Juli/August 2014 Kein Mensch ist illegal! corner

Ausgabe Juli/August 2014

LIEBE LESERINNEN! LIEBE LESER!

Genaue Daten gibt es nicht. Dies liegt in der Sache selbst begründet. Schätzungsweise 100.000 – 400.000 Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus – Menschen ohne Papiere – leben unter uns. Abgestempelt als »Illegale« führen sie ein möglichst unauffälliges Leben, um einer drohenden Abschiebung zu entgehen. Entgegen der landläufigen Meinung, dass diese Menschen illegal nach Deutschland eingereist seien, besaß die überwiegende Mehrheit der Betroffenen jedoch zuvor einen legalen Aufenthaltsstatus in Deutschland, den sie aus unterschiedlichen Gründen verloren hat. Wenn wir von Menschen ohne Papiere sprechen, dann sprechen wir von Menschen, die leichthin zu Opfern von Ausbeutung werden, die mit Problemen zu kämpfen haben, sobald eine medizinische Versorgung notwendig wird, deren Kinder immer wieder mit Problemen konfrontiert sind, sobald es um die Einschulung geht. Sie meiden Behörden und öffentliche Einrichtungen, da sie Angst davor haben, der entsprechenden Ausländerbehörde gemeldet zu werden. Eine Abschiebung in ihr Heimatland wäre dann die Konsequenz.

Nachdem sie sich intensiv mit der Situation der Betroffenen auseinandergesetzt hat, gründete im Jahr 2004 die Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz das Forum »Leben in der Illegalität« – ein Zusammenschluss von Organisationen, die sich für die Betroffenen einsetzen, die versuchen, die Not der Betroffenen zu lindern. Die Frage der Menschenwürde und Geschwisterlichkeit steht im Zentrum des Handelns dieser Organisationen und Einrichtungen. »Der Status der Ungesetzlichkeit rechtfertigt keine Abstriche bei der Würde der Migranten« – so formulierte es Papst Johannes Paul II. 1995 in seiner Botschaft zum Welttag der Migranten. Menschen ohne Papiere fordern uns heraus, unseren Umgang mit Migranten zu überdenken. Sie fordern uns letztlich heraus, die Frage der so notwendigen Zuwanderung neu zu stellen und die Flüchtlingspolitik der EU zu hinterfragen.

Norbert Kößmeier

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  • SRI LANKA

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  • DEUTSCHLAND

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  • DEUTSCHLAND/PAKISTAN

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  • PAKISTAN

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  • von P. WOLFGANG SCHONECKE

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    Was hat sich geändert?

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  • von NORBERT TRELLE

    Leben in der Illegalität

    Eine Herausforderung für Gesellschaft und Kirche

    Das Katholische Forum »Leben in der Illegalität«, 2004 von der Migrationskommissionder Deutschen Bischofskonferenz gegründet, setzt sich für Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus ein. / weiter lesen

  • von HEIKO HABBE

    Rechtlos in Deutschland!

    Die Situation von Menschen mit irregulärem Aufenthaltsstatus

    Schätzungen gehen davon aus, dass 100.000–400.000 Menschen mit irregulärem Aufenthaltsstatus in Deutschland leben. Die überwiegende Mehrheit dieser Menschen ist nicht, wie häufig angenommen, illegal über die Grenze nach Deutschlandgekommen. / weiter lesen

  • von PETER CLEVER

    Chancen der Zuwanderung nutzen, Potenziale von Zuwanderern erschließen!

    Ein Plädoyer für eine vorurteilsfreie Zuwanderungsdebatte

    Wenn man sich mit der Frage der irregulären Migration oder dem »Leben in der Illegalität« auseinandersetzt, dann kommen sehr schnell weitere Themen in den Blick, die im Zusammenhang mit Fragen der Migration stehen. Sei es das Thema Asyl und Asylverfahren, sei es das Thema Zuwanderung insgesamt. / weiter lesen