März/April 2014 EVANGELIII GAUDIUM corner

Ausgabe März/April 2014

LIEBE LESERINNEN! LIEBE LESER!

Nur wenige Tage nach seiner Wahl ließ Papst Franziskus die Weltöffentlichkeit aufhorchen, als er vor Medienvertretern erklärte: »Ach wie wünsch ich mir eine arme Kirche für die Armen!« (vgl. Forum Weltkirche 4/2013). Mit seiner allerersten Reise als Papst, die ihn im Juli 2013 nach Lampedusa führte, dem Ort, auf den zahlreiche Flüchtlinge aus Afrika ihre Hoffnungen setzen und diese Hoffnung zu häufig mit dem Tod im Mittelmeer bezahlen müssen, setzte der Papst ein deutliches Zeichen. Er führte den Regierungen Europas die schrecklichen Konsequenzen einer Politik vor Augen, die Europa für Flüchtlinge aus Afrika unerreichbar erscheinen lassen, eine Politik, die bisher Tausende von Menschenleben gefordert hat. Und Papst Franziskus verdeutlichte, was er unter Kirche-Sein versteht: Partei zu ergreifen für die Notleidenden, hinzugehen zu den Rändern und existentiellen Peripherien dieser Welt.

Mit Evangelii Gaudium hat Papst Franziskus am 24. November 2013 ein Dokument vorgelegt, das diese Perspektivität fortführt und ausführlich reflektiert. Der Einsatz für Gerechtigkeit, für Frieden, für die Armen und Notleidenden dieser Welt sind integraler Bestandteil der Evangelisierung und somit des Sendungsauftrages eines jeden Christen. In diesem Zusammenhang verurteilt Papst Franziskus ein Wirtschaftssystem, das auf die Macht des Stärkeren setzt, ja, das letztlich tötet!

Vor allem für letztere Aussage ist er viel gescholten worden, insbesondere in der westlichen Welt. Manche Kommentatoren sehen in ihm gar einen Marxisten oder Kommunisten, der die reine Lehre der Kirche verrate. Und doch ist es erneut diese Perspektivität, die Papst Franziskus einfordert, die Perspektive aus Sicht der Opfer ungerechter Strukturen, die Perspektive aus Sicht der Armen. Mit einer solchen Sichtweise, die übrigens keine neue Lehre darstellt, sondern lediglich eine Rückbesinnung auf zentrale Inhalte der frohen Botschaft Jesu, fordert der Papst die Ortskirchen weltweit heraus.

Norbert Kößmeier

  • PAKISTAN

    Schiiten erneut zu Opfern von Extremisten geworden

    Landesweite Proteste ringen Regierung Zugeständnisse ab / weiter lesen

  • PHILIPPINEN

    »Gott hat immer eine Überraschung bereit«

    Große Freude in Mindanao nach Ernennung des neuen Kardinals / weiter lesen

  • ÄGYPTEN

    »Neue Verfassung schenkt Vertrauen in die Demokratie«

    Christen erfreut über neue Verfassung in Ägypten / weiter lesen

  • INDONESIEN

    »Präsident hat versagt, uns zu schützen«

    Migrantenverbände verurteilen dieGewalt gegen indonesische Wanderarbeiter / weiter lesen

  • von MARINA PETER

    Alles vergebens?

    Sudan und Südsudan im dritten Jahr nach der Teilung

    »Erkennen NCP (die herrschende Partei im Sudan) und SPLM (im Südsudan) endlich die Zeichen der Zeit, dann öffnen sie sich für Partizipation in einem umfassenden Prozess des Aufbaus der beiden Nationen. Tun sie es nicht, werden sie auf Dauer die Unzufriedenheit der Bevölkerung nicht unter Kontrolle halten können.« / weiter lesen

  • von KEVIN DOWLING CSSR

    Es gibt keine Alternative zur echten Evangelisierung!

    Reflexionen eines südafrikanischen Bischofs zu Evangelii Gaudium

    Im Laufe eines Lebens wird eine Person manchmal durch wenige Worte überrascht, die diese Person dann dazu bringen, innezuhalten undnachzudenken. Ich glaube, dies geschieht immer wieder im Leben von uns allen. / weiter lesen

  • von AGBONKHIANMEGHE E. OROBATOR SJ

    Umkehr, Veränderung und Verwandlung

    Die Kraft der Evangelisierung aus afrikanischer Perspektive

    Wer als Christ, der in einem nicht-westlichen kirchlichen Kontextlebt, die apostolische Exhortation Evangelii Gaudium vonPapst Franziskus liest, stößt auf Aussagen und Besonderheiten,die nach tiefer Dankbarkeit, kritischer Analyse und weitererintensiver Reflexion verlangen. / weiter lesen

  • von WOLF-GERO REICHERT

    Inwiefern tötet diese Wirtschaft?

    … oder warum der Papst nicht irrt, sondern lediglich Perspektivität fordert

    Für Marc Beise verstellt die scharfe Kritik, die Papst Franziskus inseinem pastoralen Schreiben Evangelii Gaudium am globalen Wirtschaftssystemübt, »den Blick auf die positive Kraft des Kapitalismus«1. Er schreibt in einer der bedeutendsten Tageszeitungen derBundesrepublik, der Süddeutschen, dass »der Papst irrt«.2 / weiter lesen

  • von SEBASTIANO D'AMBRA

    »Es gibt keine größere Freiheit …«

    Die Herausforderung der Evangelisierung für Mindanaos Christen

    Nachdem ich die apostolische Exhortation Evangelii Gaudium von Papst Franziskus gelesen hatte, war mir klar: »Dies ist ein Zeichen der Hoffnung für die Welt und für die Kirche.« Als Missionar in Mindanao auf den Philippinen seit 1977, mit der spezifischen Mission, den Dialog zwischen Muslimen und Christen zu leben und zu fördern, fühle ich, ... / weiter lesen