November/Dezember 2013 GEWALAT GEGEN FRAUEN corner

Ausgabe November/Dezember 2013

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»In unserer Überlieferung heißt es schon: Du kannst dir jedes Mädchen nehmen und dann gibst du es an deinen Vater weiter!« Mit dieser schockierenden Aussage rechtfertigt der aufgebrachte Anwalt A. P. Singh am 13. September gegenüber dem »heute journal« das vermeintliche Recht indischer Männer, sich jederzeit Frauen nehmen zu können, sie sexuell missbrauchen zu können. Er vertritt zwei Täter der brutalen Gruppenvergewaltigung vom 16. Dezember 2012 in Dehli, die zum Tod des Opfers führte. Vermeintliche Überlieferungen und Traditionen dienen der Legitimation von Verbrechen gegen Frauen. Indien durchlebt seit dem furchtbaren Verbrechen gegen die junge Frau einen Wandel. Medien berichten tagtäglich über neue Verbrechen gegen Frauen, Gesetzesänderungen wurden auf den Weg gebracht, Frauen trauen sich an die Öffentlichkeit und berichten über die Gewalt, die sie selbst erlitten haben. Vergewaltigung scheint nicht länger ein Tabuthema zu sein. Und doch steht der indischen Gesellschaft ein noch langer Weg bevor, bis Frauen als gleichwertig anerkannt werden. Es wäre jedoch verfehlt, in Überheblichkeit den Finger auf Indien zu zeigen und nun zu meinen, dass die furchtbare Gewalt gegen Frauen vor allem ein indisches Problem sei. Eine neue Studie der WHO hat ergeben, dass jede dritte Frau weltweit (!) Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren Partner geworden ist. Die indische Bischofskonferenz hat bereits 2010 eine sehr beachtenswerte Gender-Policy für die katholische Kirche verabschiedet (www.cbci.in/DownloadMat/Gender_Policy.pdf) . Sie mag Impulsgeber auch für andere Länder und Ortskirchen sein, der Unterwerfung von Frauen und der damit verbundenen Gewalt ein Ende zu bereiten.

Norbert Kößmeier

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