November/Dezember 2015 DAS EVANGELIUM VERKÜNDEN corner

Ausgabe November/Dezember 2015

Stephan Voges

Liebe Leserinnen! Liebe Leser!

Vor Ihnen liegt ein programmatisches Heft. Vor 50 Jahren haben die Konzilsväter das Dekret »Ad gentes« über die Missionstätigkeit der Kirche verabschiedet. Darin entfaltet das Konzil das Bild einer Kirche, die von ihrem Wesen her missionarisch, in die Welt gesandt ist, weil sie der Sendung des Sohnes und des Heiligen Geistes entspringt. Das Programm der missionarischen Aktivität bringt das Konzil auf den Begriff der Evangelisierung. An diesen Grundauftrag der Kirche, das Wort Gottes unter den Menschen auszusäen, hat zuletzt Papst Franziskus mit seinem Schreiben »Evangelii gaudium« ermutigend erinnert.

Seit den Tagen des Konzils haben sich die Bedingungen der Evangelisierung grundlegend gewandelt. Urbanisierung und Globalisierung verändern massiv die Lebenswirklichkeiten der Menschen in den verschiedenen Kontinenten. Die Ortskirchen des Südens entwickeln ein neues Selbstbewusstsein, während die europäische Kirche vielfältigen Verfallsprozessen gegenübersteht. Die Sensibilität für einheimische Kulturen und die Bedeutung des interreligiösen Dialogs sind gewachsen und verlangen nach neuen Ansätzen in der missionarischen Arbeit. Die gegenwärtigen Herausforderungen der Evangelisierung wahrzunehmen und kreativ zu bedenken, wie es die Beiträge dieses Heftes tun, bedeutet, den zeitlosen Auftrag Jesu Christi zur Mission ernst zu nehmen und lebendig zu halten. In dieser Hinsicht ist das Konzil nach wie vor aktuell: »Die Kirche ist von Christus gesandt, die Liebe Gottes allen Menschen und Völkern zu verkünden und mitzuteilen; sie ist sich bewusst, dass noch eine ungeheure missionarische Aufgabe vor ihr liegt.« (AG 10)

Das Leben der Kirche, ihr pastorales und missionarisches Wirken ist undenkbar ohne den Dialog. »Forum Weltkirche« fördert diesen Dialog, indem es Stimmen aus der weltweiten Kirche zu Wort kommen lässt. Auch mit Ihnen, liebe Leserinnen, liebe Leser, wünschen wir uns den Dialog: Schreiben Sie uns Ihre Anregungen und Anliegen! Gespräch und Gebet halten die Kirche lebendig – damit sie sich stets neu der ungeheuren missionarischen Aufgabe stellen kann, die vor ihr liegt!

Stephan Voges

  • BURKINA FASO

    Niemals Gewalt dem Dialog vorziehen

    Bischöfe positionieren sich nach gescheitertem Putsch / weiter lesen

  • MYANMAR

    Kardinal kritisiert umstrittene Gesetze

    Neue Gesetze greifen Religionsfreiheit an / weiter lesen

  • BANGLADESH

    Staatsreligion in einem säkularen Staat?

    UN-Sonderberichterstatter kritisiert Entscheidung des höchsten Gerichts / weiter lesen

  • MICHAEL GMELCH

    Massenfriedhof Mittelmeer?

    Flüchtlingsströme fordern Europa heraus

    3419 Flüchtlinge haben deutsche Marineschiffe im Frühsommer 2015 aus dem Mittelmeer gerettet. Als Seelsorger hat Militärdekan Michael Gmelch den Einsatz begleitet. Seine Erfahrungen schildert er im Kontext politischer Herausforderungen und päpstlicher Solidarität. / weiter lesen

  • NORBERT STROTMANN

    Ohne Wirklichkeit geht es nicht

    Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt

    Die Bedingungen des christlichen Zeugnisses haben sich in den vergangenenJahrzehnten grundlegend gewandelt. Wenn die Kirche denchristlichen Glauben in einer multireligiösen Welt zur Sprache bringenwill, kommt sie an dieser Wirklichkeit nicht vorbei. Sie kann undsollte von dieser Wirklichkeit sogar etwas lernen. / weiter lesen

  • NATHANAEL YAOVI SOÉDÉ

    Afrikanische Kirche oder Kirche in Afrika?

    Die Lehren von Papst Paul VI. und Papst Johannes Paul II.

    Es scheint nur eine sprachliche Variante zu sein: afrikanische Kirche oder Kirche in Afrika. Hinter diesem sprachlichen Detail verbergen sich allerdings unterschiedliche Kirchenbilder. Und diese wirken sich auch darauf aus, wie die Evangelisierung der Kirche auf dem afrikanischen Kontinent interpretiert wird. / weiter lesen

  • PETER C. PHAN

    Die Präposition der Mission

    Ziel und Methode der christlichen Sendung in Asien

    Denkt man Mission vom eigentlichen Zweck des Wirkens Jesu, von der Herrschaft Gottes her, ergibt sich eine neue Zielbestimmung. Unbeschadet ihrer Notwendigkeit stehen dann nicht mehr Bekehrung und Taufe an erster Stelle. / weiter lesen