Januar/Februar 2015 Ökumene und Mission corner

Ausgabe Januar/Februar 2015

LIEBE LESERINNEN! LIEBE LESER!

Fünfzig Jahre sind es her, dass das Zweite Vatikanische Konzil das wegweisende »Dekret über den Ökumenismus ›Unitatis Redintegratio‹« verabschiedet und damit den Grundstein für die heutigen Bemühungen der Ökumene gelegt hat. Erstmals hat mit diesem Dekret die katholische Kirche anerkannt, dass anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften das Heil nicht verwehrt ist, ja dass der Geist Christi sie als Mittel des Heils benutzt (vgl. UR 3,1). Es war ein bedeutsamer Schritt, der das Selbstverständnis der katholischen Kirche neu definierte. Traditionalisten und Fundamentalisten – wie zum Beispiel die so genannten Piusbrüder – lehnen dieses Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils als Verrat an der wahren katholischen Lehre bis heute ab.

Mit diesem Dekret hat jedoch das Konzil zugleich auf eine Situation geantwortet, die vor allem in den Missionskirchen eine schmerzliche Realität darstellte. Unterschiedliche christliche Kirchen und Konfessionen haben in ihren jeweiligen Missionsbemühungen sich gegenseitig angefeindet und häufig genug versucht, die Gläubigen der anderen Kirchen und Konfessionen für sich zu gewinnen. Die Notwendigkeit zur Ökumene ist aufgrund der schmerzlichen Erfahrungen in den so genannten Missionsgebieten in den Blick gekommen. Die Spaltung der Christenheit ist durch die Missionstätigkeit in die so genannten Missionsgebiete exportiert worden. In verschiedenen Ländern Asiens sind aufgrund dieser leidvollen Geschichte der Katholizismus und Protestantismus als unterschiedliche eigenständige Religionsgemeinschaften anerkannt. Mit dem Dokument »Christliches Zeugnis in einer multireligiösenWelt« hat der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog zusammen mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen und der Weltweiten Evangelischen Allianz erstmals eine Vereinbarung herbeigeführt, das schmerzliche Gegeneinander der Vergangenheit in ein zukünftiges fruchtbares Miteinander zu verwandeln.

Norbert Kößmeier