September/Oktober 2012 KONFLIKTREGION OST-KONGO corner

Ausgabe September/Oktober 2012

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Der Horror scheint im Osten der DR Kongo für die Menschen kein Ende nehmen zu wollen. Erneut ist der Krisenherd auf die Titelseiten internationaler Medien zurückgekehrt, nachdem eine neue Rebellenorganisation mit Namen »M23« (Bewegung des 23. März) unter Führung des vom internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Massenvergewaltigungen und des Einsatzes von Kindersoldaten gesuchten Milizenführers Bosco Ntaganda erneut eine unvorstellbare Gewalt verübt und hunderttausende von Menschen in die Flucht getrieben hat. Erstmals jedoch hat ein UN-Expertenbericht offiziell die Unterstützung der Regierung Ruandas für die Rebellen im Osten des Kongo bestätigt. Westliche Regierungen zeigen sich nun schockiert von den Ergebnissen der UN-Expertenkommission. Und doch ist die Intervention Ruandas im Osten der DR Kongo nichts Neues. Der katholische Erzbischof von Bukavu, François- Xavier Maroy Rusengo, der im kommenden Dezember für sein mutiges Eintreten für die Menschenrechte in der Konfliktregion den Menschenrechtspreis der Stadt Weimar verliehen bekommt, wirft den westlichen Regierungen Versagen und Halbherzigkeit vor. Warum wird zum Beispiel der Kongo mit einem Waffenembargo belegt, die Nachbarländer Uganda und Ruanda aber nicht? Der UN-Expertenbericht hebt hervor, dass hochrangige Militärs aus Ruanda beim Aufbau der Rebellenorganisation »M23«, die sich auch aus ehemaligen Regierungssoldaten des Kongo rekrutiert, aktiv mitgewirkt haben. Zu groß ist das Interesse Ruandas an den Rohstoffreichtümern des Kongo, zu verlockend die enormen Profite durch den illegalen Handel mit diesen Rohstoffen. Es wird sich zeigen, inwieweit der augenblickliche Schock westlicher Regierungen eine Politikänderung bewirken wird. Die Menschen im Kongo haben ihre Hoffnung auf die Hilfe der internationalen Staatengemeinschaft längst aufgegeben. Ein Zeichen der Hoffnung sind für sie Menschen wie Erzbischof Maroy, der sich trotz Drohungen nicht einschüchtern lässt und stattdessen das Unrecht und die Verbrechen beim Namen nennt.

Norbert Kößmeier

  • DR KONGO / DEUTSCHLAND

    Menschenrechtspreis für afrikanischen Erzbischof

    Erzbischof Maroy wird für seinen mutigen Einsatz für Frieden und Versöhnung ausgezeichnet / weiter lesen

  • AFRIKA / DEUTSCHLAND

    Kirche im Einsatz gegen HIV und AIDS in Afrika

    Tagung der »Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben« in Addis Abeba / weiter lesen

  • CHINA

    Weihbischof von Shanghai wird an Amtsausübung gehindert

    Chinesische Regierung reagiert umgehend auf Erklärung von Weihbischof Ma Da / weiter lesen

  • USA

    Priester wegen Verschleierung sexuellen Missbrauchs zu Gefängnisstrafe verurteilt

    Gericht verurteilt erstmals den Personalchef einer Diözese / weiter lesen

  • PAKISTAN

    Muslim von aufgebrachtem Mob lebendig verbrannt

    Blasphemiegesetze fordern weitere Todesopfer / weiter lesen

  • von MATTHIAS KNECHT

    Gesucht: Zivilgesellschaft

    Mexiko nach den Wahlen

    Mit dem wahrscheinlich zukünftigen Präsidenten Enrique Peña Nieto kehrt in Mexiko die einst autoritär regierende, antiklerikale Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) an die Macht zurück. Gewählt haben den 46-Jährigen vor allem arme Bevölkerungsschichten. / weiter lesen

  • von MATTHIAS VOGT, NORBERT KÖßMEIER

    Vergessen von der Weltgemeinschaft!

    Interview mit François-Xavier Maroy Rusengo – katholischer Erzbischof von Bukavu – über die Situation im Osten der DR Kongo

    Aktuell erschüttern erneut Berichte über Gewalt und die Flucht von Hunderttausenden im Osten der DR Kongo die Weltöffentlichkeit. Eine neu entstandene Rebellenorganisation mit Namen »M23«, die sich anscheinend vor allem aus ehemaligen Militärangehörigen rekrutiert, hat die leidgeprüfte Zivilbevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. / weiter lesen

  • von JÖRG NOWAK

    Zwischen Trauma und Hoffnung

    Das Engagement der katholischen Kirche für traumatisierte Bürgerkriegsopfer

    Die Demokratische Republik Kongo ist – laut Human Development Index der Vereinten Nationen – das ärmste Land der Welt. Gleichzeitig ereignen sich hier seit 1996 die blutigsten Konflikte seit dem Zweiten Weltkrieg. Besonders Frauen und Familien leiden unter der unglaublichen Brutalität. / weiter lesen

  • von FRIEDEL HÜTZ-ADAMS

    Tantal – das begehrte Erz aus dem Kongo

    Über die Schwierigkeiten, der Finanzierung des Bürgerkrieges ein Ende zu bereiten

    Derzeit wird im Osten der Demokratischen Republik Kongo wieder gekämpft. Von weiten Teilen der deutschen Öffentlichkeit unbemerkt kommt es seit Wochen zu Gefechten zwischen einer neugebildeten Rebellenarmee, die zum Teil aus Deserteuren der Armee besteht, und der regulären Armee. / weiter lesen