März/April 2017 RELIGION UND GEWALT corner

Ausgabe März/April 2017: Religion und Gewalt

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Der Vorwurf, dass Religion Gewalt hervorbringt, steht nicht erst im Raum, seit Nachrichten über islamistischen Terror beinahe an der Tagesordnung sind. Biblisch gesprochen hängen Religion und Gewalt seit den Tagen von Kain und Abel zusammen. Was wohl eher überrascht: In einer Zeit, da die Bedeutung der Religion in westlichen Gesellschaften abzunehmen scheint, nimmt Gewalt im Namen der Religion zu. Das lässt aufgeklärte Zeitgenossen ratlos zurück – und lässt zugleich nach den Gründen fragen. Nicht selten wird man dabei feststellen, dass Gewaltakte nur vordergründig religiös motiviert sind, weitere und wirkliche Gründe jedoch in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Spannungen zu suchen sind. Schnellen und vorschnellen Zuschreibungen sollten gerade gläubige Menschen mit Skepsis begegnen und genauer hinschauen.

Die Kirche wird in unseren Tagen in unterschiedlicher Weise mit Gewalt konfrontiert. In vielen Ländern werden Christen wegen ihres Glaubens bedrängt und verfolgt, beispielsweise in Indien. Andernorts ist die Kirche als stabilisierender und beruhigender Faktor in Situationen gefragt, die von Gewalt und ihren Folgen geprägt sind, sei es langfristig wie in Kolumbien, sei es spontan wie in Côte d’Ivoire. Schließlich muss sich die Kirche mit Gewalt in ihrem Innern, mit sexualisierter Gewalt gegen Kinder, auseinandersetzen; dazu leistet das »Centre for Child Protection« in Rom einen unverzichtbaren Beitrag. Und schließlich sind die Christen herausgefordert, immer wieder die Botschaft Jesu als Widerstand gegen Gewalt zu lesen und zu leben, damit der Vorwurf, Religion bringe Gewalt hervor, sich wandelt und Religionen zuallererst mit Frieden in Verbindung gebracht werden.

Stefan Voges

  • VATIKAN

    Papst Franziskus führt »Welttag der Armen« ein

    Initiative zur Fortführung des Jahres der Barmherzigkeit / weiter lesen

  • von MONIKA LAUER PEREZ

    KOLUMBIEN

    Ein Weg zwischen großer Hoffnung und tiefen Zweifeln

    Das Jahr 2016 wird als ein besonderes in die Geschichte Kolumbienseingehen, denn der Friedensvertrag zwischen der Regierung des demokratisch gewählten Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers Juan Manuel Santos Calderón und der größten und ältesten Guerilla-Organisation Lateinamerikas, den »Revolutionären Streitkräften Kolumbiens« / weiter lesen

  • von SEBASTIAN M. MICHAEL SVD

    Zwischen Hindu-Ideologie und säkularer Verfassung

    Die wachsende Gewalt gegen Christen in Indien

    Im heutigen Indien definiert sich die indische Identität durch die gemeinsame Verfassung. Sie garantiert allen Bürgern Rechte in Bezug auf Ethnie, Sprache, Kultur und Religion. Heute wird der fragile Zusammenhalt der indischen Gesellschaft jedoch gefährdet durch Bestrebungen, eine Hindu-Nation zu etablieren. / weiter lesen

  • von BISCHOF RAYMOND AHOUA FDP

    Offenheit und Gastfreundschaft

    Die pastorale Reaktion auf einen Terroranschlag in Côte d’Ivoire

    Am 13. März 2016 wurden bei einem Terroranschlag in derHafenstadt Grand Bassam in Côte d’Ivoire 19 Menschen getötet. Sechs bewaffnete Männer schossen auf Badegäste am Strand und griffen anschließend drei Hotels an. Zu dem Anschlag bekannte sich Al-Qaida im islamischen Maghreb. / weiter lesen

  • von HANS ZOLLNER SJ

    Kinderschutz in der katholischen Kirche

    Reflexionen aus Theorie und weltweiter Praxis

    In Deutschland taucht das Thema sexueller Missbrauch vonMinderjährigen durch Kleriker nur noch selten in den Nachrichten auf. Aber es steht außer Frage, dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt ein Thema bleibt. / weiter lesen