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Adolfo Nicolás SJ

Ein Theologe zwischen Ost und West

GEORG EVERS

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Durch seine Wahl zum Generaloberen der Jesuiten am 19. Januar 2008 ist Adolfo Nicolás plötzlich zu einer weltweit bekannten Persönlichkeit geworden. Nicht nur Journalisten fragten sich, wer dieser immerhin schon 71-jährige Jesuit ist, der zwar aus Spanien stammt, aber fast sein ganzes Leben in Asien verbracht hat und warum er von den Delegierten der 35. Generalkongregation gewählt wurde.

Geboren wurde Adolfo Nicolás als dritter von vier Söhnen am 29. April 1936 in Palencia, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der Region Kastilien-Leon. Seine Kindheit wurde bestimmt durch die Wirren des spanischen Bürgerkriegs, die seine Familie zwangen, mehrfach den Wohnsitz zu wechseln. Diese historischen Umstände brachten es mit sich, dass er bis zum Ende seiner Schulzeit sieben verschiedene Schulen besucht hat. 1953 trat Nicolás in das Noviziat der Jesuiten in der Provinz Toledo ein, machte sein Philosophiestudium in Alcalá und wurde 1963 als Missionar nach Japan geschickt. Die fremde Welt Japans, die er beim Erlernen der Sprache und in der Begegnung mit der so andersartigen Kultur kennen lernte, veränderte sein Weltbild entscheidend. Die festen Vorstellungen über Gott und die Welt, die er aus seiner spanischen Heimat mitgebracht hatte, wurden aufgebrochen, aber zugleich bereichert durch die neue Erfahrung der religiösen, kulturellen und menschlichen Vielfalt, die Japan und die Welt Asiens bestimmt. Nach der zweijährigen Sprachschule folgte in den Jahren 1964–1968 das Studium der Theologie an der Sophia Universität in Tokio. Es war eine Zeit, in der die Anstöße des II. Vatikanischen Konzils den normalen Lehrplan der theologischen Ausbildung auch in Japan gehörig durcheinander gebracht hatten und in der die alten Traktate der Theologie ziemlich obsolet wirkten, so dass die Studenten oft in Eigeninitiative neue Orientierungen suchen mussten. In Japan begann in dieser Zeit für die kleine katholische Kirche eine neue Phase, in der sie sich der innerchristlichen Ökumene und der Begegnung mit den anderen Religionen öffnete. Nicolás hatte ein besonderes Gespür für diese neuen Entwicklungen. Nach dem Studium der Theologie und weiterführender Studien in Rom (1968–71) wurde er zum Professor der Theologie an der Sophia Universität in Tokio ernannt. Als Professor sah er seine vorrangige Aufgabe darin, seinen Studenten eine Theologie zu vermitteln, die Bezug nahm auf die konkrete Wirklichkeit und ihren Schwerpunkt in der pastoralen Umsetzung theologischer Einsichten in die gelebte Wirklichkeit der Menschen hatte. In Asien, so ist seine Überzeugung, ist weniger eine abstrakte Theologie, sondern eine mit der Praxis verbundene und die Praxis verändernde theologische Reflexion notwendig.

Diese pastorale Ausrichtung war wohl ausschlaggebend, dass Nicolás 1978 nach Manila an das Ostasiatische Pastoralinstitut (EAPI) geschickt wurde, wo er bis 1984 als Direktor tätig war. Das EAPI in Manila, das kurz vor dem II. Vatikanischen Konzil von P. Josef Hofinger SJ gegründet worden war, hat wichtige Impulse zur Reform der Liturgie und vor allem der Katechese gegeben. Nach dem II. Vatikanischen Konzil wurden die Kurse des EAPI zu einem der wichtigsten Instrumente, die neuen Einsichten des Konzils in die Pastoral der asiatischen Kirchen einzubringen und fruchtbar zu machen. Für die Priester, Ordensschwestern und Laien aus allen Ländern Asiens und Ozeaniens, die in Manila gemeinsam neue Zugänge zu den für die asiatischen Kirchen so entscheidend wichtigen Problemen der Inkulturation und der Theologie der Religionen suchten, wurde Nicolás ein allseits geschätzter Lehrer und Gesprächspartner. Seine Offenheit für neue Fragestellungen, sein kritisches Hinterfragen und konstruktives Mitdenken haben den Geist des Instituts geprägt. Nicolás hatte in Manila und noch mehr durch die vielen Kurse, die das EAPI in Korea, in Vietnam, in Birma, in Thailand und im Südpazifik durchführte, die Gelegenheit, tiefer die Vielfalt der religiösen, kulturellen, sozialen und politischen Situationen zu verstehen, mit denen die asiatischen Christen sich auseinandersetzen müssen, in ihrem Bemühen, authentische asiatische Ortskirchen zu werden. Zugleich war es in den Philippinen die Zeit der Militärdiktatur von Ferdinando Marcos (1972–1986), die kirchlicherseits viele neue Bewegungen und Aktionsgruppen hervorbrachte, die sich für soziale Gerechtigkeit und die Menschenrechte einsetzten.

Grenzgänger zwischen zwei Welten

In seiner theologischen Arbeit hat Nicolás immer wieder eine Ortsbestimmung des Christentums in Asien versucht. Auch wenn er über 40 Jahre in Asien gelebt hat und tief in asiatische Kulturen eingedrungen ist und von ihnen geprägt wurde, ist er sich doch bewusst, dass er sich nicht als »asiatischer« Theologe bezeichnen kann. Andererseits ist er zwar in Spanien geboren und Europäer, aber auch nicht länger in dieser Welt beheimatet. Als ein Theologe, der zwischen den beiden Welten von Asien und Europa lebt und in dieser Existenz, »Grenzgänger zwischen zwei Welten zu sein«, seine neue Identität gefunden hat, sieht er aber auch Chancen, aus dieser eigenständigen Perspektive dieWelt Asiens anzuschauen und zu reflektieren. In einem Beitrag: »Die Krise des Christentums in Asien. Welches Asien? Welches Christentum? Welche Krise?« (in: Concilium 41 (2005), H. 3, S. 270 –277) spricht er über die Schwierigkeit, »Asien« zu bestimmen: »Wann immer wir versuchen, asiatische Realitäten anzusprechen, sind wir mit einer Vielfalt von Traditionen, Ethnien, Kulturen, Sprachen und Frömmigkeitsformen konfrontiert, über die wir fast nichts sagen können, ohne zugleich ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt Unrecht zu tun.« Die Mission des Christentums in Asien versteht er als eine Geschichte von Schwierigkeiten und Missverständnissen in der Begegnung mit den asiatischen kulturellen und religiösen Wirklichkeiten, die mit Franz Xaver (1506 –1552) beginnt und in der Pioniere wie Matteo Ricci (1552–1610) und Roberto de Nobili (1577–1656) versucht haben, durch Akkomodation, später fortgesetzt in unserer Zeit durch Inkulturation, christliche Ideen in Asien heimisch zu machen. In dieser Tradition sieht sich Nicolás, wenn er feststellt: »Die Krise des Christentums in Asien ist global. Ich sehe sie als einen segensreichen Appell und als eine Chance, um zu wachsen, Horizonte zu erweitern und im Kontakt mit anderen Personen und anderen Traditionen die eigene Identität in ihrer Tiefe neu zu entdecken. Wenn dieser Anruf, sich vom Grundsatz her zu ändern, bisweilen auch ein wenig ängstigt, so ist er doch stets, aufs Ganze gesehen, unsere beste Chance, authentisch zu werden und mit den Quellen und dem Kern unseres Glaubens und Seins in Kontakt zu bleiben«. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Krise der Glaubwürdigkeit des Zeugnisses der Christen – des Klerus sowohl wie der Laien – die in ihrem Leben und Tun meist nicht besser oder anders sind als die Hindus, die Buddhisten oder die Muslime. Der Anspruch des Christentums, in Jesus Christus die Fülle der göttlichen Offenbarung zu besitzen, wird durch die oft wenig überzeugend gelebte Praxis der Christen kompromittiert. Darüber hinaus gibt es eine Krise in der asiatischen Theologie, die auch heute noch in den Seminaren die gängige Währung ist, aber mit dem Alltag der Menschen oft nur wenig zu tun hat. Ihre Sprache steht in Spannung, im Konflikt und in Disharmonie zu anderen religiösen Sprachen, Bildern, Auffassungen, Symbolen und Ausdrucksweisen, die für Millionen Menschen richtungsweisend sind und ihrem Leben Sinn und Hoffnung geben. Mit ihrem Festhalten an der methodischen Strenge westlicher akademischer Forderungen ist es der christlichen Theologie nicht oder nur sehr eingeschränkt gelungen, akademisches Wissen mit den mehr befreienden Wegen religiöser Weisheit und den nicht systematisierbaren Erfahrungen von radikaler Leere, eines nichtdualistischen Denkens und von Transzendenz zu einer Gesamtheit zusammenzuführen. Hinzu kommt eine Krise der Spiritualität, die darin besteht, dass die reiche spirituelle Weisheit des Christentums nicht in die lebendige Praxis des alltäglichen Lebens umgesetzt wird. Asien hat einen unglaublichen Reichtum an religiösen »Wegen « (Dao) hervorgebracht, die Weisung auf dem Weg zu Gott, zur Befreiung oder zur Begegnung mit der letzten Wirklichkeit geben. Auffallend ist, dass das Christentum in Asien überall als »lehrende« Religion, als eine Religion der »Lehre« und nicht des »Weges« auftritt. Das zeigt sich schon in der Benennung der einzelnen Religionen, da man vom »Weg der Götter« (= Schinto), vom »Weg des Buddha« (= Butsudo), aber vom Christentum als »Lehre von Christus« (= Kirisutokyo) spricht. Die Taufvorbereitung für potentielle neue Christen verläuft dann auch entsprechend, indem in einem meist über längere Zeit dauernden Lernprozess die Glaubensinhalte vermittelt werden. Es ist ein den Intellekt ansprechender Vorgang, der außer Acht lässt, dass die potentiellen Neuchristen eigentlich auf einen neuen »Weg« der Nachfolge Christi in die Weggemeinschaft mit den Mitchristen und der Kirche aufgenommen werden müssten. Die Ortskirchen in Asien sind meist Minderheitenkirchen, aber ihr Erscheinungsbild ist den asiatischen Menschen weitgehend unverständlich geblieben, weil sie zu wenig als »dienende « Kirchen erscheinen, sondern oft allzu sehr Wert auf Repräsentanz und öffentliche Anerkennung legen. Wie sein Mitbruder Aloysius Pieris aus Sri Lanka fordert auch Niclolás eine Kirche, die bereit ist, »im Jordan asiatischer Spiritualität« sich taufen zu lassen und eine Kirche der Entäußerung und des Dienstes zu werden.

Pastoraltheologische Herausforderungen Asiens

Bei dem Schwerpunkt auf die pastoralen Aspekte in seiner theologischen Arbeit ist es stimmig, wenn Nicolás sich auch mit den neuen Ansätzen des II. Vaticanums auf dem Gebiet des Laienapostolats intensiv beschäftigt hat. Dabei setzt er sich dafür ein, dass die alten Spannungen zwischen Klerus und Laien, die nur zu einer Entfremdung und zu Formen eines Paternalismus geführt haben, einer neuen Integration Platz machen müssen, die zu neuen Formen der Zusammenarbeit, der gemeinsamen Teilhabe und der Mitverantwortung von Klerus und Laien für das Apostolat führen sollten. Voraussetzung ist dabei, dass es zu grundlegenden Veränderungen in der Theologie, in der Kirchenstruktur und im Verständnis der Laien selber kommt. Neben dem Laienapostolat hat Nicolás sich generell intensivmit der Sakramententheologie auseinandergesetzt. Bei den Sakramenten interessiert ihn in besonderer Weise die ihnen eigene Symbolik, durch die sie in der Gesamtheit der menschlichen Befindlichkeit für Einzelpersonen, für die Gesellschaft und die zwischenmenschlichen Beziehungen von Bedeutung sind. In besonderer Weise hat er sich mit der Problematik der Buße, der Versöhnung und ihrer Symbolik befasst. Dabei geht es ihm um die Probleme von Personen und Gemeinschaften, um den Kampf gegen Phobien, um die Möglichkeiten für Wandel und Heilung in der Begegnung mit dem Evangelium. Große Bedeutung kommt dabei den Ritualen zu, die wichtige Inhalte transportieren können und die kulturell sehr verschieden sind. Für die kirchliche Form der Buße und Beichte müssten in Asien neue Formen entwickelt werden. Inkulturation bedeutet, dass die Menschen ihrem Glauben Ausdruck verleihen, der im Einklang mit ihrem religiösen und kulturellen Erbe steht. Der Prozess der Inkulturation muss daher in der Gemeinschaft erfolgen und von ihr betrieben werden. Für eine Erneuerung der Buße appelliert er an die Kreativität der Liturgiker, der Katecheten und der Theologen. Eine weitere Herausforderung an die Pastoraltheologie sieht Nicolás in der Entwicklung von neuen pastoralen Diensten, um den Herausforderungen der sich wandelnden Kirchenstrukturen gerecht zu werden. Die Reflexionen dazu entstanden auf dem Hintergrund seiner Mitarbeit im EAPI. Zentral ist dabei zunächst der Aufbau von neuen Gemeinschaften. Voraussetzung, hier neue Wege zu gehen, ist, dass der Kreativität Raum gegeben wird. Notwendig ist die Bereitschaft zur ständigen Weiterbildung als einem Prozess, »in dem unser theologisches Verständnis, unsere glaubenden Herzen und die Leiden der Menschen auf dem Marktplatz zusammengefügt werden und zusammenbleiben im Dienst an der Kirche«.

Eine Kirche aller Gläubigen

Was Nicolás als Forderung für eine erneuerte Pastoral innerhalb der japanischen Kirche nennt, nämlich die Dichotomie zwischen dem »Heiligen« und dem »Profanen« zu überwinden, gilt, angepasst an die jeweiligen Umstände, für alle asiatischen Kirchen gleichermaßen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, einen Wandel weg von einer »Kirche der wenigen« (Kleruskirche) hin zu einer »Kirche für alle Gläubigen« zu vollziehen. Denn eine klerikale Kirche ist in ihrer Grundlage behindert, weil sie sich auf einige wenige Einrichtungenwie Kirchengebäude, Schulen, Hospitäler, die Hierarchie, Feier von bestimmten Anlässen wie Taufe, Ehe, Beerdigung reduziert. Die Kirchen in Asien müssen das Image, sich immer noch als »junge Kirchen« (younger churches) zu verstehen, abwerfen, damit sie zu einer Kirche werden können, die ihr Erwachsenenalter erreicht hat. Eine so verstandene »reife Kirche« (mature church) ist sich ihrer universalen Sendung bewusst, öffnet ihre Dienstämter für alle, feiert die Eucharistie als Quelle des Lebens und wird so zu einer Kirche, die sich selbst erhält, sich selbst leitet und verbreitet (Dreiselbst-Prinzipien), ist eine Kirche des aktiven Ökumenismus, die ein wirksames Erwachsenenkatechumenat durchführt, die eine lebendige kreative Liturgie feiert und aktive Laien hat. In einem Beitrag zum Beginn des 21. Jahrhunderts stellt Nicolás angesichts der Herausforderungen der modernen Welt die kritische Frage: »Im Blick auf unsere Welt in diesem Augenblick des Übergangs, angesichts der phantastischen neuen Möglichkeiten und massiven Bedrohungen für das Heil der Menschheit müssen wir uns in aller Demut fragen: Haben wir in unserer Mitte die spirituelle und menschliche Tiefe, damit wir unseren notwendigen Beitrag für die Kirche und die Welt leisten können, die dabei ist, geboren zu werden?« (Landas 13 (1999), no. 2, S. 46). Zugleich weist er auf die Furcht hin, die in der Kirche gegenüber einem offenen und ernsthaften Dialog mit den anderen Religionen besteht, der aus dem nicht ausgesprochenen Verdacht erwächst, dass die Christen nicht die erforderliche Tiefe besitzen, um mit den asiatischen Meistern des Gebets in einen Dialog zu treten, mit Meistern, die ihr Leben in der Meditation und der Askese gelebt haben, mit den Angehörigen anderer Religionen, die echte Güte, Einfachheit und Entsagen ausströmen.

Ein Mensch, Jesuit und Theologe »im Werden «

Was seine eigene Spiritualität und theologische Identität angeht, hat Nicolás in einem Interview nach seiner Wahl zum Generaloberen gesagt, dass er sich als jemand versteht, der als Mensch, Jesuit und Theologe noch »im Werden ist«. Zeit seines Lebens habe er in Antwort auf die vielfältigen Herausforderungen in den verschiedenen Situationen und in der Begegnung mit sehr verschiedenen Menschen die Erfahrung gemacht, dass diese Begegnungen ihn jedes Mal verändert hätten. Allerdings gäbe es Konstanten in seiner Spiritualität und in seiner Identität, die aus der Bibel und der ignatianischen Spiritualität kämen und die ihn bleibend geprägt hätten. Als erstes nannte Nicolás die Haltung des Dienens im Einsatz für die Menschen aus dem Geist des Evangeliums. Weiter habe er in der Begegnung mit Asien und der reichen Spiritualität in den asiatischen Religionen die Bedeutung des Heiligen Geistes deutlich gemacht. Für seine eigene Spiritualität bedeute dies, sich um ein Leben aus dem Heiligen Geist zu bemühen. Das dritte Element seiner Spiritualität kommt wieder aus Asien, dieses Mal aus dem Buddhismus, und besteht in der Haltung des Loslassens und des Nicht-an-den-Dingen-Hängens (detachment), das zur inneren Freiheit führe. Nicolás hat kein zusammenhängendes eigenes theologisches Werk schaffen können. Zu oft wurde er aus theologischen Arbeiten herausgerufen und mit Leitungsaufgaben innerhalb des Jesuitenordens betraut. Von 1993 bis 1996 war er Provinzial der japanischen Provinz. Danach hat er einige Jahre in der Pastoralarbeit mit katholischen Migranten, vornehmlich aus den Philippinen und Lateinamerika, gearbeitet, wodurch ihm neue Einblicke in pastorale Herausforderungen der japanischen Kirche eröffnet wurden. Einen wichtigen Beitrag hat er im Vorfeld und während der asiatischen Synode als Berater der japanischen Bischöfe 1998 geleistet. Während der letzten vier Jahre war er wieder als Oberer tätig, indem er die Leitung und Koordination der Provinzen Ostasiens und Ozeaniens innehatte. Auch wenn die Vielfalt der ihm aufgetragenen Aufgaben verhindert hat, dass er intensiver seine theologischen Ideen hat zusammentragen und ausformulieren können, so war dies doch eine gute Vorbereitung für die ihm jetzt übertragene neue Aufgabe, den mit knapp 20.000 Mitgliedern größten Männerorden der katholischen Kirche zu leiten. In ersten Interviews und Erklärungen hat Nicolás keinen Zweifel daran gelassen, dass er selber und der gesamte Jesuitenorden in Loyalität zum Papst stehen, eine Einstellung, die auch Benedikt XVI. in seinen Grußworten an den scheidenden Generaloberen Peter Hans Kolvenbach und an den neuen Generaloberen Adolfo Nicolás gefordert hatte. Angesprochen auf seine kommende Arbeit als Generaloberer hat Nicolás erklärt, dass er sich bewusst ist, in vieler Hinsicht herausgefordert, wenn nicht überfordert zu sein. Aber dieses Wissen um die eigene Begrenztheit und fehlende Kenntnisse wolle er kompensieren, indem er in erster Linie auf die »Menschen hören« wolle, denen er in seiner Arbeit begegne. Aus dem Kontakt mit den Menschen und den Situationen würden sich dann die Schwerpunkte ergeben, die für den Jesuitenorden in Zukunft wichtig seien. »Theorien sind gut, um die Erfahrungen zu ordnen. Aber wenn Theorien keine Basis in der Erfahrung haben, dann werden sie schwach und wirkungslos.«

GEORG EVERS
Missionswissenschaftler

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