich so gleichsam als ein hilfreicher und anregender Gesprächspartner, um die eigene Position zu Fragen von Krieg und Frieden zu entwickeln oder zu schärfen.

Eberhard Schockenhoff, Kein Ende der Gewalt? Friedensethik für eine globalisierte Welt, Verlag Herder: Freiburg i. Br. u. a. 2018. ISBN 978-3-451-84812-4

Stefan Voges, promovierter Theologe und freiberuflicher Autor

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