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Ausgabe September/Oktober 2011

Norbert Kößmeier

LIEBE LESERINNEN! LIEBE LESER!

»Die Zeit nach dem Krieg ist die Zeit vor dem Krieg: Dieses böse Wort spricht eine Erfahrung aus, die sich immer wieder bestätigt und doch nur selten bedacht und beachtet wird. Ein Krieg beginnt nie erst, wenn geschossen wird; er endet nicht, wenn die Waffen schweigen. Wie er längst vor dem ersten Schuss in den Köpfen undHerzen von Menschen begonnen hat, so braucht es lange Zeit, bis der Friede in den Köpfen und Herzen einkehrt. Wer das ignoriert, bereitet dem nächsten Krieg den Weg.« (DBK, Gerechter Friede, 108). Mit diesen Worten beschrieben im Jahr 2000 die deutschen Bischöfe Situationen, die heute mehr denn je zu unserer Wirklichkeit gehören. In vielen Konfliktgebieten dieser Welt mögen zwar die Waffen schweigen, ein gerechter und tragfähiger Frieden scheint jedoch weit entfernt, wenn nicht gar unerreichbar. Sri Lanka ist ein deutliches Beispiel für diese Situation. Die Regierung feiert den Sieg über die Rebellen der Tamil Tigers im Jahr 2009 und verhindert zugleich einen so notwendigen Versöhnungsprozess im Land. Den unterlegenen Tamilen wird die Trauer um ihre Toten versagt, ihnen werden religiöse Symbole der Sieger wie auch deren Sprache aufgezwungen, Meinungs- und Versammlungsfreiheit stehen den Tamilen nicht zu und eine Aufarbeitung der Vergangenheit, insbesondere eine internationale, unabhängige Untersuchung über Kriegsverbrechen wird von der Regierung verhindert. Experten warnen inzwischen vor einem erneuten Bürgerkrieg. Der Traum vom Frieden verschwindet hinter der sich ausbreitenden Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. »Die besondere Berufung der Christen als Glieder einer weltweiten Gemeinschaft besteht darin, einen Raum für Versöhnung und Entwicklung zu schaffen, so dass Menschen in unterschiedlichen Konfliktlagen ihr Leben selbst in die Hand nehmen können«, so formulierten es die deutschen Bischöfe, (Gerechter Friede, 177). Internationale Solidarität und Anwaltschaft sind notwendig, um den Menschen im Norden Sri Lankas genau dies zu ermöglichen.

Norbert Kößmeier

  • 539 Millionen Euro für die Hilfe zur Selbsthilfe

    »Jahresbericht Weltkirche« erstmals veröffentlicht

    Erstmals haben die zahlreichen Akteure der katholischen Entwicklungsarbeit am 01. August einen gemeinsamen Jahresbericht vorgelegt: den »Jahresbericht Weltkirche 2010«: / weiter lesen

  • Missbrauchsskandal erschüttert erneut das Land

    Erzbischof von Dublin zeigt sich beschämt über die eigene Kirche

    Der am 13. Juli veröffentlichte so genannte »Cloyne-Report« – ein Bericht, der die Verfahrensweisen der Diözese Cloyne hinsichtlich der Hinweise und Anschuldigungen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch Priester der Diözese untersuchte – hatzu heftigen Angriffen der Regierung auf den Vatikan geführt. / weiter lesen

  • Keine Anerkennung für neue Journalistenvereinigung

    Laienrat und Medienrat planen Gründung einer eigenen Journalistenvereinigung

    .Wie Radio Vatikan am 19. Juli mitteilte, erkennt der Vatikan die neu gegründete Internationale Organisation der Katholiken in den Medien (ICOM) nicht an. / weiter lesen

  • Bürgerkrieg könnte erneut beginnen

    Familie des Präsidenten hält alle Macht in Händen

    Die in Brüssel ansässige »International Crisis Group«, eine unabhängige Nichtregierungsorganisation zur Verhinderung von bewaffneten Konflikten, hat in ihrem am 18. Juli veröffentlichten Bericht über die Situation in Sri Lanka vor einem erneuten Ausbrechen der Gewaltin Sri Lanka gewarnt. / weiter lesen

  • Diplomatische Beziehungen mit dem Vatikan begründet

    Vatikan anerkennt Bemühungen der Regierung für den Dialog

    Malaysia und der Vatikan haben beschlossen, formale diplomatische Beziehungen zu errichten. / weiter lesen

  • Friedenspreis für Oekumenischen Dienst Schalomdiakonat (OeD)

    »Wegbereiter der Qualifizierung von Friedensfachkräften«

    Mit dem Lothar-Kreyssig-Friedenspreis wird in diesem Jahr der Oekumenische Dienst Schalomdiakonat (OeD) geehrt. Der Verein bildet Menschen dazu aus, Konflikte friedlich sowie konstruktiv zu bearbeiten und begleitet sie dabei. / weiter lesen

  • VON HANNES STEGEMANN / STEPHAN GÜNTHER

    Wer Hass sät, erntet Gewalt

    Die Elfenbeinküste nach dem Machtwechsel

    Die Republik Côte d’Ivoire, die frühere Elfenbeinküste, war lange derwirtschaftlich stärkste Staat der westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion. Doch die Wirtschaft liegt heute am Boden, ausländischeInvestoren meiden das Land, große Teile der Bevölkerung leben unter ärmsten Bedingungen: / weiter lesen

  • von MARTIN OTT

    Kein Krieg und kein Frieden

    Der vergessene Konflikt in der Casamance / Senegal

    Seit fast 30 Jahren herrscht in der Casamance, dem südlichen Teil Senegals zwischen Gambia und Guinea-Bissau, ein blutiger Konflikt, der circa 5.000 Tote und unzählige Verletzte gekostet und mehr als 100.000 Menschen zu Flüchtlingen gemacht hat. Fast 800 Menschen sind durch Landminen verletzt, verstümmelt oder getötet worden. / weiter lesen

  • von M. K. RUKSHAN "RUKI" FERNANDO

    Der (hoffnungslose) Traum von Frieden und Versöhnung

    Sri Lanka zwei Jahre und drei Wahlen nach dem Krieg

    Die Nord-Provinz Sri Lankas ist die am schlimmsten vom drei Jahrzehnte andauernden Krieg betroffene Provinz. Der nördlichste Punkt dieser Provinz ist der Distrikt Jaffna, häufig als kulturelle und politische Hauptstadt der Tamilen bezeichnet. / weiter lesen