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Soosai Arokiasamy SJ

Theologe aus Indien

GEORG EVERS

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Der indische Jesuit S. Arokiasamy, oder Fr. Arok, wie er von seinen Freunden und Schülern gewöhnlich genannt wird, der 25 Jahre hindurch an der theologischen Fakultät der Jesuiten Vidyajyoti in Delhi Moraltheologie unterrichtet hat, versteht sich bewusst als Theologe der Dritten Welt. Seinen eigenen Kontext »Indien« beschreibt er in einem Beitrag »Moraltheologie treiben in einer geteilten Welt« (Vgl. S. Fr. Arokiasamy, Doing Moral Theology In A Divided World, in: Bread and Breath, T.K. John (ed.), Anand 1991, S. 183 –200) als geprägt von einem religiösen und ideologischen Pluralismus, der sich selten harmonisch zeigt, sondern sich eher als die Gemeinschaft spaltend in fundamentalistischen, sektiererischen und gruppenspezifischen Streitigkeiten darstellt. Die Grundlage für seine Arbeit als Moraltheologe liegt für Fr. Arok im Phänomen der Zwischenmenschlichkeit und der daraus resultierenden Achtung vor der Würde eines jeden einzelnen Menschen. Umgesetzt werden kann der daraus sich ergebende Imperativ in einer auf Veränderung der bestehenden ungerechten Strukturen zielenden moralischen Praxis, die sich nur in einer Haltung des Dialogs verwirklichen lässt. Bei diesem Dialog geht es um die Befreiung aus Engstirnigkeit und fundamentalistischer Verbohrtheit, die unter den Angehörigen der verschiedenen indischen Religionen weit verbreitet ist und zugleich um eine Reinigung dieser Religionen von korrupten Elementen, die einer harmonischen zwischenmenschlichen Beziehung im Wege stehen. Im Kontext von Indien und Asien, der auch heute noch weitgehend geprägt ist von den Massen von Menschen, die in aufgezwungener Armut leben, ist Solidarität mit diesen Menschen, ausgedrückt in der vorrangigen Option für die Armen, gefordert. Als Moraltheologe versteht Fr. Arok seine Aufgabe darin, für die Wiederherstellung der Menschenwürde dieser Opfer am unteren Ende der Gesellschaft sich einzusetzen. Er ist überzeugt, dass er sein theologisches Arbeiten daran messen lassen muss, inwieweit er sich mit der konkreten Situation der Frauen, der ausgebeuteten Kinder, der landlosen Arbeiter, der Dalit und den diskriminierten Angehörigen der Stammesbevölkerung auseinandersetzt. Das bedeutet, sich für einen Wandel der indischen Gesellschaft einzusetzen, der nur durch zwischenmenschliche und interreligiöse Zusammenarbeit im Dialog mit allen positiven Kräften in den religiösen und gesellschaftlichen Gruppierungen erreicht werden kann. Für Fr. Arok war dies nicht nur ein Programm für theologisches Arbeiten innerhalb einer wissenschaftlichen Einrichtung, wie sie die theologische Fakultät Vidyajyoti darstellt. Fr. Arok war viel im Lande unterwegs zu Vorträgen und Schulungen sehr unterschiedlicher Gruppen von Menschen, die er mit seinen Ideen in ihrer eigenen Vorstellungswelt zu erreichen verstand. Eine wichtige Zielgruppe waren für ihn die Angehörigen der verschiedenen Stammesgesellschaften in Indien, für die er eine Reihe von Weiterbildungsmöglichkeiten geschaffen hat. Seine Solidarität mit den Opfern innerhalb der indischen Gesellschaft zeigte er konkret, indem er an den sozialen Aktivitäten der Studenten und des Lehrkörpers seiner Hochschule sich aktiv beteiligte, Schulungen durchführte und die Einsatzorte sozialen Engagements seiner Studenten besuchte. Er hatte auch keine Hemmungen, sich an Protestmärschen der Studenten und der Fakultät in den Straßen von Delhi zu beteiligen.

Die Kontextualisierung der Moraltheologie

Neben dem Bemühen um Abbau der gesellschaftlichen Spannungen sieht Fr. Arok eine weitere Herausforderung und Aufgabe für die Moraltheologie in der gegenwärtigen Umweltkrise, die Zeichen eines fundamental gestörten Verhältnisses zur Natur und zum Kosmos ist. Es geht für ihn darum, das in den indischen religiösen und kulturellen Traditionen ursprünglich gegebene harmonische Verhältnis zur Natur wieder zu entdecken und für eine erneuerte ökologische Praxis nutzbar und umsetzbar zu machen. Das beinhaltet, vom instrumentellen Ausbeuten der Natur abzurücken, um die Heiligkeit der Schöpfung als verpflichtenden Wert neu zu entdecken. Stärker als im Christentum sind diese Werte im Hinduismus, im Buddhismus und in den religiösen Traditionen der Stammesreligionen Indiens lebendig. Indische Christen sind daher wieder auf den Dialog verwiesen, um gemeinsam mit den Angehörigen der anderen Religionen sich der ökologischen Herausforderung zu stellen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Fr. Arok grenzt seinen theologischen Ansatz, den er mit vielen Theologen aus der Dritten Welt gemein hat, deutlich ab von einem in der westlichen Theologie oft vorzufindenden individualistischen Ansatz, der stärker auf eine autonome Ethik ausgerichtet ist. Bei der Entwicklung einer Ethik der Verantwortung für die Gesellschaft und der Umwelt legt Fr. Arok das Schwergewicht daher auf den Aufbau von harmonischen gesellschaftlichen und strukturellen Beziehungen. Methodisch bedeutet dies, sich nicht in erster Linie auf ein deduktives Vorgehen in der Moral einzulassen, sondern eine induktive Methode anzuwenden, die aus der Analyse aller gesellschaftlichen, kulturellen, religiösen Faktoren Handlungsmodelle für eine die Gesellschaft verändernde Praxis entwickelt. Dieses methodische Vorgehen impliziert zugleich auch eine ideologische Kritik an einer Interpretation der Wirklichkeit, wie sie in den vorherrschenden Philosophien, Religionen und in der Gesellschaft in Indien üblich waren und sind. Fr. Arok geht es um eine Kontextualisierung oder Verortung der Moraltheologie im Gesamt der Herausforderungen, der sich die indische Gesellschaft gegenwärtig gegenübersieht. Bei der gesellschaftlichen Neuordnung und Wiederherstellung der menschlichen Würde möchte Fr. Arok auf den im Hinduismus zentralen und fundamentalen Begriff des Dharma und die sich daraus abgeleiteten ethischen Leitlinien zurückgreifen. Schon in seiner Mitte der 1970er Jahre in Rom erstellten Doktorarbeit befasste er sich mit einer Analyse des Verständnisses des Dharma im Hinduismus und im Christentum, wobei er sich im Licht des II. Vatikanischen Konzils auf die Vorarbeiten seines italienischen Mitbruders Roberto de Nobili (1577–1656) bezog (vgl. Soosai Fr. Arokiasamy, Dharma, Hindu and Christian, according to Roberto de Nobili, Analysis of its meaning and its use in Hinduism and Christianity, Roma 1986). Fr. Arok ging es bei der Untersuchung des Begriffs des Dharma nicht in erster Linie darum, eine ideengeschichtliche Arbeit zu schreiben, sondern darum, sich das Rüstzeug für seine spätere Tätigkeit als Moraltheologe in Indien anzueignen. Auf der einen Seite wollte er als christlicher Moraltheologe nicht nur auf christliche Quellen zurückgreifen, sondern auch das reiche Erbe der hinduistischen Tradition nutzen, um eine kontextuelle Moraltheologie für das heutige Indien zu entwickeln. Angesichts der Vorherrschaft der Brahmanen, die ihre die Kastenordnung untermauernde Interpretation des Hinduismus als die einzig gültige Interpretation des Dharma hinstellten, konnte eine befreiende Moraltheologie, wie sie Fr. Arok vorschwebte, nur in einer kritischen Auseinandersetzung mit dem brahmanischen Verständnis der hinduistischen Traditionen verwirklicht werden. Zentrale Bedeutung gewann dabei für ihn der Begriff des Varna (wörtlich »Farbe«), der im Hinduismus gebraucht wird, um die Kastenordnung zu legitimieren, in der die Brahmanen die führende Stellung einnehmen und die anderen Kasten ihnen untergeordnet sind, während die große Zahl der Kastenlosen, die sich heute Dalit nennen, gänzlich außen vor bleiben. In der brahmanischen Rezeption ist der Begriff des Varna zur Untermauerung eines hierarchischen Gesellschaftssystem missbraucht worden, das unter Zuhilfenahme der Begriffe »Reinheit-Unreinheit« eine vertikale Gesellschaftsordnung etablierte, welche die unteren gesellschaftlichen Schichten ausgrenzt. Die Vorstellung einer hierarchischen Anthropologie widerspricht jedoch fundamental dem Begriff einer egalitären, die menschliche Würde eines jeden Menschen respektierenden Moral. Im heutigen Indien stellt sich für die Moraltheologie daher die große Herausforderung, die Würde gerade jener Menschen, die wie die unteren Kasten (Shudras) ans Ende oder wie die Kastenlosen (Dalit) außerhalb der hierarchischen Gesellschaftsordnung gedrängt wurden, wieder herzustellen. Ein Reformer der ersten Stunde, wie Bhimrao Ranji Ambedkar (1891–1956), der selbst als Dalit geboren war und sich um die Abschaffung des Kastenwesens – oft gegen den starken Widerstand Mahatma Gandhis – bemüht hat, vertrat die These, dass eine auf der Vorstellung des Varna beruhende Gesellschaftsordnung nie die Gleich- stellung aller Menschen herbeiführen könne. Fr. Arok möchte sich dieser radikalen Position nicht anschließen, sondern unter Beibehaltung einiger wesentlicher Grundideen der hinduistischen Dharma- und Varna- Lehren eine befreiende Moral für das heutige Indien entwickeln. Er plädiert daher dafür, das der Varna-Vorstellung zugrundeliegende Prinzip des Dharma beizubehalten, um eine die Würde aller Menschen respektierende Gesellschaftsordnung zu schaffen. Dem Begriff des Dharma liegt die positive Einsicht zugrunde, dass alle Menschen, alle Dinge und Wesen immer miteinander in Beziehung stehen. Wenn der Begriff des Dharma von der von den Brahmanen vorgenommenen Verengung auf ein hierarchisch verstandenes Beziehungsgeflecht befreit werden kann, dann kann es den Grundstein für eine egalitäre Gesellschaft sowie für eine ökologische Ethik in Indien werden. Eine christliche Moraltheologie in Indien sollte jedenfalls sich konstruktiv dieser kulturellen und religiösen Ressource bedienen, sie von ihren strukturellen Verformungen befreien, um im Rückgriff auf die humanistischen Traditionen Indiens eine neue Anthropologie und ökologische Ethik zu entwickeln.

Die befreiende Botschaft Jesu

Eine indische Moraltheologie müsste sich auch des Problems der in Indien vorherrschenden patriarchalischen Gesellschaftsordnung annehmen, die negative Auswirkungen auf die Stellung der Frau in der indischen Gesellschaft hat. In der patriarchalischen Gesellschaft Indiens wird die Keuschheit der Frau als hoher Wert herausgestellt und gleichzeitig als Instrument der Unterdrückung der Frau missbraucht. Wenn eine Frau vergewaltigt wird, wird sie und nicht der Täter geächtet. Die Diskriminierung der indischen Frauen ist nur ein, wenn auch sehr wichtiger und zentraler, Teil der Menschenrechtsproblematik im Lande. Andere Menschenrechtsverletzungen haben mit der Zunahme von Fundamentalismus und Radikalismus in den Religionsgemeinschaften zu tun. Das Phänomen des Kommunalismus, das heißt die einseitige Parteinahme nur für die eigene Gemeinschaft bei gleichzeitiger Frontstellung gegen alle anderen, führt zu immer größer werdenden Konflikten und Menschenrechtsverletzungen im Lande. Menschenrechte werden immer häufiger nur als die Rechte und Privilegien der eigenen Gruppe verstanden, die verteidigt und ausgebaut werden müssen, während das Verständnis für Menschenrechte als angeborene Rechte eines jeden Menschen, ungeachtet von Rasse, Kaste, und Religion, verloren geht. Fr. Arok verfolgt mit Besorgnis den wachsenden religiösen Fundamentalismus in Indien, der den von der indischen Verfassung garantierten pluralistischen und säkularen Charakter in seinem Bestand bedroht. Als christlicher Moraltheologe sieht Fr. Arok seine Aufgabe darin, die befreiende Botschaft von Jesus und die von ihm gelehrten und gelebten Werte der Königsherrschaft Gottes in einem dialogischen und befreienden Ansatz in die indische Gesellschaft zu vermitteln. Wer als Jünger Jesu diese Botschaft glaubhaft bezeugen und umsetzen will, muss sich in einer vorrangigen Option für die Armen und Unterdrückten entscheiden und sich für sie einsetzen. Schließlich ist Jesus die Verkörperung und das Beispiel einer befreienden und alles einschließenden Beziehung zu allen Menschen und Lebewesen. Dies nennt Fr. Arok das »Jesus-Dharma«, das er als geeignet ansieht, die in der indischen Weltund Gedankenwelt so tief verwurzelte Vorstellung des Dharma zu reinigen und mit neuem Leben zu erfüllen. Gegenüber den Kräften, die auf Zerstörung und Kampf setzen, hält er daran fest, »dass wir Christen nicht nur von unserem Glauben Zeugnis geben müssen und darüber, wofür er steht in Beziehung zu den anderen, ihren Religionen, ihren Traditionen und ihren Rechten. Aber vor allem besteht unser Beitrag darin, dass wir unsere Verpflichtung auf die Werte des Evangeliums, nämlich Gerechtigkeit, Menschenwürde, Freiheit, Liebe, Solidarität und Harmonie mit allen Menschen leben «. (Vgl. S. Arokiasamy, Emerging Demands of the Mission of the Church at the Turn of the Century, FABCPapers, no. 90, 13.).

Ordensmann, Theologe, Herausgeber

Soosai Arokiasamy wurde 1937 im heutigen indischen Bundesstaat Tamil Nadu geboren. Nach seiner Schulausbildung trat er 1957 in den Jesuitenorden ein. Neben der ordensüblichen Ausbildung in Philosophie und Theologie hat Fr. Arok auch einen Magistergrad in Naturwissenschaft an der staatlichen Universität von Madras erworben. Zunächst wurde er in der Ordensausbildung im Regionalseminar Arul Kadal in Madras im Bundesstaat Tamil Nadu eingesetzt. Fr. Arok war einer der Pioniere, die sich für den Gebrauch indischer Regionalsprachen, in seinem Fall der tamilischen Sprache, in der Ausbildung von angehenden Theologen und Seelsorgern einsetzten. In Rom hat er Mitte der 1970er-Jahre an der Gregoriana das Doktorat in Theologie gemacht. Ab 1978 begann er in Delhi an der theologischen Fakultät der Jesuiten Vidyajyoti als Moraltheologe zu unterrichten, ein Amt, das er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2002 ausübte. Neben seiner Lehrtätigkeit wurden ihm weitere wichtige Posten anvertraut. Einige Jahre war er Rektor der theologischenHochschule. Ab 1984 hatte er die redaktionelle Leitung der theologischen Zeitschrift »Vidyajyoti, Journal of Theological Reflection« übernommen, ein Amt, das er von seinem Mitbruder Fr. Jacques Dupuis übernahm, der als Professor an die Gregoriana in Rom berufen worden war. Zum Zeitpunkt seiner Emeritierung war er 18 Jahre lang Herausgeber dieser mit 3.800 Beziehern größten theologischen Zeitschrift, die mit 11 Ausgaben im Jahr eine weite Bandbreite von theologischen Themen behandelt.

Verfechter einer kontextuellen indischen Theologie

In der persönlichen Begegnung beeindruckt Fr. Arok durch seine Präsenz, seine Fähigkeit zuzuhören, die Meinungen anderer gelten zu lassen und die eigenen Überzeugungen klar und eindrucksvoll zu artikulieren. Seine ruhige und stetige Art befähigte ihn, seinen Studenten ein Vertrauen erweckender Lehrer zu sein, aber auch Leitungsfunktionen auszuüben und als Ratgeber zu wirken. Als Herausgeber einer in der indischen Kirche viel beachteten, geschätzten, aber auch oft kritisch gesehenen Zeitschrift half ihm sein ausgeprägtes Unterscheidungsvermögen, theologische Extrempositionen zu meiden, aber zugleich auch wichtigen neuen Gedanken ein Forum zu geben. Seit vielen Jahren ist Fr. Arok Mitglied in der theologischen Beratungsgruppe (OTC) innerhalb der Vereinigung Asiatischer Bischofskonferenzen (FABC). Wichtige Beiträge dieser Gruppe zu Fragen der gesellschaftlichen Verantwortung der Kirche in der Welt der Politik, zur Frage einer asiatischen theologischen Methode, der Religionsfreiheit und anderer Themen hat er entscheidend mitgeprägt. Für zwei Vollversammlungen der FABC (Manila 1995 und Bangkok 2000) hat Fr. Arok Grundsatzpapiere zur Sendung der asiatischen Kirchen angesichts der Herausforderungen der asiatischen Gesellschaften beigetragen, welche die Arbeit und Beschlüsse der Konferenzen entscheidend beeinflussten. Bei der asiatischen Bischofssynode 1998 in Rom hat Fr. Arok den indischen und asiatischen Bischöfen als theologischer Berater wichtige Dienste geleistet. Von großer Bedeutung war auch seine Arbeit zunächst innerhalb der Kommission für den Klerus und dann in der Glaubenskommission der indischen Bischofskonferenz. Der Aufbruch auf dem Gebiet der Theologie nach dem II. Vatikanischen Konzil hat zur Entwicklung vieler neuer Ansätze einer kontextuellen indischen Theologie geführt. Nicht nur das römische Zentrum, auch die indischen Bischöfe, hatten Schwierigkeiten mit einigen dieser theologischen Entwürfe einer eigenständigen indischen Theologie, die ihnen zu weit gingen und in ihren Augen die Grenzen der Orthodoxie zu überschreiten schienen. Als Sekretär der Glaubenskommission der indischen Bischofskonferenz organisierte Fr. Arok eine Reihe von Kolloquien für indische Bischöfe und Theologen, die zum Abbau der Befürchtungen seitens der indischen Bischöfen gegenüber den neuen theologischen Ansätzen beitrugen und generell für ein verbessertes Gesprächsklima zwischen Bischöfen und Theologen sorgten, sodass bestehende Konflikte in gegenseitiger Achtung ausgetragen und oft bereinigt werden konnten. In vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Bischof Gali Bali von Guntur hat Fr. Arok es verstanden, der indischen Bischofskonferenz und mehr noch den römischen Behörden der Glaubenskongregation und der Kongregation für die Evangelisierung die Notwendigkeit, die Berechtigung und die Eigenart neuer theologischer Entwürfe indischer Theologen zu erklären, Verständnis für sie zu gewinnen und die oft drohende Verurteilung von als zu weitgehenden Entwürfen zu verhindern und zwischen den betroffenen Theologen und der Kirchenleitung zu vermitteln. Fr. Aroks Einsatz, zwischen den Fronten zu vermitteln, hatte manchmal auch zur Folge, dass er selber Zielscheibe von heftiger und, angesichts seiner eigenen ausgewogenen theologischen Positionen, meist ungerechtfertigter Kritik wurde. In einer Würdigung der theologischen Arbeit des Moraltheologen und langjährigen Weggefährten hat Bischof Gali Bali die Persönlichkeit von Fr. Arok charakterisiert, indem er zunächst das japanische Sprichwort: »Ein freundliches Wort kann Wärme für drei Winter spenden«, anführte, um dann mit Blick auf eine andere hervorstechende Eigenschaft von Fr. Arok das englische Sprichwort hinzuzufügen: »Geduld ist eine Blume, die nicht in jedem Garten blüht«, um die Geduld und das Durchhaltevermögen dieses herausragenden indischen Theologen zu würdigen. Ein anderer Weggefährte, Fr. John Locke SJ, der als Sekretär der theologischen Kommission innerhalb der FABC Fr. Arok lange Jahre erlebt hat, würdigt sein Wirken so: »Fr. Arok ist Moraltheologe, aber seine Kenntnisse reichen weit über dieses Feld hinaus. Er verfügt über einen theologischen Scharfsinn, der fest in der Tradition der Kirche verankert ist und über ein Herz, das durch und durch asiatisch ist. Ständig treibt er andere an, den asiatischen Standpunkt nicht aus den Augen zu verlieren und den Blick auf die wirklich wichtigen theologischen Aufgaben der asiatischen Kirchen gerichtet zu halten, wobei sein Hauptaugenmerk die Berücksichtigung der Armen und an den Rand Gedrängten ist.« (John Locke, Fr. Soosai Arokiasamy, in: Vidyjajyoti 86 (2002), S. 578.)

GEORG EVERS
Missionswissenschaftler

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