Mai / Juni 2013 ÄGYPTEN corner

Ausgabe Mai/Juni 2013

LIEBE LESERINNEN! LIEBE LESER!

Es sind beunruhigende Nachrichten aus Ägypten. Die Revolution vom 25. Januar 2011 scheint zwar noch nicht vorbei zu sein, doch fühlen sich die meisten Aktivisten, die vor zwei Jahren auf dem Tahrirplatz in Kairo für eine Beendigung des Regimes Mubarak, für Menschenrechte und für Demokratie gekämpft hatten, verraten und hintergangen. Kämpften vor zwei Jahren Muslime und Christen Seite an Seite für ein neues Ägypten, so mehren sich heute die Berichte von Gewalt zwischen Christen und Muslimen. Und doch ist Zurückhaltung geboten, wenn es um die Beurteilung der Situation geht. Zum einen darf die angespannte Lage in Ägypten keinesfalls verharmlost werden. Dies würde den Opfern von Gewalt in keinster Weise gerecht. Zugleich scheinen Interpretationen, die die aktuelle Situation auf den Begriff »Christenverfolgung in Ägypten« reduzieren, zu einfach. Die Konflikte sind zu vielschichtig und erfordern eine Differenzierung. Faktum ist: große Teile der Bevölkerung leiden unter der desolaten wirtschaftlichen Situation des Landes. Die Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen, auf soziale Gerechtigkeit und auf Arbeitsplätze hat sich seit der Revolution nicht erfüllt. Es mehren sich Berichte von Selbstjustiz im Land. Die furchtbare Gewaltwelle Ende Januar, ausgelöst durch die Verkündigung von Todesurteilen gegen Fußballfans, zeugt von einer äußerst angespannten Situation. Religiöse Agitatoren auf der politischen Bühne, vor allem gewaltbereite Gruppen aus der salafistischen Szene, sorgen zusätzlich für Unruhe, Konflikte und Gewalt. Die Konfliktlinie scheint weniger zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Religionen als vielmehr zwischen Anhängern der Demokratie und Anhängern autoritärer Systeme (auch auf religiöser Basis) zu verlaufen.

Missio hat Ägypten zum Schwerpunktthema in diesem Jahr gemacht. Der diesjährige Weltmissionssonntag wird die Situation der Christen in Ägypten in den Mittelpunkt stellen. Sie bedürfen in dieser angespannten Situation unserer Solidarität.

Norbert Kößmeier

  • »Ach, wie wünsche ich mir eine arme Kirche für die Armen!«

    Papst Franziskus begeistert die Menschen

    Papst Franziskus begeistert die Menschen / weiter lesen

  • Eine Wahl gegen die Kurie?

    Kardinal Bergoglio galt nicht als Top-Favorit fürs Konklave

    Auch wenn die am Konklave teilnehmenden Kardinäle sich zum Schweigen über das Konklave verpflichten, sind wenige Tage nach der Papstwahl doch Einzelheiten bekannt geworden, die vermuten lassen, dass die Wahl auf Kardinal Bergoglio unter anderem deshalb fiel, weil viele Kardinäle mit dem Agieren der Kurie nicht mehr einverstanden waren. / weiter lesen

  • Die Erwartungen sind hoch

    Reaktionen auf die Papstwahl aus aller Welt

    Dass Papst Franziskus nun mit sehr hohen Erwartungen an sein Pontifikatkonfrontiert wird, zeigen nicht nur die Äußerungen der am Konklave beteiligtenKardinäle, die eine Reform der Kurie erwarten, sondern auch die vielfältigenReaktionen aus der ganzen Welt. / weiter lesen

  • von OSKAR WERMTER SJ

    Wahlen statt Waffen?

    Bischöfe im persönlichen Einsatz gegen Blut und Terror bei den Wahlen in Simbabwe

    In diesem Jahr stehen in Simbabwe Präsidentschaft- und Parlamentswahlen an. Schreckliche Erinnerungen an die letzten Wahlen werden wieder wach. Um einer solchen Entwicklung schon im Vorfeld entgegenzutreten, haben die Bischöfe des südlichen Afrikas nun entschieden,persönlich als unabhängige Wahlbeobachter aktiv zu werden. / weiter lesen

  • von NORBERT KÖSSMEIER

    Ungewisse Zukunft

    Über die Diskriminierung, Ängste und Hoffnungen von Christen in Ägypten

    Es war absehbar, dass der zweite Jahrestag der Revolution in Ägypten, der 25. Januar, nicht ohne Demonstrationen und Proteste verstreichen wird. Zu groß ist die Wut vieler Aktivisten, vor allem junger Menschen, auf die aktuellen politischen Entwicklungen im Land. / weiter lesen

  • von NORBERT KÖSSMEIER

    »Menschen ganzheitlich fördern«

    Interview mit Fr. Rafik Greiche

    Die veränderte politische Situation in Ägypten räumt auf der einen Seite auch Christen neue Freiheiten ein, auf der anderen Seite sind die diskriminierenden Gesetze beziehungsweise Verwaltungsvorschriften, unter denen Christen zu leiden haben, auch weiterhin in Kraft. / weiter lesen

  • von JEAN JACQUES PERENNES OP

    »Das Risiko der Existenz«

    Die Herausforderung der staatsbürgerlichen Verantwortung im heutigen Ägypten

    Aus Ägypten kommen beunruhigende Nachrichten. Zwei Jahre nachdem Fall des Regimes von Hosni Mubarak sind viele der Meinung, dass statt des voller Hoffnung erwarteten »arabischen Frühlings« tatsächlich ein »islamistischer Winter« gekommen ist. Wie in Tunesien haben in der Tat auch in Ägypten die Islamisten die Wahlen gewonnen: / weiter lesen

  • von DR. MAGES MOUSSA

    Es geht um die Zukunft des Landes!

    Das Engagement der ägyptischen, bischöflichen Kommission »Gerechtigkeit und Frieden«

    Auch wenn die katholische Kirche in Ägypten mit ihren schätzungsweise 250.000 Mitgliedern eine sehr kleine Minderheit ist, hat sie doch eine beachtliche Einwirkung und auch Reputation in der ägyptischen Gesellschaft. Ein Grund dafür liegt in der Arbeit der Kommission »Gerechtigkeit und Frieden«. / weiter lesen